JobAct® S.O.S.Ensemble Berlin

Teilnehmerin Marie L. berichtet

Stirb oder Spiel

Stirb oder Spiel - das ist der „Eye-Catcher“- Name des Ensembles der sozialen Kunst in Charlottenburg Wilmersdorf.

Jeder Mensch unter 25 aus Charlottenburg Wilmersdorf kann bei diesem Ensemble mitmachen. Dazu braucht es keine Ausbildung als Schauspieler oder Künstler (Wobei manche im Ensemble das mitbringen), man braucht nur Lust am Theaterspielen. Oder vielleicht nicht mal das, wie Sozialkünstlerin und mitwirkende Leiterin des Projekts, Rahel, sagt, „man muss nicht in der Stimmung sein zum Spielen, die Stimmung kommt beim Spielen.“

Seit ziemlich genau drei Monaten mache ich mit und bin Teil des Ensembles. Wir sind ungefähr acht junge Erwachsene zwischen 18 und 25 und drei mitwirkende Leiter des Projekts (In den Bereichen Regie, Sozialkunst, und Schauspiel), die uns künstlerische und soziale „Angebote“ machen, wie Sprech- Schauspiel – Tanz Unterricht und pädagogische Spiele. Es ist kostenlos, und man wird auch nicht bezahlt.

Vom ersten Tag an wurde ich offen aufgenommen und es war super einfach und schön, wie ich direkt in die Arbeitsprozesse integriert wurde. So läuft das grundsätzlich bei S.O.S., dass die Menschen, die neu vorbeikommen, direkt mitmachen und mitspielen, wenn es etwas zu spielen gibt.

Aufführung eines Stücks
Bei meinem Dazukommen war das Ensemble mitten in den Vorbereitungen für ein Stück, welches innerhalb von 2 Monaten aufgeführt werden sollte. Die Rollen waren teilweise verteilt und es gab einige Szenen und Performances mit Bewegung und Gesang.

In der Zeit des Probens habe ich viel gelernt. Schauspieltechnik, Stimmtraining, Bühnenpräsenz und vor allem Selbstbewusstsein. Nicht nur Selbstbewusstsein für das Spielen an sich, sondern besonders auch Selbstbewusstsein, weil es für mich das erste Mal war, so ein großes künstlerisches Projekt gemeinsam auf die Beine zu stellen.

Besonders die zwei Wochen Endproben waren für mich bedeutungsvoll. Die Endproben, das waren Proben von morgens bis Abends, 6 Tage am Stück. Bevor diese intensive Reise losging, hatte ich Angst vor der Intensität dieser Phase und habe mich gesträubt, aber mich dann trotzdem darauf eingelassen.

Für meinen Körper war es viel zu viel: Probe, Probe, Probe, und zwischen Probe und Probe nur Heimkommen und Schlafen. Keine Zeit zum Runterkommen. Wie eine meiner Kolleginnen sagte: Mein Körper lebt nur noch auf Adrenalin, ich merke gar nicht mehr, dass ich müde bin. Ein komischer, interessanter Zustand. Ich habe die Erschöpfung trotzdem bemerkt, aber die Leidenschaft hat mir immer weiter Energie gegeben und mich weitermachen lassen und das war spannend. Ein bisschen wie zwei Tage feiern im Club nur ohne Drogen. Ein Runterkommen am Ende des Projekts gab es trotzdem.

Es ist neu für mich, mich so zu überarbeiten aber gleichzeitig auch Spaß zu haben, und ein erfolgreiches spannendes Projekt zu stemmen. Ohne das zu erleben, hätte ich nie gewusst wie es ist, solch ein intensives künstlerisches Projekt durchzuziehen, und was für eine Befriedigung und welchen Spaß so eine Sache geben kann. Das war für mich ein mentaler Durchbruch. Das gibt mit viel Kraft auch für zukünftige ähnliche Projekte. Für die Zukunft fühle ich mich viel freier und habe die Angst nicht mehr, die mich davor oft blockiert hat, größere künstlerische Projekte und intensivere Arbeit anzugehen.

