Was hat Gott gesagt,
als er die Welt erschaffen hatte
und seinen Blick
über das Ruhrgebiet schweifen ließ?
"Essen is' fertig!"
Die Daily-Ruhrpott-Soap.
Nach Originalrezepten, mit 365 Zutaten gekocht und serviert von Ralf Lilienthal.
‚Doc, wenn ich jetzt nich’ bald meine Schlaftablette kriege, dann schlaf ich noch von alleine ein!’
„Ja, mit diesem Satz fängt die Geschichte, die hier erzählt werden soll, eigentlich an. Aber vorher gibt’s noch, wie bei jedem guten Essen, Antipasti. Das Rezept haben wir immerhin Goethe abgeguckt: ‚Faust I’, der ‚Prolog im Himmel’ - ein Zwiegespräch irgendwo dort oben, zwischen Gottvater selbst und ‚Mister Fisto’, wie der Ruhrpott-Homer Adolf Tegtmeier, den Ewigen Widersacher genannt hat. Allerdings lassen wir den Boss selber in Ruhe und gucken uns zwei seiner Mitarbeiter an, Außendienstler, starren gerade in eine große, milchige Kristallkugel und sind ziemlich aufgeregt.
Wer ich bin? Etwas altmodisch gesagt, der ‚Spielleiter’. Ich erkläre ihnen, was sie nicht sehen und hören können. Manchmal, bevor es langweilig wird, greife ich auch ins Geschehen ein, kürze, wechsle den Schauplatz oder das Soap-Personal. Wenn man so will, bin ich der, der die Scheiben auflegt, nach denen getanzt wird. Ja, genau – eigentlich bin ich ‚Der DJ’!“
Der DJ: „ ... oh ja, ich sollte wohl noch ... . Also, es geht los! Wie ich schon sagte: ‚Prolog im Himmel’. Der Außendienst, Abteilung ‚Zusammenführung und Logistik’. Viel Spaß!“
**********
Anael: „Da sitzt ER! Nur noch zwei Stationen. Und auf dem Bahnsteig in Essen ist nich’ viel los!“
Zechiel: „Ja, schon, aber was ist, wenn SIE in einen anderen Wagen rein will? Außerdem muss ER in Essen aussteigen – wie soll das gehen?“
Anael: „Eins nach dem anderen. Wenn SIE die verkehrte Tür nimmt? Blockieren! Die anderen Türen auch – wenn sie dann vor ihm steht – öffnen wir!“
Zechiel: „Und dann?“
Anael: „Er steigt aus, SIE stolpert. Genau in seine Arme!“
Zechiel: „Ach nee, nich’ schon wieder. Seit der Sache mit der Postkutsche lässt du die Bräute immer wieder stolpern – 237 Jahre lang - wie langweilig!“
Anael: „Weißt du was Besseres?“
Der DJ: „Ja, Zechiel weiß, wie sie den jungen Mann aus der S-Bahn und die junge Dame am Gleis 11 des Essener Hauptbahnhofs am Neujahrstag 2010 zusammenbringen könnten. Das alte Spiel. Schicksal. ‚Wenn zwei füreinander bestimmt sind, finden sie unter allen Umständen zusammen...’. Gut. Okay. Das ist die Theorie. Aber die Praxis? Schwerstarbeit! Jetzt jedenfalls sind ER und SIE keine fünf Kilometer mehr voneinander entfernt. SIE schwebt dem Bahnsteig entgegen. ER lümmelt sich in den beschmierten Polstern der S-Bahn und versucht verzweifelt (und vergeblich) dem Gespräch eines ihm schräg gegenübersitzenden Pärchens n i c h t zu folgen.“
S-Bahn-Mitreisender: „ ‚Doc, wenn ich jetzt nich’ bald meine Schlaftablette kriege, dann schlaf ich noch von alleine ein!’ sacht’ er und guckt mich an wie eine Kuh, die auf ihr Heu wartet.“
S-Bahn-Mitreisende: „Nee komm’, Bärchen, das is’ erfunden! Oder Kabarett! Wahrscheinlich vom Stratmann.“
S-Bahn-Mitreisender: „Wirklich wahr! Du weißt doch, der Opa aus der ‚Inneren’, von dem ich dir ’n paar Mal erzählt hab’. War schon drei Mal bei uns. Staublunge und Bronchialasthma, kriegt kaum Luft, is’ aber zäh wie’n Schnitzel in der Mensa. Un’ wenn seine Schalker gewonnen haben, schleicht er sich heimlich auf’n Balkon und pafft zur Feier des Tages eine 29-Cent-Handelsgold – danach bellt er die ganze Klinik wach! Außerdem, wenn der ... . "
Der DJ: „Okay, drehen wir das Gespräch der beiden verliebten Jungärzte auf Lautstärkepegel-Null. Weggucken, jetzt küssen sie sich schon wieder. Wahrscheinlich schiebt unser jugendlicher Held - na ja, so ganz jugendlich ist er mit seinen 29 Jahren auch wieder nicht – also, er schiebt seine Skimütze über die Augen und macht sich und die anderen unsichtbar. Sein Name? Kuhn. Beat Kuhn. Aber auf den Vornamen sollten sie ihn besser nicht ansprechen! Im Sommer seiner Zeugung waren die Eltern Kuhn auf einer Verwandten-Hochzeit in Basel. Einzige Auslandsreise. Hat mächtig Eindruck gemacht und sich schließlich im Namen des Zweitgeborenen niedergeschlagen. Beat Kuhn ist Musiker. Akkordeon. Ziemlich gut auf der Quetschkiste, aber leben kann er nicht wirklich davon. Kommt gerade von einer Silvesterfête in Oberhausen, wo er für Tapas, Cocktails und einem Hunderter ‚bar auf Tatze’mit ein paar Kollegen die Bude ordentlich zum Wackeln gebracht hat. Wieso er das Pärchen nicht mehr angucken kann? Tut ihm zu weh! Weil er alleine ist, seit Weihnachten. Seine Freundin hat ihm nichts unter den Tannenbaum gelegt, dafür aber seine Sachen vor die Tür gestellt. Und einen neuen ‚Mitbewohner’ in Vatis Appartement hatte sie auch gleich im Schlepptau. Na ja, er ist dann zuerst für ein paar Tage einem alten Kumpel aus Recklinghausen auf die Nerven gegangen. Dann drei Straßen weiter bei seiner bekümmerten Mama untergeschlüpft. Und seit vorgestern hütet er das Einfamilienhaus seines großen Bruders, die beiden riesigen Molosser-Sabberschnauzen inklusive. Jürgen ist, wie jedes Jahr, auf Ibiza, wo er und die Blonde Beate das Jahr sicherlich standesgemäß mit Champagner begrüßt haben.
Ein Proll: „Hey Penner, kannst du nich’ aufpassen wohin du deine Nähmaschine schwingst?“
Beat K.: „Das is’ ein Akkor ... Äh, Sorry, ich wollte nicht ... “
Anael: .„Da guck dir das an! Die Tür geht auf und Sie steht direkt vor ihm! Verfl ... , warum muss der verschwitzte Typ ihn gerade jetzt ablenken. Los, guck SIE gefälligst an du Trottel!“
Zechiel: „Und SIE? Hat den Fagottkasten wie ein Baby umarmt. Guckt krampfhaft woanders hin. Bloß nicht aufdringlich sein eh? Oder was ist mit ihr?“
Anael: „Da. Weg. Abgefahren. Ich fass’ es nicht. Eine Woche Arbeit für nix! SEIN Musik-Job in Oberhausen, der verpasste Bus ... .
Zechiel: Und bei IHR! Die Magen-Darmgrippe im Kammerensemble, Mamas verstauchter Knöchel und überhaupt. Alles für die Katz’? Nich’ mal Überstundenzuschlag ham’ wir gekriegt.“
Der DJ: „Achtung, wir springen im Text! Daran müssen Sie sich leider gewöhnen. Eine Szene pro Tag ist verabredet. Wenn der Autor gut drauf ist, vielleicht auch zwei. Jetzt jedenfalls ist der 2. Januar 2010. Was man auch an dem großen Abreißkalender sehen kann, der dort hinten in der Küche über dem Brotschrank hängt. 2. Januar, ein Samstag. Jetzt ist es halb sieben am Abend und besagte Küche befindet sich im Erdgeschoss der ‚Villa Halde’. Komischer Name? Nicht wirklich. Schließlich steht der viergeschossige, heruntergekommene Kasten in Essen-Bredeney, keine fünf Kilometer Luftlinie vom Essener ‚Palazzo Prozzo’ des ollen Krupp entfernt. Und er gehört - kleiner Scherz des Schicksals - Erwin Kruppke. Neunundsechzig. Ehemaliger Kokereiarbeiter. Ehemaliger Sozialdemokrat. Und - durch eine völlig unerwartete Erbschaft – seit knapp drei Jahren Großhausbesitzer. Und weil Herr Kruppke, der in seinem Leben nicht allzu oft ‚Herr’ genannt wurde, Sinn für Ironie hat, hat er das namenlose, hässlichgraue Haus kurzerhand ‚Villa Halde’ getauft.“
Frida: „Elwiiirra!“
Der DJ: „Diese Stimme, durchdringend wie ein Buttermesser im Margarinetopf, gehört Frida Kokoschinski!“
Frida: „Elviiirra! Küchendienst!“
Kruppke: „Nu lass’ sie doch. Ich bin gleich mit den Kartoffeln fertich. Dat bissken Möhren und Zwiebeln schaff’ ich auch noch.“
Frida: „Nee, Kruppke. Geht nich’ um die Zwiebelringe, geht ums Prinzip. Samstach un’ Sonntach, da werde ich geholfen. Basta. Un’ heut’ is’ die schöne Elwira dran. Elwiiirra!“
Kruppke: „Ach ... , war doch grad’ so nett ... “.
Der DJ: „Ja, so ist Kurt Kruppke. Ein ungewöhnlicher Mensch. Hat einen kleinen Namen, aber ein großes Herz. Und ziemlich lang ist er auch. Sehnig. Geht vornüber, als wäre die Decke immer zu niedrig und sein Kopf schon zu oft dagegen geschlagen. Kruppke war siebenundsechzig, Rentner und schon vier Jahre Witwer, als die alte Frau Doktor Wambach starb und er sich eines Tages in seinem alten, knittrigen Pfeffer-und-Salz-Anzug zur Testamentseröffnung zwischen lauter Schnöseln und Zicken wiederfand. Haben gegrinst und ihn angestarrt, wie einen Orang-Utan im Kommunionsanzug und wohl gedacht: ‚Typisch die alte Dame, war schon lange nicht mehr richtig im Kopf.’ Als der Notar seine Ledermappe zugeklappt hatte, war ihnen das Witze machen vergangen. Kruppke, der jeden Samstag den Garten der Frau Doktor auf Vordermann gebracht und dabei stundenlang mit ihr gequatscht hatte, würde das seit Jahren leerstehende Elternhaus von Irene Wambach, geborene Bösenacker, bekommen. Und eine ordentliche Summe Bargeld - ‚für notwendige Reparaturen’ - noch dazu. Der letzte, böse Wille einer unbeugsamen Frau. Und Kruppke? Zuerst wollte er nichts von wissen. Verkaufen und das Geld auf den Kopf hauen? Warum? Das war nicht Kruppke-Art. Und in der Bösenacker’schen-Villa wohnen wollte er schon gar nicht. Bis sich nach ein paar Tagen und Nächten ein aberwitziger Gedanke in seinen Kopf schlich und dort festkrallte. ‚Eine Blaskapelle!’ dachte Kruppke, der seit über vierzig Jahren Posaune spielte. ‚Die Bude is’ groß genug für eine ganze Blaskapelle. ’Könnten zusammen drin wohnen. Und die gute Stube! Groß wie der alte Apollo-Tanzsaal, jede Menge Platz für Konzerte.’ Und dann hat er losgewühlt und Mieter gesucht. Und gefunden! Eine zweite Posaune. Zwei Trompeten. Eine Basstuba. Zwei mal Saxophon. Waldhorn. Tenorhorn. Klarinette. Und, weil es gut zu den anderen passte, ein Schlagzeug.
Frida: „Elwiiirra!“
Der DJ: „Ach ja. Nicht zu vergessen Frida Kokoschinksi, zweiundsechzig, der fünfte Schellenbaum vom Spielmannszug ‚Viktoria Wanne-Eickel’! Nicht grade ein hellleuchtendes Licht am Musikerhimmel, aber als gelernte Köchin und Hauswirtschafterin der unbezweifelte Tambourmajor der ‚Villa Halde’.
Frida: „Elwii ...!“
Elwira: „Bleibst du ruhig Mädchen, bin ja schon da, ‚’musste mir gerade noch die Haare fönen!“
Frida: „Na, dann mach’ man wacker. Kanns’ den Tisch decken. Klein-Krupp und ich ham’ hier in der Küche alles im Griff! Hey! Finger wech’!“
Der DJ: „Und so geschah’s. Frida Kokoschinski und Kurt Kruppke legten letzte Hand an, Elwira Rogowska, gelernte und ausübende Kellnerin, verwandelte den langen, zerschundenen Ebenholztisch in eine fürstliche Festtagstafel, während zehn zum Zerreißen gespannte Laienmusiker hinter ihren Wohnungstüren mit den Hufen scharrten und Fridas erlösenden, Viertel-Nach-Sieben-Sirenenschrei ,Essen is’ fertig’ kaum erwarten konnten.“
Elwira: „Milena, Schätzchen, steh auf. Es ist vier Uhr. Sonntag. In einer Stunde bläst Kruppke zum Angriff. Du musst was essen. Und duschen. Milena!“
Der DJ: „Ein willensstarkes Stück Mensch, die Milena Rogowska. Schlagzeug. Geboren in Essen vor siebzehn Jahren. Fünfzehn davon hat sie ohne ihren Vater verbracht und ist ganz gut damit klargekommen. Und ihre Mutter kennen Sie schon, Elwira, aus Krakau. Kellnerin im ‚Café Stadtwaldplatz’, zweiundvierzig, falsch rothaarig, falsch lockig und alles andere als schüchtern. Die zweite Trompete der ‚Blechbüchsenarmee’, wie Hannes Malinowski, Basstuba, Kruppkes ‚zwangsrekrutierte’ Combo getauft hat“.
Elwira: „Milena. Nun komm doch. Wir müssen um fünf unten sein. Husch!“
Der DJ: „Kruppkes ‚Fünf-Uhr-am-Sonntag-Termin’ – die Anderthalbstunden-Session der ‚Blechbüchsen’ nahte. Wegbleiben undenkbar! Es sei denn, man hätte beide Arme in Gips oder das Genick gebrochen. Und selbst das, sollte man sich zweimal überlegen.“
Elwira: „Milena, soll ich Dir einen Kaffee kochen?“
Milena: „Mama, schrei nicht so. Bitte. Ich hab’ Kopfschmerzen.“
Elwira: „Kann es sein, dass du heute nacht ein bisschen spät nach Hause gekommen bist?“
Milena: „Nicht so spät, dass mir nicht noch das Grinsegesicht über den Weg gelaufen ist!“
Elwira: „Sprich nicht so über Bruno, er ist ... na, ja, mein, also, ein ... Mann ...“.
Milena: „Ach, ich dacht’ schon er wär’ ein Pavian, nur dass Paviane ihren Allerwertesten hinten haben und nicht auf dem Hals.“
Elwira: „Milena!“
Milena: „Was? Außerdem stinkt er aus dem Mund, wechselt seine Socken zu selten und wenn ich nicht aufpasse, macht er mir immer den Breschnew mit mir!“
Elwira: „Was macht er?“
Milena: „Na, Politbüroumarmung und Bruderkuss – nur das seine Hand immer etwas zu tief nach unten rutscht. Ich weiß echt nich’ was du an dem findest?“
Der DJ: „Elwiras genießerisches Lächeln lassen wir besser unkommentiert. Während Mutter und Tochter ihre eigenen kleinen Erinnerungsfilme an den nächtlichen Herrenbesuch ablaufen lassen, kommt Bewegung in die Szene. Elwira hat die schweren schwarzen Vorhänge aufgerissen und das Zimmer mit milchigem Januarlicht geflutet. Als wenig später eine Welle kalter Luft durch das Fenster schwappt, kommt es zur Kapitulation.
Milena: „Ist ja gut, ich steh auf. Wo hab ich denn ... ?“
Elwira: „Was suchst du Kind?“
Milena: „Es muss hier irgendwo sein!“
Elwira: „Was hab ich dir gesagt? Wer keine Ordnung hält, verplempert seine Zeit mit suchen!“
Milena: „Von wegen! Ich suche nicht, ich finde!“
Der DJ: „Den Spruch hat sie von Picasso. Referat im Kunstunterricht. Und was sie da triumphierend in der Hand hält ist ihr I-Pod. Und das Ende des Gesprächs! Um-Ta, Um-Ta, Um.“
Elwira: “Milena? Hörst Du mich noch?“
Der I-Pod: Um-Ta, Um-Ta. Um.“
Elwira: „Gut. Schön. Du bist 17 und ich bin n u r deine Mutter. Also, warum rege ich mich auf?“
Lisa: „Ey, nich am Lack packen!“
Der DJ: „Lisa Ladugga. Saxophon. Reporterin (Zeitungskürzel ‚LiLa’!). Zweiunddreißig. Zierlich. Dunkelhaarig, Pagenkopf. Sehr weiße Zähne. Minirock, hübsche Beine in Wolle und Stulpen verpackt - sieht gut aus, weiß sie auch! ... . Hat gerade ihren roten ‚Spider’ aus der Garage gefahren und die Beifahrertüre geöffnet.“
Linus: „Aber ich wollte doch gar nicht ...!“
Der DJ: „Linus Schulte-Umberg (nicht Leinus, wie der von Charlie Brown!). Waldhorn. Student, Soziologie und Politikwissenschaft. Sechsundzwanzig. Schlacksig. Haare bis zur Schulter. Parka und ausgefranste Jeans. Klischee? Na ja, sieht so aus. S i e h t wirklich so aus!“
Lisa: „Weiß ich doch. Hat der dicke Otto Berger ständig geschrieen: ‚Nich’ am Lack packen!’ Der Vater meines besten Freundes. N’ Crazy Typ. Fuhr immer den neusten, ‚dicksten’ Renault. War ständig mit dem Polierlappen zugange und mit der Zahnbürste hat er die Radkappen bearbeitet. Wehe der Ball von seinem Sohn hat sich seinen Franzosenschlitten auch nur auf fünfzig Meter genähert!“
Linus: „Und du bist kein Autofreak oder wie? Dein Flitzer sieht jedenfalls nicht grad’ sehr vernachlässigt aus!“
Lisa: „Von dem hab’ ich geträumt seit Tante Bernadette aus Luxemburg uns besucht hat. Mit ihrem Alfa Romeo ‚Spider’. Eigentlich war sie gar keine richtige Tante. Mama und sie haben sich als Teenager in den Ferien kennen gelernt. War das eine schöne Frau! Außerdem klug und reich -alles selbst erarbeitet. Witwe. ‚Nee‚’ hat mein alter Herr immer gesagt, ‚die wär’ besser zuhaus’ geblieben. Die tut ihr nich’ gut!’ ... Na ja, der Spider, genau so einen wollt’ ich haben. Erste Modellreihe. 68’er. Hat vierzehn Jahre gedauert ... . Mensch, wie spät is’ das schon? Los steig ein, ich hab’ um elf einen Termin!“
Der DJ: „Keine zehn Minuten später sind die beiden schon auf der 52. Ist nicht grad ein großer Kirchgänger, Linus. Scheint aber nicht mehr viel zu fehlen, dann nimmt er seine schweißnassen Finger von den Ledersitzen und betet.“
Linus: ‚Ähm, meinst du, du könntest etwas langsamer ... ? Nee? Na gut. Wo fährst du eigentlich hin? Nicht zur Redaktion?“
Lisa: „Njet! Ab sofort bin ich Special Agent ‚LiLa’. Wegen Kulturhauptstadt 2010. Essen, plus 52 andere Städte. Macht eine Stadt pro Woche. Ein Interview, Stadtspaziergang und ’n bisschen Vermischtes. Ich sach’ dir, Junge, dass iss’ mein Durchbruch! Heute geht’s los mit Herdecke. War ich noch nie. Schau’ mer mal.“
Linus: „Super ... .“
Lisa: „Und du? Fährst’ zur Uni, in den Semesterferien? Oder ’nen Job?“
Linus: „ ’N Job. In Bochum. Bei Niemandt!“
Lisa: „ ‚Der Kasus macht mich lachen!’ Muss ja wohl heißen ‚bei Niemandem’ – aber Quatsch isses allemal!“
Linus: „Isses nich’! Detektiv Niemandt, mit ‚dt’ am Ende. Bin mal gespannt. Linus Schulte-Umberg als Sherlock Holmes? Der Typ braucht jemanden der unauffällig ist. Nicht grad’ ein Kompliment für mich. Aber wird ganz gut bezahlt.“
Lisa: „Gefallen Sie Dir?“
Der DJ: „Der Junge reißt seinen Blick von Lisas Strumpfhose los und wird rot bis unter die Mütze.“
Linus: „Äh, wieso? Nich’ grad besonders unauffällig was? Ja, sind okay! Autsch!“
Der DJ: „Das Mädel hat ihn in die Seite geknufft und grinst.“
Lisa: „Toller Detektiv!“
Klara: „ ... vor allem die Hemden! Wie im feinsten Hotel. Seine Tochter ist das genaue Gegenteil. Stopft alles einfach in große Plastiktüten und stellt es in seinen Schrank. Und das Bügeleisen! Is’ bestimmt älter als dreißig Jahre, Reisebügeleisen, in so einer braunen Kunstledertasche, die schon ’zig Mal genäht wurde. Ein bisschen erinnert er mich an Kruppke. Genauso lang und sehnig. Aber natürlich hat er keinen Pferdeschwanz. Und auch nicht Kurtis riesigen Siegelring ... .
Der DJ: „Oh ja, wurde auch mal Zeit für die ganz leisen Töne. ’S is’ noch nich’ lange Dienstag. Früh am Morgen, kurz nach Sechs. Klara Malinowski. Posaune. Sechsundvierzig. Krankenschwester. Mittelblond mit Strähnchen. Klein, kräftig - nicht dick! - sitzt mit einer Tasse Tee in der Hand in ihrem Korbsessel und schaut durch das doppelflüglige Ostfenster auf den sehr schwarzen, von einer Eiche begrenzten Himmel. Macht sie nach jeder Schicht. Und jedes Mal erinnert sie sich an etwas Besonderes. Schön oder traurig. Aufregend oder einfach nett. Sie erinnert sich laut. Erzählt es ihrem Mann. Und manchmal auch nur der Katze, die sich auf ihren Schoß legt und schnurrt.“
Hannes: „Hast’ du was gesagt, Kleines?“
Klara: „Nein, nein, schlaf weiter ... .“
Der DJ: „Hannes Malinowski. Baggerfahrer. Achtundvierzig. Basstuba, wie schon gesagt. Ein Kleiderschrank von Mann. Im Pass steht zwei Meter und fünf, wird aber immer weniger, wie wir alle irgendwann - dieses Jahr nur noch zwei Meter und drei. Dunkle, tiefschwarze, lockige Haare, starker Bartwuchs, sieht trotz ausgiebiger Rasur immer aus, als läge ein Schatten auf seinem Gesicht. Sehr dunkler Teint – ‚Hey, Grizzly, bissu’n Albaner oder was?’. Hände wie Bratpfannen, können aber mit dem Bagger echte Kunststücke vollführen. Jetzt liegt er noch im Halbschlaf, ein paar Meter von Klara entfernt. Seine Firma hat Winterpause, geht erst am nächsten Montag wieder los. Schläft weiter, wird aber langsam unruhig, weil seine Zeit da ist. Klara guckt weiter in den Himmel, während sie noch immer von dem hemdenbügelnden Opa auf der ‚Urologie’ erzählt.“
Klara: „ ... richtig knuddelig. Aber irgendwie ... schrumpelt er ... ? Manchmal zieht er eines seiner guten Hemden an. An Sonntagen sogar seinen rosa Schlips. Sein Hals sieht dann so aus, als würde er in dem weiten, steifen Kragen hin und her schlackern und abbrechen können ... .“
Der DJ: „Lassen wir Klara im Hintergrund leise weiter murmeln. Gute Gelegenheit mal einen Schritt zurück zu treten. Wo sind wir? Klar, Essen Bredeney, in der ‚Villa Halde’, vorher die Bösenacker’sche Villa. 1882 gebaut. Sockel aus französischem Sandstein. Stuckmarmor an der Fassade. Mayen-Schiefer auf dem Dach. Wurzelholzintarsien im Innern. Sind aber auch andere ‚Materialien’ mit verbaut worden, weniger edle: Gab im ersten Sommer einen Toten. Vom Gerüst gestürzt, der Arzt hat den Fusel gerochen, aber nichts gemeldet - die Witwenrente war auch so noch erbärmlich genug. Von weiter weg gesehen, stecken noch mehr Tote in den Fundamenten. Namenlose Menschen ohne Geschichten. Explodierte Dampfmaschinen. Heißes Öl. Gerissene Drahtseile – die ersten dreißig Jahre der ‚Bösenacker’schen Maschinenfabrik’ waren „abenteuerlich, echte Pionierzeit“, wie Heinrich Bösenacker Junior, Zigarre im Mund, zu sagen pflegte. Und sie waren ertragreich. Drei Villen, etliche Feriensitze und Yachten, eine große Jagd im Böhmerwald. Die Bösenackers und später auch die Meyfelders und Blattmanns haben ein halbes Jahrhundert und mehr nicht schlecht gelebt. Vorher? Weideland. Gutsbesitz. Familie Brockhausen, Broghausen, Brogehausen – je weiter man zurückkommt, desto bunter wird die Schreibweise. Lassen sich bis in die Klosterzeit zurückverfolgen. Vor den ersten Siedlungen? Hainsimsen-Perlgras-Buchenwald, hier und da Eiche und Ilex. Darunter die Böden und Gesteine der Ruhrsenke: Lehm. Ortstein. Sandstein. Flöz Katharina. Ton- und Sandstein. Die Flöze Zollverein 1-9. Waren mal tropische Sumpfwälder. Haben sich – C 14-Methode - vor gut 300 Millionen Jahre in der Warmzeit des Karbons ausgebreitet. Sind vom Meer überschwemmt worden. Wieder gewachsen. Wieder überschwemmt. Große Zeiträume, schwer vorstellbar. Noch vorher? Wir driften schon eine Weile als Teil der eurasischen Platte in Richtung Pazifik, führt dazu, dass im japanisch-indonesischen Inselbogen die Erde bebt und Lava hoch kocht. Aber das ist eigentlich nicht mehr Essen Bredeney – obwohl, den Bredenyern tät’s manchmal ganz gut sich dran zu erinnern!“
Klara: „Rück’ mal ein bisschen.“
Hannes: „Mmmh!“
Klara: „Hast du das gehört?“
Hannes: „Nee, was denn?“
Klara: „Das war doch ... ein Hahn!“
Hannes: „Undicht?“
Klara: „Quatschkopp! ’N echter, mit Flügeln und Kikeriki. Meinst du irgendwo in der Nachbarschaft ham’ sie sich Hühner angeschafft?“
Hannes: „Mädel?“
Klara: „Ja?“
Hannes: „Ich hab’ noch Urlaub. Du bis’ mir zu wach für die Uhrzeit. Kräht der Hahn früh morgens auf dem Mist ... dreh’ ich mich rum und es ist, wie es ist.“
Der DJ: „Eine ziemlich laute Fahrradklingel zeigt gerade, was sie drauf hat!“
Justus: „Hey Dad!”
Tillmann:„Mann, Justus, musst du mich so erschrecken?“
Der DJ: „Tillmann und Justus Rademacher, Trompete und Saxophon. Einundfünfzig und siebzehn. Alleinerziehender Vater und sein Sohn. Berufsschullehrer. Waldorfschüler. Ort: Frankenstraße in Essen. Zeitpunkt: später Nachmittag. Vater und Sohn sind mit ihren High-Tech-Rädern bergauf unterwegs. Der Vater ist ziemlich fit. Der Sohn, noch einen Tacken fitter, hat ihn von hinten eingeholt.“
Justus:„’Tschuldige, ich vergess’ immer das ihr alten Leutchen so schreckhaft seid!“
Tillmann: „Pass auf was du sagst!“
Der DJ: „Nicht dass Sie das falsch verstehen. Justus Satz war liebenswert ironisch. Und Tillmanns Antwort kam mit einem Grinsen. Die beiden fahren eine Strecke schweigend nebeneinander her. Solange, bis Tillman es nicht mehr aushält.“
Tillmann: „Und?“
Justus:„Und was?“
Tillmann: „Wie war’s?“
Justus: „Nichts Besonderes.“
Tillmann: „War er auch da?“
Justus: “Ja, schon, aber nur zum Essen. Ist dann die ganze Zeit in seinem Zimmer verschwunden.“
Tillmann: “Hat sie ... ich mein’ sollst du mir was ausrichten?“
Justus: „Nein, ich glaub’ sie will nicht, dass du überhaupt an sie denkst ... ich mein’, sie glaubt wohl, sie könnte sich unsichtbar machen oder so ... verstehst du?“
Tillmann: „Verdammt, sie ist aber nicht unsichtbar. Ich seh’ sie im Bioladen, in der Buchhandlung, auf der Straße. Und wenn du bei ihr warst, bringst du sie irgendwie mit. Wenn du bei ihr anrufst, ist ihre Stimme in der Wohnung. Ich krieg sie einfach nicht aus meinem Kopf. Wir waren dreiundzwanzig Jahre verheiratet. Und wenn es nach mir geht, wär’n wir’s heut’ noch!“
Der DJ: „Ist klar oder? Tillmann Rademacher ist ein ‚entheirateter’ Mann. Kam ziemlich plötzlich. Sommer 2008. Eine ganz bittere Sache. Fanden auch die da oben nicht so gut. Anaels und Zechiels Kollegen von der ‚Memo’. Gab einen ganz fetten Eintrag in Ina Rademachers Akte. Justus war seit einer Woche in Frankreich - Sprachreise. Tillmann und seine Frau saßen angeschnallt und abflugbereit im Flieger. Plötzlich bekam Ina Bauchschmerzen und verschwand noch einmal auf die Toilette. Als der Airbus Richtung Startbahn rollte, hat Tillmann es irgendwie gewusst: Er war alleine auf dem Weg nach Kreta! Fand dann auch in ihrem Rucksack einen Zettel. Nur ein einziger Satz: „Es tut mir leid, ich war zu feige.“ Fünf Stunden später – er saß noch im Bus auf dem Weg zur Ferienanlage - hatte seine Frau schon ihre Sachen gepackt und in Franks Transporter verladen. Frank Bender? Bis zu diesem Tag Tillmanns bester Freund. Und Inas Kollege in der Schule. Sie unterricht Handarbeit, er Werken – für viele Leute bestimmt so was wie ein Traumpaar. Für Tillmann allerdings ein Alptraum, aus dem er auch heute noch nicht wirklich aufgewacht ist.“
Justus: „Tillmann?“
Tillmann: „Was?“
Justus: „Ihr seid aber nicht.“
Tillmann: „Was?“
Justus: „Ihr seid nicht mehr zusammen. Und ich? Ich besuch’ sie einmal in der Woche. In der Schule seh’ ich sie fast jeden Tag. Was soll ich machen? Sie immer noch meine Mutter, egal ob das mit dem Flieger eine linke Nummer war und egal, was ich von Frank halte. Okay? Es tut mir echt Leid. Aber das Leben geht weiter ... . Scheiße, ich hör’ mich an wie ein Vater, der seinen Sohn tröstet, wenn die Freundin Schluss gemacht hat. Ich halt besser meinen Mund ... .“
Tillmann: „Nein, nein. Du hast ja Recht.“
Der DJ: „Jetzt schweigen sie wieder eine Weile. Kurz bevor sie bei der ‚Villa Halde’ sind, ist es Tillmann, der noch einmal den Mund aufkriegt.“
Tillmann: „Glaubst du ich hab’ was falsch gemacht? War ich ein schlechter Ehemann?“
Justus: „Tillmann!!!!“
Tillmann: „Nein, im Ernst. Oder bin vielleicht zu uninteressant? Finden Frauen mich langweilig. Oder spießig? Bin ich zu dick? Ist es meine Brille? Soll ich mir Kontaktlinsen besorgen?“
Der DJ: „Das sollten sie jetzt sehen! Justus hat so etwas wie einen Hustenanfall und steigt vom Rad. Und er lacht. Zuerst leise, dann immer lauter. Zum Schluss hält er sich den Bauch und hat Tränen in den Augen.“
Justus: „Du, ... du ... du meinst das nicht ernst oder?“
Tillmann: „Ja! Nein? Seit anderthalb Jahren hat mich keine Frau mehr angeguckt!“
Justus: „Hast du eine Ahnung! Gerade erst Silvester. Auf der Fête von Karl und Manuela. Wenn du nicht dauernd Trübsal blasen würdest ... du kriegst doch überhaupt nix mehr mit!“
Tillmann: „Wie? War da jemand der .. ich meine, hat sich etwa eine für mich ... .“
Justus: „’Türlich!“
Tillmann: „Wer denn?“
Justus: „Musst du schon selbst raus finden. Am liebsten würd’ ich mit dir einen Ballonflug über den Baldeneysee machen.“
Tillmann: „Wieso das denn?“
Justus: „Weißt du noch, als ich mir den Arm gebrochen hatte und nicht mit zum Landwirtschaftspraktikum fahren konnte? Du hast den Ballonflug gebucht. Und als wir oben waren, hast du über den See und die Wälder gezeigt und gesagt: ‚Justus, was immer uns auch passiert, Das Leben ist schön! Hat ziemlichen Eindruck auf mich gemacht!“
Tillmann: „Ehrlich ... ? Ey, was ist das denn?“
Der DJ: „Die Beiden stehen in der Einfahrt zur ‚Villa Halde’ und haben ein etwas ... eigenartiges Bild vor Augen. Hinter den mannshohen Eiben, rechts von der Haustüre, blinkt es in der Abendsonne golden zu ihnen herüber, während irgendwo dahinter ein eigenartiger Gesang ertönt.“
Justus: „Das sind doch ... Sternsinger! Wer hat denn die hierher bestellt?“
Tillmann: „Bestimmt nicht Kruppke, der alte Sozi!“
Der DJ: „Nein, die Sternsinger hat Kruppke nicht bestellt. Das war ... “.
Gräfin Zsófia: „ ... ich! Seit vierunddreißig Jahren die Heiligen Drei Könige bei mir sind gewesen jedes Jahr. Und auch nächstes Jahr sie werden wieder singen. Und Herr Kruppke wird von Türrahmen die Kreideschrift nicht streichen. Und wenn er ist der Hausbesitzer tausendmal!“
Der DJ: „Gräfin Zsófia Szigethy. Klarinette – die einzige Berufsmusikerin der Blechsbüchsen. Siebenundfünfzig. Klein, aber sehr aufrecht. Gefärbte schwarze, normalerweise zu einem strengen Zopf aufgebundene Haare. Reinweiße Bluse mit hochgeschlossenem Kragen.“
Jo-Jo: „Ich fand sie jedenfalls entzückend! He, zappeln sie nicht so rum! Ich schneide ihnen sonst noch in die Kopfhaut, Gnädigste.“
Der DJ: „Der zwölfte und letzte menschliche Bewohner der Villa Halde! Jo-Jo Graf – der Vorname wird mit weichem Zischen, also französisch ausgesprochen! Tenorhorn. Friseur mit eigenem Salon in der Essener City. Wohlgenährt-rundlich, aber nicht feist. Wenig Haare. Volle, weiche Lippen. Nicht sehr groß. Starker Rundrücken. Die silberne Hose sieht aus, als würde sie die ... , nun ja, Gegend um die Hüfte, ein wenig einschnüren. Das schwarze Hemd steht weit offen und gibt dem Blick auf eine unbehaarte Brust frei. Was? Na ja sicher, Jo-Jo ist schwul. Übrigens spielt sich das Ganze nicht in seinem Salon, sondern in der Villa ab.“
Gräfin Zsófia: „Ich freue mich, dass du für mich hast die Zeit gefunden! Denn heute ist mein ... “
Jo-Jo: „ ... Geburtstag. Ich weiß. Wieso haben sie uns das nicht schon früher gesagt?“
Gräfin Zsófia: „Warum? Jetzt sie wissen Bescheid. Basta!“
Jo-Jo: „Gut. Basta.“
Der DJ: „In den nächsten Minuten beschränkt sich die Konversation auf einige unverständliche Ausrufe der Gräfin, während Jo-Jo hin und wieder Wörter und Satzteile fast unhörbar vor sich hinmurmelt.“
Gräfin Zsófia: „Was du hast gesagt?“
Jo-Jo: „Oh. Wie bitte? Nichts, gar nichts.
Gräfin Zsófia: „Wer ist Greg?“
Jo-Jo: „Greg ist Greg. Und er ist mir egal!“
Gräfin Zsófia: „Ist dir nicht egal, Greg! Zittern deine Hände. Da!“
Jo-Jo: „Greg ist ... Gregor. Er ist mein Kompagnon. Er w a r mein Kompagnon. So was ähnliches jedenfalls.“
Gräfin Zsófia: „Und war dein F r e u n d?“
Jo-Jo: „Mmmh.“
Gräfin Zsófia: „Nix gut! Kompagnon ist Kompagnon. Und Freund Freund.“ Kumpanei ist Lumpanei!
Jo-Jo: „Was? Och, ist doch jetzt sowieso egal. Er ist ... ich bin alleine und ... ach ...”
Gräfin Zsófia: „Jo-Jo! Stehst du grade! Wenn die Welt ist schlecht zu dir, du musst den Kopf hoch halten. So! Kein Greg mehr da? D u bist noch da. Hast Hände zu arbeiten. Kopf zu denken. Und Herz für andere Greg. Greg will nicht Jo-Jo? Pech für Greg!“
Jo-Jo: „Ach, was wissen Sie denn? Wir waren ... im Februar wären wir drei Jahre zusammen gewesen. Und vorher? Immer werd’ i c h verlassen. Wissen sie eigentlich wie weh das tut? Ach woher denn!“
Gräfin Zsófia: „Pah! Buta kisfiu.
Der DJ: „Das ist ungarisch und heißt wohl ‚dummer Junge’. Oh, oh, sie sollten die Gräfin jetzt sehen. Der Körper wie erstarrt. Aber in den Augen lodernde Flammen. Ein feuerspeiender Eisberg! Und Jo-Jo? Ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um das Naturereignis auch nur zu sehen.“
Jo-Jo: „Hey, sitzen bleiben, wir sind doch noch gar nicht fertig ...!?“
Gräfin Zsófia: „S i n d wir fertig!“
Der DJ: „So, nun kennen Sie alle Bewohner der ‚Villa Halde’. Was man so kennen nennt. Trifft sich gut, dass jetzt Freitag Abend ist. Kurz vor Neun. Alle sind beisammen. Essen is’ nicht nur fertig, is’ schon abgeräumt. Pompöse Geburtstagsfeier für die Gräfin. Thront mitten an der riesigen Ebenholztafel der ‚Villa Halde’. Aufrecht wie ein Kürassier. Im schwarzen Männerfrack, schwarze Lederhandschuhe an den Fingern – nicht nur Kruppke sind die Augen aus dem Kopf gefallen, als sie die breite Sandsteintreppe heruntergeschritten kam.“
Elwira: „Achtung Tylmann, Kopf einziehen. Bier kommt und Wein. Ach ja und deine ... Bionade!?“
Tillmann: „Sag das nicht so komisch. Die schmeckt gut. Und sie ist g e s u n d!“
Frida: „Gesund? Sach’ ma’ is’ dat alles watte kenns’? Hätt’ nich’ viel gefehlt un’ du hätts’ die Fettaug’n ausse Bouillong geklaubt. Ker’, is’ nich’ oft Geburtstach’, lass dich domma’ geh’n an son’ Tach’!“
Tillmann: „Mensch Frida, wie oft soll ich dir noch sagen, dass meine Fettwerte zu hoch sind, der Doktor ...
Frida: „Der Dokter? Spaß iss’ dä beste Aazt! Wennse kein Spass beim Essen mä hass, kannse gleich dä Löffel abgem’.“
Tillmann: „Ich, keinen Spaß? Da lach ich aber.“
Elwira: „Psst, Tylmann. Nicht mehr antworten. Geht doch keinen was an, wenn du ’nen bisschen auf dich aufpasst!“
Der DJ: „Zack! Da guckt er nicht schlecht, der Tillmann, als er seinen Kopf zu Elwira umdreht, die mit dem Tablett in der Hand und einem prächtigen Oktoberfestdekolleté auf Nasenhöhe vor ihm steht und ihm gut zuredet.“
Lisa: „Sagt mal, warum tigert Kurti eigentlich die ganze Zeit durch die Bude? Kriegt der Kilometergeld? Macht einen ja ganz nervös!“
Klara: „Er hat’s mit dem Rücken. Manchmal geht’s, aber manchmal hat er höllische Schmerzen, dann rennt er durchs Haus. Wenn ich von der Nachtschicht komme, treff’ ich ihn schon mal in der Halle. Mit Nachthemd und Turnschuhen. Beim ersten Mal hab’ ich vor Schreck meinen Schlüsselbund fallen lassen. Er selbst hat übles Herzklabastern gekriegt!“
Der DJ: „Da, jetzt hat’s gescheppert. Ein Tablett voller Sektkelche.“
Frida: „Mensch Linus. Kannse nich aufpass’n. Die schön’ Sektgläskes. Hasse etwa ’nen Tattermann, biss do’ no’ jung!“
Hannes: „Linus macht das wie mein Vater. Hat er mir als Geheimtipp vor der Hochzeit mitgegeben. Am Anfang der Ehe öfter mal was Teures runterschmeißen, danach is’ Ruhe!“
Frida: „Un’ wat hasse gemacht? Wenn ich Klara wär, würt’ ich die’ Tatzen ga’ nich’ ärs’ anne’ Gläser lassen!“
Klara: „Glaub mir Frida! Die Tatzen kannst du an alles lassen.“
Der DJ: „Während sich Klara an die Schulter ihres Mannes legt, rollt Frida mit den Augen“.
Frida: „Pass auf, gleich fängtse’ am Schnurren. Ich glaub’ ich geh’ wohl besser inne Kombüse! Hey, Jo-Jo, nimm dä’ Kläffer vom Stuhl, Hunde gehöhn’ nich’ an’ Tisch!“
Jo-Jo: „Wenn sie nicht so phantastisch kochen würde ... ! Los, komm Momo, geh unter den Tisch. Mach Platz! Fein.“
Der DJ: „Momo ist ein Mops und eines von sieben Hautieren in der ‚Villa Halde’. Kruppke hat einen Papagei. Lisa und die Gräfin sind Katzenbesitzer. Justus hat eine Schlange und Milena ein Mäusepärchen. Außerdem lebt unter’m Dach der Villa eine Schleiereule und im Keller eine Erdkröte. Und ... die absolut größte und fetteste Hausspinne von ganz Bredeney.“
Linus: „Oh, nicht schon wieder. Wollte Frida nicht in der Küche bleiben?
Frida: „Hätts’ wo’ gärn’? Ich such’ den Kumpen mittä’ Tiramisu. Wo hab’ ich die nur ... ? Na, da brat mir doch einer ’nen Storch. Sitzt dat Mädken inne’ Ecke, sacht kein Ton und schauffelt dä’ Pudding in sich rein. Mach’se Fastenbrechen, oder so wat? Wo tu’se dat ganze Futter eigentlich hin, Milena? Bis’ doch nur’n Strich inne Landschaft. Ker, Ker, Ker ... .“
Milena: „Justus? Ich hab son’ komisches Rauschen im Ohr. Wie wär’s mit ’ner Runde Klavier?“
Justus: „Wär gut!“
Der DJ: „Und sonst so? Am Samstag, 9. Januar, sind bis um vier Uhr am Nachmittag zwischen Xanten und Hamm 102 Babys zur Welt gekommen, 156 Menschenkinder haben die andere Richtung eingeschlagen. Am Tag vorher haben sich 89 Paare vor dem Standesbeamten das Ja-Wort gegeben. Die 42 Scheidungen vor den Gerichten sind mit weitaus weniger Publikum über die Bühne gegangen. Für zwei Leutchen ist es noch immer nicht so weit. Kein Chance auf Heirat. Von Scheidung schon gar nicht zu reden. Und natürlich sind auch keine Kinder in Sicht – obwohl, es sind die künftigen ‚Kinder’, die dort oben in der Abteilung ‚Zusammenführung und Logistik’ Druck machen. Beat Kuhn haben wir schon kennen gelernt. Warten Sie mal ..., ja, der hat grade in der Fußgängerzone von Recklinghausen Akkordeon gespielt. War aber, bei Schnee und Eis, wenig los. Vierfuffzig in zwei Stunden – gerade mal ein Kaffeegedeck im Kaufhaus. Hat sich vom letzten Geld in seiner Hosentasche an der Bude weiße Gummimäuse gekauft und geht ‚nach Hause’, also zum Hunde hüten im Luxusbungalow seines Banker-Bruders Jürgen. Aber da ist ja noch jemand. SIE. Felicitas Schröder. Fagott. Und nicht etwa Laienmusikerin. Nein, das Mädchen, siebenundzwanzig, spielt bei den Bochumer Symphonikern. Außerdem in einem namhaften Kammerensemble. Fünf Schüler hat sie auch. Fleißige Person. Felicitas Schröder lebt noch bei ihren Eltern. Gutbürgerlich in Mülheim Speldorf. Der Vater Oberstudienrat a.D., Mathematik und Musik. Die Mutter Hausfrau, engagiert sich sehr stark in der Gemeinde, ist im Kirchenchor. Musik war eigentlich immer im Schröder’schen Haus. Cello der Vater, die Mutter Querflöte. Joachim, Geige - Nomen est Omen!- siebenundreißig, hat aber aus seinem 1,2 NC ein Zahnarztstudium gemacht. Franziska, Bratsche, fünfundreißig, Grundschullehrerin. Und Felicitas selbst, die Nachzüglerin, zuerst Klarinette, später Fagott - entsprach ihrer eigenen ‚Stimmung’ irgendwie mehr.“
Mutter Schröder: „Willst du noch einen Schluck Tee?“
Vater Schröder: „Felicitas?“
Felictias: „Wie, oh, Danke!“
Vater Schröder: „Danke ja, oder Danke nein?“
Felictias: „Danke was?“
Mutter Schröder: „Kind, wo bist du denn mit deinen Gedanken?“
Felictias: „Weiß ‚nicht. Nirgendwo.“
Vater Schröder: „Man kann nicht ‚nirgendwo’ sein. Hast du Sorgen?“
Felictias: „Leider nein!“
Vater Schröder: „Wie bitte? Du redest ... wirr. Schläfst du nicht genug?“
Felictias: „Was ist genug?“
Mutter Schröder: „Felicitas. Sollen wir mal mit Dr.Tiemeyer sprechen?“
Felictias: „Wieso willst du mit Dr.Tiemeyer sprechen?“
Mutter Schröder: „Nicht ich, wir, vielleicht hast du ... , ich meine ... wenn es die Nerven sind?“
Felictias: „Wie? Die Nerven? Nein, mir geht’s gut, leider. Versteht ihr nicht? Alles läuft prima, keine Sorgen. Ich bin die jüngste Musikerin, die je bei den Bochumer Symphonikern fest angestellt war. Ich habe liebe, fürsorgliche Eltern, wohne in einem gemütlichen, großen Haus im Grünen. War noch nie ernsthaft krank. Ich habe wirklich k e i n e Sorgen!“
Mutter Schröder: „Ja aber ...?“
Felictias: „Als Beethoven seine Neunte komponierte, war er taub. Der Schlusschor ‚Freude schöner Götterfunken’ ist von einem Mann gedichtet worden, der in seinem Erwachsenenleben vielleicht fünf Wochen lang ohne Sorgen oder Schmerzen war. Mozart ist mit 35 Jahren gestorben und war zwischenzeitlich arm wie eine Kirchenmaus. Aber sie haben echte Kunstwerke geschaffen ... !“
Vater Schröder: „Aber Felicitas, das sind doch ... große Künstler ... nein, versteh das nicht falsch, Ausnahmekünstler ... .“
Felictias: „ ... tut mir Leid, ich weiß auch nicht, was mit mir los ist ... .“
Mutter Schröder: „Sag mal was macht eigentlich dieser Georg? Du hast schon lange nichts mehr von ihm erzählt?“
Felictias: „Ach, Muttchen ... Georg, der Musterschüler? Das ist doch schon seit einem dreiviertel Jahr vorbei ... .“
Anael: „Da, hast du’s gehört!“
Zechiel: „Ja, wenigstens spürt SIE was.“
Anael: „Was sollen wir tun?“
Zechiel: „Wenn ich das wüsste!“
Anael: „Was sagt denn das Handbuch?“
Zechiel: „Was soll das blöde Buch schon sagen. Ist doch hoffnungslos veraltet. Die letzte überarbeitete Ausgabe ist fast neunzig Jahre alt. Damals haben die Kandidaten im gleichen Dorf gewohnt, oder im gleichen Viertel. Die konntest du blind verkuppeln! Aber heute?
Anael: „Es muss klappen, bei anderen klappt es doch auch!“
Zechiel: „Wenn uns nicht bald was einfällt, kriegen wir noch die Revision auf den Hals!“
Der DJ: „Sonntag früher Abend. Justus Zimmer. Der Junge steht mit dem Rücken zur Tür vor seinem großen Terrarium und hantiert darin herum, als es klopft.“
Justus: „Die Tür ist auf!“
Milena: „Hallo Justus, darf ich kurz reinkommen, mein Taschenrechner hat den Geist aufgegeben und ich hab’ gehofft ich könnt mir von dir .... ?“
Justus: „Klar, ich muss grade noch ... warte eine Minute!“
Milena: „Was machst du? Kann ich gucken?“
Justus: „ ’türlich. Aber keine hektischen Bewegungen. Das lenkt sie ab.“
Der DJ: „Vielleicht sollten sie, bevor die Szene weiter geht, noch wissen, dass Milena zum ersten Mal in Justus Zimmer ist. Und beide wissen nichts von ihren jeweiligen Haustieren ... . Genau!“
Milena: „Sie?“
Justus: „Justine. Aber den Namen hab’ nich’ ich ihr gegeben!“
Milena: „Klingt aber nett für ... e i n e S c h l a n g e???!!!“
Justus: „Eine Boa constrictor. Hab’ ich von meinem Opa geerbt. War ein richtiger Schlangenfreak. Da, jetzt hat sie sie endlich gesehen!“
Milena: „Wer hat wen gesehen?“
Justus: „Justine die Maus! Ist schon ein bisschen altersblind die Dame. Aber sie frisst nur Lebendfutter!“
Milena: „Waaas? Lebend f u t t e r? Hol sofort die Maus da raus, du Monster!“
Justus: „Hey, geh da weg, da, jetzt verkriecht sie sich unter den Stein. Sag mal bist du verrückt geworden?“
Milena: „Ich? Wie kannst du nur zusehen, wenn dein Monster die süßen Mäuse verschlingt? Die sind tausendmal intelligenter und, und ... menschlicher, als diese .... Justine! Hast du jemals gesehen wenn Mäuse spielen? Oder klettern? Oder an einem Möhrenschnitz knabbern? Hast du gesehen, wie sie mit ihren Jungen sind?“
Justus: „Nein. Hab ich nicht ... du scheinbar schon!“
Milena: „Ich? Natürlich, jeden Tag.“
Justus: „Das heißt ...?“
Milena: „Das heißt, dass du um mein Zimmer für alle Ewigkeit einen großen Bogen machen wirst. Hast du verstanden? Wenn Fritzi und Pauli deine blutbeschmierten Hände sehen, kriegen sie einen Herzinfarkt.“
Justus: „Blutbeschmierte Hände?“
Milena: „Du weißt genau, was ich meine. Mörder!“
Justus: „Hey, du wolltest doch meinen Taschenrechner ... . Rumms. Wolltest du nicht, hab’ ich verstanden!“
Der DJ: „Auf der anderen Seite hat Milena die Tür geschlossen und holt tief Luft.
Milena: „J u s t i n e! L e b e n d f u t t e r! Ich glaub’s einfach nicht!“
Was bisher geschah
Prolog, Woche 1 und 2:
Unsere Geschichte spielt im Ruhrgebiet, beginnt aber im Himmel. Anael und Zechiel, zwei Engel, haben die Aufgabe Beat Kuhn, aus Recklinghausen und Felicitas Schröder, aus Mülheim zusammenzubringen. Versuch Eins, auf dem Essener Hauptbahnhof, scheitert.
In Essen, im Nobelvorort Bredeney, steht auch die ‚Villa Halde’, der eigentliche Schauplatz unserer Story. In der Mehr-Generationen-WG der ‚Villa Halde’ leben: Kurt Kruppke, Frida Kokoschinski, Elwira und Milena Rogowska, Hannes und Klara Malinowski, Lisa Ladugga, Linus Schulte-Umberg, Tillman und Justus Rademacher, Jo-Jo Graf und Gräfin Zsófia Szigethy.
In den ersten Tagen lernen wir die beiden verhinderten Liebenden und das ‚Völkchen’ der ‚Villa Halde’ kennen. Erfahren. von Kruppkes Leidenschaft für Blechbläser, Elwiras und Milenas Meinungsdifferenzen über nächtliche Männerbesuche und über den Liebeskummer von Jo-Jo und Tillmann. Und das Felicitas zwar alles h a t, aber gerade deswegen unglücklich ist, erfahren wir auch.
Der DJ: „Morgens um halb zehn an der Haustür der ‚Villa Halde’. Kruppke hat einen Brief aufgerissen und steht leise lesend in der Halle.“
Kruppke: „ ... Testament wird also angefochten. Meine Mandanten fordern Sie daher auf, das Wohnobjekt ‚Bösenacker-Villa’ zu räumen. Sollte dieser Forderung nicht binnen Monatsfrist (laut Eingang Poststempel) entsprochen werden, behalten sich meine Mandanten weitere rechtliche Schritte vor. Mit vorzüglicher Hochachtung, Dr. Bernhard Gegenbauer, Rechtsanwalt und Notar.“
Lisa: „Hey Kurti, was biste da am Murmeln? Einladung vom Taubenzüchterverein?
Kruppke: „Ja aba’, dat könn’ die doch nich’ … . Wat? Ach du bis’et Lisa.“
Lisa: „Mensch du bist ja weiß wie deine Turnschuhe. Schlechte Nachrichten?
Kruppke: „Schlechte Nachrichten? Is ’ne Katastrophe!“
Lisa: „Nu komm schon raus mit der Sprache!“
Kruppke: „Die ‚Villa Halde’ - sie woll’n mir die Villa wechnehm’.“
Lisa: „Du meinst, sie wollen u n s die Villa wegnehmen! Aber wer denn?”
Kruppke: „Na wä’ wohl, die Aasgeiers, die der Wambach’schen schon zu Lebzeiten anne Schatulle wollt’n. Ihr’n Schwager, Nichte un’ Neffe, dat ganze Gesocks. Hat’ ja keine Kinder nich’ mehr gehabt. Glaubse’ von den’ Erbschleichern’ hätt’ früha’ ein’s nach ihr geguckt? Ham schon die Millions und dat andere große Haus. Un’ jetzt könn’ se dä Hals noch imma’ nich voll krieg’n. Drecksbande.“
Lisa: „Zeig mal das Schreiben! Unzurechnungsfähig soll die alte Wambach gewesen sein? Wenn der Rechtsanwalt clever ist, könnte das ’ne ziemlich gefährliche Kiste werden. Oh, Shit, ausgerechnet Gegenbauer! Der übelste Rechtsverdreher den du dir vorstellen kannst. Wenn der einen Auftrag annimmt, dann hat er jede Menge Geld gewittert!“
Kruppke: „Du kenns’ ihm?“
Lisa: „Ich war ’ne ganz Zeit Gerichtsreporterin. Da kriegst du einiges mit. ‚Beinhart’ Gegenbauer is’ beliebt wie Hundedreck , wenn er die Gegenseite vertritt, haben alle anderen Schiß.“
Der DJ: „Während Lisa auf die Uhr guckt und ihre große Tasche schultert, ist Linus fröhlich pfeifend die Treppe heruntergesprungen und steht jetzt erstaunt vor ihnen.“
Linus: „Nanu? Geht ihr zu ’ner Beerdigung?“
Kruppke: „Ach Linus ... .!“
Lisa: „Und du Meisterdetektiv ‚Unscheinbar’, unterwegs zur Arbeit?“
Linus: „Yes, Niemandt wartet auf mich!”
Kruppke: „Mach dich ma’ nich’ lustich’! Geht um die ‚Villa’. Is’ bald Schluss mit Posaunen un’ Trompeten.“
Linus: „Ich versteh’ nur Bahnhof. Was ist mit der Villa?“
Lisa: „Wart’ mal Linus. Du arbeitest für Niemandt und der ist Detektiv!?“
Linus: „Ja, aber könnt ihr mir vielleicht … “
Lisa: „Psst. Sag mal Kurti, Du hast doch auch ein bisschen Geld geerbt, oder?“
Kruppke: „Ja, Mädken. Wieso?“
Lisa: „Linus jobbt bei einem Detektiven. Und ich hätte da eine Idee ...!“
Kruppke: „Wat denn? Ker’, du machs dat aba spannend!“
Lisa: „Ich muss zur Arbeit. Ich werd mir mal Gedanken machen. Also bis heut’ Abend, ich schaff es nicht pünktlich zum Essen. Sorgt bloß dafür, dass mir Frida eine Portion zur Seite stellt!“
Kruppke: „Lisa?“
Lisa: „Ja?“
Kruppke: „Ham’wer ’ne Changse?“
Der DJ: „Wir sind im Garten hinter der ‚Villa Halde’, allerdings ist von dem herrschaftlichen kleinen Park der Bösenackers nicht mehr viel zu ahnen. Zugewuchert. Die Rhododendronbüsche an der Grundstücksgrenze sind an manchen Stellen gut sieben Meter hoch und bilden einen dichten Urwald. Vorne vor stehen: Wildrosen, Forsythien, Liguster und Kerrien – überall Triebe die sich auf den Boden gelegt haben und wieder angewurzelt sind. Jeder Strauch mit ein paar Metern im Durchmesser. Die meisten Brombeeren sind aber draußen. Abgeschnitten und ausgehackt. Vor allem Hannes hat im letzten Sommer mächtig gewütet. Geblieben ist immerhin ein Vogelparadies. Grünspecht, Zaunkönige, Goldhähnchen, sogar Nachtigallen hat der einzige Vogelkenner der WG - Öko-Tillmann - im Frühling gehört. Der ist auch jetzt im Garten. Hat Holz gehackt für den Kamin und seinen Dauerbrandofen, nachwachsende Rohstoffe - was tut man nicht alles für eine gute Energiebilanz (und für ein bisschen Vergessen durch Maloche). Jetzt ist es schon dunkel, aber er sitzt noch auf dem Hauklotz. Und schon rattern die Zahnräder im Kopf wieder los. Und die Getriebestange seines rechten Hebezeugs auch: Reißt das Handy aus der Jackentasche und tippt hektisch eine Nummer ein, die Tillmann auf einem winzigen Papier-Schnipsel notiert hat.“
Tillmann: „Ina? Ina! Leg nicht auf, ich bin’s, Tillm ... .“
Stimme aus dem Handy: „Bsbspbschphh ... .“
Der DJ: „Man hört nichts, außer einem Wispern und Zischen. Zu weit weg!“
Tillmann: „Nein, er kann nichts dafür. Ich hab’ mir die Nummer aus seiner Wahlwiederholung ... Nein, bin ich nicht. Aber wie soll ich denn sonst ... .“
Stimme aus dem Handy: „Bsbspbschphh ... .“
Tillmann: „Weiß ich. Ehrlich. Wollt ich auch gar nicht. Ich mein’, wir könnten doch einfach so, ohne ... wie Freunde ... manchmal ... .“
Stimme aus dem Handy: „Bsbspbschphh ... .“
Tillmann: „Nein, leg nicht auf ... Ina. Ina! Ina?”