Berührend war auch, wie wir als Gruppe zusammenwuchsen in dieser Zeit. Ein Gefühl von Zusammenhalt und „Getragen sein“ war zwischen uns, auch mit all den persönlichen Emotionen, Gedanken, und Schwierigkeiten, die in dieser intensiven Probenphase bei uns allen aufkamen. Das war wahrscheinlich zu erwarten, kam für mich aber trotzdem überraschend.
Wir haben in der Gruppe mal darüber gesprochen, dass wir, wenn wir uns außerhalb des Theaters irgendwo kennengelernt hätten, vielleicht nicht wirklich gewusst hätten, was wir miteinander anfangen hätten sollen, einfach weil wir so unterschiedliche Menschen sind. Es ist eine Bereicherung, erlebt zu haben, dass wir doch so unglaublich gut als Gruppe und richtige Einheit funktionieren, einfach weil wir alle unsere komplette Energie in dieselbe Sache stecken.

Schauspiel
Schauspielern ist eine interessante Kunst, besonders wenn es einem Menschen viel Spaß macht wie mir. Wenn man spielt, kann man viel über sich lernen und entdecken, und viel zeigen.
Durch das Schlüpfen in Rollen habe ich über mich viel gelernt. Warum macht es mir so Spaß die Erhabenheit und Arroganz von Friedrich Schiller oder die Sinnlichkeit von Marie Zickwolf zu bespielen? Vielleicht weil diese Seiten auch in mir stecken, ich sie aber im Alltag nicht so oft zeige. Auf der Bühne findet dieser Ausdruck einen Platz.
Manchmal ist weniger mehr und beim Impro – Theater braucht es manchmal nur ein Wort als Input und auf der Bühne kann (innerlich und äußerlich) ganz viel passieren. Auf einmal fühlt man sich verletzlich, oder stark, oder wütend, oder man merkt wie man Schreien möchte, oder Tanzen oder Spielerisch sein. Die große Kunst bei der Improvisation ist vielleicht, neben dem Handwerk, die Hingabe an das was geschieht, das Mitgehen mit den Impulsen und Stimmungen die aufkommen. Das ist etwas, das kann man nicht erklären. Aber Impro – Spieler aus aller Welt berichten, dass ihnen die Erfahrung im Impro – Theater auch in anderen Bereichen des Lebens hilft, beim Kontakte knüpfen zum Beispiel, oder beim Bewerbungsgespräch.

Zukunft
A propos Bewerbungsgespräch, hier kommt noch etwas was das Jobcenter Charlottenburg Wilmersdorf, welches das Projekt großzügigerweise finanziert (!) ganz besonders freut an unserem Projekt ;-) Wir nutzen all die Kraft und kreative Energie, die freigesetzt wird durch das Theaterspielen - nicht nur für den Moment im Theaterspiel, sondern auch für unser Leben allgemein. Immer wieder kommen wir in den Genuss eines individuellen Lebensplans / Karriere / - Job – Coachings. Was wollen wir außerhalb des Projekts erreichen? Wie kommen wir dahin? Es gibt Zeit und Unterstützung dabei, diese Fragen zu reflektieren und ehrlich zu beantworten.

Es ist neu für mich, dass ich in so einem Jobcoaching wirklich individuell begleitet werde, mit den Wünschen und Bedürfnissen, die ich für meine Zukunft habe, und ich bin dankbar dafür, dass es kein 08 – 15 Coaching ist, welches zum Beispiel künstlerische Arbeit von vornerein als Berufswunsch mehr kompliziert macht, als es eigentlich ist.
S.O.S. ist also nicht nur Theater, sondern auch soziales Projekt. Soziale Projekte sind oft stigmatisiert leider. Man nennt uns offiziell bei der Beschreibung des Projekts die „schwer erreichbaren Jugendlichen“ was einigen aus dem Ensemble nicht besonders gefällt. Das ist schade, aber es ist vielleicht vor allem eine ungeschickte Beschreibung der Realität. Die Realität ist, dass Einige von uns kämpfen mit schwierigen persönlichen Situationen in der Familie oder finanziell oder innerlich. Ob man sich deswegen in irgendwo einordnen muss, wenn es einem nicht gefällt, kann man aber denke ich immer noch selbst entscheiden.