Der DJ: „Kenn’n sie Rodins Denker? So ähnlich sitzt er jetzt da, auf dem Hauklotz, den Kopf auf die Hand, den Arm auf das Knie gestützt. Ein von den Jahren etwas zerrupfter Denker. Das – „lockig“ wäre wohl übertrieben, sagen wir also - das strähnig-gilbblonde Haar ermöglicht seit einiger Zeit einen fast kreisrunden Komplett-Durchblick auf seine Kopfhaut. Die dicke, den Kurzsichtigen verratende Brille sieht man nicht, aber sie ist da! Die Haut ... welk? Faltig? Alterndes Bindegewebe! Kein wirklich frisches Exemplar der Gattung Mann, aber ... ?“
Elwira: „Wer ist denn ... d u bist das Tylmann?“
Tillmann: „Was? Oh, Elwira. Es ist schon gut, ich, ähm, ruh mich etwas vom Holz hacken aus, geh nur schon rein. Essen is’ fertig?“
Elwira: „Fast. Ich wollte Holz holen, Kruppke hat den Kamin angezündet!“
Tillmann: „Oh ja, gut, schön, ich helf’ dir!“
Elwira: „Sag Tylmann, du weinst?“
Tillmann: „Ich? Nein. Ich hab’ einen ... Span, vom Hacken, weißt du, ins Auge hochgesprungen!“
Elwira: „Ah, lass mal sehen. Hier, nimmst du die Taschenlampe!“
Der DJ: „Sie beugt sich über ihn! Ich darf daran erinnern, dass Elwira Kellnerin ist. Gerade von der Arbeit gekommen. Hat sich noch nicht umgezogen. Auch im Café ist sie immer ein wenig oktoberfestmäßig gekleidet ..., gut für den Umsatz und für’s Trinkgeld. Sie verstehen was ich meine?“
Tillmann: „Ach, Elwira, nicht doch, es wird bestimmt gleich wieder ... , ah, oh, gut, ja, ich glaub jetzt geht`s, er ist raus!“
Elwira: „Siehst du, lass Elwira gucken ... und alles wird gut! “
Gräfin Zsófia: „Und, Greg? Was ist mit ihm jetzt?“
Jo-Jo: „Pssst, nicht so laut! Ich will nicht, dass Frida oder Kruppke was davon mitbekommen. Greg geht nur mich was an. Und ... meinetwegen auch Sie!“
Der DJ: „Gräfin Zsófia und Jo-Jo Graf sitzen im Kaminzimmer. Die Eichenscheite glimmen und knistern nur noch. Während die Gräfin ein zierliches Mokkaservice vor sich stehen hat, nippt Jo-Jo gelegentlich lustlos an einem großen Cocktail. Es ist schon spät, beinahe Mitternacht, Frida und Kruppke sitzen in der Küche und spielen 17 und 4, die Anderen sind schon längst in ihren Zimmern und Wohnungen verschwunden.“
Gräfin Zsófia: „Also?“
Jo-Jo: „Was denn also? Können wir nicht einfach mal nur dasitzen und schweigen?“
Gräfin Zsófia: „Pah. Da sitzen? Guck wie Du sitzt! Wie nasser Sack. Sitzt Du grade! Stehst Du grade! Dann Du bist auch im Kopf wieder grade!“
Jo-Jo: „Och, ich bin doch kein Roboter. Steh’n Sie mal den ganzen Tag und schneiden den Leuten die Haare!“
Gräfin Zsófia: „Bin ich siebenundfünfzig Jahre! Habe ich gestanden über zwanzig Jahre länger auf meine Beine als Du, Junge! Steh’ ich wie nasser Sack, oder steh’ ich wie Baum?“
Jo-Jo: „Ja, Sie stehen wie ein Baum. Zufrieden? Themenwechsel!“
Gräfin Zsófia: „Gut!“
Der DJ: „Schweigen. Nur das Knistern im Kamin ist zu hören und jetzt, aus dem Esszimmer, der Stundenschlag der goldverzierten, altfranzösischen Wanduhr. Es ist Mitternacht! Die beiden ungleichen Gesprächspartner schweigen und lassen die Schläge ausklingen.“
Jo-Jo: „Also? Worüber sollen wir sprechen?“
Gräfin Zsófia: „Du wolltest Wechselthema!“
Jo-Jo: „Ja, schön. Also ... gefällt es Ihnen hier in der „Villa Halde“?
Gräfin Zsófia:„Wie?
Jo-Jo: „Ob es Ihnen hier ...“
Gräfin Zsófia:„Ich Dich habe verstanden. Aber was das ist für eine Wechselthema?“
Jo-Jo: „Och, Sie sind aber auch eine Spielverderberin. Können wir nicht einfach nur Konversation machen?“
Gräfin Zsófia:„Leben ist zu kurz für Konversation! Aber zu lang für immer Arbeiten.“
Jo-Jo: „Wie?“
Gräfin Zsófia:„Wollte ich dich schon lange fragen. Du bist ein Chef. Was Du machst für Alter?“
Jo-Jo: „Für das Alter? Meinen Sie die Rente, oder was?“
Gräfin Zsófia:„Genau!“
Jo-Jo: „Nichts Besonderes. Was man so macht!“
Gräfin Zsófia:„Was man so macht? Machst Du Nasse-Sack-Rente?“
Jo-Jo: „Oh nein, jetzt fangen Sie ja schon wieder damit an! Ich hab zwei Lebensversicherungen, dann diese Dings – Rentenfonds – Bausparen ... solche Sachen eben. Und die normale Rente, hab’ ich freiwillig weiterbezahlt.“
Gräfin Zsófia:„Wie viele Prozente?“
Jo-Jo: „Was für Prozente?“
Gräfin Zsófia:„Gewinn bei Fonds? Und Aktien? Hast Du?“
Jo-Jo: „Gottseidank nicht. ‚’Hab ich immer Angst vor gehabt. Freunde von mir haben gesagt ‚Trau dich doch was. Guck uns an. So viel kannst du gar nicht selber verdienen ... . Und heute, nach der ‚Krise’! Ich hab’ Kunden, haben irgendwie Sachen von diesen ‚Lehman Brothers’ gehabt - die haben echt geweint. Das waren V e r m ö g e n!“
Der DJ: „Jo-Jo ist kein sehr guter Beobachter. Sonst hätte er gesehen, wie die Gräfin bei seinen letzten Worten ziemlich zusammengezuckt ist. Und geschluckt hat sie auch.“
Gräfin Zsófia:„Was meinst Du, haben Deine Kunden gehabt schlechte Berater?“
Jo-Jo: „Ich weiß nich’, ich denke ... oh!“
Der DJ: „Gerade poltert Frida aus der Küche. Kruppke im Schlepptau, stapft sie die Treppe hoch, während sie auf den Alten einredet.“
Der DJ: „Als Fridas Stimme sich schon wieder in den Tiefen der ‚Villa Halde’ verloren hat, geht auch durch die beiden Kaminzimmerplauderer ein Ruck.“
Jo-Jo: „Was meinen Sie, wird auch für uns Zeit, oder?“
Gräfin Zsófia:„Oh ja, höchste Zeit!“
Anael: „Vielleicht sollten wir uns langsam wieder auf unsere Arbeit konzentrieren?“
Zechiel: „Auf welche? “
Anael: „Na, unser Problemfall, die beiden Hübschen aus dem Kohlenpott.“
Zechiel: „Erinnere mich nicht daran, ich glaube, die habe ich irgendwie verdrängt!“
Anael: „Also, dann, Handbuch?“
Zechiel: „Nee, das kennen wir doch auswendig. Wie wär’s mal mit den Rundbriefen?
Anael: „Ach, all das Paragraphenzeugs. Trocken wie das Pergament im ‚Großen Archiv’. Na ja gut, zeig mal, was haben wir denn da?“
Zechiel: „’Neuartige immaterielle Treffpunkte’ Teil 1.“
Anael: „Hä? Versteh kein Wort. Aber lass mal hören.“
Zechiel: „Seit dem 2. Großen Krieg hat sich der Erfindungsreichtum der ‚Ich-Sager’ immer einseitiger auf das, was sie den ‚Technischen Fortschritt’ nennen, konzentriert. Jedes Kind kann heute spielend leicht zwei vierstellige Zahlen miteinander multiplizieren – es sei denn die Batterien des Taschenrechners sind leer, oder der Außendienst - Abteilung Morallektionen, Unterabteilung Demut und Schicksalsergebenheit – hat wieder einmal eingegriffen. Kein Wunder, dass die ‚Ich-Sager’ die Technik jetzt auch als Instrument der Begegnung und Verbindung entdeckt haben. Das können auch wir uns zunutze machen!“
Der DJ: „Sie ahnen vielleicht, worauf der himmlische Infobrief hinausläuft? Nein? Na, Chatrooms, E-Mail, Blogs und Avatare – die schöne neue virtuelle Welt der Kommunikation ... .“
Zechiel: „ ... kann mit der Zeit bei ihnen der Wunsch nach einer auch korporalen Begegnung erwachen ... .“
Anael: „Stopp! Das meinen die doch nicht Ernst, oder?“
Zechiel: „Sieht ganz so aus!“
Anael: „Ich quäle mich doch nicht durch ein knochenhartes Assessment-Center, mache eine 30-jährige Ausbildung in Zusammenführung, samt Praktika auf allen Kontinenten und anschließender Magisterarbeit durch, nur um am Ende zwei Ich-Sager miteinander zu ve r k a b e l n. Wer hat sich denn so etwas Langweiliges ausgedacht?“
Zechiel: „Ist doch immer die alte Leier. „Wir müssen sparen. Personal reduzieren. Automatisieren“.“
Anael: „Na danke! Wetten der Chef weiß da nichts von! Seitdem er die Geschäftsführung abgegeben hat, spricht er kaum noch mit dem Außendienst. Spielt Golf, liegt in der Sonne und trinkt Caipirinhas. Aber ehrlich gesagt, mich wundert das nicht. Ich glaub’, er ist echt müde. Und wirklich Spaß an seinem Job, hat er auch nicht mehr. Selbst ich hab’ manchmal das Gefühl: Kenn ich schon, nichts Neues, alles schon da gewesen. Was soll er da erst sagen?“
Zechiel: „Stimmt schon. Aber solange er im operativen Geschäft war, hat die Arbeit wirklich Spaß gemacht. Sicher, es gab Überstunden ohne Ende, aber es hat keinen gestört. Und er? Stand plötzlich neben dir, hat dir auf die Schulter geklopft oder sogar mit angepackt. Musstest du jederzeit mit rechnen. Aber du hattest nie das Gefühl, dass er dich kontrolliert!“
Anael: „Stimmt!“
Zechiel: „Und heute? Die Geschäftsführung sitzt in ihrem Turm und macht keinen Schritt nach draußen. Stattdessen überall Stechuhren und Überwachungsaugen – sie sind die großen, fernen Unsichtbaren und wir? Fußvolk!“
Anael: „Was hat letztens dieser Ich-Sager in London gesagt? Stand im Park auf einer Holzkiste, hat die Faust geschwungen und gerufen: "Macht nährt sich aus der Angst, etwas nicht kontrollieren zu können." Kommt mir irgendwie vertraut vor!“
Zechiel: „Sag mal, sind wir jetzt irgendwie weiter gekommen?“
Anael: „Spaßverderber!“
Lisa: „Strike! Mensch Linus du bis’ein Naturtalent. Im ersten Spiel Frame, jetzt Strike. Gib’s zu, du spielst öfters!“
Linus: „Ehrlich nich’. Ich hab in meinem Leben erst zwei mal gebowlt. Das letzte Mal vor acht Jahren, als meine Schwester 16 wurde! Und da waren fünf von den Mädels besser als ich!“
Lisa: „Und wie viel Freundinnen hatte deine Schwester eingeladen?“
Linus: „Nun ja, vier ...“
Tilmann: „Jedenfalls ’ne tolle Idee von Klara und Hannes uns mitzunehmen. Warum spielt eure Clique heute nicht?“
Klara: „Sind zu viele krank. Fanden sie aber gut, dass wir stattdessen mit Euch hierher sind. Seitdem sich Ulrike und Michael getrennt haben, sind wir auf der Suche nach zwei Neuen. Also wenn einer von Euch ... jeden Donnerstag, gleiche Zeit!“
Hannes: „Nu lass sie doch erst ma’ spiel’n. Na los Elwira, du bis’ dran!“
Elwira: „Mal sehen ob’s diesmal besser klappt... . Autsch, hoffentlich kein Loch im Holz. Also wenn ich so weiter mache, krieg ich bestimmt Bahnverbot.“
Der DJ: „Auch eine Stunde später, kurz nach Neun, sind die sechs Leutchen noch immer auf der Bowlingbahn 8 der Fun Fabrik in der City. Sieht alles ganz entspannt und fröhlich aus. Tillmann bowlt zwar grottenschlecht, hat aber zum ersten Mal seit Monaten herzhaft über sich selber gelacht. Und selten länger als ein paar Sekunden an Ina denken müssen. Linus ist im Lauf des Abends gute zehn Zentimeter größer geworden, er hat den ersten Durchgang gewonnen und im Moment ist nur Hannes ein paar Punkte besser als er. Auch Lisa hält ganz gut mit. Und Elwira? Freut sich über jede Kugel, die nicht in die Rinne geht. Wie gesagt, alles ganz entspannt und fröhlich. Und mittendrin Hannes und Klara. Ein Bilderbuchpaar. Der schwarzhaarige Riese sitzt ganz entspannt auf der Bank, Bierglas in der Hand, ein stilles Lächeln auf den Lippen. Klara lehnt an seiner Brust und wird von den ruhigen Atemzügen wie von Meereswellen auf- und ab getragen. Ja, Schicksal! Wenn man’s immer schon wüsste! Dort auf der Nebenbahn die schlanke, zierliche Gestalt? Brünett und adrett. Raffinierte Zusammenstellung von weiter Hose und engem Rollkragenpullover. Perlenkette und Perlenohrringe. Französische Eleganz auf der Bowlingbahn. Gehört zu dem kleinen, dicklichen Typen mit Halbglatze und Angeber-Uhr. Hält sich wohl für den Conferencier seiner Clique. Immer großes Wort und große Geste. Jede dritte Runde geht auf ihn. Jedenfalls - die Kleine schielt alle naselang zu unseren Leuten rüber. Hat nichts Gutes im Sinn. Und nicht erst seit heute! Die beiden Bowlingteams sind jeden Donnerstag hier, Bahn sieben und acht. Kennen sich inzwischen bereits mit Vornamen, schließlich machen die Bildschirme über der Bahn kein Geheimnis daraus.“
Elwira: „Lisa.“
Lisa: „Ja?
Elwira: „Kommste’ mal kurz mit für kleine Mädchen?“
Lisa: „Was, wieso?”
Elwira: „Komm einfach, erkläre ich dir, wenn niemand zuhören kann!“
Der DJ: „Zwei Minuten später auf der Damen-Toilette.“
Elwira: „Hast du das ‚Rehlein’ gesehen?”
Lisa: „Was?”
Elwira: „Fräulein Rollkragen-und-Perlen-Pulli, diese J u l I e.“
Lisa: „Ach so, die Tussi von der Bahn nebenan?”
Elwira: „Genau die!”
Lisa: „Ja, hab ich. Wieso?“
Elwira: „Ist scharf auf unseren Hannes!”
Lisa: „Nein! Ehrlich?“
Elwira: „Oh ja.“
Lisa: „Und Hannes?”
Elwira: „Guckt manchmal zu ihr rüber. Ist sich nicht sicher, ob sie wirklich ihn meint. Nervös und ein klein bisschen irritiert.“
Lisa: „Aber er wird doch nicht ... .“
Elwira: „Männer! Ich hab’ ein komisches Gefühl ..., wenn Hannes gleich auch mal hierher muss, wird sie ihm zufällig auf dem Weg entgegenschweben und tief in die Augen schauen – da wett’ ich drauf!“
Lisa: „Kannst’ schon recht haben. Was sollen wir machen?“
Elwira: „Gar nix. Hannes ist ein guter Mann. Naiv. Aber gut. Und Klara! Wer ihr weh tut, ist selber Schuld!“
Lisa: „Mensch Elwira, bist ’ne verdammt gute Beobachterin. Solltest mal bei der Zeitung nachfragen, Leute wie du werden immer gebraucht.“
Elwira: „Glaub mir, gute Kellnerinnen werden auch gebraucht.“
Der DJ: „Jetzt sind die beiden zurück auf der Bahn. Klar, wer sie dort ungeduldig empfängt, oder?“
Linus: „Lisa, du bist dran! Wieso hat das eigentlich so lang gedauert?
Lisa: „Ay, Spiderman. Bowlingsuperhelden soll man nich’ warten lassen, oder? Also her mitti Kugel!“
Der DJ: „Elwiras Prophezeihung? Hannes m u s s t e dorthin und Rehlein Julie ist ihm auf dem Rückweg entgegengekommen. Tiefer Blick und große Irritation ... !“
Der DJ: „Samstag zwölf Uhr Mittag. Gartenzeit. Kruppke und Hannes räumen auf! Hinterm Haus, unter einem reichlich verwitterten Blechdach, gammelt feuchtes, verpilztes Kaminholz vor sich hin. Kruppke packt abwechselnd immer eine von zwei Schubkarren voll, Hannes fährt das nass-schwere Holz nach vorne und dort über eine lange Bohle hoch in einen Container. Schweigende Männerarbeit. Als beide wieder einmal hinten sind, stößt Tillmann dazu.“
Tillmann: „Hallo Leute. Nur die Harten komm’n in den Garten, was?
Kruppke: „Macht nix, Jung, kanns’ trotzdem mit bei komm’n!“
Tillmann: „Äh, ja, ... gut ... .“
Hannes: „Tillmann! Guck in Kurtis Visage! War nich’ ernst gemeint von ihm! N’türlich kanntse mitmach’n.“
Tillmann: „Alles klar, was steht an? Schubkarre fahren?“
Hannes: „Muss nich’ sein. Wenn Kurti die Schiebkarre voll packt und ich’se weg fahr, is’ das okay. Aber was wirklich fein wär’ ... .“
Tillmann: „Ja? Was denn?“
Hannes: „Na ja, dahinten die langen Weißbuchenstämme, müssten kleingesägt werden. Mordsmaloche mit der großen Bügelsäge. Aber wir könn’ uns ja abwechseln.“
Tillmann: „Weißbuche? Das härteste Holz der Liga! Da weiß ich was Besseres!“
Der DJ: „Gucken skeptisch, Kruppke und Hannes, als Tillmann zurück ins Haus flitzt. Und machen weiter. Bisschen später staunen sie nicht schlecht!“
Hannes: „Hey, Tillmann … wo haste denn die … mach ma’ aus, man versteht ja sein eigenes Wort nich’ mehr. Wo hast’e denn die Kettensäge her?“
Tillmann: „Na ja, schließlich bin ich Zimmermann und Schreiner. Da brauchst du so was manchmal!“
Kruppke: „Ker, ich dacht’ du wär’s ’nen Tintenkleckser?“
Tillmann: „Bin ja auch Lehrer. Berufsschullehrer. Heißt aber nicht, dass ich nicht auch ’nen ordentlichen Beruf gelernt hab’!“
Der DJ: „Ja, geht ihm runter wie Honig, dem Tillmann. Aber nicht alle finden seine Motorsäge gut. Klingelt daher auch wenig später an der Haustüre. Frida macht auf!“
Frida: „Ja, wat’ wolln se? Wir kauf’n nix!“
Dr. Fabricius, ein Nachbar: „Erlauben Sie mal, ... !“
Frida: „Watt soll ich ihn’ erlaub’n?“
Dr. Fabricius: „Öh, öh, öh, also, sie haben mich ganz aus dem Konzept ... ja, also ich, ... “.
Frida: „Männeken mach fettich, ich hab’ noch’n Waschko’b voll A’beit!“
Dr. Fabricius: „Ja, aber ... ich bin Dr.Fabricius!“
Frida: „Schön. Un’ wat soll dat werd’n, Hausbesuch? Oder such’n se neuen Patienten? Bin nich’ krank, hab’ ich kein’ Zeit für!“
Dr. Fabricius: „Ja, hören Sie mal. Ich bin kein Arzt, ich bin d e r Dr. Fabricius!“
Frida: „Un’ ich bin d i e Frida Kokoschinski!“
Dr. Fabricius: „Was? Wie? Menschenskind. Also. Was ich sagen wollte ... “
Frida: „Na endlich kommse’ zur Sache.”
Dr. Fabricius: „Hören Sie gefälligst auf mich zu duzen! Halt, nicht die Tür zu machen!“
Frida: „Also dat dat klar is’, ich geb dich noch ein’ Changse, dann is’ Feierabend. Also raus mit.“
Dr. Fabricius: „Unerhört. Was sich sagen wollte, es geht um den Lärm.“
Frida: „Um wat geht datt? Watt fü’n Lä’m? Doch nich etwa von mein’ Waschmaschin’?“
Dr. Fabricius: „Natürlich nicht. Die Motorsäge in ihrem Garten. Unerträglich. Am Samstag Mittag!“
Frida: „Wat, Motorsäge, im Ga’tn. Hab’ ich noch ga’ nich’ gehö’t. Un’? Watt is’ damit?“
Dr. Fabricius: „Wie ich schon sagte, es ist Mittag. Der Lärm ist verboten!“
Frida: „Pass auf Männeken. Kann’se dat seh’n? Wenn dä’ große Zeiga auf’fe zwölf steht, un’ dä kleine auf’fe eins- dann is’ Mittach. Vorher nich’, kanns’ dein’ Mutti frag’n. Un’jetzt geh spiel’n!“
Dr. Fabricius: „Sie, Sie, unverschämte Person, Sie, ich werde ... !
Der DJ: „Rrumms. Die Türe war zu!“
Anael: „Vielleicht sollten wir es doch mal mit den ‚immateriellen Treffpunkten’ versuchen. Die Beiden kommen doch nie zusammen. Ich hab’ keinen blassen Schimmer, wie wir sie jemals wieder auch nur in die gleiche Stadt kriegen sollen!“
Zechiel: „Wir wissen zu wenig!“
Anael: „Was?“
Zechiel: „Wir hocken hier oben, studieren die Akten, glotzen in die Kugel und sehen sie als blasse Schemen vorbei huschen. Aber sonst? Wir sollten näher ran. Sie beobachten, beriechen ...“
Anael: „Was? Kann das sein, dass dich die ‚Realos’ bequatscht haben?“
Zechiel: „Mach dich nur lustig! In den letzten Jahrzehnten sind hier einige interessante Leutchen angekommen. Kann man eine ganze Menge von lernen.“
Anael: „Nee Danke! Kein Interesse. Und was hast du jetzt vor?“
Zechiel: „Denk ich noch drüber nach!“
Der DJ: „Castrop-Rauxel am Sonntag Nachmittag. Beat Kuhn und sein Akkordeon sind auf dem Weg zum ‚Callo’. Laientheater. Hat ein wichtiges Gespräch da. Geht um nicht weniger, als um ein Dach überm’ Kopf. Eben hat er sich an der Bude für ’nen Euro gemischtes Zuckerzeug geholt. Schiebt sich gerade ein Stück Kokosschokolade in den Mund, als er erstaunt stehen bleibt.“
Beat: „Nanu? Wer bist du denn? Siehst grad’ so aus, als hättest du auf mich gewartet.“
Beat: „Da, willst du? Keine Ahnung, ob du Kokosschokolade magst? Oh, scheinbar ja.“
Der DJ: „Beat schlendert weiter. Blickt sich von Zeit zu Zeit um. Der Hund immer ein paar Meter hinter ihm. Läuft aber nur weiter, wenn sich auch Beat bewegt.“
Beat: „Hast du einen Namen? Jedenfalls hast du Ohren, die mich irgendwie verstehen!? Eigenartig.“
Der DJ: „Später. Vor dem Callo-Haus.“
Beat: „Hi, Freddy. Lange nich’ gesehn!”
Freddy: „Un’ gleich wiedererkannt, was? Scherz beiseite. Iss’es wirklich so dringend, wie du am Telefon gesagt hast?“
Beat: „Ja. Meine Freundin hat mich rausgeschmissen. Hat ’nen Neuen.“
Freddy: „Was soll das!”
Beat: „He?”
Freddy: „Na: Grönemeyer: ‚Womit hab ich das verdient, dass der mich so blöde angrient …’ !”
Beat: „Jo. Has’ Recht. Fand ich eigentlich immer ’nen ziemlich coolen Song. Konnte den Typen auch früher schon nur zu gut verstehn’.“
Freddy: „Okay, zur Sache. Ich hab mir Folgendes überlegt. Wenn du noch immer so gut auf dei’m Akkordeon bist, dann machen wir ’nen Deal. ‚Musik gegen Koje’, wenigstens für’n paar Wochen. Du spielst bei der Premiere von ‚Les Misérables’ und bei den nächsten drei Vorstellungen mit, und kannst einen Monat in der Wohnung meiner Schwester pennen. Sibyllchen is’ in England im Praktikum, hat nix dagegen. Mag dich irgendwie immer noch. Was sags’te’?“
Beat: „Klingt gut. Ein Monat is’ besser als nix. Und zu meiner Mutter will ich nich’ ... he, was ist los mit dir?“
Freddy: „D e i n Kläffer? Geht aber nicht! Sibylle hat ’ne Hundehaarallergie. Die bringt mich um, wenn ich dich ... .“
Beat: „Ne, der is’ mir grad erst hinterhergelaufen. Warum bellt er jetzt wie bekloppt? Scheint, als wollt’ er nich’, dass ich bei deiner Schwester einziehe!?“
Freddy: „Wie der uns anguckt. Richtig gruslig, wie im ‚Faust’. Des ‚Pudels Kern’! Los, verzieh dich!“
Beat: „Lass ihn, wird schon gleich aufhören.“
Freddy: „Was is’ eigentlich mit deinen Klamotten? Willst doch nicht mit der Bahn hierher bringen, oder?“
Beat: „Na ja. Wie sonst.“
Freddy: „Komm, ich hol meinen Bus.“
**********
Anael: „ ... wie bitte, als Hund? Bist du jetzt ganz plemplem?“
Zechiel: „Du hast keine Vorstellung ... ! Die Welt ist eine Symphonie der Gerüche! Und Kokosschokolade für einen Hund – unglaublich!“
Anael: „Und, irgendwelche ‚realen’ Erkenntnisse?“
Zechiel: „Mach dich nur lustig. Mir fällt bestimmt noch was ein!“
Was bisher geschah
Woche 3:
Gleich am Anfang der dritten Woche droht Ungemach. Kruppke erhält einen Brief vom Rechtsanwalt – das Testament wird angefochten - die ‚Villa Halde’ ist in Gefahr! Während Tillmann durch Elwira und Jo-Jo durch Gräfin Zsófia ein wenig Trost und Zuspruch erfahren, droht dem Eheglück von Hannes und Klara Gefahr in Gestalt der eleganten Julie. Außerdem erhält der quengelige Nachbar Dr. Fabricius eine saftige Abfuhr durch Frida Kokoschinski. Und die beiden Engel? Während Beat auf der Suche nach einer neuen Bleibe ist, denken sie über moderne Methoden der ‚Zusammenführung’ nach.
Der DJ: „Wieder einmal in der Küche der ‚Villa Halde’. Nicht mehr lange bis zum Abendessen.“
Kruppke: „”Mmmh, wat is’ dat denn Leck’res?“
Frida: „Geh mitti Fingers aussem Bräta! Dat heißt ‚Töttchen’ un’ is aussem Münster’schen wech – Kalbszunge mit Zwiebel-Senf-Soße. Aba sach nix von Zunge, sons’ fang’se widda am meckern. Dat wa dat Lieblingsessen vom alten Pastor Bredenkamp. Wa’ ich drei Jahr’ bei. Dann isser in Pengsion gegangn’. ’Ne schöne Zeit.“
Kruppke: „Mensch Frida, gut, dass ich dich nich’ früha gekannt hab’.“
Frida: „Wie meins’ denn getz dat?”
Kruppke: „Na, dann säh ich aus wi’n Butterfass – nu’ nich’ so schlank!“
Frida: „Na gut, dat lass’ ich angehn’!”
Kruppke: „Aba’ weisse, wat mich wi’klich wundern tut?“
Frida: „Nä, wohä’ soll ich dat denn wiss’n.“
Kruppke: „Dat du no’ nie mit ’nem Kerl ‘in’n Ehehaf’n eingetuckert bis’! Wie heiß’ dat doch so schön: Liebe geht duch’n Magen!“
Frida: „Komm, geh mir doch wech mitti Liebe, is doch allet bloß ’n Drüsenspiel!“
Kruppke: „Na, ja …. “.
Der DJ: „Kruppkes versonnener Blick kommt durchaus bei der Köchin an. Aber so was kann man schließlich überspielen!“
Frida: „Höma, Kruppke, wie is’ dat getz eig’nlich mittat Testament? Has ’nen pa’ Tage nix mä von gesacht!?“
Kruppke: „Heut na’m Essen wollt’ die Lisa mir un’ Linus erzähln’, wat’ se sich ausgedacht hat!“
Frida: „Da bin ich mit bei! Un’ jetzt, wat ma, ich willma ebe’n ... – Essen is’ fertich!“
Der DJ: „Zwei Stunden später. Bis auf Tillmann, der ‚Fleisch am Montag völlig übertrieben’ fand, haben die ‚Haldenser’ sämtliche Schüsseln bis auf den geblümten Boden begeistert leergeputzt. Jetzt findet in der Küche, bei Espresso und Kaffee, der Kriegsrat statt.“
Lisa: „ … wenn du lange genug in unserem Metier bist, glaubst du erst mal gar nix mehr von dem was die Leute sagen! ‚Je lauter einer ‚Haltet den Dieb’ schreit ...“, hat mein erster Chef in Hagen immer gemeint, „ ... desto mehr silberne Löffel hat er in seinem Anzug versteckt!“
Linus: „Ja, aber, was hat das mit Kruppkes Testament zu tun?“
Frida: „Jungchen, wat bring’se euch eig’ntlich anne Uni’tät bei? Is’ doch klar. Se’ will dä Frau Wambach ihr’n Neffen auff’n Zahn fühl’n. Wenn dat Männeken Dreck am Steck’n hat un’ wia dat rauskrieg’n – zappelt er am Hak’n!“
Linus: „Du meinst – Erpressung, aber das können wir doch nicht machen!”
Kruppke: „Nee, könn’ we nich? Velleicht will’se ihm ja gleich dat Haus überschreib’n, oder wat?“
Linus: „Nein, natürlich nicht, aber wie wollen wir denn das machen?
Lisa: „Nicht wir, d u!“
Linus: „Wieso ich?”
Lisa: „Weil Niemandt dich kennt!“
Linus: „Aber, man kann mich doch ganz schnell .... kennen lernen.“
Lisa: „Jungchen, aufwachen! Niemandt mit ‚dt’! Dein Boss, Sherlock Holmes – schon vergessen?“
Linus: „Oh, guten Morgen …“
Frida: „Sach ma, seid ihr sicha’, dat dat Jüngelchen dat nich vermasselt?”
Lisa: „Er is’ lernfähig. Nicht wahr Linus?”
Linus: „Was bleibt einem Studenten auch anderes übrig?”
Der DJ: „Es wird Zeit für ein wenig Innenarchitektur. Die ‚Villa Halde’. Vier Stockwerke. Große Eingangs-Halle. Treppe gegenüber der zweiflügeligen Haustür. Im Erdgeschoss: Das große Wohn- und Esszimmer - nimmt über die Hälfte der Grundfläche ein. Die Küche. Daneben die Speisekammer. Kaminzimmer. Bibliothek. Erster Stock: Kruppkes zwei Zimmer. Drei Zimmer Hannes und Klara. Und Fridas zwei Zimmer. Außerdem zwei Bäder. Etage zwei: Zwei Zimmer Lisa. Drei Zimmer Elwira und Milena. Und die zwei Zimmer der Gräfin. Auch hier zwei Bäder. Ganz oben - an den Außenseiten mit Dachschrägen: Zwei Zimmer Linus. Drei Zimmer Tillmann und Justus. Und zwei Zimmer Jo-Jo. Zwei Bäder. Oben drüber nur ein schmaler Trockenboden und Speicherraum. Der Keller? Ein anderes Mal. Einen altersschwachen Aufzug gibt es übrigens auch, eng, für maximal 2 Personen, Eingang im Erdgeschoss, zwischen Küche und Esszimmer, fährt runter in den Keller und rauf bis unter das Dach, wird aber bislang von niemandem benutzt. Jetzt gerade befinden wir uns in Etage zwei. Wohnung Elwira und Milena. Kurz nach halb Sechs am Abend. Milena, Kopfhörer im Ohr, sitzt, mit dem Rücken zur Zimmertür, an irgendwelchen Schulaufgaben. Die Tür geht leise auf – ohne vorheriges Klopfen! Ein Mann – nicht sehr groß, kräftig, Boxernase, Schnauzbart, Handrücken und Brust stark behaart, oben kahl, Goldkettchen, Lederjacke, enge Jeans, Westernstiefel - schleicht auf Zehenspitzen hinter Milenas Stuhl und hält ihr dann die Augen zu.“
Milena: „Waaass? Mensch, bist du verrückt geworden ... ? Du, du, .... !“
Bruno: „Och Süße, stell dich nich’ so an, wollt’och nur ’nen Spaß machen!“
Milena: „Ey, ich krieg gleich ’nen Herzinfarkt und du nennst das Spaß? Klopf gefälligst an, wenn du was willst, hab ich dir schon tausend Mal gesagt. Was machste’ eigentlich um die Zeit schon hier? Elwira ist selten vor sieben zuhause?“
Bruno: „Ich war eben schon früher fertig ... . Dachte wir könnten ’nen bisschen plaudern. Ham wer ja eigentlich noch kaum gemacht, wat? Wo ich doch schon fast zur Familie gehör’!“
Milena: „Na, Danke!
Bruno: „Du bis’ immer so zickig zu mir. Hab dir doch gar nix getan. Brauchs doch nich’ eifersüchtich sein. Dein’ Vatter hass’ doch gar nich mehr richtich gekannt, die alte Saufnase.“
Milena: „Und wie nennst du deinen vermatschten Zinken? Bei der letzten OP is’ dem Schönheitschirurgen wohl das Messer ausgerutscht was?“
Bruno: „Deine Mutter sieht dat aber ’nen bisschen anders! Die weiß, wat an’em Mann wichtich is!“
Milena: „Ach ja? Stinkfüße, Proletenschweiß und Mundgeruch?”
Bruno: „Pass auf Mädchen. Ich versteh viel Spaß. Aber dat geht zu weit!“
Milena: „Ey, lass mich … los, nimm die Pranke von meinem Arm. Autsch!“
Bruno: „Hey, beruhich dich! War doch nich so gemeint. Has’ ganz schön Temperament wat? Wie deine Mutter. Huh, wenn die in Fahrt kommt. Lass dich ma angucken. Wennse nich’ immer so komische schwarze Fummel tragen würds’ ... has gar keine schlechte Figur! Un’ hübsche Beine hasse auch!“
Milena: „Was soll das werden? Fleischbeschau? Mensch verzieh dich endlich. Ich muss für ’ne Mattearbeit pauken.“
Bruno: „Nix als Schule im Kopp? Amüsierse dich denn ma gar nich? Has doch ’nen Freund, hat Elwira gesacht. Kommt zu selten was? Und sonst? Keine Hobbys? Ausser dat Schlachzeuch da?“
Milena: „Doch, ich mach Sport ... .“
Bruno: „Sport? Wat denn? Lass ma’ deine Muckis fühln’ ... .“
Milena: „Verdammt noch mal, komm mir nicht zu nah … Finger weg!“
Bruno: „Wat für Sport machse denn? Hass ’nen knackigen Hintern. Da könnte man ... ah, eh, scheiße, wat soll ... Aua, voll in die Zwanzig!“
Milena: „Was für ’nen Sport ich mache, wolltest du wissen? Karate! Ich bin NRW-Junioren-Meisterin.“
Der DJ: „Und wie sich das für eine Soap gehört – was glauben Sie wohl, wer keine Minute vor Brunos unfreiwilligem Bodenkontakt Geräusche gehört und die Türe zu Milenas Zimmer geöffnet hat? Nein, nicht Justus.“
Elwira: „Was zum Teufel ist denn hier los? Du widerlicher Drecksack. Mach die Tür von draußen zu! Ich will dich nie wieder hier sehen. Raus!“
Bruno: „Oh, Bockmist.”
Julie: „Hallo .... Hannes, richtig? Na, das ist ja ein Zufall!”
Hannes: „Oh, eh, hallo .... ‚tschuldigen sie, aber Ihr Name ... ich mein’, ich weiß wer sie sind, ... das heißt ... woher wir uns kenn’ ... “.
Julie: „Julie!“
Hannes: „Ja, wow, toll, wirklich ’nen Zufall. Was machen Sie hier? Klar ... . Einkaufen, doofe Frage!“
Der DJ: „Großer Supermarkt. Hannes hat Feierabend und kauft für Klara und sich ein. Brot, Butter, bisschen Wurst und Käse. Hat gerade nach dem Ablauf-Datum einer Teewurst gesucht, als sie plötzlich neben ihm stand. Das „Rehlein“. „Fraulein Rollkragen-und-Perlen-Pulli“. Heute keine Perlen, aber trotzdem ‚trés chic’. Raffiniert hochgestecktes Haar. Offener Mantel. Kostüm dezent in schwarz und weiß. Kettenanhänger, Ohrringe und Kettchen aus schwarzem Onyx. Feine Stiefeletten mit hohem Absatz. Handtäschchen in der Armbeuge. Daneben der ungeschlachte Riese mit Overall, Seemannswollmütze und Arbeitsstiefeln.“
Julie: „Kaufen sie öfter hier ein?“
Hannes: „Ja, schon.“
Der DJ: „Julie lächelt und schweigt, was den armen Hannes immer verlegener macht.“
Hannes: „Äh. Und sie?“
Julie: „Zufall. Ich bin zum ersten Mal hier.“
Hannes: „Ah, ja. Is’ okay hier, oder?“
Julie: „Mmmh.“
Hannes: „ ... ähm, morgen Abend Bowlen!“
Julie: „Ja. ... Übrigens, Sie spielen gut!“
Hannes: „Ooohh. Da-da-danke. Find’n Sie?“
Julie: „Ja. So zielsicher und ... kraftvoll! Sieht wirklich gut aus! Ist mir schon lange aufgefallen. Keiner von ihren Freunden spielt so gut wie sie – und was meine Freunde betrifft ... .“
Der DJ: „Der dunkle Teint von Hannes Gesicht verfärbt sich blauviolett, so, als hätte jemand darunter Wacholderbeeren ausgedrückt.“
Hannes: „Na ja, klappt meistens ganz gut.“
Julie: „Sagen Sie mal, Hannes ...?“
Hannes: „Ja!“
Julie: „Ich wollte nebenan im Baumarkt Kaminholz kaufen. Würde es ihnen etwas ausmachen mir mit den schweren Säcken behilflich zu sein? Ich lade sie anschließend auf eine Tasse Kaffee ein?“
Hannes: „Ach nein, Kaffee ’s nich’ nötig. Ich helf’ Ihn’ auch so gern, wirklich ... !“
Julie: „Das ist ihres? Nicht wahr?“
Hannes: „Äh, ja, ’Tschuldigung ... .“
Der DJ: „Sein Mobiltelefon! Spielt eine Dudelsackmelodie. ‚Scotland the Brave’. Hannes geht ein paar Meter weiter weg, kann aber nicht verhindern, dass Julie die meisten seiner Worte und seine Verlegenheit mitbekommt.“
Hannes: „Ah ... , hallo, ... Kleines ... Ja. Einkaufen! Nein, wieso, was soll sein? Was ist mit meiner Stimme? Ja, mit Ingo, nein, er ist drüben, beim Bier. Ja, sag’ ich ihm. Gut. Ja . Bis nachher. Tschö.“
Julie: „Ihre Frau? Klara!“
Hannes: „Ja.“
Julie: „Und Ingo ... ist beim Bier!?“
Hannes: „Ähm, also ... wie soll ich sagen ...“
Julie: „Sagen wir mal, manchmal wollen die Menschen lieber ein angenehmes Märchen hören, statt eine unangenehme Wahrheit. ‚Es war einmal,“ ... so was in der Art, nicht wahr?“
Der DJ: „Hätte Hannes einen Kragen an, würde ihm der jetzt zu eng werden!“
Hannes: „Ja, äh, vielleicht ... .“
Julie: „Allerdings spannender sind die Geschichten die noch kommen. Es wird einmal ... ."
Hannes: „Wollen wir?“
Julie: „Was denn, Hannes?“
Hannes: „Ich meine Holz einladen. Im Baumarkt!“
Der DJ: „Tierpark Bochum, früher Nachmittag.“
Linus: „Herr Niemandt?“
Niemandt: „Hallo Herr Schulte-Umberg. Kein Händeschütteln bitte. Wir stehen zufällig nebeneinander und sehen uns die Geier an! Haben Sie den Fotoapparat dabei?“
Linus: „Klar, hier!
Niemandt: „Den Schlüssel vom Golf?“
Linus: „Ja. Um wen geht’s?“
Niemandt: „Dort hinten, langer dunkler Mantel, breitkrempiger Hut. In der Hand einen Stoffbeutel.“
Linus: „Wer ist das?“
Detektiv Niemandt: „Dr.Wessels. Abteilungsleiter bei Gron-Med-Technology.“
Linus: „Warum observieren wir ihn?“
Niemandt: „Verdacht auf Industriespionage, meine Auftraggeber wollen nachweisen, dass er Implantat-Prototypen an einen süddeutschen Konkurrenten verkauft!“
Linus: „Sicher, das er es ist?“
Niemandt: „Begründeter Verdacht. Dr.Wessels war mit dem Juniorchef der Konkurrenz auf der UNI – hab’ ich selber recherchiert.“
Linus: „ Eine Hand wäscht die andere ?“
Niemandt: „ ... und am Ende sind alle schmutzig – ja, so ungefähr wird’s wohl sein.“
Linus: „Und warum sind wir hier, im Zoo?“
Niemandt: „Warten auf eine Übergabe. Hätte er sich einen Film angeschaut, säßen wir jetzt im Kino!“
Linus: „Wäre wenigstens nicht so kalt.“
Niemandt: „Aber dunkel, nicht so gut für Fotos!“
Linus: „Außerdem fallen unsere Kameras hier nicht so auf!“
Niemandt: „Genau!“
Der DJ: „Der Bochumer Detektiv und sein ‚unauffälliger’ Gehilfe folgen unauffällig und auf getrennten Wegen dem mutmaßlichen Industriespion. Der scheint sehr interessiert an jeder einzelnen Tierart zu sein. Steht minutenlang vor der Schneeeule, liest aufmerksam die Steckbriefe von Weißstorch und Austernfischer, sucht jedes Gehege nach seinen sämtlichen Bewohnern ab, als würde er sein Geld damit verdienen. Linus Blick beginnt abzuschweifen. Zuerst nur kurz und ziellos, dann immer wieder in die gleiche Richtung. Eine Kindergruppe hat diesen Teil des Tierparks erreicht. Ein gutes Dutzend Mädchen und Jungen, vielleicht sechs, sieben Jahre alt. Und zwei Begleiterinnen! Die eine zierlich und blond, was man unter der tief heruntergezogenen Wollmütze gerade noch ahnen kann. Die andere groß, dunkelhaarig und - langbeinig, was dem jungen Mann ganz offensichtlich gefällt. Denn während Dr. Wessels vor den Vogelkäfigen angefroren zu sein scheint, bringt sich der Aushilfsdetektiv in eine bessere Beobachtungsposition – scheinbar die Haustiere im Objektiv, zoomt er die Zweibeinerin näher heran.“
Niemandt: „Da, die Wildlederjacke! Halten Sie drauf, von ihrer Seite können Sie bessere Bilder machen.“
Der DJ: „Als sich Niemandt über Kopfhörer meldet, drückt Linus unwillkürlich auf den Auslöser. Als er dann die beiden Verschwörer endlich gesehen und ins Visier genommen hat, ist es fast schon zu spät. Während Dr. Wessels es dann auf einmal sehr eilig hat den Tierpark zu verlassen, schlendert Wildlederjackenmann, die Stofftasche in der Hand, in Richtung des Pinguinbeckens.“
Niemandt: „Na, wer sagt’s denn! Gleich am dritten Obersvierungstag eine Übergabe! Sind die Fotos was geworden?“
Linus: „Äh, ja, ich hoffe, ich weiß nicht. Haben Sie auch ... Fotos machen können?“
Niemandt: „Sind vielleicht ein, zwei ordentliche dabei.“
Linus: „Gottsei ... ich meine, schön! Und was jetzt?“
Niemandt: „Sehen Sie zu, dass Sie zum Ausgang und in den Wagen kommen. Hängen Sie sich dran. Später übernehme ich!“
Der DJ: „Soll ich Ihnen erzählen, was Niemandt gesagt hat, als er die ‚Fotos’ gesehen hat? Was Kruppkes Testaments-Problem angeht, darüber hat Linus jedenfalls vorerst lieber geschwiegen!“
Der DJ: „Essen Stadtwaldplatz am frühen Nachmittag. Tillmann hat gerade seine Ex-Frau gesehen. Von weitem, als sie in einen Blumenladen reinging. Was er gemacht hat? Zuerst ein paar Minuten, hinter einer Hausecke versteckt, gewartet. Dann hat er sich aber doch losgerissen und ist abgehauen. Ins ‚Café am Stadtwaldplatz!’. Mit Absicht? Gedacht hat er sich jedenfalls nichts dabei. Aber - Sie erinnern sich an die Abteilung ‚Zusammenführung und Logistik’ - vielleicht andere? Jetzt sitzt er also an einem Fensterplatz vor einer Tasse Tee und einem Florentiner und brütet vor sich hin.“
Elwira: „Nanu, Tyllmann! Das ist aber ... . Dich hab’ ich hier ja noch nie gesehen. Bio-Tee ist das aber gerade nicht. Und dann noch Industriezucker. Tss, tss, tss ... .“
Tillmann: „Mach dich auch noch lustig! Manchmal muss das eben sein ... .“
Elwira: „Sag ich doch. Kummer?“
Tillmann: „Na ja, was soll ich dich damit belästigen ... .“
Elwira: „Kannst’ ja mal versuchen. Als Kellnerin bin ich einiges gewöhnt.“
Ein Gast: „Fräulein, zahlen!“
Elwira: „Komme sofort!“
Tillmann: „Geh nur. Ein depressiver, langweiliger, alter, verlassener Ehetrottel wie ich – ich verderb’ Dir noch den ganzen Tag!“
Elwira: „Was glaubst Du, wer ich bin? Paris Hilton auf der Suche nach einem Lover? Depressiv, da kann man was dran tun. Wen ich langweilig finde, bestimme ich selbst! Und alt? Wenn es gar nicht mehr geht - wir können Frau Hilbert dort in der Ecke fragen, ob sie Dir für ein paar Stunden ihren Rollator leiht! Was den Ehetrottel betrifft ... .“
Ein Gast: „Fräulein, ich würde jetzt wirklich gerne zahlen!“
Der DJ: „Elwira kassiert und kommt etwas später mit einem Kuchenteller zurück zu Tillmans Tisch. Der sitzt inzwischen ein ganzes Stück aufrechter da als zuvor.“
Elwira: „Hier probier mal, unsere ...Torte. Geht auf’s Haus!“
Tillmann: „Aber, ich sollte ... gut, okay, ich probier sie gerne.“
Der DJ: „Gerade als er sich den ersten Bissen auf der Zunge zergehen lässt, stürmt ein Mann durch die Eingangstüre und stampft auf die Beiden zu: Bruno, Elviras Ex-Lover.“
Bruno: „Ha! Is’ dat Dein neuer Typ? Hab’ ich mich gleich gedacht, dat’ die Sach’ mit Milena nur’n Vorwand wa’.“
Elwira: „Bruno! Bist du verrückt geworden? Geh sofort raus!“
Bruno: „Wat denn, wat denn? Ich geh’ hier nich’ eher raus, bisse mitti Wah’eit rausgerückt bis!“
Tillmann: „Entschuldigen Sie, aber ich glaube es wäre für alle Beteiligten besser, wenn Sie jetzt das Café verlassen würden!“
Bruno: „Hätts’ wo gä’n wa? Hälst Dich besser raus Männeken. Wusst’ ga nich, dat du jetzt plötzlich auf Weicheier stehs’!“
Elwira: „Tyllmann wohnt in der Villa Halde. Wir zwei ... .“
Bruno: „Wat? Er is’ schon bei Dich eingezogen? Bürschchen, lass meine Puppe in Ruh’, sonst dreh ich dich duch’em Fleischwolf!“
Elwiras Chef: „Verzeihung mein Herr, gibt es ein Problem?“
Bruno: „Wennse’ dich verziehs’, hasse kein Problem!“
Elwiras Chef: „Lassen Sie meinen Kragen los!“
Tillmann: „Jetzt reicht’s aber!“
Elwira: „Vorsicht, Tyllmann ... !“
Der DJ: „Was dann geschah? Tillmann ist noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Buchstäblich! Während Bruno nebenan seine Aussage zu Protokoll geben musste, wurde der arme Kerl von Elwira und den Kellnerinnen des Cafés umsorgt. Würden Sie Elwira jetzt denken hören, dann klänge das ungefähr so:“
Elwira: „Ich wette, du, hast in der letzten halbe Stunde nicht einmal an Deine Ex gedacht! Nicht schlecht für den Anfang, aber Du biss’ noch lang nich’ überm Krausen Bäumchen!“
Der DJ: „Irgendjemand neugierig, was die ‚Blechbüchsen’ für eine Mucke machen? Gute Gelegenheit einmal reinzuhören. Samstag, fünf Uhr am Nachmittag, Probezeit, Showtime!“
Kruppke: „Also Leutkis, obacht. Wir spiel’n ‚Snake, rattle and roll’. Bei drei. Eins, zwei un’ drei ... !“
Der DJ: „Sie spielen, ein paar Takte zumindest.“
Gräfin Zsófia: „Stop! Elwira, zu spät! Tam, tam ta, ta, ta t a m!“
Kruppke: „Soffie, pass auf, lass die Elwira ma’ ruhich’ zu spät sein. Se kommt schon früh genuch hinterher!“
Gräfin Zsófia: „Herr Kruppke, bittaschön, nicht ‚Soffie’, sondern Gräfin Sz ... !“
Frida: „ Ach mach’ dich ma’ nich’ im Hemd. Wat hasse geg’n Soffie? Ob ‚vom’ oder ‚zum’ – bei uns gibbet kein’ Extrawürstken!“
Tillmann: „Können wir bitte weiter spielen?“
Kruppke: „Tillmann hat Recht. Also loss, bei drei ... !“
Der DJ: „Sie spielen.“
Lisa: „Geht’s vielleicht bei den Hörnern etwas weniger? Klingt ja wie am Jüngsten Tag!“
Jo-Jo: „Kenntse nich’: Gott schuf das Horn in seinem Zorn, dann ward er feige und lernte Geige. Bisschen Jüngster Tag muss einfach sein!“
Lisa: „Cooler Spruch. Also, noch mal?“
Der DJ: „Sie spielen, ganz passabel, einmal von vorne bis hinten.“
Kruppke: „Klasse. Dä Ssong is’ im Kasten. Ähm, ich wü’d heut gä’n wat Neues ... also wat ich schon lang ma’ ... !“
Justus: „Jetzt kommt’s, hoffentlich nich’ die ‚Internationale!“
Milena: „Gibt bestimmt noch Schlimmeres, ‚Schwarzbraun ist die Haselnuss’, oder so.“
Kruppke: „Ich würd’ gä’ne … könnt ’Euch e’innern, vo’läzt’n Samstach, auf Zollverein ... “
Klara: „Grönemeyer? Wow, die Ruhrpott-Hymne!“
Kruppke: „Wat? Nee, nich’ der Grölemeyer, vo’her, die Blechbläser, ham ‚Glück auf der Steiger kommt!’ gespielt, bisschen jazzig, feine Sache!“
Milena: „Oh, nö, nich die ollen Kamellen, Herr Kruppke, bitte!“
Lisa: „Warum nicht? Ist doch ’ne schöne Schnulze. Und wenn Kurti es will. Wer die Musik bezahlt, bestimmt was gespielt wird.“
Gräfin Zsófia: „Lisa Ladugga! Herr Kruppke kriegt seine Blaskapelle. Aber wir müssen nicht spielen jede Musik!“
Frida: „Och mia is’ dat gans’egal. Ob ich pling, plang, plung oda’ plung, plang, pling mit mei’n Bäumken spiel’. Warum nich’ dat Pütt-Lied? Ham’ wa’ früha’ imma bei wein’ müss’n, wenn’s’et nam’ Unglück auf’m Friedhoff gespielt ham’.“
Hannes: „Kommt Kinders, is’ auch ’ne Frage wie we’t spie’ln. Gehm’wer Kurti ne Changse!“
Kruppke: „Ihr wisst ga nich’, wat ihr mir für’n Freude … .“
Frida: „Oh dat is’ aba ... jetzt fängta’ au’ no’ am wein’ an!“
Der DJ: „Jo-Jo’s Wohnung. Eine eigenwillige Mischung aus Klassizismus und Moderne. Es ist Nachmittag. Kaffeezeit. Jo-Jo und die Gräfin sitzen an einem alten Kirschholztisch, trinken Espresso und knabbern italienische Mandelkekse. Gerade hat die Gräfin irgendeine Medizin in einem Schnapsglas Wasser aufgelöst und mit starrem Blick heruntergeschluckt.“
Gräfin Zsófia: „Und Gr… .“
Jo-Jo: „ … Greg? Können wir diese Frage bitte mal vergessen? ‚Wer ist schon Greg? Ich bin Jo-Jo. Ich habe Hände zu arbeiten, Kopf zu denken. Und Herz für …. andere Greg’ Wie Sie so schön gesagt haben!“
Gräfin Zsófia:„Gute Mann! Nix mehr Nasse-Sack-Gedanken. Und Rücken grade!“
Jo-Jo: „Ja, wenn Sie so weiter machen, wird aus mir noch ein Vorführmodel für Physiotherapeuten. Und was ist mit Ihnen? Irgendetwas haben Sie doch auch auf der Seele. Als wir letztens über Rente und Fonds und das alles gesprochen haben? Warum haben Sie danach gefragt?“
Gräfin Zsófia:„Wieso? Ich hab’ gefragt einfach so, Wechselthema.“
Jo-Jo: „Nee, das nehm’ ich Ihnen nicht ab. Also, raus mit der Sprache?“
Gräfin Zsófia:„Bin ich gekommen aus Ungarn mit meine Vater 1961. War Professor für Musik und kranke Mann. Nach neun Jahren er ist gestorben. War ich gerade 17 Jahre. Kein Geld. Keine Mensch aus meiner Familie in Deutschland. Mein Leben lang habe ich gearbeitet viel und verdient wenig! Musik mit Kindern in Kindergarten. Klarinettestunden für private Schüler. Gespielt in Ensemble. Vierzig Jahre, bis heute. Und wenn ich bin sechszig? Oder noch älter? Rente von Staat? Pah, zu wenig zu leben, zu viel zu sterben! Also ich habe Geld gespart wie Eichhörnchen. Aber nicht in Strumpf, oder Sparbuch. Nein. Ich habe gekauft Aktien und Fonds. Fast 40 Jahre! Viel Geld!“
Jo-Jo: „Oh nein. Und im letzten Jahr haben Sie alles verloren?“
Gräfin Zsófia:„Buta kisfiu!“
Jo-Jo: „Reden Sie gefälligst Deutsch mit mir. Was heißt ‚Butter’ dingsda?“
Gräfin Zsófia:„ Heißt: ‚Kleiner Junge’! Natürlich habe ich nicht verloren alles. Aber ist doch viel Geld weg – Lehman Brothers - aber ich nicht habe alle Papiere verkauft. Nur sie sind nicht mehr so viel wert, jetzt!“
Jo-Jo: „Und wenn Sie einfach warten, bis die Kurse wieder steigen? Sie haben doch noch ein paar Jahre Zeit!“
Gräfin Zsófia:„Habe ich keine Zeit, weil ... !”
Der DJ: „Sie spricht den Satz nicht zuende. Stattdessen zuckt Sie mit zusammengekniffenen Augen zusammen und fasst sich an den Bauch. Jo-Jo sieht etwas irritiert zu ihr hin, spricht aber in seinem Eifer weiter.“
Jo-Jo: „Aber warum nicht? Sie können doch bestimmt noch zehn Jahre Unterricht geben!“
Gräfin Zsófia:„Nein. Du nichts verstehst. Idiot!“
Jo-Jo: „Aber, ich ... “.
Gräfin Zsófia:„Oh, Jo-Jo. Tut mir so Leid! Du bist kein Idiot, aber du bist bisschen ... blind! Bin ich sehr, sehr krank! Und kann ich keine zehn Jahre mehr warten.“
Jo-Jo: „Ich bin doch ein Idiot! Krank? So schlimm, dass ... Sie müssen mir verzeihen ...!“
Gräfin Zsófia:„Ach, guter Junge, bin ich krank und ungerecht und Du bist bisschen blind auf Deine Augen ... . Sind wir alle mit Fehler gemacht!“
Jo-Jo: „Könnte schlimmer sein, oder? Man muss die Menschen nehmen wie sie sind, es gibt keine anderen.
Was bisher geschah
Woche 4:
Während Kruppke, Frida, Lisa und Linus Kriegsrat halten, um die Villa zu retten, muss Milena ihr Karatekünste beweisen, um sich Bruno, den ,Stiefvater in spe', vom Leib zu halten. Als dieser später dann auch noch Tillmann niederschlägt, ist er endgültig aus dem Spiel. Hannes dagegen wird auf subtilere Art bedrängt, Julie trifft ,ganz zufällig' im Supermarkt mit ihm zusammen - und er belügt tatsächlich seine Frau! Außerdem begegnen wir zum ersten Mal dem Bochumer Detektiven Niemandt. Zum Schluss wird es sogar traurig - Jo-Jo erfährt, dass die Gräfin lebensgefährlich erkrankt ist.
Schülerin: „Frau Schröder?“
Felictias: „Ja, Franziska?“
Schülerin: „Darf ich Sie mal was fragen?“
Felictias: „Ja, klar. Schieß los!“
Schülerin: „Ich meine, etwas das nichts mit Fagott spielen zu tun hat. Eigentlich überhaupt nichts mit Musik.“
Felictias: „Aha, nun ja, schauen wir mal … .“
Der DJ: „Felicitas und eine ihrer drei Privatschülerinnen. Franziska, 16, geht in die 11.Klasse eines katholischen Mädchengymnasiums in Duisburg.“
Schülerin: „Glauben Sie eigentlich an die ‚Große Liebe’?
Felictias: „Uh. Also, eigentlich … was für eine Frage. Vielleicht sollten wir uns doch besser auf Haydn konzentrieren?“
Schülerin: „Sie glauben nicht dran und wollen mich nicht enttäuschen, stimmt’s!“
**********
Zechiel: „Hey, Anael. Hörst du?“
Anael: „Jaaah? Was ist los?“
Zechiel: „Da unten, in Mülheim, Felicitas! Hörst Du Sie?“
Anael: „Nein, ich war gerade etwas … also was ist mit ihr?“
Zechiel: „Ich habe das Mädchen, ihre Schülerin, ein wenig … .angepiekst!“
Anael: „Was hast Du?“
Zechiel: „Na ja, ich habe ihr gestern Nacht ein paar Träume … du weißt schon …!“
Anael: „Ah, Wiener Schule, die hohe Kunst … . Na gut, lass hören!“
**********
Felictias: „Wie meinst du? Nein, aber ich bin auf diesem Gebiet nicht wirklich … kompetent!“
Schülerin: „Sie meinen, Sie haben keine Erfahrungen damit? Wer hat die schon. Ich will ja auch nur wissen, wie Sie darüber denken!“
Felictias: „Hör mal, Franzi, Du bist doch gerade erst sechszehn. Vielleicht wartest du erst mal, was das Leben so bringt, hmm?“
Schülerin: „Ach kommen Sie, man kann doch eine Meinung dazu haben, oder? Also, wie denken Sie darüber?
Felictias: „Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich gehört habe, was ich sage“.
Schülerin: „Der is’ gut! Aber ich will trotzdem eine Antwort!“
Felictias: „Okay, okay. Äh, wie war die Frage?”
Schülerin: „G r o ß e L i e b e ... !“
Felictias: „Klar. Große Liebe. Ob ich daran glaube? Ja!“
Schülerin: „Was. Ist das alles? Nee, nä?“
Felictias: „Warte ... . Ja, ich glaube daran. Weil ich auch an den vollkommenen musikalischen Moment glaube. Weil ich ihn nämlich schon erlebt habe. Weißt Du, wenn zwei oder mehr Musiker so zusammenkommen, das sie Eins werden und trotzdem sie selber bleiben ... . Das ist bestimmt nicht gut erklärt, verstehst Du trotzdem, was ich meine?“
Schülerin: „Ja, doch. Ich glaub schon. Klingt gar nicht schlecht!“
Der DJ: „Es klingelt an der Haustüre der Villa Halde. Um zehn Uhr am Vormittag sind nicht allzu viele Bewohner zuhause. Lisa, die gerade den Türgriff in der Hand hatte und auf dem Weg zur Arbeit ist, öffnet.“
Dr. Fabricius, ein Nachbar: „Ähm, guten Tag!“
Lisa: „Guten Tag Herr Dr. Fabricius!