Selbstbestimmung – Teil Zwei des Projekts

Einen innovativer Ansatz der Selbstbestimmung gibt es jetzt in der – für mich- zweiten Hältfte des Projekts.“New Work“ könnte man es nennen.
Die Grundidee: Eigenverantwortung. So wurden wir Teilnehmer dazu eingeladen, unsere eigenen Bedürfnisse, und unsere Ideen für was wir mit der Zeit im Projekt anstellen wollen, einzubringen.

Die lange Liste von Ideen reicht von Schnipsel- Theater (Ein Theater – Stück aus individuellen Monologen, die die Schauspieler einzeln ausarbeiten, die dann zu einem gemeinsamen Stück zusammengefasst werden.) über Fußball Spielen, Impro – Theater und gemeinsam Lieder Jammen bis hin zu Sharing – Runden (oder Emo – Runden ), in denen wir unsere Gefühle und Gedanken miteinander teilen.

Aus unseren individuellen Bedürfnissen und Vorstellungen gestalten wir jetzt ein gemeinsames Ziel und Programm für die nächsten dreieinhalb Monate.
Unser Ziel: Dass wir alle Spaß haben. Und dass wir eine gemeinsame Performance kreieren, mit viel Raum zum Experimentieren zwischendurch.

Für die Planung des Programms und des gemeinsamen Ziels bedeutet das: Jeder Vorschlag wird genau unter die Lupe genommen, ob wir uns darauf einlassen wollen, und bei einem Veto wird der Vorschlag von der gemeinsamen Liste gestrichen. Für jeden Vorschlag wird genau untersucht, ob wir einen Weg finden, dass wir den Vorschlag so anpassen, dass alle zufrieden sind.

Die Tagesstruktur auf die wir uns geeinigt haben, ist: Morgens Gleitzeit für eine halbe Stunde; das bedeutet Zeit, uns persönlich auszutauschen, bevor es losgeht mit der fokussierten Arbeit - „Konzentrationsraum“ nennen wir das. Im Programm sind Warm Up, (zum Beispiel Tanzen oder Fitness-Workout ), Cool Down (zum Beispiel Meditation, Atemübung) und dann kreative Arbeit beziehungsweise kreatives Spiel.

Danke

Im Großen und Ganzen kann man vor allem sagen, was wir machen ist GEIL.
Danke Jobcenter Wilmersdorf, dass ihr dieses tolle Projekt unterstützt. Es ist zukunftsweisend. Wir brauchen mehr Projekte, die junge Erwachsene da abholen wo sie grade sind, ohne Vorurteile, in einem Rahmen, wo man sein künstlerisches Potenzial entfalten kann und gefördert wird im Selbstausdruck und damit, wo man im Leben hinwill.

(Nur) eine Kritik:

Woyzeck – Inszenierung JobAct

Mord im Westend – „halten Sie die Augen auf“ tönt die vom „heute ist nicht alle Tage“ Pink Panther informierte Polizei auf einem Neu‐Westender Anwesen. Dann jagt die sich rührend kümmernde, teils strenge, teils hilflose Krankenschwester nicht nur die Patienten, sondern auch uns, die Beobachter des Geschehens, zur Musiktherapie in das Klinikinnere.

In der Sturm und Drang Klinik werden die Stars der deutschen Romantik (Goethe, Lenz, die Gebrüder Grimm und andere), schöngeistige Dichter und Maler auf Entzug, mal mit Licht mal mit Musik therapiert, gründen eine Band und feiern sich selbst. Soweit so gut.

Aber was passiert wenn der jüngst aus dem Exil gekommene Neupatient Georg Büchner sie fast schon nötig mit ihm seinen unfertigen Woyzek zu spielen?

Dann geht die Post ab (die dann später auch wirklich kommt!)

Fotos: Michael Bennett

Zunächst weigern sie sich, wollen lieber musizieren und die Sonne begrüßen. Nach und nach erliegen sie jedoch seiner direkten Art. Noch zaghaft verteilen sie die Rollen, spielen den Franz, den Andres, die Marie, den Tambourmajor, befragen, hinterfragen sich selbst, versuchen sich zu behaupten und fallen immer wieder in Ihre Muster zurück. Aber sie ahnen bereits, welche dichterische Kraft das Werk hat. So bleibt es dann auch bei Ihrer hilflosen Gegenwehr mit Plagiatsvorwürfen und dem Preisen des eigenen Werks.