Dr. Fabricius, ein Nachbar: „Oh, Sie kennen mich?!“
Lisa: „Ja, allerdings. ‚Richter Saubermann’ – ein trauriger Ruhm, der ihnen vorauseilt. Ich hatte das Vergnügen, bei einigen ihrer Prozesse dabei zu sein.“
Dr. Fabricius, ein Nachbar: „Als Rechtsanwältin? Ich erinnere mich nicht ... ?“
Lisa: „Nein, nicht als Anwältin.“
Dr. Fabricius, ein Nachbar: „Etwa als ... Angeklagte?“
Der DJ: „Fabricius tritt einen Schritt zurück und mustert Lisa, als würde er sie mit einem Steckbriefkonterfei vergleichen.“
Lisa: „Nein, als Gerichtsreporterin. Ich war beim Farbbeutel-Urteil dabei! Klasse Leistung. Anderthalb Jahre für einen verzweifelten Malermeister aus Kray, der ein paar Farbbeutel auf die Fassade eines Neubaus geworfen hat, bei dem ihn der Bauträger um fünfzehntausend Euro betrogen hatte.“
Dr. Fabricius, ein Nachbar: „Also, ich verbitte mir solche laienhaften Urteile. Und überhaupt, ich bin eigentlich aus einem sehr unerfreulichen Grund hier!“
Lisa: „Ich kann mir auch keinen erfreuliche Grund vorstellen, der Sie hierher geführt haben könnte.“
Dr. Fabricius: „Ja, ähm, also - es geht um die Hecke zur Straße!“
Lisa: „Ja?“
Dr. Fabricius: „Die ist zu breit. Wenn man rechts abbiegen will, sieht man viel zu spät, wer einem entgegenkommt!“
Lisa: „Ja?“
Dr. Fabricius: „Die Hecke muss ab!“
Lisa: „Ja?“
Dr. Fabricius: „Was heißt hier immer nur ja, ja, ja? Haben Sie gehört, was ich gesagt habe?“
Lisa: „Ja!“
Dr. Fabricius: „Na dann, bitte, unternehmen Sie etwas. Sind sie die Tochter des Hauses?“
Lisa: „Sehe ich aus wie eine Garage? Oder ein Gartenhäuschen?“
Dr. Fabricius: „Wie, was?“
Lisa: „Oder was kommt sonst dabei heraus, wenn ein Haus Junge wirft?“
Dr. Fabricius: „Reden Sie nicht so wirr, sonst ... .“
Der DJ: „In diesem Moment schiebt sich eine bedrohliche Gestalt an Lisa vorbei. Die Haare hochgesteckt mit vielen losen Strähnen darin, eine blutbefleckte Schlachterschürze vor dem runden Bauch und ein blutiges Fleischmesser in der rechten Hand.“
Frida: „ … sonst wat? Männeken, du schon widda’? Wir brauchen kein A’zt. Wollt’ er dir auch ’ne Behandlung aus’sem Kreuz leiern?“
Dr. Fabricius: „Nehmen Sie das Messer weg! Außerdem ... ich habe ihnen bereits bei unserer ersten ... ähm, Begegnung gesagt, dass ich Dr. Fabricius bin!“
Frida: „Spuckse noch imma dein’ große Töne!? So’ne aufgeblasenen Wichte wie dich, gab’s bei uns inne Siedlung imma zum Frühstück. Mit dick Butta – anders seid ihr Korinthenkacker ja nich’ zu genießen!“
Lisa: „Frida!”
Frida: „Wat is’ Mädken? Woll’se no’n Bütterken, bevor se fährs’?”
Lisa: „Frida, das ist Dr. Fabricius - ‚Richter Saubermann’!“
Frida: „Ja un’? Von mir aus könn’tat dä Obersteiger von ‚Zeche Pluto’ sein – mein’s ich hätt Angst vor ihm?“
Dr. Fabricius: „Aber, aber, das ist ja ...unerhört, so hat noch niemand mit mir gesprochen. Sehen Sie sich vor, sehen Sie sich vor!“
Frida: „Söhen Sö sich vör, Söhen Sö sich vör - Sach’ma ey, wat soll dat für ’ne Kacke sein - mit dei’m Gelaber geh’se mir voll auf’fe Nerven. Kann’se Dir nich ’n alten Opa mitm’ kaputt’n Hörgerät such’n und dem dä’ ganze Kokolores vorjammern!“
Der DJ: „Das Kaminzimmer der Villa Halde mit seinen Samtvorhängen, den dunklen Samtpolsterstühlen und den schmalen, mit den Jahren nachgedunkelten Klinkerriemchen, ist der gemütlichste Raum im Erdgeschoss. Vor allem im Winter, wo ab dem Nachmittag immer einige dicke Holzscheite im hohen Kamin brennen. Justus, der mit einer Sporttasche über der Schulter nach Hause gekommen ist, geht gerade dort vorbei.“
Milena: „Hey!“
Justus: „Was? Ach du bist’s! Hi Milena. Na, am chillen?“
Milena: „So, so - ich lese.“
Der DJ: „Milena hockt unter einer Vliesdecke mit angezogenen Beinen auf einem der beiden großen Fauteuils und hält Justus das Buch hin.“
Justus: „ ‚Große Budo Meister’ – stimmt, du machst ja Aikido oder so was?“
Milena: „Karate. Mein Trainer hat mir das Buch geliehen. ’S ganz interessant. Und du, machste’ auch Sport?“
Justus: „Ja. Klettern. Komm ich grad’ her.“
Milena: „Wo denn?“
Justus: „’Kletterpütt’ – super Anlage in der alten ‚Zeche Helene’. Gehört dem Alpenverein. Im Sommer bin ich oft im Klettergarten Isenberg, in Hattingen.“
Milena: „Wie biste auf’s Klettern gekommen?“
Justus: „Da war mal eine Aktion von Deutschen Sportbund oder so, Schon gecheckt, was in Dir steckt? Konnte man alles mögliche ausprobieren. Klettern hat mir am meisten Spaß gemacht. Tauchen war auch nicht schlecht. Aber mit den Geräten ... am liebsten ist mir Freiklettern ... aber sag das ja nicht meinem Alten!“
Milena: „Cool. Sieht man dir irgendwie gar nich’ an ... .“
Justus: „Aha. Super Kompliment. Wonach seh’ ich denn sonst aus? Ikebana? Sticken?“
Milena: „Wie wär’s mit Mäuse quälen?“
Justus: „Ey, wenn ich will, dass mich jemand blöd anmacht, dann geh’ ich vor den Bahnhof.“
Milena: „Siehste. Genau das hab’ ich gemeint. Total verkrampft. Kannst’ kein Spaß verstehen.“
Der DJ: „Während die beiden sich noch ein paar Freundlichkeiten um die Ohren hauen, hat es an der Haustüre geklingelt. Frida hat geöffnet. Ein knapp zwanzigjähriger Junge, schwarze Lederjacke und knallenge, zerfetzte Jeans, will an ihr vorbeischlüpfen.“
Frida: „Hey, Kumpel, hiergeblieb’n.“
Fritz: „Lass’ mich los. Meine Jacke. Wassollas?“
Frida: „Vielleich’ kannse mir ma sag’n, wo du hinwills’, biss ja wohl kaum dä Gasableser, oda?”
Fritz: „Wer? Nee, ich gehör’ zu Milena. Is’ mein Mädchen. Klar?“
Frida: „Aha, warum sachse dat nich’ gleich, kannse Dir ’ne Menge Ärger spar’n. Die Kleine is’ im Kaminzimmer, scheint wohl auf dich zu wart’n.
Fritz: „Pöh.“
Der DJ: „Als Fritz dann im Kaminzimmer ankommt, ist das ‚Gespräch’ der beiden Streithähne sofort beendet, denn Milena springt auf und fällt dem Besucher um den Hals.“
Milena: „Hey Ratte! Ich hab’ gar kein Klingeln gehört.“
Fritz: „Mmmhh.“
Justus: „Hallo, äh, ... “
Milena: „Das is’ Fritz. Mein Freund. Und das ist Justus.”
Fritz: „Ach der Spießer. Wart mal, bist du nich’ Waldorfschüler?“
Milena: „Sei doch ruhig.”
Justus: „Nee is’ wirklich prima, wenn du mitkriegst, welche Koseworte über dich in Umlauf sind! Schönen Abend noch!“
Der DJ: „Früher Mittag in Dortmund-Wellinghofen. Lisa Ladugga, die rasende Ruhrpottreporterin ‚Lila’, wirft die Türe ihres roten Spiders ins Schloss und guckt skeptisch über die Straße. Wir hören sie denken!“
Lisa: „ ‚Dorfgrill’? Sieht nich’ grad’ aus wie der Nabel der Dortmunder Pommeskultur. Na, ja, was tut man nich’ alles, im Dienst der Öffentlichen Meinung. Oh nein, ... vier, fünf, sechs, sieben Leutchen vor mir? Na dann Lisa - viel Spaß beim Warten!“
Lisa: „Äh, könnte ich meine Sachen schon mal hier auf die Bank ...?“
Ein junger Handwerker: „Klar, tun sich kein’ Zwang an, mein Abonnement gilt sowieso nur für diesen Platz!“
Lisa: „Was, äh, ja, danke! Ich stell’ mich dann mal an ... .“
Der DJ: „Während Lisa noch die Speisekarte studiert, ist sie mit der Schlange schon vor dem Verkaufstresen angekommen.“
Pommes-Frau: „Was darf’s denn sein? ... Hallo! J u n g e F r a u ?“
Pommes-Kunde: „Ey Alte, hau rein, meine Pause is’ gleich zuende.“
Lisa: „Meinen Sie mich?“
Pommes-Kunde: „Nee, ich sprech’ mit deiner Lammfelljacke, d u scheinst ja nich’ zuhaus zu sein.“
Lisa: „Oh entschuldigen Sie, ich hab’ gar nicht bemerkt … das ging auf einmal so schnell!“
Pommes-Frau: „Wollen Sie vielleicht das Tagesgericht, Schweinebraten mit Klöße? Oder Eintopf?“
Lisa: „Nein, ich will richtig ... Currywurst mit Pommes und Mayo. Oder warten Sie mal, ich nehm’ die Curryfleischwurst, sieht gut aus. Und ’ne Cola!“
Pommes-Frau: „Setzen Sie sich ruhig, kommt gleich!“
Der DJ: „Sie hat die Jacke ausgezogen, sich hingesetzt und ihren Laptop vor sich auf den Tisch gestellt.“
Der junge Handwerker: „Lohnt nich’!“
Lisa: „Wie bitte?”
Handwerker: „Das Büro auf’fem Tisch. Lohnt nich’!“
Lisa: „Wieso das denn, ich möchte nur schnell …”.
Pommes-Frau: „So, bitte sehr. Einmal Curyyfleischwurst die junge Dame!“
Lisa: „Aber, das ist ja … “
Handwerker: „Lohnt nich’, hab’ ich doch gesagt!“
Lisa: „Aber, dass kann doch gar nicht. Wie machen die das denn?“
Handwerker: „Versuch’n Se gar nich’ erst das zu verstehn’. Ich bin seit fünf Jahren jeden Montag und Donnerstag hier, um den Trick zu durchschaun’ – aber keine Chance! So weit ich weiß, hat sich der Chef in diesem Jahr damit in Monte Carlo beworben!“
Lisa: „Was? Monte Carlo?“
Handwerker: „Das Zirkusfestival bei den Grimaldis. Noch nie von gehört?“
Lisa: „Natürlich. Ist irgendwie nicht mein Tag heute. Sonst brauch’ ich nicht so lange, um zu kapieren, ehrlich!“
Handwerker: „Macht nix Mädel. Iss ma’ erst Deine Pommes. Sind se gut?“
Lisa: „Super. Viel besser als die in Herdecke vor zwei Wochen und die in Oberhausen letzte Woche.“
Handwerker: „Sind aber ganz schön viel unterwegs! Pommes-Testerin für den neuen ‚Guide Michelin’?“
Lisa: „Reporterin. Ruhrpott 2010. Jede Woche in einer anderen Stadt!“
Handwerker: „Von wegen: ‚Farbenfroher Ruhrpott - nix mehr mit grau und trist?’
Lisa: „Ja, so ungefähr. Ich darf mich ein zwei Tage durch die Stadt treiben lassen und dann was draus machen – Currywurst-Pommes gehört auch dazu!“
Handwerker: „Na dann – ich werd’ ma wieder ’nen paar Bretter zusammenleimen!“
Lisa: „Okay, war nett im Dorfgrill!“
Handwerker: „Und wenn Sie gleich fertig sind ... “
Lisa: „Ja?“
Handwerker: „Vor lauter Begeisterung nich’ vergessen zu zahl’n!“
Lisa: „Aber ... .“
Der DJ: „Als der junge Mann schon aus der Tür ist, sagt sie leise zu sich:“.
Lisa: „ ... woher wissen Sie, dass mir das öfter passiert?“
Der DJ: „Nachmittag. Kruppke hat mal wieder die Unruhe kaputt und marschiert auf seinen Turnschuhen hinaus ins Grüne. Kommt schon mal vor, dass ein Passant stehen bleibt und dem alten Herrn hinterher staunt: Die große, gebeugte Gestalt, Hände hinter dem Rücken, schmutziggraue, zum Zopf gebundene Haare. Grade kommt er bei ein paar Jungs vorbei, die sich einen Fußball zukicken, während sie offensichtlich auf dem Weg zum Training sind.“
Fußballkind 1: „Los, mach schon!“
Fußballkind 2: „Jetzt zu mir!“
Fußballkind 3: „Ey, pass auf, dä Oppa da.
Kruppke: „Ich gib’ Dich gleich Oppa! Komm, gib mich die Kirsche!“
Fußballkind 1: „Nee, wieso datt denn?“
Fußballkind 2: „Na los, lass ihn schon - hier!“
Kruppke: „Danke Junge, pass upp! Oh, Mist, Autsch. ’Tschuldige!“
Der DJ: „Kruppke, alte Rot-Weiss-Zeiten im Hinterkopf, hat Anlauf genommen und den Ball in ein Brombeerdickicht gedroschen! Jetzt hält er sich seinen schmerzenden Oberschenkel.“
Fußballkind 1: „Watt hab’ ich gesacht? Wetten der Ball is’ hin? Dann müssen S i e da aber für zahlen!“
Fußballkind 2: „Red’ doch kein’ Scheiß. Guck ihn dir ers’ mal an!“
Kruppke: „Nee, Dein Kumpel hat Recht, wenn’er hin is’ werd’ ich ihn natü’lich zahlen.“
Übler Typ: „Klar. Wo Du doch so viel Geld has’, wa’ Kruppke?“
Der DJ: „Kurt Kruppke dreht sich erschrocken um. Er sieht nicht zum ersten Mal in seinem Leben in die Augen eines skrupellosen Schlägers und duckt sich unwillkürlich weg.“
Kruppke: „Hört ma’ Jungs, seht’ zu dass’ir zum Training kommt. Ich hab’ noch was zu klären. Hier, dreißich Euro – mehr hab’ ich nich’ bei. Reicht dat?“
Fußballkind 1: „Klar. Sind Sie sicher, dass wir geh’n soll’n?“
Kruppke: „Ganz sicher!“
Der DJ: „Als die drei Fußballer fünfzig Meter weitergelaufen sind, wendet sich der Fremde an Kruppke.“
Übler Typ: „Na Kurti, is’ Die Deine Pumpe in’ne Kniekehlen gerutscht? ’Nehm an, Du weiß Bescheid, warum ich hier bin?“
Kruppke: „Na ja. Kann ich mir denken. Geht um die Frau Dr. Wambach ihr Testament!?“
Übler Typ: „Blitzmerker! Heut’ wollt’ ich dir nur ma’ Tach sagen. Antrittsbesuch. Wenn’se in dwei Wochen nicht aus dem Kasten raus bis, unterhalten wir uns ma’n bissken auf Sizilianisch. Has’ mich bestimmt verstand’n wa?“
Kruppke: „Ja, war deutlich genuch.“
Übler Typ: „Glück auf, Alter Knacker, wirste’ brauchen könn’!“
Der DJ: „Fußgängerzone Essen-City, Kettwigerstraße. Samstag kurz vor Drei. Hannes und Klara bummeln eingehakt an den Schaufenstern entlang. Als sie gerade auf Höhe der Münsterkirche sind, bleibt Hannes nach einem zufälligen Blick über die Schulter abrupt stehen.“
Klara: „Ey, das tat weh! Kannst Du nicht Bescheid sagen, bevor du ’ne Vollbremsung machst?“
Hannes: „Nein, äh, ich meine, ja, also ... “
Klara: „Was ist los, du siehst aus, als hättest du ein Gespenst gesehen.“
Hannes: „Wieso Gespenst. Quatsch. Komm, lass uns weiter geh’n.“
Klara: „Also jetzt reicht’s aber. Erst lässt du mich auflaufen. Jetzt zerrst Du mich vorwärts, wie der Schlachter die Kuh – geht’s vielleicht etwas weniger grob?“
Der DJ: „Hannes zittert am ganzen Körper. Warum? Fräulein Rollkragen-und-Perlen-Pulli -die elegante Julie! Heißt übrigens in Wirklichkeit Julia Kokskemper und ist die Dauerverlobte von H.D. Meisenberg, Altmetalle und Autoersatzteile, der größte Schrotthändler zwischen Rheinhausen und Lüdenscheid.“
Hannes: „Ähm, ich, äh ... Waass meinst du, soll’n wir ma’ wieder ins Kino?“
Klara: „Wie? Was? Ja. Warum nicht?“
Hannes: „Gut, dann komm!“
Klara: „Wohin?“
Hannes: „Ins Kino. Ich meinte jetzt!“
Klara: „Am Nachmittag? Willst du in die Kindervorstellung?“
Hannes: „Nein. Fiel mir grad’ so ein, als wir an der Lichtburg vorbeigekomm’n sind.“
Klara: „Aha. Und welcher Film schwebt dir so vor?“
Hannes: „Egal, irgendeiner. Gucken wir mal.“
Klara: „Gut, gucken wir!“
Der DJ: „Klara will sich umdrehen, wird aber von Hannes am Arm festgehalten.“
Hannes: „Halt, wo willst du denn hin?“
Klara: „Sach’ mal spinnst du? Das gibt bestimmt ’nen blauen Fleck. Ins Kino natürlich!“
Hannes: „Aber doch nicht in die ‚Lichtburg’!“
Klara: „Äh?“
Hannes: „Ja, lass uns doch mal in ein anderes Kino gehen. Ins ‚CinemaxX’ zum Beispiel!“
Klara: „Okay, raus mit der Wahrheit. Was ist mit dir los?“
Hannes: „Nichts! Ehrlich.“
Klara: „So, so. Nichts. Du hast ’ne rote Birne wie damals, als Deine Eltern auf Kegeltour fuhren und nicht mitkriegen durften, dass ich bei Euch übernachten würde. Wenn du lügst bleiben die Autos auf der Straße stehen, weil sie denken die Ampel wär’ auf Rot umgeschaltet. Ich hab’ die Nase voll. Sag’ Bescheid wenn Du von deinem Trip wieder runterkommst.“
Der DJ: „Ohne eine Antwort abzuwarten, dreht Klara sich um und marschiert davon.“
Hannes: „Wo willste denn jetzt hin?“
Der DJ: „Sonntagnachmittag, kurz vor Drei. Durch die Etagen der Villa Halde wehen die vereinigten Düfte von Okzident und Orient, von Vollkornreis und Pommes Frites. Wer schon lange genug wach ist, hat seinen Mittagsnack jetzt beendet, alle anderen warten noch bis viertel nach Sieben. Beinahe gleichzeitig öffnen sich im zweiten und dritten Stock die Wohnungstüren vom Elwira und Justus. Winterlich warm angezogen, bewegen sich beide in Richtung Ausgang – wo sie einander schließlich erstaunt begegnen.“
Elwira: „Nanu. Tyllmann. Spazieren?“
Tillmann: „Ja! Du auch?“
Elwira: „Komm, geh’n wir zusammen.“
Tillmann: „Prima!“
Der DJ: „Ahnen Sie was? Anael und Zechiel sind nicht die einzigen Außendienstler der Abteilung ‚Zusammenführung und Logistik’. Die Sache mit den zeitgleich geöffneten Wohnungstüren war eine Logistikvariante der Schwierigkeitsstufe B3! Da gehört schon ein wenig Übung zu. Überhaupt - bisher eine ziemlich effektive Arbeit. Und Brunos Attacke im Café – Meisterleistung! Wie es aussieht steht d i e s e Zusammenführung kurz vor dem Abschluss.“
Tillmann: „Wohin?“
Elwira: „Sag du!“
Tillmann: „Weiß nicht.“
Elwira: „Da rüber, in den Wald.“
Tillmann: „Ja, schön.
Der DJ: „Wir sollten das kürzen! Die nächsten zwanzig Minuten wird wenig und einsilbig gesprochen. Und viel gesagt! Ein Gespräch der Kategorie ‚sehr anregend’ – würden die beiden Hauptpersonen sagen. Jeder andere tippte da nur mit dem Finger an die Stirne. Sehen wir uns das Finale an.“
Elwira: „Guck mal da, ist der nicht süß?“
Tillmann: „Wo? “
Elwira: „Da, der Hund.“
Tillmann: „Komisch, von Herrchen oder Frauchen weit und breit nichts zu sehen!“
Elwira: „Na komm, lass dich mal ansehen. Guck mal der Bart, sieht aus wie mein ehemaliger Klassenlehrer.“
Tillmann: „Ich glaube das ist ein Zwergschnauzer. Meine Tante hatte so einen. Wir haben immer Stöckchen geworfen. Wurde ziemlich wild, wenn man nicht losgelassen hat!“
Elwira: „Du bist aber ein Braver. Ja, fein. Willst du den Stock fangen? Da. Hey, nicht so wild. Auatsch!“
Tillmann: „Was ist passiert?“
Elwira: „Er hat mich in die Hand gebissen.“
Tillmann: „Lass mal sehen.“
Der DJ: „Tillmann nimmt ihre Hand in die seine und zuckt zusammen. Eine Berührung der besonderen Art. Kennen Sie den: ‚Es war wie M a g i e!?’ Ein Zitat. Weiß jemand aus welchem Film? Zurück zur Story. Fast eine Stunde später - sie gehen Hand in Hand zurück zur Villa Halde.“
Elwira: „Wie fühlst Du Dich, Tyllmann?“
Tillmann: „Bis eben hab’ ich gedacht mein Leben ist sinnlos. Aber wenn Du denkst, es geht nichts mehr, kommt von irgendwo ein Kellner her.“
Elwira: „Hallo? Sehe ich etwa aus wie ein Mann?“
Der DJ: „Worauf Tillmann ihr das Gegenteil beweist! Cut!“
Was bisher geschah
Woche 5:
Anael und Zechiel arbeiten noch immer an der Zusammenführung der beiden Liebenden – vergeblich, auch wenn Zechiel immer tiefer in die himmlische Trickkiste greift. Dr. Fabricius, der Nachbar, kriegt schon wieder sein Fett weg, wie auch Justus, den Milena bislang für einen ziemlichen Spießer gehalten hat. Während Lisa die beste Pommesbude Dortmunds entdeckt und Kruppke Prügel angedroht kriegt, wenn er das Haus nicht zurückgeben sollte, spitzt sich bei Hannes und Klara das Ehedrama weiter zu. Elwira und Tillmann? Da hat’s gefunkt!
Der DJ: „Was macht eigentlich Beat Kuhn? Sie erinnern sich an seinen letzten Standort? Castrop-Rauxel, spielt Akkordeon während der Aufführungen des ‚Laientheaters Callo’ und wohnt für einen Monat in der Wohnung der Schwester seines Kumpels Freddy. Übrigens eine junge Dame die früher einmal schwer in ihn verliebt war. Beat sitzt gerade bei einem sehr kargen Abendbrot, als das Telefon klingelt. Natürlich geht er nicht ran, ist ja nicht sein Anschluss. Nach einiger Zeit hört er auf dem Anrufbeantworter die Stimme der Wohnungsbesitzerin.“
Freddys Schwester: „Beat ...? Beat, hier ist Sybille. Wenn Du da bist, geh’ mal ran! ...Beat?“
Beat: „ ...ja, hier ist Beat. Sybille?“
Freddys Schwester: „Hey, Beat. Schön mal wieder Deine Stimme zu hören!“
Beat: „Ja, geht mir auch so. Danke, dass ich hier wohnen darf, Supersache, hat mir ziemlich aus der Patsche geholfen ...“.
Freddys Schwester: „Ach komm, ’nicht der Rede Wert! Als Freddy mir von Deinem Stress mit Deiner Ex erzählt hat – klar dass ich Dir helfen wollte.“
Beat: „Ist übrigens supergemütlich Deine Bude. Vor allem der Teppich im Wohnzimmer, mein beiden Collies wollen gar nich’ mehr da runter.“
Freddys Schwester: „Was is’? Deine Collies, bist Du verrückt, ich hab’ ’ne Hundehaarallergie und .... . Ach man. Schon wieder reingefallen. Du nimmst mich noch immer genau so Hopp wie früher, als ich einfach nur die kleine Schwester von Freddy war und allen Mist geglaubt hab’, nur weil er vom lässigsten Typen der ganzen Schule kam.“
Beat: „Entschuldige, wenn ich Deine Stimme höre, passiert das ganz von alleine … War nicht bös’ gemeint.“
Freddys Schwester: „Schon okay. Sag mal was treibst Du eigentlich, wenn Du nicht grade die Mucke für Freddys Truppe machst? In einer fremden Bude, keinen richtigen Job – die Tage müssen Dir doch ziemlich lang werden, oder?“
Beat: „Ich sage dir: ‚Meine Tage sind alle gleich lang, aber unterschiedlich breit’. Aber Du hast Recht, Castrop ist nicht gerade der Broadway. Ich arbeite trotzdem weiter an meiner Weltkarriere ... .
Freddys Schwester: „Da kommt mir eine Idee ... . Wenn ich wieder aus London zurück bin ... ich habe gute Kontakte nach Dortmund. Kulturszene und so. Wenn du willst, kann ich Dich nebenbei ein bisschen managen – was hältst Du davon?“
Beat: „Wow. Ehrlich, das würdest Du tun?“
Freddys Schwester: „Ja, warum nicht? Du warst mal verdammt gut auf dem Akkordeon – vermutlich bist Du jetzt noch besser. Hör mal, wir machen das so: Meine Wohnung ist groß genug. Wenn ich wieder da bin, bleibst du noch ein paar Tage und wir besprechen alles in Ruhe dann kö... Beat. Beat? Kein Ton!?“
Beat: „He? Sibylle? Weg! Okay. Ruf an, wenn Du mich noch mal sprechen willst – Du kennst die Nummer!“
**********
Anael: „Sag mal, bist du übergeschnappt?“
Zechiel: „Wer, ich? Wovon redest Du?“
Anael: „Na, wovon wohl? Du hast einfach die Telefonverbindung gekappt. Das war ein glatter Regelverstoß. ‚Unterbinden einer Verwicklung’. Paragraph 27. Was ist mir los?“
Zechiel: „Hast Du nicht gemerkt? Die ist immer noch hinter ihm her und nutzt seine Situation schamlos aus. Wenn Sie erst mal mit ihm alleine in der Wohnung ist ... .“
Anael: „Natürlich hab’ ich das gemerkt. Was glaubst du denn, wer Du bist? Schicksal spielen bei den Ich-Sagern? Schon vergessen, was der Chef immer gesagt hat? ‚Nur unseren Auftrag. Nur unseren Auftrag. Und die Freiheit, liebe Kollegen, Freiheit – alles andere ... ’“
Zechiel: „ ... arbeitet der Gegenseite in die Hände!’ Ich weiß. Aber Mann, das ist doch ... altmodisch.“
Anael: „Oh, ja. Und ich kenne niemanden, der altmodischer wäre als der Chef. An Deiner Stelle .... .“
Zechiel: „Ja, ja, ja ... . Dann sollen sie doch von mir aus ...!“
Der DJ: „Dienstag morgen, kurz vor neun. Die Gräfin und Jo-Jo sitzen im dem kleinen Warteraum der Onkologie des evangelischen Krankenhaus in Essen-Werden. Jo-Jo sieht sich unbehaglich nach allen Seiten um, die Gräfin thront aufrecht wie eine ägyptische Statue und schweigt.“
Jo-Jo: „Gräfin Zsófia? Gräfin ... .“
Stimme aus dem Off: „Verzeihung. Entschuldigung, darf ich ... “
Jo-Jo: „Was...? Äh, wo war ich stehen geblieben? Ah ja, ... . Gräfin Zsófia ... .“
Stimme aus dem Off: „Es tut mir wirklich Leid, aber ich habe mal eine Frage ... !?“
Der DJ: „Was ist denn da los? Wir haben hier schließlich eine ... wie soll ich sagen ... Produktion. Wo sind Sie und vor allem: Wer sind Sie?“
Stimme aus dem Off: „Ich?“
Der DJ: „Natürlich. Oder stört sonst noch jemand?“
Stimme aus dem Off: „Ich störe Sie? Das war nicht meine Absicht.“
Der DJ: „Absicht oder nicht, Sie stören. Also. Raus mit der Sprache, wer sind sie und wer hat sie in die Geschichte reingelassen?“
Stimme aus dem Off: „Ich bin ein Leser! Wahrscheinlich einer der jüngsten!“
Der DJ: „Wie alt sind sie denn? Unsere Story ist für Jugendliche unter sechszehn Jahre nicht geeignet.“
Leser: „Ach kommen Sie. Wollen Sie damit etwa sagen, die Soap wäre nicht jugendfrei? Glauben Sie mir, Jugendliche werden dabei eher einschlafen, als schockiert sein. Außerdem bin ich längst über sechzehn. Was ich eigentlich sagen wollte, ich bin noch nicht lange Leser. Erst seit zwei Tagen. Und rein gelassen hat mich keiner!?“
Der DJ: „Gut, gut. Also, jetzt mal zur Sache, was wollen Sie?“
Gräfin Zsófia: „Entschuldigen Sie mal. Aber wann geht es denn weiter? Ich habe einen Termin und muss gleich ins Sprechzimmer ... “
Der DJ: „Verzeihen Sie, liebe Gräfin, natürlich, aber lassen Sie uns das eben zuende bringen, dieser Spinner gibt sonst womöglich überhaupt keine Ruhe!“
Leser: „Wie haben Sie mich genannt? Spinner? Na, Danke, ist das etwa Ihre Art mit Lesern umzugehen?“
Der DJ: „Ja. Nein! Entschuldigen Sie, aber ich bin ... . Sie machen mich nervös. Verstehen Sie nicht? Ich bin hier immer der souveräne Spielleiter. Und jetzt kommen Sie mit Ihrer verrückten Stimme aus dem Nichts ... .“
Leser: „Schon wieder! ’Verrückt’! Wissen Sie was, beruhigen Sie sich erst mal, ich komme morgen wieder!“
Der DJ: „Halt, nein! Lassen Sie uns jetzt weitersprechen ... bleiben Sie. Nicht morgen wieder kommen. Ich meine ... natürlich, Sie sind ja unser Leser, kommen Sie morgen gerne wieder auf unsere Seite, aber bitte nicht hier ins ‚Studio’! .... Sind Sie noch da? Hallo? Weg! Na also, wo waren wir? Spielen wir weiter!“
Jo-Jo: „Geht nicht mehr! Die Gräfin ist schon beim Arzt. Ihr habt die Szene vermasselt. Musstet Ihr der armen Frau das auch noch antun?“
Der DJ: „Aber das geht doch nicht. Was sollen denn die anderen Leser denken!? Oh, sagt mir, dass das nicht wahr ist? Vorhang! Vorhang! Hört denn keiner? Cut! Cut!“
Der DJ: „Also heute ist .. – Mittwoch. Ja genau. ... Das Zimmer von Justus. ...“.