Doch als sie erkennen, dass Büchner der neue Megastar am Schreiberhimmel ist, der sogar als Stargast in der DDD Show eines androgynen Moderators auftritt, werfen sie sich mit teils chaotischer Inbrunst in dieses Unterfangen und spielen ihn durch den Woyzeck, bis zum bitteren und für Marie tödlichen Ende. Nur unterbrochen von einigen Individualtherapien, zu denen sie die fortwährend um Ordnung bemühte Krankenschwester einzeln „abführt“.

Dann liegt sie da die Marie und die Polzei muss das Haus durchsuchen, sammelt alle Anwesenden im Vorgarten der Klinik, zählt und berichtet.

Marie erscheint als untote Lichtgestalt und verkündet, dass Theater genau so sein könne, und dann dämmert es auch dem letzten (Polizisten), dass das hier alles nur Theater war.

Und Bettina von Arnim spielt den märchenhaften Schlussakkord: „Und wenn sie nicht gestorben sind, … Was dann folgt ist tosender Applaus, sind Bravo Rufe für eine Inszenierung und für ein Ensemble, das viel mehr ist, als
ein kreatives Sozialprojekt.

Alleine schon die Idee einer Klinik voller Romatikpromis als Patienten, die den Woyzek unter Anleitung Büchners spielen ist grandios, aber wie das jobact Ensemble das umsetzt schlägt vieles, was man auf deutschen Bühnen sehen kann. Jede einzelne Rolle ist perfekt besetzt und unsere Romantikstars lassen sich völlig in Ihre Rollen fallen. Manchmal merkt man, dass das eine oder andere nicht perfekt sitzt, jedoch begeistert und trägt die immense Spielfreunde der Akteure das gesamte Stück ‐ ohne Längen zu haben ‐ über die knapp 100 Minuten.

Wie der bespielbare Raum der Klinik genutzt wird, wie sich nahtlos Szene an Szene reiht, wie die Dynamik des Sturm und Drang erlebbar wird, das alles ist ein großes Verdienst des Ensembles. Und vor allem verliert man niemals den Bezug zum „Ur‐Woyzeck“ und kann sich trotzdem an den schauspielerischen Leistungen und den vielen kreativen Ideen der Inszenierung erfreuen.

Ich habe es mir zweimal angesehen und mich über jede doppelte ;‐) Minute gefreut.

Mein Fazit: „Bravo!“

Auszeichnung vom Bundesministerium

Das 'S.O.S. – Stirb oder Spiel JobAct® Ensemble' erhält eine Auszeichnung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und legt einen fulminanten Auftritt beim Theatertreffen der Jugend hin.

Zur Facebook-Seite des Theatertreffens

Das Festivalplakat und unsere Urkunde:

Unser Eintrag in der Festivalzeitung des Theatertreffens der Jugend in Berlin:

Diese Jugendlichen hat der Ruf der Musen erreicht!

Bericht von Anne-Kathrin Holz (Jury Theatertreffen der Jugend 2019)

JobAct® gibt es in vielen Städten, es sind geförderte Projekte, deren Inhalte vom Bewerbungstraining bis zum Kunstprojekt reichen und bei denen sich Menschen in schwierigen Arbeits- und Lebenssituationen neue Chancen in gemeinsamer Arbeit mit Profis erschließen können.

In Berlin riefen, im Auftrag der Musen, die Projektfabrik und die Schule der Sozialen Kunst junge Leute auf, die unter 25 Jahren sind und aus Charlottenburg-Wilmersdorf kommen, in einem sozialkünstlerischenProjekt mitzuwirken. 25 Jugendliche haben sich gemeldet für ein Theaterprojekt, das sie ernst nimmt und ihre Interessen und Kompetenzen hervorzaubert.