Justus: „Verzeihung, wann kommt mein Stichwort?“
Der DJ: „Was? Ach so, Stichwort. Ich wollte nur ... Gottseidank, er scheint nicht da zu sein!“
Justus: „Aber natürlich, ich bin da …“
Der DJ: „Nein, nicht Du. Aber schon gut, fangen wir an. Also .... Justus sitzt in seinem Zimmer, als das Telefon läutet ... .“
Justus: „Justus Rademacher ... . Hallo Mama!”
Leser: „Hallo? Wer spricht da?“
Justus: „Was ist denn jetzt kaputt, da ist jemand in der Leitung!?“
Der DJ: „Sag’ nichts, ich ahne schon wer! Schalte mal auf ‚Mithören’ Justus!“
Leser: „Richtig, hatte ich ja versprochen. Allerdings stecke ich im Stau auf der A 40 fest. Also dachte ich mir, ich rufe an!“
Der DJ: „Jetzt reicht’s aber, Sie ruinieren uns eine Szene nach der anderen. Schluss damit. Schalten Sie das Telefon aus und dann spielen wir ohne Sie weiter. Basta!“
Autor: „Das können Sie nicht machen! Meine Leser haben ein Recht darauf, Ihre Meinung zu sagen. Und das sollte der junge Mann jetzt einfach mal tun!“
Leser und DJ gleichzeitig: „Wer spricht da?“
Autor: „Ich. Der Autor dieser Geschichte.“
Leser: „Abgefahren!“
Der DJ: „Nein. Unmöglich, das geht gegen jede Regel. Sie haben mich zum Spielleiter gemacht und mir dann diesen modischen Titel verpasst – DJ – lächerlich. Aber das ist nichts gegen das, was Sie hier jetzt abziehen. Entweder leiten Sie das Spiel, oder ich. Haben Sie mich eigentlich gewerkschaftlich organisiert?“
Autor: „Wie bitte? Papperlapapp! Sie wollen die Soap verlassen? Bitte. Die größte Rolle Ihres Lebens. 365 Tage im Jahr spielen und dann auch noch die Hauptrolle – von mir aus: Packen Sie Ihre Sachen, ich werde veranlassen, dass Sie noch heute ausgezahlt werden.“
Der DJ: „Mmmhh!“
Autor: „Mehr haben Sie dazu nicht zu sagen? Dann hören Sie jetzt einfach nur gut zu. Also, lieber Leser, erzählen Sie uns, was Sie auf dem Herzen haben.“
Leser: „Wirklich nett von Ihnen. Danke. Also es geht darum ... .“
Justus: „’Tschuldigung, was ist mit mir? Kann ich gehen?“
Autor: „Ja doch. Jetzt nicht mehr stören! Bitte lieber Leser.“
Leser: „ ... es geht darum ... .Wie ich schon sagte, habe ich ihre Geschichte erst vor zwei Tagen im Netz entdeckt. Und ...swegen ..ühl ..stehn!“
Autor: „Hallo? Herr Leser? Sie sind kaum noch zu verstehen!“
Leser: „Hal ... im .. unkloch. ... eitung ... ... ... ... morgen!“
Der DJ: „Da, schon wieder. Er hat gesagt morgen! Er wird schon wieder in die Szene platzen. Haben Sie das gehört!“
Autor: „Ja. Regen Sie sich doch nicht so auf. Wann habe ich schon einmal Gelegenheit noch während des Schreibens mit einem Leser ins Gespräch zu kommen!“
Der DJ: „Sonst noch was? Ja, Danke!“
Der DJ: „ ..... “
Linus: „ .... “
Autor: „Verzeihung, aber warum sagen Sie nichts? DJ? Linus?“
Linus: „ Ohne Stichwort?“
Der DJ: „Wozu sollte ich ihm ein Stichwort geben. Die Szene wird doch so wie so nicht zuende gespielt. Warten Sie nur ab. Er treibt sich hier bestimmt schon irgendwo rum!“
Autor: „Das können Sie gar nicht wissen. Kommen Sie, fangen wir an.“
Leser: „So, da bin ich! Komme grade vom Mittagtisch. Wie bei Ihnen – wenn meine Mutter ruft ‚Essen is’ fertig’, dann nichts wie hin!“
Der DJ: „Ein Muttersöhnchen sind Sie auch noch?“
Leser: „Aufpassen, ja? Es kann viele gute Gründe geben, wenn ein Sohn bei seiner Mutter isst!“
Der DJ: „Ach ja? Und welche Gründe kann es geben, drei Tage hintereinander eine Geschichte zu stören?“
Leser: „Wenn Sie mich gleich zugehört hätten, wäre ich jetzt bestimmt nicht mehr hier.“
Autor: „Sagen Sie uns, was Sie auf dem Herzen haben, schließlich schreibe ich nicht für mich, sondern für meine Leser!“
Leser: „Also, wie ich bereits erwähnte, lese ich Ihre Geschichte erst seit ein paar Tagen. Zunächst die ganzen Erklärungen, dann diese Sache mit den Sätzen und dem Projekt. Und dann die ersten Szenen. Und ich muss sagen – keine schlechte Idee.“
Autor: „Vielen Dank!“
Leser: „Moment. Die Idee ist vielleicht ganz nett, auch die Personen sind ganz passabel – ’nen bisschen viel Klischees, aber - nun gut. Was ich eigentlich sagen will: Wer zum Teufel ...
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Anael: „Hallo da unten!? Könnten wir die Konkurrenz vielleicht aus dem Spiel lassen ...?“
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Autor: „Psst!“
Leser: „Also, wer soll das denn alles lesen? Selbst wenn ich am 1.1.2010 angefangen hätte – jeden Tag eine solche Szene, ohne Bilder, ohne vernünftige Druckversion .... was denken Sie, was ich den ganzen Tag mache? “
Der DJ: „Ich glaube nicht, dass Sie unsere Antwort darauf wirklich hören wollen!“
Leser: „Ach, mit Ihnen spreche ich doch gar nicht. Ich wollte den Autor etwas fragen. Könnten Sie vielleicht ab sofort nur noch Einakter schreiben, oder so etwas in der Art? Die man an einem Tag lesen kann, am anderen nicht – wie man gerade Zeit hat?“
Autor: „Wie? Jeden Tag einen ganzen Einakter? Und was wird aus der Soap? Was wird aus meinem Personal?“
Alle anderen durcheinander: „...hören Sie nicht auf ihn ... Unverschämtheit .... Mörder ... was denkt der sich ...“?
Leser: „Warten Sie bitte. Ich meine kleine Stücke mit den gleichen Personen wie in der Soap. Verstehen Sie? Wissen Sie, ich bin ja kein Schriftsteller und kann ihnen auch nicht genau sagen, wie das geht ... .“
Linus: „Aber ... wo geht denn der Autor jetzt hin. Sie können uns doch nicht .... ?“
Autor: „ ... ich muss nachdenken. Begreifen Sie nicht, was das für mich bedeutet, wenn die Leser der Story nicht mehr folgen können? Das ist ja ... furchtbar!“
Der DJ: „So was! Wer hätte das gedacht. Stellen Sie sich vor, liebe Leser, es gibt heute keine Szene! Nein, nein, nicht wegen diesem Störenfried, ihrem Kumpel, der ist nicht da. Glaub ich zumindest. Es gibt keine Szene, weil der A u t o r keine geschrieben hat! ‚Improvisiert was!’ hat er gesagt, ‚Heute ist Jo-Jo’s Geburtstag.’ Und wir haben gesagt,: ‚Gut, also, kann ja nicht so schwer sein, Musik, Kaffee und Kuchen, Frida kocht Jo-Jo’s Lieblingsessen – so was in der Art’. Und wir hatten schon angefangen, als der Big Boss noch mal wiederkommt und sagt: „Nein, nicht so fröhlich! Die Gräfin ist doch im Krankenhaus.“ Schöne Bescherung, oder? Hatte er uns kein Wort von gesagt! Plötzlich wollte niemand mehr Improvisieren!“
Ein Zweiter Leser: „Mr. DJ?“
Der DJ: „Oh, das klingt aber cool. Was kann ich für Sie tun, Sir?“
Zweiter Leser: „Lassen Sie bloß den ‚Sir’ weg. Wenn Sie jetzt gerade nichts Besseres zu tun haben, könnten Sie vielleicht für alle, die von Anfang an dabei sind, kurz erzählen, was wir in den letzten Tagen verpasst haben? Ich zumindest bin neugierig, wie es weitergeht.´“
Der DJ: „Stimmt, der vorlaute Mensch hat mich ganz und gar aus der Fassung gebracht. Also dann, lassen Sie mich kurz nachdenken ... . Ja! Wir sind bis zu der Szene im Krankenhaus gekommen. Die Gräfin und Jo-Jo saßen alleine in dem kleinen Warteraum und Jo-Jo hat versucht sie zum Reden zu bringen.“
Jo-Jo: „Genau, ich wollte doch wissen, wofür Sie ihr Geld braucht! Das, was sie bei dem Bankencrash verloren hat. Wie hatte Sie gesagt: ‚Habe ich keine Zeit’. Irgendetwas Großes hat Sie noch mit Ihrem Geld vor. Das habe ich an diesem Morgen beim Arzt rauskriegen wollen!“
Zweiter Leser: „Und?“
Jo-Jo: „Ich war ganz nah dran. Aber dann kam ein anderer Patient und das Gespräch war zuende.“
Der DJ: „Das war also die Szene im Krankenhaus. Am nächsten Tag war die Geschichte mit Justus und seiner Mutter.“
Justus: „Ja, meine Mutter hatte angerufen. Sie war ... eifersüchtig, glaube ich. Sie hatte Tillmann Hand in Hand mit einer Frau spazieren gehen sehen. ‚So eine primitive, aufgedonnerte Tussi. Wer ist das?’ Sie können sich denken, dass ich ziemlich ... überrascht war. Ich wusste ja von nichts. Aber für Papa hat’s mich trotzdem gefreut. Hab’ ich ihr auch gesagt. Wow, war die sauer!“
Zweiter Leser: „Fehlt noch Donnerstag und heute!“
Der DJ: „Donnerstag? Stimmt Linus und sein Detektiv.“
Zweiter Leser: „Dieser Niemandt“
Der DJ: „Genau. Linus hat ihm den Auftrag gegeben, den Neffen der alten Frau Dr. Wambach auszuschnüffeln. Alles andere war uninteressant. Und was den Geburtstag betrifft – gehen Sie einfach davon aus, dass ein paar Sachen sich zuspitzen. Klara setzt sich demonstrativ nicht neben Hannes. Tillmann und Elwira haben ihr Coming-Out als Pärchen. Justus und Milena zicken sich an ... so was in der Art!“
Zweiter Leser: „Danke. Wissen Sie was? Ich bin wirklich gespannt, wie’s jetzt weitergeht.“
Der DJ: „Und wir erst – das können Sie mir glauben!“
Der DJ: „ ‚Spielen Sie, als wenn nichts wäre’, hat der Autor gesagt! Wer kann das, nach so einem Durcheinander?“
Frida: „Na wä’ wohl? Kruppke un’ ich! Nich wa’, Kruppke?“
Kruppke: „Dat kannse’ laut sag’n! Bei dem Stress mit dies’n Brutalinski aus’m Stadtwald, hab’ ich so wie so wat an’res im Kopp, als dem Schreiberling seine Soap!“
Der DJ: „Stop! Mensch Herr Kruppke, jetzt haben Sie der Frida aber zu viel verraten. Hier steht’s doch in der Regieanweisung: ‚Kruppke ist abwesend. Sagt andauernd unsinniges Zeug. Dadurch wird Frida stutzig. Am Ende der Szene verrät er ihr den Grund seiner Zerstreutheit’.“
Kruppke: „Oh, natü’lich, saudumm. Dann fang’n wer doch einfach von vorne an, oda!?“
Der DJ: „Unsinn. Ist doch die ganze Spannung schon futsch. Was machen wir denn jetzt?“
Autor: „Das werde ich Ihnen sagen. Tana, wenn Sie so nett wären, einmal alle zusammenzurufen!“
Kruppke: „Wer ist’ Tana?“
Autor: „Oh, entschuldigen Sie. Als ich die Personen der Soap entworfen habe, wollte ich unbedingt einen Typ wie Tana Schanzara drin haben ... .“
Frida: „Die berühmte Ruhrpottschnauze? Dat soll wohl ich sein, wa? Na ja, wo’se Recht has, hasse Recht!“
Autor: „Also, wenn ich Sie bitten darf!“
Frida: „Essen is’ fertig!“
Autor: „Aber...?“
Frida: „Is’ schon gut. Da kommen’se alle. Is’ ja auch gleich soweit!“
Der DJ: „Jetzt bin ich wohl dran: Fünf Minuten später sind sämtliche Bewohner der Villa am Esstisch versammelt. Das heißt bis auf eine. Dafür sitzt jetzt der Autor auf dem Stuhl der Gräfin.“
Autor: „Ich werde es kurz machen: Der unlängst in die Soap eingestiegene Leser hat mich überzeugt. Wir werden unser Konzept ein wenig umstellen. Ja, es wird in Zukunft Einakter geben. Mal sehen, vielleicht einmal in der Woche. Und es wird weiter Szenen geben wie bisher. Und außerdem möchte ich ... . Nein, lassen Sie sich überraschen!
Der DJ: „Kaum hat der Autor geendet, reden alle durcheinander.“
Der Autor: „Stop. Bitte keine Diskussionen. Kunst ist nicht demokratisch. Hier bestimmt nur einer, wie es weitergeht – und das bin ich!“
Kruppke: „Na dann red nich’ so viel, fang einfach früher an, dann bisse schneller fertig. Ham’ wer bei Krupp immer gesacht.
Frida: „Has Recht! Aba’ bevor du hier am Spachteln fängst, möchte’ ich wiss’n wat dat mit dem Brutalinksi aus’sem Stadtwald war!“
Der erste Stern - Szene 1/3
Autor: „Also dann - der erste Einakter. Was Sie, liebe Leser, jetzt auf ihrer Kopftheaterbühne ‚sehen’ ist eine Geschichte aus der Abteilung ‚Fridas Erzählungen oder: So schön war mein Herd’. Der DJ hat sich bereit erklärt, auch in diesen kleinen Stücken den Spielleiter zu geben. Fangen wir an!“
Der DJ: „Ja. Danke. Und herzlich Willkommen! Der folgende Einakter heißt ‚Der erste Stern’. Jetzt gerade befinden wir uns in einem kleinen Gasthaus am Stadtrand von Hattingen. Drei Köchinnen und eine ‚Erste Dame’ sitzen wie jeden ersten Sonntag im Monat nach einem gemeinsamen Abendessen noch zusammen und ratschen. Während ihre Freundinnen angeregt plaudern, ist Frida an diesem Abend mehr als eintönig.“
Annabelle: „ ... was sagst Du dazu Frida?“
Lotte: „F r i d a?”
Frida: „Wat? Oh ja!“
Lotte: „Schätzken, wat is’ mit Dir los? Den ganzen Abend nur ‚ja’, ‚nein’, ‚schön’, ‚ach’ – wer hat Dir denn inne Suppe gespuckt?“
Frida: „Dahfse dreima’ rat’n.“
Renate: „Maticek!“
Frida: „Jau, dä dicke Häbbät. Kricht nich ma ’ne ‚Sauce Béarnaise’ geschlagen, aber macht mir jeden Tach dat Kochen madig!“
Der DJ: „Herbert Maticek ist Küchenchef des Sprockhöveler Nobelrestaurants ‚Zum Schwanen’ und der Schwager des Besitzers.“
Annabelle: „Warum wehrst Du Dich nicht? Ohne dich könnten die doch ihre Küche zumachen!“
Frida: „Kenns’ mich doch, mein’se ich würd’ mein’ Schnabel halt’n? Bringt aba nix, genauso gut könn’se dich mit ’nem gespickten Schweinskopf unterhalten – nur dat dä’ besser aussehn’ tät.“
Lotte: „Un’ die Kollegens’?“
Frida: „Sin’ alle am Meckern, aba keiner sacht wat – nur weil sein’ Schwester die Frau vom Chef is’!“
Renate: „Ahaa?“
Frida: „Wat heißt hier ‚Aha!’ “
Renate: „Ich habe da gerade eine Idee ... !“
Frida: „Wat?”
Renate: „Er kann also nicht kochen?”
Frida: „Nich’ bässa, als mein Jungkoch!”
Renate: „Und die anderen mögen ihn auch nicht?”
Frida: „Keiner!”
Renate: „Das ist doch mal eine gute Voraussetzung. Wenn ich nur wüsste, wie ... ?“
Der DJ: „In diesem Moment erscheint, verschmitzt lächelnd, der Kellner.“
Kellner: „Zufrieden die werten Kolleginnen? Unser Koch wünscht wie immer Ihre ‚Restaurantkritik’ – machen Sie ihn nicht unglücklich!“
Renate: „I h n nicht, lieber Robert, i h n nicht! Sie sind ein Schatz!“
Der DJ: „Während der verblüffte Kellner einen Kuss später die Dessertteller abräumt, stecken die vier Freundinnen ihre Köpfe zusammen und beginnen eifrig zu tuscheln. Nach ein paar Minuten sieht man nur noch strahlende Gesichter.“
Frida: „Renate, Du bis’ ’nen Schenie. Willse ’nen Fiege auf mein’ Deckel?“
Renate: „Um diese Uhrzeit? Wie lange kennst Du mich schon? Ich trink`kein Fiege, da muss ich immer nachts aufs Klo.
Was bisher geschah
Woche 6:
Am Anfang der Woche geht alles ganz normal los. Anael und Zechiel müssen zusehen wie Beat von der ‚falschen Person’ angemacht wird. Zechiel verletzt anschließend sogar die Regeln des himmlischen Betriebs. Gerade als wir zusammen mit der Gräfin und Jo-Jo im Krankenhaus auf den Arzt warten, passiert der Unglaubliche: ein Leser schaltet sich in die laufende Szene ein. Er verlangt eine Änderung des Verfahrens. Nicht mehr die fortlaufende Soap soll es künftig geben, sondern einzelne, kurze, in sich abgeschlossene Stücke (Einakter). Dafür diskutiert der Leser sogar mit dem Autor. Und tatsächlich, seinem Wunsch wird – teilweise – entsprochen! Was wir während der ständigen Unterbrechungen verpassen, kann man übrigens in den Szenen vom Freitag und Samstag nachlesen – ziemliches Durcheinander, nicht wahr?
Der erste Stern - Szene 2/3
Der DJ: „Es sind ein paar Wochen vergangen. Wir sind im ’Schwanen’ und ich muss ein paar Dingen vorwegschicken. Erstens: Der Besitzer des Restaurants - Maticeks Schwager - ist seit einer Woche im Urlaub. Zweitens: Frida hat vorgestern nach einem Streit mit Maticek die Brocken hingeschmissen und gekündigt. Drittens: Maticek hat gestern – ‚im Vertrauen’ - einen Anruf bekommen: „Heute Abend wird ein Restaurant-Tester inkognito zu Gast sein. Sie verstehen? Der erste Stern! Sie erkennen ihn an seinem dicken, schwarzen Schnauzbart“. Viertens: Der Saucier und ein Jungkoch haben sich krank gemeldet. Und gerade in diesem Moment schneidet sich auch noch der Beilagenkoch in den Finger.“
Beilagenkoch: „Autsch. Scheiße, scheiße, scheiße – Maria, Sven ... den Verbandkasten, schnell.“
Maticek: „Wat is’? Mensch, du blutest ja wie ’n abgestoch’nes Schwein. Nimm die Pfote da wech’, du versaus’ mich ja dat ganze Gemüse ... .“
Maria, der Pikkolo (Lehrling): „Geh’n Sie mal da weg, Herr Maticek! Hier, Jürgen, nimm den Lappen und feste zudrücken! Mensch ist das tief!“
Der DJ: „Was Sie nicht sehen können und Maticek auch nicht – die Hand des Kochs ist zwar blutverschmiert, aber unverletzt – eine Rinderblase und reichlich Wildschweinblut haben gute Dienste geleistet.“
Maticek: „Mach den Verband do’ nich’so dick. Wie soll dä Jü’gen damit abeit’n“.
Der DJ: „Gar nicht mehr kann er arbeiten, der letzte erfahrene Koch. Maticek steht alleine mit einem Jungkoch und Maria, dem Pikkolo – und der Restaurant-Tester kann jeden Moment eintreffen. Allerdings kommt jetzt erst mal der Kellner in die Küche und haut dabei dem kopflos umherirrenden Küchenchef die Schwingtüre ins Kreuz.“
Kellner: „Ey, nich' kuck'n bedeutet nich', nich' überfah'n zu werd'n!“
Maticek: „Wat? Mann ich geb’ dich gleich! Wat mach’se denn überhaupt hier?”
Kellner: „Ich arbeite, wenn’s recht ist. Was Sie besser auch tun sollten, denn es gibt neue Bestellungen. Tisch 3. Flambierte Lammkoteletts ‚Gorgonzola’ mit Süßkartoffeln und Zander an Rosmarinschaum. Tisch 5. Entenfiletspieße und Hirsch in Wacholdersahne. Tisch 6 Kalbscarpaccio und Hummer in Morchelrahm.“
Maticek: „Wat, wat, wat? Von wo komm’n denn auf ei’ma die Leute wech? Ich hab’ do’ ga kein’ Reservierungen mehr angenommen?“
Kellner: „Keine Ahnung. Sind drei Pärchen – sehen nach Geld aus!“
Maticek: „Also gut, Sven, Du machs’ dä Humma’, die Ente und dä Zander. Has’ doch schon ma’ gemacht – oda?“
Jungkoch: „Nicht direkt!“
Maticek: „Wie kann’se denn wat indirekt mach’n? Also, gut, dann umgekehrt. Du mach’s Lamm, Hirsch un’ dat Carpaccio.“
Jungkoch: „Ich werd’s versuchen.“
Maticek: „Versuch’n? Ich geb dich gleich!“
Der DJ: „An den folgenden Chaosminuten im ‚Schwanen’ hätte Rach, der Restauranttester, seine wahre Freude gehabt. Und über den Showdown auch.“
Der erste Stern - Szene 3/3
Der DJ: „Das Restaurant des ‚Schwanen’ drei der acht Tische sind besetzt – von wem? Dreimal dürfen Sie raten!“
Annabelle: „Garcon!”
Kellner: „Madame?”
Annabelle: „Die Ente ist halbroh und die Wacholdersahne meines Mannes ist geronnen! Einen Versuch gebe ich der Küche noch – allez vite!“
Kellner: „Oui, pardonnez moi, … gewiss ...“.
Lotte: „Herr Ober!
Kellner: „... äh, ja?“
Lotte: „Sag’n se ma’ – hat dat Lammkotelett inne Hölle geschmort? Guckma da, allet schwaz! Dat essich nich!“
Kellner: „Oh, also, wir machen sofort ...!“
Renate: „Verzeihung?”
Kellner: „Wie, was? Ja, gnädige Frau?“
Renate: „Mein Essen ist völlig versalzen. Bitte bringen Sie mir noch einmal die Speisekarte!“
Kellner: „Gewiss!“
Annabelle: „Jetzt möchte ich in der Küche Mäuschen spielen!“
Ihr Mann: „Weißt Du wat? Wir sollten ma’ öfters ohne die Kinder ausgehen - Datt is so schön und nett mit Dir, Anne“.
Annabelle: „Psst. Heute haben wir erst mal unseren Job zu machen!“
Der DJ: „Und wie sieht es in der Küche aus? Totenstille! Maticek sitzt schwer atmend auf einem Stuhl, Maria fächelt ihm mit einem Kuchenwender Luft zu.“
Maticek: „Aus un’ vo’bei – dä ärste Stärn – kannse vergess’n.“
Maria: „Aber Herr Maticek – is’ doch noch nich’ zu spät. Der Kritiker ist noch gar nicht da!“
Maticek: „Na und? Wat soll’ dat wärn? ‚’Nen Pikkolo, ‚’nen Jungkoch un’nen Chefkoch ... “
Frida: „ ... dä nich koch’n kann – hasse’n Problem Häbät?“
Maticek: „Frida!“
Frida: „Zwei Tage nich’ geseh’n, un’ gleich wieder erkannt – da!“
Maticek: „Wat is’ dat denn?“
Frida: „Na wie siehtet denn aus? Wie’n Liebesbrief? Is’ die Kündigung. Wenn dein Schwager zurück is’, soll er et schwaz auf weiß inne Fingers krieg’n. ’N Abend zusamm’.“
Der DJ: „Sie ist schon halb aus der Türe, als Maticek aus seiner Lethargie erwacht und ihr hinterherspringt.“
Maticek: „Oh, komm Frida. Waht ma. Wa do allet nich’ so gemeint! Wat soll’n wir denn ohne dich mach’n?“
Frida: „Bockwürstchen, dat wirse wohl noch hinkrieg’n, oda?“
Maticek: „Ach komm Mädken, wenn Du nich hier bis, is’ dä ‚Schwan’ doch nur ’nen häßlichet Entlein. Ich wätich auch nich mä rein red’n – väsprech ich dir!“
Frida: „Na gut, Häbät, ein Versuch hasse noch. Also, lass ma sehn – Entenspiesskes? He, Sven, nimm die Pfanne vom Gas.“
Der DJ: „Übrigens ist der Kritiker dann doch nicht mehr gekommen und Maticek war nicht einmal unglücklich darüber. Und die drei Paare? Haben auf Kosten des Hauses königlich gespeist. Und getrunken!“
Kellner: „Ihr Glas ist leer, möchten Sie noch eins?“
Lotte: „Wat soll ich mit zwei leere Gläskes? Mach mich ma lieba noch’n Pils!“
Der DJ: „So. Das war das. Wenn ich den Autor richtig verstanden habe, machen wir jetzt weiter mit der Soap. Allerdings dürfte das etwas schwierig werden, immerhin fehlen uns schon wieder drei Tage und die ... .“
Zweiter Leser: „Ähm, Mr. DJ, könnte ich vielleicht ganz kurz ...?“
Der DJ: „Oh Hallo, Sie sind’s. Eigentlich hatte ich ja fast mit diesemn anderen Kerl gerechnet. Aber gut, was kann ich für sie tun?“
Zweiter Leser: „Ich möchte mich beschweren! Dieser Einakter ... warum haben Sie sich einen solchen Unsinn aufschwatzen lassen?“
Der DJ: „Wieso ich? Sie haben doch gehört, wie der Autor mich abgekanzelt hat? Ich mache hier nur noch ganz brav meine 365 Tage voll und dann geht’s ab in die Sonne!“
Zweiter Leser: „Kommen Sie, Sie müssen doch auch eine Meinung dazu haben. Fanden Sie diese Frida-Story interessant? Spannend? Unterhaltsam? Witzig?“
Der DJ: „Also, ich weiß nicht ... .“
Autor: „Vielleicht sollten Sie sich direkt bei mir beschweren! Bitte, schießen Sie los!“
Zweiter Leser: „Na ja, eigentlich ist alles gesagt. Wenn Sie Koch wären, würde ich sagen das Menü war fade. Tut mir Leid.“
Der DJ: „ ... keine Antwort? Aber, das dürfen Sie so nicht stehen lassen!“
Autor: „Er hat ja Recht! Richtig zufrieden bin ich ehrlich gesagt auch nicht. Je kürzer ein Stück ist, desto knackiger muss die Story sein. War mein erster Versuch in dem Genre. Musste ja auch alles ziemlich schnell gehen ... . Wer weiß, vielleicht kann ich das ja gar nicht?“
Der DJ: „Hey Leute, kann mal einer von Euch den Autor wieder aus der Depri-Ecke rausholen. Das kann man ja nicht mit ansehen!“
Tillmann: „Na los!“
Justus: „Ich? Okay. Herr Autor?“
Autor: „Ja?“
Justus: „Machen Sie sich mal keinen Kopp. Klingt vielleicht ’nen bisschen nach Kindergarten, aber meine Klassenlehrerin hat immer gesagt: Was ich tue, ganz in Ruhe, und mit Mut, das wird gut. Wird schon!“
Fritz (Milenas Freund): „Waldorffuzzi!“
Milena: „Mensch Ratte, halt doch Deinen Mund!“
Der DJ: „Jetzt aber. Weiter im Text. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Am Sonntag haben sich Hannes und Klara wieder zusammengerauft! Ein langer schweigender Spaziergang, Kaffee und Kuchen – alles war wie immer. Fast. Denn jedes Mal wenn das Telefon geklingelt hat, ist Hannes zusammengezuckt.“
Hannes: „Ich glaub langsam, ich hab’ Verfolgungswahn! Ich konnt’ doch nich’ wissen, dat dies’et Püppchen so’ne Klette is’.“
Der DJ: „Montag? Tillmann und Elwira gehen Einkaufen und treffen Freunde von Tillmann. Großes Vorstellen. Peinliches Schweigen.“
Elwira: „Lehrerkollegen! Er glotzt mich von oben bis unten an und sie sieht aus, als wollte sie mich fressen.“
Tillmann: „Das bildest Du Dir nur ein, Jost und Karin sind echt nett.“
Elwira: „Du bist lieb. Aber naiv! “
Der DJ: „Sehen Sie, in der Art ging das am Montag hin und her. Am Dienstag haben Sie was verpasst! Eine Probe der Bochumer Symphoniker. Beethoven, Violinkonzert. Und ein neuer Klarinettist war auch dabei!“
Anael: „Felicitas war ... sehr angetan!“
Zechiel: „Ja. Schließlich hat er der Kleinen auch schöne Augen gemacht. Und Du? Hast so getan, als wenn Dich das gar nicht berührt.“
Anael: Warum auch. Du kennst das doch. Die Ich-Sager spüren, dass der Richtige schon ganz in der Nähe ist. Haben die ganze Zeit so eine Ahnung. Und verwechseln ihn manchmal.“
Der DJ: „Mittwoch war ein trauriger Tag. Lisa hat die Gräfin im Krankenhaus besucht. Hat starke Schmerzen. Und heute? Geht noch was?“
Justus: „Wir waren eigentlich dran.“
Milena: „Ja, fing aber schon wieder nich’ besonders gut an. Irgendwie tret’ ich immer ins Fettnäpfchen.“
Justus: „Da ist sie wirklich gut drin. ‚Stiefbrüderchen’ hat sie mich genannt. Nur weil Tillmann und ihre Mutter was miteinander haben.“
Milena: „Meine Mutter heißt Elwira! Und du bist eine verdammte Mimose. Hast du ein Problem damit, dass die Beiden zusammen sind?“
Justus: „Kein bisschen. Solange es ihm gut tut. Außerdem – ich glaube, Deine M u t t e r ist schwer in Ordnung!“
Milena: „Schon verstanden! Übrigens Samstag um halb Acht gibt’s an unserer Schule eine Benefiz-Veranstaltung für Haiti – wenn Du Lust hast? Tillmann und Elwira sind auch da.“
Justus: „Mmhh?“
Milena: „Wird ’ne feine Sache. Mit Bands, Hip-Hop, Zaubern und so. Je mehr wir einnehmen, desto besser. Du kannst ja so tun, als würdest Du mich nicht kennen!“
Justus: „Hauptsache Dein Typ kennt mich nicht und labert nich’ wieder so’n dummes Zeug.“
Milena: „Ratte? Der war noch nie bei einer Veranstaltung – er hasst die Schule!“
Justus: „Na gut, kann aber sein, dass ich erst um halb Neun da bin, ich geh’ vorher klettern.“
Milena: „Besser zu spät ankommen, als gar nicht erst starten.“
Der DJ: „Die Essener City, Freitag Mittag. Linus Schulte-Umberg und Lisa Ladugga observieren. Ganz ohne Detektiv Niemandt. Das Observierungsobjekt? Dr. Bodo Wambach, Neffe der Frau Dr. Wambach, der, der Kruppke und den Anderen die Villa abknöpfen will. Linus und Lisa wollen es wissen. Suchen den ‚Haken’, an dem sie ihn ‚aufknüpfen können’, wie Lisa so plastisch sagte. Sie stehen vor dem Bürogebäude in dem die Investmentfirma ‚Wambach+Partner’ hinter Edelstahl und Glas residiert“.