Sie sind Teil eines kreativen Teams geworden, in dem sich jede*r auf die*den andere*n verlässt, eine*r für die*den andere*n ein*e Coach*in sein kann.Das JobAct® S.O.S. Ensemble Berlin, das sind keinesfalls Jugendliche, die das Theaterspielen quasi schon immer im Kopf hatten. Das sind nicht junge Leute, die bereits mit sieben Jahren einen Drang zur Bühne verspürten oder schon immer den Wunsch hatten, sich mit großer Theaterkunst, dramatischen Stoffen, gar Regiekonzepten und dramaturgischen Kniffen zu beschäftigen. Die Mitglieder des JobAct® S.O.S. Ensembles Berlin sind vielmehr Jugendliche, die verschiedentliche Kämpfe im Leben führen müssen. Diese Jugendlichen hat der Ruf der Musen erreicht.Für sie hieß es nun tägliches Theater-Training, viel Gemeinsamkeit, große Herausforderungen durch ungewohnte Teamarbeit. Und so haben sie gelernt, nicht nur mit-einander gut klarzukommen, sondern auch über sich hinauszuwachsen.

Über Monate hinweg, Schritt für Schritt, gelang es ihnen, gemeinsam mit ihrer Regisseurin, einem Sozialcoach und einem Sozialkünstler, die ihnen stets fordernd und fördernd zur Seite standen, einen Theaterabend zu entwickeln, der unfassbar komisch daherkommt, ein irres Spiel mit dem Blauen in allen Theaterdingen präsentiert, in dem mit hässlichen Perücken und stöckelnden Damenschuhen, mit Stockkämpfen und rasanten Kostümwechseln der Komödie des Molière zu Leibe gerückt wurde. Und wenn man anfangs noch dachte, warum nehmen sie sich denn ausgerechnet diesen fernen Stoff, der im barocken Hofzeremoniell und der Künstlichkeit höfischer Umgangsformen zu Hause ist, warum dieser in Versen gesetzte formstrenge Text, der sich einem einfachen Zugriff, einem schnellen Verständnis verweigert, dann bemerkt man schnell, dass die scheinbare Ferne die Suche nach den Brücken ins Eigene der Spielenden provoziert.

Verstellung und Lüge, mit der sich die Figuren des Molière permanent auseinandersetzen müssen, um mit ihresgleichen zurecht oder eben nicht zurechtzukommen, sie finden sich wieder in den Selbstoptimierungs-strategien und der Selbstinszenierungssucht, die Jugendliche heutzutage, verstärkt durch die ständige Präsenz der Sozialen Medien, durch Snap-chat, Instagram und Facebook, nicht nur kennen, sondern in deren Einfluss sie erwachsen werden.Das Ensemble trumpft auf mit klaren dramaturgischen Entscheidungen,heftiger Spielfreude und einer durchlässig wirkenden Spielweise, die die einzelnen Spieler*innen in ihrer Persönlichkeit und Individualität stets sichtbar bleiben lässt.
 
Herzlichen Glückwunsch!

Das Ensemble über sich und die Produktion

K A T E Wir trafen das erste Mal im März 2018 aufeinander. Die Spielleiter*innen auf die Schauspieler*innen.

Z I O N Ich muss unweigerlich an den Moment denken, in dem ich das signalrote Emblem des S.O.S. Ensembles entdeckte, wie ein Rettungsring schien es mich an, als ich im grauen Meer des Jobcenters auf ein nächstes sinnloses Gespräch wartete. STIRB ODER SPIEL. So essenziell, so echt. Mein Blick heftete an dem Flyer. Leben durchzuckte mich. Hoffnung flammte auf. Könnte ich dort womöglich hingehören?!

K A T E Zu diesem Zeitpunkt war uns aber noch nicht wirklich bewusst, dass wir in den kommenden Monaten tatsächlich und ganz wirklich in die Rollen echter Schauspieler*innen schlüpfen würden und uns dies sogar auch gelingen würde. Es ging viel eher darum, einen Ort für „die Jugendlichen“ zu schaffen, die sonst überall rausfielen.

Z I O N Unsicher und gespannt betrat ich unseren Trainingsraum. Die Tage und Wochen vergingen und mit jedem Tag, den ich mit dem Ensemble verbrachte, wuchs meine Gewissheit, dass es noch mehr Menschen gab, die sich so fühlten wie ich. Ganz gleich, aus welchem Leben sie kamen. Die Proben wurden zu einem Raum der Begegnung und des Wandels. Es war ein Suchen, doch nicht mehr allein.

K A T E Was mit der Zeit daraus wuchs, war sehr beeindruckend für alle Teilnehmenden. Es bildete sich ein wirkliches Gefühl füreinander.

Z I O N Es wurde zu einer Herausforderung und gleichzeitig zu einer Belohnung. Denn jede*r von uns brachte ihr*sein eigenes Päckchen an Erfahrungen und Geschichten mit, an denen man sich stoßen konnte, von denen man aber im weiteren Verlauf einige doch als Geschenk verstand. Denn nicht alles ist so, wie es scheint.

K A T E Spannend wird es dann, wenn man Interesse, später Begeisterung für den ausgewählten Stoff entwickelt.

Z I O N Molière, hieß es, würde uns nun leiten und ich war erstaunt, wie gut es ging, ihn als Teil der Gruppe zu etablieren. Wir erforschten seine Worte und Ansichten. Sie brachten uns zum Nachdenken und auch oft zum Schmunzeln, denn mag dieses Stück auch noch so alt sein, wir fanden uns oft genug in ihm wieder.

K A T E In der Figuren-Entwicklung des Alceste und auch der Ariane Mnouchkine verstand ich auf anderem Wege, wie viel die Zeit von Molière’s „Menschenfeind“ und auch die Zeit der Ariane Mnouchkine mit unserer Gegenwart gemein hat. „Der Menschenfeind“, der uns die Geschichte eines Mannes näher bringen soll, der die Oberflächlichkeit und das ständige untereinander Intrigieren kaum mehr erträgt und aus der gesellschaftlichen Anpassung ausbrechen will. Der zu Molière’s Zeiten bekannte Blaue Salon, der dazu diente, sich miteinander auszutauschen und zu vernetzen, spiegelte mir immer wieder Parallelen zu unserer Gegenwart und Gesellschaft wider, die sehr von den Sozialen Medien geprägt sind. Kaum ein Mensch wacht morgens auf und sucht nicht gleich schlaftrunken nach seinem Smartphone. Es ist fast schon undenkbar, nicht ständig und überall möglichst über alles informiert zu sein. Ob Unterschiede gemacht werden zwischen den „echten“ oder den „falschen“ News, ist nicht einmal voraus- gesetzt. Es geht vor allem ums Dazugehören. Was Wirklichkeit ist und was Illusion, ist nicht mehr sichtbar. Grenzen verschwimmen ineinander. Echte Begegnungen sind kaum mehr möglich. Alceste, der immer wieder mit der Selbstidealisierung anderer konfrontiert wird, fühlt sich unweigerlich verloren und kämpft wie ein lautes Kind gegen diese ihm auferlegte Illusion von Beziehung und Begegnung an.

Z I O N Das Ensemble und das Stück „Der Menschenfeind“ brachten mir den Gedanken näher, aufgeschlossener an Dinge oder Menschen heranzutreten. Denn auch in den unbeliebtesten Charakteren schlummert doch ein echter verletzlicher Herzensbeweggrund. Ich denke, das hat meine Sicht auf viele Situationen verändert.

K A T E Die Figur Ariane Mnouchkine, die uns im Laufe der Inszenierung und der Ensemble-Bildung immer wieder begleitete und uns eine interessante und reflektierte Sicht aufs Miteinander schenkte, machte die Produktion des „Menschenfeind“ zu einer Erfahrung, die über uns hinausging.

M N O U C H K I N E Das Theater ist mehr als ein Ort, wo man an der Kasse gegen Geld eine Vision bekommt und damit zurück nach Hause geht. Es ist ein Ort, wo die Welt sich neu erlebt und neu denkt. Ein Ort, wo die Welt sich transformiert. Im Theater können die Transformationskräfte beschworen und aufgeteilt werden. Und so breiten sich diese Kräfte auf eine bescheidene und mysteriöse Art in der Welt aus.

Z I O N Don’t judge, accept! Das ist mein persönliches Motto, wenn ich an die Ensemble-Arbeit denke. Sich als ein Teil der Gruppe zu sehen. Eine Gruppe zu haben, in der jedes Mitglied gleich wichtig und richtig ist, hat mir den Mut gegeben, an neue Ziele zu glauben.

K A T E Stirb oder Spiel halt.