Lisa: „Meinst Du er kommt?“
Linus: „Er kommt jeden Mittag“.
Lisa: „Zu Fuß?“
Linus: „Ja.“
Lisa: „Alleine?“
Linus: „Mit seinem Partner!“
Lisa: „Wann?“
Linus: „In dreißig Sekunden!“
Der DJ: „Lisa muss lachen, aber Linus meint es todernst. Und er behält Recht. Dr. Wambach ist auf die Sekunde pünktlich. Ein großer Mann. Langer, dunkelblauer Mantel. Schmale Brille mit Goldrand. Edelgraues, nur leicht schütteres Haar. Raubvogelprofil. Schlank, mit dem federnden Schritt eines Athleten.“
Lisa: „Wow, Gordon Gecko im Ruhrpott. Der Mann ist viel zu perfekt, um fehlerlos zu sein!“
Linus: „Hä?“
Lisa: „Erklär ich Dir später.“
Der DJ: „Die nächste halbe Stunde verlief wie jeden Tag. Heute war ein Edelitaliener an der Reihe. Linus und Lisa hatten Glück und saßen Rücken an Rücken mit ‚Wambach+Partner’.“
Linus: „Kannst Du hören was sie sagen?
Lisa: „Psscht, warte mal!“
Sein Partner: „ ... noch mal: Die Stadt will verkaufen? Warum denn? In ein paar Jahren sind die Grundstücke das Fünffache wert!“
Lisa: „... uninteressant! Was war das für ein Geräusch?“
Linus: „Sein Blackberry. Kriegt fast jeden Mittag eine SMS. In drei Minuten steht er auf und geht zur Toilette.“
Lisa: „Was macht er da?“
Linus: „Öh, ich glaube, dass wollen wir gar nicht wissen, oder?“
Lisa: „Immer drei Minuten nach einer SMS geht er aufs Klo und du willst nicht wissen, was er da macht? Guten Morgen!“
Linus: „Du meinst … ?“
Der DJ: „Linus saß bereits auf einem heruntergeklappten Klodeckel, als die sich Türe zur Herrentoilette öffnete. Er sah an den Edelslippern, dass es Wambach war. Und dann hörte er ihn telefonieren.“
Dr. Wambach: „Na, was macht meine kleine Lolita denn gerade? Mmhh? Oh ja, das kann ich mir gut vorstellen. Nein, nicht das Schwarze. Das mit der rosa Spitze. Was? Um halb sechs. Wie immer. Bussi!“
Lisa: „Hat er wirklich Lolita gesagt? Und er ist verheiratet? Linus, wenn es das ist, was ich glaube, haben wir gerade eine Goldader angestochen!“
Der DJ: „Samstag kurz vor Mittag. Frida und Kruppke sitzen in der Küche und essen.“
Frida: „Ja, wir essen! Wat is’ Herr Diedschäj, will’se wat von probieren?“
Der DJ: „Was? Ich? Aber, das geht doch nicht, ich komme doch in Ihrer Welt gar nicht vor!?“
Frida: „Ach wat, essen muss man, ob in diese oda in welche Welt auch imma! Komm ma bei uns bei, gibt gefüllte Kohlrabi!“
Der DJ: „Also, nun ja, obwohl ... Kohlrabi? Ist noch nie so mein ... !“
Kruppke: „Komm Frida, lass ihm, wenn’s ihm vielleich’ nich schmeckt...!“
Frida: „Ich glaubet dich wohl, schmeckt nicht, gibt's nicht! Ist doch ein Rezept von Henriette Davidis!“
Der DJ: „Na ja, dann will ich mal. Aber ... wer kommentiert denn jetzt, was gerade geschieht? Irgendeiner müsste jetzt sagen: Der DJ setzt sich hin und Frida schiebt ihm einen Teller hin.“
Kruppke: „Kann ich ja meinswegen mach’n.!
Der DJ: „Danke, mmhh, schmeckt wirklich, mmhh, fantastisch.“
Frida: „Sach ich doch!“
Der DJ: „Pssst! Herr Kruppke!“
Kruppke: „Wat is?”
Der DJ: „Sie müssen jetzt was sagen!“
Kruppke: „Ja, wat soll ich … schönet Wetter heute?”
Der DJ: „Nein, sie müssen sagen, dass es gerade an der Türe geläutet hat und Frida nachguckt, wer das ist!“
Kruppke: „Ja also, es hat gerade geläutet ...“
Der DJ: „Schon gut, ich hab’ es ja jetzt gesagt!“
**********
Der DJ: „Also ich übernehme wieder: Vor der Türe steht ... „
Frida: „ ... dieser bekloppte Arzt, der imma’ Hausbesuche machen will, obwohl er schon längs’ in Pengsion is’. Hö’ mir ma gut zu Männeken, is’ mich ganz egal welches Rad bei dich ab is’, aba eins is’ ma völlich klar, Frida Kokoschinski is’ am essen und davon krieg’n mich keine zehn Gäule wech – Mahlzeit!“
Dr. Fabricius: „Aber ... :“
Der DJ: „Valentinstag! Halb zwölf in der Nacht. Wir befinden uns in der Notaufnahme des Universitätsklinikums Essen. Im Moment ist alles ruhig. Klara hat sich in ihrer Pause kurz nach unten gestohlen, um ein paar Worte mit ihrer Freundin Manu zu wechseln.“
Manu: „ ... damals in Witten hatte ich nach einer Schicht in Herdecke manchmal ein ganz surreales Erlebnis. Urplötzlich erstrahlt der Himmel nachts grellorange und du realisierst, dass du dich in keinem Traum, sondern in unmittelbarer Nähe des Edelstahlswerks befindest! “
Klara: „Ja, das kenne ich auch. So muss das sein, wenn man Drogen nimmt.“
Manu: „Was meinst Du - wie lange hält man das aus? Wechselschicht, immer weniger Personal und immer mehr ... .“
Der DJ: „In diesem Moment ertönt ein durchdringender Piepton, während gleichzeitig die rote Blinkleuchte über der Eingangstüre aufleuchtet.“
Manu: „Mensch, die sind doch erst vor einer halben Stunde los. Kannst du die Sanis in Empfang nehmen? Ich rufe noch mal den Doc!“
Klara: „Na klar. Leg los!“
Der DJ: „Die Routine der Notaufnahme rollt an. Klara hat einige Jahre hier gearbeitet und kennt noch jeden Handgriff. Der Notarzt aus dem Wagen diktiert ihr den Erstbefund.“
Notarzt: „Unfall. Männlich, 48. Ist als Fußgänger von einem Auto angefahren worden. Frakturen, Platzwunde am Hinterkopf. Verdacht auf schweres Hirntrauma. Jede Menge innerer Verletzungen.“
Der DJ: „Während sie die Krankenakte ausfüllt, wandert ihr Blick immer wieder zur der Liege hinüber, die durch den Notarzt halb verdeckt ist.“
Manu: „So, das Team ist komplett. Geh ruhig wieder hoch.“
Klara: „Ich bin froh, dass ich nicht mehr hier unten bin. Zu viel Dramatik! Mach’s gut. Hoffentlich kommt er durch!“
Manu: „Danke!“
Der DJ: „Klara ist schon fast aus der Türe, als ein erstickter Schrei Manus sie zurückholt.“
Manu: „Klara, Klara, das ist .... “
Klara: „ ... Hannes!“
Was bisher geschah
Woche 7:
Tillmann und Elwira treffen Freunde von ihm, die seine ‚unstandesgemäße’ Partnerin skeptisch betrachten. Felicitas hat einen neuen, attraktiven Symphonie-Kollegen. Die Gräfin ist noch immer im Krankenhaus. Justus wird von Milena zu einer Benefiz-Gala eingeladen. Linus und Lisa sind den dunklen Seiten des Dr. Wambach auf der Spur. Am Schlimmsten trifft es Hannes und Klara. Nachdem sie sich wieder zusammengerauft haben, wird Hannes von einem LKW angefahren und lebensgefährlich verletzt. Ist er auf die Straße gestoßen worden?
Der DJ: „Die Bewohner der Villa Halde sind entsetzt. Hannes liegt schwerverletzt im Krankenhaus. Autounfall. Er war auf dem Weg von seiner Stammkneipe nach Hause, als er auf die Straße getorkelt ist und von einem vorbeifahrenden LKW erwischt wurde. Hat nicht angehalten. Fahrerflucht. Jemand aus dem Haus gegenüber hat ihn gerade noch wegfahren sehen. Kennzeichen war aber nicht zu erkennen. Klara steht unter Schock. Der Arzt hat ihr ein starkes Beruhigungsmittel gegeben und dafür gesorgt, dass sie nach Hause gebracht wird. Während sich Lisa, Elwira und Frida um sie kümmern, halten Kruppke, Linus und Tillmann im Krankenhaus abwechselnd Wache. Jetzt ist es kurz nach drei Uhr am Nachmittag. Kruppke und Tillman sitzen in der Caféteria.“
Tillmann: „Und? Schon was gehört?“
Kruppke: „Nix. Sie operieren noch.“
Tillmann: „Verdammt. Scheint ihn ja wirklich schlimm erwischt zu haben.“
Kruppke: „Kanns’ wohl laut sag’n.“
Tillmann: „Es heißt er wär’ betrunken gewesen?“
Kruppke: „Ja, wer’s glaubt!“
Tillmann: „Wie. Meinst Du das stimmt nicht?“
Kruppke: „Kann’s dich noch an den Geburtstach vonne Gräfin erinnern?“
Tillmann: „Ja, wieso?“
Kruppke: „Has’ gesehn’ wat der Hannes sich an dem Ab’nd wechgedrückt hat?“
Tillmann: „Ja. ’Ne ganze Menge.“
Kruppke: „Un’ weisse noch, wat’er am Schluss gemacht hat?“
Tillmann: „Nee, da war ich wohl schon oben.“
Kruppke: „Die Klara war an seine Schulters eingeschlafen. Hat sie mit seine Tatzen hochgehoben un’ is’ mit ihr die Treppe rauf, als wenn er ’nen Federbett trag’n würd’. Un getorkelt isser nich’ so viel!“
Tillmann: „Und wenn er gestern noch ein bisschen mehr getrunken hat?“
Kruppke: „Hatt’er nich. Er weiß, wann Schluss is’, glaub mir.“
Tillmann: „Und was heißt das?“
Kruppke: „Er is’ nich gestolpert, wenn’se mich frags’, er is’ geschubst word’n.
Tillmann: „Waaas? Aber von wem denn?“
Kruppke: „Dat’ soll Niemandt rausfinden!“
Tillmann: „Warum soll das keine herausfinden? Das wäre doch versuchter Mord!“
Kruppke: „Niemandt is’ ... ach wat, dat erklär’ ich dich später. Ich muss ma für kleine Königstieger!“
Tillmann: „Gut, dann geh’ ich jetzt auf die Station!“
Der DJ: „Kruppke, schon fast aus der Türe, dreht sich noch einmal um.“
Kruppke: „Mann, dat hätt’ ich nich’ jedacht, dat aus so’n bunten Haufen, so’ne gute Kumpels werd’n würd’n. Dat is wie bei die Musketiere. Waht ma, wie hieß dat bei die doch gleich?“
Tillmann: „Einer für alle, alle für einen.“
Kruppke: „Genau!“
Der DJ: „Merken Sie was? Die Hütte brennt, auch wenn ‚Hütte’ angesichts einer dreistöckigen Villa nicht wirklich passt. Hannes liegt lebensgefährlich verletzt im Universitätsklinikum, Klara hat einen Nervenzusammenbruch, Gräfin Zsófia lässt eine Chemotherapie über sich ergehen, ein berüchtigter Rechtsanwalt will ihnen die Villa Halde unterm Hintern wegklagen und Kruppke ... . Wie viel Frist hatte ihm der üble Typ im Stadtwald gegeben? Jetzt jedenfalls, um kurz vor Elf am Morgen, hat er sich, wie so ziemlich jeden Vormittag, Turnschuhe und Fischgrätmantel angezogen und ist losmarschiert. Gerade kommt ihm eine junge Frau mit Kinderwagen entgegen.“
Junge Frau: „Herr Kruppke?“
Kruppke: „Ja-ah?
Junge Frau: „Ich bin’s Maria!“
Kruppke: „Wat? Nee! Sach bloss – der Rosa ihre Tochter! Menschenskind, als die alte Frau Dr. Wambach starb, wa’sse noch so klein. Un’ jetzt? Fährs bestimmt kein’ Bierkästen durche Gegend, wa?“
Junge Frau: „Guckst du, Herr Kruppke, mein Sohn Felipe!“
Der DJ: „Kruppke zieht die Kappe vom Kopf, beugt sich über den Wagen und lupft das Oberbett ein Stück nach unten.“
Kruppke: „Hömma Mädken, dat is kein' Baby, dat' is' Sonnenschein im Strampelanzuch!“
Der DJ: „Marias Mutter Rosa war jahrelang Haushälterin im Wambach’schen Haus. Nachdem er noch eine Weile mit ihr gesprochen hat, schlägt sich Kruppke seitwärts in den Wald und marschiert - ‚Glück auf, der Steiger kommt’ pfeifend - munter drauf los.“
Übler Typ: „Nee, Nee, Kruppke has’ kein Glück heute! Is’ Zahltach!“
Der DJ: „Als der Brutalinski hinter einem Baum auftauscht wird Kruppke kreideweiß. Mit schlotternden Knien sieht er sich nach allen Seiten um.“
Übler Typ: „Kommt keiner, wa? Hätt’s besser auf mich gehört!“
Kruppke: „Aba, dat könn’se doch nich mach’n. ’Nen wehrloser alter Mann ... Nein, nich’!“
Der DJ: „Der üble Typ zieht einen Gummiknüppel aus dem Mantel und geht auf Kruppke los.“
Übler Typ: „Sorry, aba ich mach’ nur mein Job.“
Der DJ: „Was er in diesem Moment nicht sieht, Kruppke aber sehr wohl, ist Frida. Auf ihrem Fahrrad, eine Holzlatte in der Hand, rast sie geradenwegs auf ihn zu.“
Frida: „Attacke!“
Übler Typ: „Wat? Autsch!”
Frida: „Da, Du Drecksack. Und so ... und noch ma!”
Der DJ: „Kruppke steht wie versteinert da und sieht mit offenem Mund zu, wie Frida auf den Kerl eindrischt.”
Frida: „Mann Kruppke, mach fettich. Nimm’ dä Gummiknüppel und dann druff!“
Kruppke: „Was? Gumiknüppel. Jawoll!“
Übler Typ: „Scheiße, seid ihr verrückt, aua, Ihr bringt mich ja um!“
Frida: „Kein Angst. Die grüne Minna wird jed’n Augenblick hier sein.“
Übler Typ: „Wat, die Bullen?“
Frida: „Guck dich dat an, wat er auf ein’ma am laufen fängt!“
Der DJ: „Mittwoch kurz nach Sechs am Abend. Elwira hat Feierabend und verlässt gerade das ‚Café am Stadtwaldplatz’. Auf der anderen Straßenseite wartet Tillmann. Die beiden wollen noch etwas einkaufen. Kurz bevor sie einander in den Arm nehmen können, taucht aus der Menge eine Frau vor ihnen auf. Schlank, knielanger Rock, Stiefeletten, kurzes, fransig geschnittenes blondes Haar, asymmetrische Designerbrille.“
Frau: „Hey, Tillmann! Na, das ist ja … “
Der DJ: „Sie umarmt und küsst ihn zur Begrüßung. Tillmann ist im ersten Moment sprachlos.“
Tillmann: „ ... Ina. Du?“
Ina: „Ich glaube schon!“
Elwira: „Ähm, mh.“
Ina: „Ah, ich habe gar nicht gemerkt ... ihr gehört zusammen?“
Tillmann: „Ja ... ich meine ... Elwira und ich ... genau. Also, das ist Elwira. Und das ist meine Frau ... Ina.“
Elwira: „Deine F r a u!“
Tillmann: „Ja. Ich meine, nein, also nur noch auf dem Papier.“
Ina: „Na, ja ... .“
Der DJ: „Betretenes Schweigen.“
Ina: „Schön. Also Sie sind Elwira!? Sie kommen mir so bekannt vor. Kann es sein, dass Sie hier irgendwo arbeiten? Vielleicht bei Edeka, an der Kasse?“
Tillmann: „Nein! Elwira ist doch keine Kassiererin! Sie arbeitet drüben im Café!“
Ina: „Ah! Keine Kassiererin. Sondern Kellnerin! Interessanter Job. Besser als nichts, was?“
Elwira: „Ja. Besser als .... “
Der DJ: „Eine lange Pause. Während Tillmann für die beiden Frauen einfach nicht mehr da ist, stoßen sie einander unsichtbare Dolche in die Augen.“
Elwira: „ ... vieles andere ... .“
Ina: „So, so ... Was ich sagen wollte ... Tillmann, ich habe schon die ganze Zeit vorgehabt dich mal zum Essen einladen. Frank ist nächste Woche mit einer Klasse unterwegs. Hast du Lust?“
Der DJ: „Achtung, liebes Publikum. Jetzt werden Sie Zeuge von etwas, das normalerweise gar nicht bis hoch in unser Oberstübchen dringt. Ich sage nur: Abteilung ‚Logistik und Zusammenführung’! Passen Sie auf, dort, die beiden Teenager, in genau dem Moment als Tillmann antworten will, sagt die eine zur anderen halblaut, aber für Tillmann gut hörbar.“
Teenager: „Hömma, lass dich nich verarschen!“
Tillmann: „Was? Äh. Zum Essen? Ich glaube nicht. Nein, besser nicht. Also Ina, mach’s gut. Komm Elwira.“
Der DJ: „Und dann hakt er die strahlende Elwira vergnügt unter und dreht, fast als würde er tanzen, auf der Stelle mit ihr um, ohne auch nur einen einzigen Blick auf seine Noch-Ehefrau zu werfen.“
Ina: „Aber ... ?“
Der DJ: „Vormittag in Jo-Jo Grafs Friseursalon. Jo-Jo und Manfred, ein Kollege, unterhalten sich, während sie nebeneinander stehen und zwei gut situierten Damen mittleren Alters die Haare schneiden.“
Jo-Jo: „ ... ich weiß das auch nicht. Die Gräfin hat so etwas ... Starkes. Ohne das ganze Machotheater, verstehst Du?“
Kollege: „Nein, kein bisschen!“
Jo-Jo: „Dann kann ich Dir auch nicht helfen. Jedenfalls gehe ich heute in Krankenhaus und ihr werdet die letzte Stunde ohne mich arbeiten, ja?“
Kollege: „Du bist der Boss.“
Jo-Jo: „Ach papperlapapp.“
Der DJ: „Eine Weile schweigen alle.“
Kollege: „Psst!“
Jo-Jo: „Was denn?“
Kollege: „Jo-Jo!“
Jo-Jo: „Ja-ah, waass ist denn lo-os?”
Kollege: „Guck doch wo Du schneidest!“
Jo-Jo: „Wenn du so flüsterst, Manfred, kann ich dich überhaupt nicht verstehen.“
Manfred: „Guck doch mal was Du da machst, Du ... “
Jo-Jo’s Kundin: „Aber - Sie schneiden mir ja ein Loch in den Pony!“
Jo-Jo: „Oh Gnädigste ich bin untröstlich.“
Jo-Jo’s Kundin: „Was ist denn heute mit Ihnen los? Immerzu diskutieren. Als wenn man gar nicht da wäre! Und jetzt das.“
Jo-Jo: „Verzeihung. Es ist nur ... eine gute Freundn von mir ist im Krankenhaus ... Darmkrebs ... ich komme einfach nicht damit ... .“
Jo-Jo’s Kundin: „Oh Sie Armer. Nicht weinen! Und jetzt mache ich Ihnen auch noch Stress!“
Der DJ: „Sie nimmt tröstend seine Hand und Jo-Jo beginnt hemmungslos zu weinen. Als er sich wieder beruhigt hat, bringt er das Malheur auf ihrem Kopf so gut es geht wieder in Ordnung. Später, er will gerade den Salon verlassen, hält Manfred ihn noch einen Moment fest.“
Kollege: „Mensch Jo-Jo, hab ich ganz vergessen: Tom hat heute Mittag angerufen, wegen dem Event in Düsseldorf!“
Jo-Jo: „Das sagst Du erst jetzt?“
Kollege: „’Tschuldige! Das mit den vier Models geht klar. Und dann, hat er gesagt, müssen wir in geplanten Spontansituationen was anbieten.“
Jo-Jo: „Versteh’ ich nicht.“
Kollege: „Er meint: wir tun so, als würde jemand aus dem Publikum hoch kommen und Du machst ihm eine neue Frisur – irgendwas Verrücktes! Aber in Wirklichkeit ist der Typ, oder das Mädel von uns!“
Jo-Jo: „Oh. Clever. Ich lass mir was einfallen! Aber jetzt muss ich wirklich – Bussi!”
Der DJ: „Musiktheater Piano in Dortmund-Lütgendortmund. Acoustic-Live-Abend. Zwei Bands, ein Liedermacher und Beat Kuhn, Soloakkordeon. Beat und Sibylle aus Castrop-Rauxel sitzen im Publikum. Sein Auftritt ist durch. Das Publikum war zufrieden.“
Sibylle: „Du warst der Beste, mein Schatz!“
Beat: „Mmmhh.”
Sibylle: „Hast Du gehört? Die irische Band? Kein Charisma. Der Typ mit der Guitarre? Langweilig! Und die da? Nur ein bisschen Schrumm-Schrumm. Die können froh sein, dass ich Dich hier rein gebracht hab’!“
Der DJ: „Während Sibylle immer wieder an ihm rummacht, ihren Kopf an seine Schulter lehnt und seine Hand zwischen ihre nimmt, reagiert er gar nicht.“
Sibylle: „Beat, Süßer, wo bist du?“
Beat: „Ja, Bille!“
Sibylle: „H a l l o! jemand zuhause? Woran denkst Du gerade?“
Beat: „An gar nichts!“
Sibylle: „An irgendwas musst Du doch denken!“
Beat: „Ich höre einfach nur zu. Ich würde auch gerne weiter zuhören. Die sind nicht schlecht, vor allem der Bassist!“
Sibylle: „Ach!“
Der DJ: „Sibyllchen schmollt. Und schweigt. Was Beat durchaus zu gefallen scheint.“
Sibylle: „Denkst Du an Sie?“
Beat: „An wen?“
Sibylle: „Tu doch nicht so. An Deine Ex!“
Beat: „An Britta? Unsinn. Lass mich doch bitte die Musik hören. Das ist unhöflich, wenn wir die ganze Zeit reden.“
Sibylle: „Pah!“
Der DJ: „Sibylle schweigt – Moment, lassen Sie mich die Zeit stoppen: 34 Sekunden!“
Sibylle: „Guck mal, da sind die beiden von vorhin!“
Beat: „Wer? Wo?”
Sibylle: „Da, rechts, an dem Tisch ganz außen. Mit denen habe ich eben am Tresen gesprochen. Obwohl –gesprochen ist eigentlich falsch. Die haben sich richtig angestrengt hochdeutsch zu sprechen, die Häuslebauer vom Süden, aber ich hab' nix verstanden.“
Beat: „Ah, so!”
Sibylle: „Beat! Du hörst mir schon wieder nicht richtig zu!“
**********
Zechiel: „Was findet er bloß an der?“
Anael: „Sie war einfach zur richtigen Zeit da!“
Zechiel: „Das kann er doch nicht machen. Einfach so!“
Anael: „Die Ich-Sager sind so. Sie sind einfach nicht gerne alleine.“
Zechiel: „Na die werden sich freuen, wenn Sie erst mal hier oben sind. Nie mehr alleine.“
Anael: „Immer noch besser, als bei der Konkurrenz zu landen!“
Der DJ: „Haltestelle Essen-Bredeney. Milena wartet seit fünf Minuten und tritt fröstelnd von einem Fuß auf den anderen.“
Justus: „’Nen Abend!“
Milena: „Was? Mensch Justus, musst du mir so ins Ohr brüllen!“
Justus: „Sorry.”
Milena: „Wohin?“
Justus: „In die Stadt.“
Milena: „Ich auch. Was machste?“
Justus: „Kino.“
Milena: „Ich auch. Welcher Film?“
Justus: „Percy Jackson.“
Milena: „Ich auch. In der Lichtburg?“
Justus: „Ja.“
Milena: „Na ja, warum nicht.”
Der DJ: „Als sie später nebeneinander sitzen, geht es recht einsilbig zu. Bei dem Handytelefonierer ihnen gegenüber allerdings nicht.“
Handytelefonierer: „Wat? Ich, ’nen Satz für diese komische Geschichte von dem Typen in Bredeney mit seine olle Villa? Warum? Weil’se mit dei’m Namen auch drin steh’n möcht’s? Na dann mach doch! Wie, ich kenn Dich doch? Kla’ nach 17 Jah’n. Da kenn ich allet an dich. Leider. Wat? Ne’ ich hab nich’ leider gesacht. Auch nich leise. Ich soll ... weil ich imma so gute Sprüche auf Lager hab’? Man Ische, doch nich auf Kommando. Nachdenk’n soll ich? Kla’, kann ich mach’n. ... Wie warum ich so lange nachdenk ... ? Dat war’n doch keine dreissich Sekunden. Nee, keine Changse, mir fällt getz einfach kein Satz ein, ich weiset nich!“
Der DJ: „Später. Als Milena und Justus nur noch fünfzig Meter vom Kino entfernt sind, bricht Milena das Schweigen.“
Milena: „Was ich dich eigentlich schon die ganze Zeit fragen wollte, wie hat Dir eigentlich unsere Benefiz-Gala gefallen? Ich hab nachher die ganze Zeit beim Aufräumen geholfen und ihr wart dann einfach weg.“
Justus: „Die Gala? Ja, d i e hat mir auch gut gefallen.“
Milena: „Wieso auch?”
Justus: „Weil ... ah, sie ist schon da!“
Milena: „Wer ist wo?“
Der DJ: „Statt eine Antwort zu geben legt Justus ein paar schnelle Schritte ein, während ihm ein Mädchen entgegengerannt kommt, das vor dem Kino gewartet hatte. Als sie einander um den Hals fallen und küssen kriegt Milena Stielaugen. Etwas später.“
Milena: „Daria? Ich dachte w i r wären zum Kino verabredet? Und wieso hast Du mir nichts von Dir und Justus ... ? Was läuft hier eigentlich für ein scheiss Film?“
Daria: „Wir wollten Dich überraschen. Wenn Du ihn nicht mit zu der Gala geschleppt hättest ... . Ist doch toll! Mein Freund und meine beste Freundin wohnen im gleichen Haus. Einfach super, oder?“
Milena: „Wirklich super. Ich könnte Heulen vor Glück!“
Wechselgeld - Szene 1/3
Der DJ: „1987, wir sind in Duisburg. Linus Schulte-Umberg ist knapp 19 Jahre alt und macht seinen Zivildienst beim Diakonischen Werk, Bahnhofsmission. Dort taucht auch an diesem Tag ein Obdachloser auf, der sein Hab und Gut in einem Militärrucksack und vier Leinenbeuteln mit sich trägt. Er ist groß, schlank, hat langes, lockiges, fast weißes Haar, eine Brille mit Goldrand und trägt sommers wie winters einen Wildledermantel mit ausknöpfbarem Lammfell.“
Linus: „Wer ist das eigentlich?“
Kollegin: „Der ‚Doktor’!“
Linus: „Wieso Doktor?