Z I O N Stirb oder Spiel. Der Moment, in dem du hinter der Bühne stehst und dein Herz so wild schlägt, dass du meinst, es springt dir jeden Moment aus der Brust, und dann ist es so weit. Ihr fasst euch an den Händen und schaut euch noch einmal in die Augen, dir ist nach Weinen und Lachen. All der Stress ist vergessen, alles ist jetzt, du siehst in die Runde und bedankst dich im Stillen, und du weißt, du bist nicht allein. Du wirst zum Wir, und wir sind ein Ensemble.

Das Plakat zur Premiere in 2018

Finale!

Erfolg für MENSCHENFEIND

Ein Traum wird war!

Das JobAct® S.O.S. Ensemble hat es tatsächlich geschafft. Wir sind beim Theatertreffen der Jugend Ende Mai 2019 dabei! Wir freuen uns unglaublich und bedanken uns fürs Daumendrücken!

Mehr Infos hier:
www.berlinerfestspiele.de/de/theatertreffen-der-jugend/programm/programm-2019/auswahl/auswahl.html

Das JobAct® S.O.S. Ensemble
SUCHT noch 5 Schauspielbegeisterte!

  • Du bist unter 25?
  • Du willst über dich hinauswachsen?
  • Du spielst, sprichst, singst, tanzt gern oder machst Akrobatik?
  • Du willst Teil einer Gruppe sein?
  • Komm vorbei oder ruf uns an: 01631457643

Wir bieten ab März - 8 Monate lang - täglich:

  • Schauspieltraining
  • Einzelcoaching
  • Arbeit mit Vollprofis aus Tanz, Musik, Theater
  • Teilnahme-Zertifikat (bei regelmäßiger Teilnahme)
  • Theateraufführung im Juni 2019

Nach unserer grandiosen ersten JobAct® S.O.S. Ensemble Premiere im Oktober trainieren wir wieder jeden Tag von 10 - 14 Uhr, wie immer im Jugendtreff EICHE, Eichenallee 47, 14050 Berlin (U2 Neu-Westend).

Eine Regisseurin, eine Sozialkünstlerin, ein SozialCoach. Wir werden künstlerisch mit dir arbeiten. Du wirst deine individuellen Schwierigkeiten angehen und im besten Fall überwinden.

Das ist wie 'ne Weltreise, nur im Innern. Gönn' dir!
Zitat eines Teilnehmers

KUNST. Hallo Jugend. Ich weiß, du bis Gold wert. Ich will deine Flamme brennen sehen.

JUGEND. Hallo Kunst, was willst du von mir? Ich hab genug Probleme!

DEPRESSION. Hallo Jugend, ich bin die Antwort auf die allgegenwärtige Sinnlosigkeit des Lebens!

JUGEND. Hallo Depression, ich kann dir nicht widerstehen, du bist meine Krankheit. Schon seit längerem. Ich hab Dich lieb gewonnen.

KUNST (kitzelt die Depression, richtet sich an die Jugend). Papperlapapp, wach auf, stell den Wecker, steh auf einem Bein, du bist ein Unternehmer. Es gibt viel zu tun. Pack‘s an!

DEPRESSION. This is the end!

Foto: Rainer von Dziegielewski

Das sozialkünstlerisches Projekt in Berlin

„Stirb oder Spiel“

Im Oktober 2018 startete zum zweiten mal das JobAct® Ensemble „Stirb oder Spiel“ für junge Menschen aus Berlin Charlottenburg/Wilmersdorf. Das Ensemble ist ein sozialkünstlerisches Projekt der Projektfabrik nach §16h SGBII im Auftrag der JBA des Bezirkes.

Junge Menschen zwischen 15 und 25, vom Schulabbrecher bis zum Abiturient ohne Orientierung, arbeiten 9 Monate an der Inszenierung eines Theaterstückes.

Das Team (Regie, Sozial Coaching, Soziale Kunst, Projektleitung) übt sich im posen!

Team

Agathe Chion als Regisseurin, René Erler als Sozialcoach und Rahel Savoldelli als Sozialkünstlerin.

Das Team arbeitet täglich in der EICHE, Eichenallee 47, 14050 Berlin von 10.00 – 14.00 Uhr.

Unter 0163 1457643 oder sos_ensemble@projektfabrik.org erreichen Sie das Team, um einen Projektbesuch, eine Schnupperstunde oder ein weiterführendes Gespräch zu vereinbaren.