Kollegin: „Weiß’ keiner so genau. Vielleicht wegen der Brille. Hat auch immer ein Buch dabei, hab’ ihn aber noch nie lesen sehen.“
Linus: „Er sieht so ... würdevoll aus! Schläft er auf der Straße?“
Kollegin: „Keine Ahnung. Weißt Du was, wir folgen ihm einfach. Ist nichts los heute, Franz kriegt das schon alleine hin!“
Der DJ: „Als ‚der Doktor’ die Mission verlässt, heften sie sich auf seine Fersen. Vor einem aufwändig restaurierten Gründerzeitbürohaus müssen sie warten.“
Kollegin: „Anwälte, Notare, Steuerberater ... was macht er da drin?“
Linus: „Keine Ahnung!“
Der DJ: „Eine Viertelstunde später.“
Linus: „Guck mal, er hat einen Hunderter in der Hand!“
Kollegin: „Wow, nicht schlecht!?“
Linus: „Mensch, umdrehen, er sieht zu uns rüber.“
Kollegin: „Keine Sorge, das kriegt er nicht mit, ist so weit weg, wie ... hinter einer Wolke!“
Der DJ: „Als nächstes steuert der ‚Doktor’ einen Schnellimbiss an und bestellt dort ein Schnitzel mit Pommes, einen Krautsalat und ein Glas Wasser. Linus und seine Kollegin bestellen ebenfalls und setzen sich etwas entfernt von ihm hin. Der Doktor isst langsam und bedächtig. Als er bezahlt, steht Linus bereits hinter ihm.“
Linus: „Aber ...!“
Imbissbudenbesitzer: „Ja?“
Linus: „Sie haben ... das war ein Hunderter ... und sie haben dem Herren nur drei Mark 30 zurückgegeben!“
Imbissbudenbesitzer: „Wat für’n Herrn? Dä Penner da? Pass auf, watte sach’s, sonst hat der Arsch gleich Kirmes!“ Du wills’ doch wohl nich behaupt’n ich wär’n Gauner wat? Hier, ist dat etwa ’nen Hunderter?“
Linus: „Nein, ein Zehner ... ’tschuldigung, sah wirklich aus, wie ... “.
Der DJ: „Als Linus kurz darauf vor der Türe nach seiner Kollegin und dem Doktor Ausschau hält, berührt ihn eine ältere Frau am Ellbogen und zischt ihm zu:“
Frau: „Los, geh’n Se ’nen pa Schritte weiter!“
Was bisher geschah
Woche 8:
Eine insgesamt hoffnungsvolle Woche für die Bewohner der Villa Halde. Als Kruppke im Wald von dem schon bekannten Brutalinski attackiert wird, eilt ihm Frida zu Hilfe – gemeinsam schlagen sie den Angreifer in die Flucht- Auch die Begegnung von Elwira und Tillmann und mit dessen Ex hat ein für die frisch Verliebten gutes Ende. Und selbst ein böser Friseur-Fehler Jo-Jo’s geht noch einmal glimpflich aus. Und das Justus und Milenas beste Freundin ein Paar sind, ist doch auch ganz nette – auch wenn Milena das durchaus anders sieht!? Bei Beat und Sibylle stehen die Zeichen allerdings auf Trennung.
Wechselgeld - Szene 2/3
Der DJ: „Einen Tag später. Linus und seine Kollegin sitzen in der Frühstückspause zusammen.“
Kollegin: „Waaass hat sie gesagt? Jeden zweiten Tag?“
Linus: „Ja, der ‚Doktor’ geht drei mal in der Woche in der Pommesbude essen. Die Schwester von dem Banditen hat mir erzählt, das geht schon seit Jahren so. Er zahlt mit einem Hunderter und kriegt auf einen Zehner raus!“
Kollegin: „Und der Doktor merkt nix – natürlich!“
Linus: „Wir müssen uns was einfallen lassen. Aber ... jetzt erzähl Du mal!“
Kollegin: „Stell Dir vor, er übernachtet nicht draußen ... er lebt in’ner Riesenwohnung, am Kant-Park. Sieht aber von draußen schlimm aus. Die Gardinen gilb und zur Hälfte heruntergerissen. Blinde Scheiben.“
Linus: „Hast Du seinen Namen rausgekriegt?“
Kollegin: „Auf der Klingel steht Dr.Bragmann. Als ich grade drauf geguckt hab’, kam eine Nachbarin nach draußen und hat mich gefragt, was ich von dem ‚Penner’ wollte.“
Linus: „Und, hat Sie Dir etwas über ihn erzählt?“
Kollegin: „Das kam aus ihr raus wie Wasser aus’sem Rohrbruch. Sie hat so was von geflucht! ‚Oh, der Herr war immer etwas Besseres! Sein Vater - das war ein fleißiger Mann. Hat früher ein Vermögen im Kohlenhandel verdient. I h m war das zu schmutzig, er wollte hoch hinaus! Ein richtiger Nobelarzt ist er geworden, große Privatklinik. Vizepräsident der Ärtzekammer. Bis jemand entdeckt hat, dass sein Doktortitel gefälscht war. Hat nicht mal zuende studiert!’ Und das ist die Dame richtig philosophisch geworden! ‚Wohin du wolltest, ist nicht so wichtig, hat sie mit erhobenem Zeigefinger gesagt, wo du gelandet bist, ist interessant! Und wo ist er gelandet? Im Gefängnis! Zwei Jahre. Die Frau ist mit den Kindern abgehauen. Und was wurde aus ihm? Ein verrückter Penner. Wenn das Vermögen vom Kohlen-Bragmann nicht gewesen wäre! Sein Alter hat ihn auf Lebenszeit mit Geld und mit der Wohnung hier versorgt! Und wir müssen damit klar kommen.’ Und dann ist sie abgerauscht.“
Linus: „Ein Hochstapler. Na, ja. Aber irgendwie tut er mir trotzdem Leid.“
Kollegin: „Mir auch. Und dieser Pommensbudenbesitzer darf auf keinen Fall davonkommen!“
Linus: „Genau. Was machen wir da nur? Vielleicht sollten wir versuchen, ihn auf frischer Tat zu ertappen. Am besten gleich mit Polizei!“
Kollegin: „Vergiß es. Du has’ noch nicht viel mit der Polente zu tun gehabt, was? Meinst Du, Du kannst da einfach reinmarschieren und sagen, sie sollen mitkommen, wegen einem Obdachlosen, der sein Wechselgeld nicht korrekt wiederbekommen hat?“
Linus: „Aber, es geht um zweihundertsiebzig Euro pro Woche – und das jahrelang!“
Kollegin: „Und wenn schon. Außerdem wird der Imbissbudenbesitzer sagen, er hätte sich den Schein nicht richtig angeguckt. Nein, so wird das nicht gehen!“
Linus: „Hast Du eine bessere Idee?“
Kollegin: „Ja, und wir werden viele Helfer haben, verlass Dich drauf!“
Wechselgeld - Szene 3/3
Der DJ: „Am nächsten Mittag in der Imbissbude. Es ist viertel vor Zwölf. An der Theke hat sich ein Schlange gebildet, die fast bis zur Ausgangstüre reicht. Scheint allerdings nicht gerade das Lieblingspublikum des Chefs zu sein.“
Imbissbudenbesitzer: „Ey wat is denn hier los? Haut ab Ihr Bettler, ich geb’ nix!“
Berber 1: „Wat is? Ich will nix von dir geschenkt. Ich hätt gern’ eine kleine Pommes ohne allet. Hier essen.“
Imbissbudenbesitzer: „Na gut. Else, eine Pommes. Un’ Du?“
Berber 2: „Eine Frikadelle, warm, hier essen!“
Imbissbudenbesitzer: „Weiter, los Du!“
Berber 3: „Also ich möchte ... eine Pommes ... nee, wart mal. Bratwurst.“
Imbissbudenbesitzer: „Bratwurst ... weiter!“
Berber 4: „Pommes. Aber schön braun ....“
Berber 3: „Moment, ich hab’s mir anders überlegt. Ich möchte auch ein Pommes. Mit Mayo.“
Imbissbudenbesitzer: „Man mach fettich. Dat geht ja ga’ nich vowät’s. Außerdem stinkt’at hier, wie auf’m Bahnhofsklo. Fresst Eure Sachen und dann fo’tt mit Euch!“
Else: „Wat war dat getz? Pommes oda Bratwurst?“
Berber 3: „Pommes.“
Der DJ: „Eine halbe Stunde später ist die Bude rappelvoll. Alle Tische sind besetzt. Kleine Portionen Pommes frites. Einzelne Frikadellen. Manchmal haben steht auch nur ein einsames Glas Wasser vor dem ‚Lumpengast’.“
Berber 5: „Ich hatte Pommes mit Mayo bestellt, nich’ mit Soße – die ess ich nich’!
Imbissbudenbesitzer: „Man ey, dat weisse doch, dat dat bei de Weiber an manchen Tagen mit der Mayonaise nix wird.“
Berber 5: „Mit Soße geht nich’, krieg ich Ausschlach von!“
Imbissbudenbesitzer: „Man du kanns’ gleich Ausschlach von mir krieg’n, aber vorn Hals! Wat’ is denn hier eigentlich los? Habt Ihr Ausgang oder wat? Kommt ja kein anständiger Gast mehr rein. Heut nacht kann ich die Bude ers’ ma desinfe’zieren. Wenn dat so weiter geht, hol ich die Polente!“
Kollegin: „Glaub’ ich nich’!“
Imbissbudenbesitzer: „Wat wills’ Du denn?“
Linus: „Meine Kollegin möchte Ihnen sagen, dass Sie niemandem verbieten können hier in aller Ruhe etwas zu verzehren. Heute nicht. Und morgen nicht. So lange, bis auch der allerletzte Duisburger begriffen hat, dass das hier das Stammlokal sämtlicher Obdachloser der Stadt ist!“
Imbissbudenbesitzer: „Wollt Ihr mich fertich’ mach’n?“
Kollegin: „Ja!“
Linus: „Es sei denn ... .“
Kollegin: „ ... Sie würden in Zukunft keinen Obdachlosen mehr betrügen.“
Imbissbudenbesitzer: „Aber ich betrüge kein’ ... .“
Linus: „Nein? Wie würden Sie das denn nennen, wenn Sie ein Schnitzel essen, 100 Mark abgeben und drei Mark zurückbekämen, einen Rechenfehler?
Imbissbudenbesitzer: „Ach dat, dä Verrückte. Der weiss doch ga’ nich wat 100 Mark sind.“
Kollegin: „Aber wir. Und die vielen Kollegen von ihrem Stammgast auch. Wär’ also besser, Sie machen, was wir Ihnen sagen. Und weil sie den ‚Doktor’ schon jahrelang betrogen haben, hat er den Rest seines Lebens bei Ihnen Freitisch – verstanden?“
Imbissbudenbesitzer: „Wat? Nee! Auf ga’ kein Fall, dat is’ ja ... hey, wo wollt ihr hin, ihr Schweine ... .“
Linus: „Tschüß, viel Spaß – wissen Sie, eigentlich sind das alle ganz nette Leute hier, wenn man Sie erst mal näher kennenlernt ...!“
Imbissbudenbesitzer: „Hier bleib’n. Is’ ja schon gut. Er kricht sein Freitisch ... “.
Kollegin: „Sehr gut. Und jetzt spendieren Sie den armen Kerlen hier noch wat Ordentliches, so viel Geduld muss doch belohnt werden!“
Der DJ: „Was haben wir in den letzten drei Tagen verpasst? Am Sonntagnachmittag saßen die Bewohner der Villa bei Kaffee und Kuchen zusammen. Die Stimmung war gut. Schließlich hatten die Ärzte Hannes Zustand als ‚stabil’ bezeichnet. ‚Er sei’, hiess es, ‚auf dem Weg zurück ins Leben’. Auch die Gräfin würde wohl noch in dieser Woche erst einmal entlassen werden. Montag? Ach ja, da hat Lisa ein wenig in Wambachs Leben herumgeschnüffelt. Dabei sind ihr die arrogante Ehefrau, ein neugieriger Sekretär und ein scharfer Wachhund über den Weg gelaufen – ihre schneller Verstand und eine gute Ausrede, haben Schlimmeres verhindert.“
Lisa: „Das kann man wohl laut sagen. Wambachs Haus ist besser bewacht, als Fort Knox!“
Der DJ: „Gestern saßen wir mit Klara an Hannes Bett auf der Intensivstation. Hat ihm wieder von ihrer Arbeit erzählt und davon, wie dumm sie in den letzten Wochen gewesen ist. Und ein Geheimnis hat sie dem Bewusstlosen auch erzählt ...“.
Klara: „Geht niemanden was an. Ich hab mich mit diesem Arzt nur unterhalten ... der Kuß, ... das war einfach zum Abschied, wie unter Freunden!“
Der DJ: „Und heute? Gehen wir in die Küche. Frida und Kruppke. Seit ihrer erfolgreichen Vertreibungsaktion hängen die Beiden noch mehr aufeinander.“
Kruppke: „Jetzt setz sich doch ma’ auf dein Allerwerstesten. Kann ja keiner mit angucken, wie du hier ’rumpest!“
Frida: „Von wegens. Meine Küche muss imma tipp-topp sein. Nach dem Pfannkuchenbacken sieht dat hier ja aus wie bei Hämpels unterm Sofa.“
Kruppke: „Hömma, wat ich dich schon lange sagen wollt ... !“
Frida: „Wat kommt den getz?”
Kruppke: „Wieso bis du eigentlich letzte Woch’ mittat Fahrrad in’ Stadtwald gefah’n? Ich hab Dich no nie auf’em Drahtesel gesehn? Ausgerechnet an dem Tach?“
Frida: „Och, wer will denn dat wissen?”
Kruppke: „Na ich!”
Frida: „Kriss nich viel mit wa? Ich war ja nich nur an diesem Tach mittat Fahrrad unterwegs. Du bekloptter Ker’ muss ja tächlich durch die Gegend rasen.“
Kruppke: „Wie? Bisse etwa ständich hinter mich her? Aba wieso dat denn?”
Frida: „Wieso? Dat frags’ Du noch? Erzähl’s mir von dem Brutalinski sein Ultimatum und dann geh’se jeden Tach alleine vor die Tür, als hättste zwei Leben.“
Kruppke: „Dat heiß, Du bis meinswegen … aba, Frida …!”
Frida: „Wat denn, wat denn? Jetz ma nich sentimental werd’n. Meinse ich hätt Lust den ganzen Tach alleine in diese Küche zu steh’n? Un drei Leute im Krankenhaus, is’ eindeutich einer zu viel ... . So, un jetzt nimm dich die Glastücher un’ mach’ die Gläskes trock’n’
Kruppke: „Jawoll, Herr Hauptfeld… da!"
Frida: „Igittigitt – musse mir dä nasse Sabber auffe Backe drück’n?”
Der DJ: „Tanzschule. Erster Kurs. Zweite Stunde. Elwira und Tillmann haben es getan!“
Tillmann: „Es geht, Elwira, ich kann’s!“
Elwira: „Gut, weiter so!“
Tillmann: „Verstehst du nicht, ich habe immer geglaubt, ich bin völlig unfähig, was das Tanzen betrifft.“
Elwira: „Pssst!“
Tillmann: „Nein wirklich, das ist eigentlich wie Physik. Man muss nur die Regeln verstehen. Dann ist es ganz einfach!“
Elwira: „Tyllmann – das ist der fünfte Tanz! Die ersten Schritte. Das wird schon noch schwierig.“
Tillmann: „Ach, wenn man genau aufpasst, ist alles ganz logisch!“
Elwira: „Ja, Du hast Recht ... .“
Der DJ: „Was meinen Sie, wollen wir mal ein wenig in die Zukunft gucken? Ausnahmsweise? Wir sind am Ende der achten Stunde. Samba.“
Tillmann: „Tam, ta, tam, tam, ta, tam .... ooooh nein, ich krieg das nie hin.“
Elwira: „Tylmann, Tylmann – mit der Hüfte, locker.“
Tillmann: „Ja, ja, ja. Im Kopf hab’ ich das klar, aber meine Beine können dem Kopf nicht folgen. Und Hüfte? Die kommt irgendwann später.“
Elwira: „Kannst Du nicht Deinen Kopf ein bisschen vergessen?“
Tillmann: „Ohne Kopf geht schon gar nichts. Los komm, noch mal. Tam, ta, tam, tam, ta, tam. Tam, ta, tam, tam ... Mist, Mist, Mist. Ich glaub ich bin der Einzige der das nicht hinkriegt.
Martin, ein anderer Tänzer: „Tillmann?“
Tillmann: „Ja?“
Martin: „Kein Stress - Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.“
Tillmann: „Danke Martin. Wenn ich Dich so sehe – da werde ich eine Menge Glück brauchen ... “
Martins Frau: „Lass Dir keinen erzählen – wenn Du wüsstest, wie viel Stunden er zuhause die Grundschritte übt. Und eine Tanz CD hat er sich auch gekauft.“
Der DJ: „Das reicht. Wie gut, dass wir n i c h t in die Zukunft gucken können!“
Tillmann: „Eins, zwei, drei, eins, zwei, drei – langsamer Walzer ist total einfach! Mensch bin ich ich froh, dass Du mich überredet hast. Jetzt kann die Hochzeit von Deiner Kusine ruhig kommen. Bis zum Herbst legen wir zwei ’ne kesse Sohle hin.“
Elwira: „Tyllmann ! Meine Brüder und Tanten und Onkeln und Kusinen – alle können Sie tanzen – auf dem Dorf ist das normal. Vielleicht solltest Du nicht allzu viel erwarten!“
Tillmann: „Ach Quatsch!
Der DJ: „Es ist kurz vor Eins am Mittag. Lottoladen in Bredeney. Wir sehen die Gräfin in einer langen Schlange vor dem Abgabeschalter stehen. Sie hält sich sehr aufrecht. Schwankt aber gelegentlich und muss sich immer wieder an einem Grabbeltisch abstützen.“
1. Mann: „Hömma, gestern wa’ ich beim Friedhelm!“
2. Mann: „Friedhelm wer?“
1. Mann: „Dä Meister ausse Lehrwerkstatt. Friedhelm Meier, mit e-i. Stand doch letzten Monat inne Zeitung, als’er achtzich wu’de. Mann, dä Lockenfrieder, mittä schwa’ze Schnauzer- früher!“
2. Mann: „Ach Lockenfrieder – warum sach’se dat nich gleich?“
1. Mann: „Na jed’nfalls, wir ham inne Küche gesess’n un’ über die alte Zeit gesproch’n. Kommt dann dä Köttel von seim Sohn rein - wattema wie heißt dä? – Kevin, und sacht, er wü’d studier’n im Sommer, Webdesigner, un’ ob sein Oppa, also dä Friedhelm, ihm im Monat wat dabei tun würd.“
2. Mann: „Geld?“
1. Mann: „Nä, Hosenknöppe! Natü’lich Geld ... jedenfalls ... dann hat ihm dä Siggi ’neAntwort gegeb’n, da, da, ha, ha, da, da ....“
2. Mann: „Wat is’ denn mit Dir ... soll’n wa ’nen Doktor ruf’n?“
1. Mann: „ ... ich hab mich vo Lach’n fast die Bux nass gemacht ... “
2. Mann: „Un’ wat hatter getz gesacht?“
1. Mann: „Er hat gesacht ... phh, phh, ... Hömma, hat’er gesacht, mein Vatta war schon Papst, dem sein Vatta war schon Papst, da wirst du gefällichst auch Papst! Ich werd dir geben ... Webdesigner!“
2. Mann: „Dä is wir’klich gut!“
Gräfin Zsófia: „Verzeihung die Herren .. “
1. Mann: „Ja, nich’ wa? Un’ weisse, wat’at witzichste is?“
2. Mann: „Nä!“
1. Mann: „Dat wür’d doch ga’ nich geh’n, dä is’ nich ma katholisch!“
Gräfin Zsófia: „Verzeihung, würde es Ihnen etwas ausmachen, nicht so ... “
Frau: „Junge Frau! Vorsicht.“
2. Frau: „Halten Sie fest! Um Gottes willen!“
Lottoladenbesitzer: „Hier, setzen Sie sie auf einen Stuhl, ich rufe einen Krankenwagen.
Gräfin Zsófia: „Nein, nicht Arzt. Hier, rufen Sie diese Nummer. Fragen Sie nach Jo-Jo. Bitte!“
Lottoladenbesitzer: „Meinen Sie wirklich? Vielleicht wäre der Arzt doch besser?“
Gräfin Zsófia: „Nicht Arzt. Jo-Jo Graf!“
Lottoladenbesitzer: „Nun gut. Es ist Ihre Gesundheit“.
Frau: „Vielleicht können Sie ihr ein Glas Wasser ...?“
Lottoladenbesitzer: „Oh ja, natürlich!“
Der DJ: „Wir sind in Castrop. Beat wohnt noch immer bei Sybille. Jetzt ist es Nachmittag. Beat spielt gerade Akkordeon, als die Tür aufgeht.“
Sibylle: „Hallo Süßer.“
Beat: „Hallo.”
Sibylle: „Was ist? Freust Du dich nicht?“
Beat: „Wie?”
Sibylle: „Freust Du dich nicht mich zu sehen? Ich war den halben Tag einkaufen!“
Beat: „Doch. Schon!“
Sibylle: „Wer’s glaubt!“
Der DJ: „Es vergehen 17 Sekunden!“
Sibylle: „Hast Du schon den Müll nach unten gebracht?“
Beat: „Was?“
Sibylle: „Den Müll, hast Du den schon nach unten gebracht. Ich hatte Dir doch den Zettel auf die Türe geklebt!
Beat: „Ja.“
Sibylle: „Oh super!“
Beat: „Wie?“
Sibylle: „Super, dass Du den Müll nach unten gebracht hast!“
Beat: „Hab ich gar nicht.“
Sibylle: „Grade hast Du gesagt, Du hast!“
Beat: „Nein.“
Sibylle: „Doch. Du hast ‚ja’ gesagt!“
Beat: „Wozu?“
Sibylle: „Also jetzt reicht’s!“
Beat: „Hey, meine Noten!“
Sibylle: „Die kriegst Du erst dann wieder, wenn Du den Müll nach unten gebracht hast!“
Der DJ: „Beat lässt die Schultern hängen, schnallt sein Akkordeon ab und verlässt murmelnd den Raum.“
Beat: „ ... unfertig ist der Mensch ... !“
Sibylle: „Was?“
Beat: „Nichts.“
Sibylle: „Was hast Du gesagt?“
Beat: „Ich habe gesagt, dass ich noch nicht fertig war mit meinem Üben!“
Sibylle: „Du kannst das doch, warum musst du denn immer Üben!“
Beat: „Äh, Sibylle?“
Sibylle: „Ja, mein Schatz!“
Beat: „Schon gut ... .“
**********
Anael: „Siehst Du?“
Zechiel: „Was?
Anael: „Die Dinge erledigen sich ganz von alleine, auch wenn man nicht in die Freiheit der Ich-Sager eingreift.“
Zechiel: „Die räumt das Feld nicht so leicht, darauf kannst Du Dich verlassen!“
Der DJ: „Sonntag nachmittag gegen halb Vier. Justus und Daria sitzen aneinandergeschmiegt auf dem Bett in Justus Zimmer. Gelegenlich küssen Sie sich auch.“
Daria: „Justus?”
Justus: „Mmhhh?”
Daria: „Geht’s Dir gut?”
Justus: „Mmmhhh!“
Daria: „Wills Du noch was unternehmen?“
Justus: „Nhh, nhh.”
Daria: „Musst Du noch was für die Schule machen?“
Justus: „Nhh, nhh.”
Daria: „Sollen wir gucken, ob Milena Zeit hat?“
Justus: „Nhh, nhh! Bloß nicht!”
Daria: „Kannst Du auch mal was anderes sagen als immer nur nhh, nhh?
Justus: „Nhh, nhh.”
Der DJ: „Das Gespräch der beiden frisch Verliebten bleibt einsilbig. Ein knappe halbe Stunde später:“
Daria: „Justus? Los komm, steh auf. Ich hab’ keine Lust mehr hier faul rum zu hängen.“
Justus: „Mmhh. Noch fünf Minuten!“
Daria: „So, raus aus dem Bett!“
Justus: „Aua! Warum kneifst Du mich?“
Daria: „Ich kneif’ Dich gar nicht!“
Justus: „Hey, Aua! Nich’, nein, nicht kitzeln.“
Daria: „Du brauchts nur aufstehen!“
Justus: „Nicht, bitte, sonst, nein, phht. Lass das sein, sonst .... !“
Daria: „Sonst was!“
Justus: „Sonst, kann ... nicht kitzeln ... sonst kann ich für nichts garantieren!“
Daria: „Tu Dir keine Zwang an!“
Der DJ: „Zwei Minuten später liegt Justus kampfunfähig auf dem Teppich, von Daria in einem verzwickt aussehenden Griff nieder gehalten.“
Justus: „Oh Mann, was ist mit Euch Mädels los. Bist Du auch Jugendmeisterin im Karate oder so was?“
Daria: „Nicht ganz. Judo und Jiu-Jitsu.“
Justus: „Könntest Du mich vielleicht wieder auseinanderfalten?“
Daria: „Nur wenn Du endlich aus den Puschen kommst. Gehen’ wir spazieren, ich muss mir wenigstens einmal am Tag den Wind um die Nase wehen lassen."
Justus: „Hast gewonnen.“
Was bisher geschah
Woche 9:
In der neunten Woche suchen Lisa und Linus noch immer nach einem Fleck auf Dr. Wambachs weißer Weste. Klara erzählt dem schlafenden Hannes von einem freundschaftlichen Kuss mit einem Kollegen, Frida gesteht Kruppke, dass sie schon vor dem Überfall täglich auf ihn aufgepasst hat. Sonst noch was? Tillmann tanzt, die Gräfin hat einen Schwächeanfall, bei Beat und Sibylle kriselt es. Bei Daria und Justus dagegen kriselt es kein bisschen!
Der DJ: „Am Samstag hat Kruppke Post bekommen. Ein Gerichtstermin steht bevor. Verhandelt wird die Sache ‚Wambach gegen Kruppke’. Es bleiben den Hobbydetektiven Linus und Lina keine drei Wochen mehr, den Dingen eine entscheidende Wendung zu geben. Heute versuchen sie zum siebten Mal Dr. Wambachs geheimnisvolle Lolita ausfindig zu machen. Sechs mal hat sein Jaguar sie schon hinter sich gelassen. Aber da der Investmentberater präzise wie ein Uhrwerk funktioniert, haben Sie jedes Mal an einem ferner gelegenen Punkt die Verfolgung wieder aufgenommen.“
Linus: „Bist Du bereit?“
Lisa: „Jep!“
Linus: „Noch ungefähr eine Minute!“
Lisa: „Mein Spiderfräulein ist schon ganz heiß darauf, sich an das schwarze Raubtier zu hängen!“
Linus: „Hast Du keine Angst, er kriegt langsam was mit?“
Lisa: „Warum? Wir sind jetzt seit zwei Wochen immer nur ein, zwei Kilometer hinter ihm her. Der müsste Hellseher sein!“
Linus: „Da, er kommt, pass auf!“
Lisa: „Gebongt!“
Der DJ: „Es klappt. Der rote Spider hängt sich an Wambachs Limousine, ist aber durch einen vorfahrenden BMW fast unsichtbar.“
Linus: „Verflixt, die Ampel da vorne. Ist schon viel zu lange grün. Ich will nicht schon wieder abgehängt werden.“
Lisa: „Hängt auch von dem Opi vor uns ab. Wenn der aufs Eisen tritt, haben wir keine Chance.“
Linus: „Mist. Rot. Wieder nix!“
Lisa: „Wenn Lolita in Oberhausen wohnt, wissen wir Weihnachten noch nicht, mit wem wir es zu tun haben!“
Linus: „Dreh um, hat eh keinen Sinn!“
Lisa: „An der nächsten Kreuzung, vielleicht steht er ja selber an der Ampel.“
Linus: „Optimistin!“
Lisa: „Moment mal. Hast du das gesehen?“
Linus: „Hä?“
Lisa: „Da, rechts, die kleine Straße. Wenn ich mich nicht ganz irre, steht da ein schwarzer Jaguar.“
Linus: „Ja! Das isser! Er ist gerade in einem Hauseingang verschwunden. Nix wie hin!“
Der DJ: „Anderthalb Stunden später sind Linus und Lisa einen großen Schritt weiter – und sehr enttäuscht. ‚L.Sporek’ steht auf der Klingel die zum Dachappartement der kleinen Komfort-Wohnanlage gehört.“
Linus: „ ‚L’ – das könnte Lolita heißen!?“
Lisa: „Ja. Wenn sie wirklich so heißt, wird das nix von wegen minderjährige Geliebte – damit hätten wir einen As weniger im Ärmel!“
Linus: „Und jetzt“
Lisa: „Jetzt fahre ich zur Redaktion – ich habe schließlich einen Job. Und für die nächsten Tage heißt die Devise: Wer ist L.Sporek? Weiter machen. Recherchieren. Steter Tropfen höhlt den Stein!“
Linus: „Mein Onkel hat immer gesagt: Steter Tropfen ist Goldes wert!“
Lisa: „War Dein Onkel Wirt?“
Linus: „Nee, Imker!”
Der DJ: „Halb Acht am Abend. Essen is’fertig! Heute sitzen fast alle Bewohner der Villa zusammen und geniessen einen großen Topf ‚Gelbe Linsensuppe mit arabischen Gewürzen’. Die Sitzordnung? Vor Kopf auf der einen Seite sitzt Kruppke, ihm gegenüber die Gräfin. Rechts neben Kruppke folgen Frida, Lisa, Linus, Milena und Jo-Jo, rechts von Kruppke sitzen Klara, Hannes Stuhl bleibt lehr, dann kommen noch Elwira, Tillmann und Justus.“
Kruppke: „Alle mal herhören. Et gibt’ne gute Nachricht! Hannes kommt nächste Woche in’ne Reha!“
Klara: „Ich soll Euch alle von ihm grüßen!“
Frida: „Un’, hatt’er meine Blinys wechgespachtelt?“
Klara: „Wär ein Anschlag gewesen, hat er gesagt. Fünf Pfannkuchen auf einen Rutsch - die Operationsnarbe am Bauch ist ihm fast aufgeplatzt!“
Lisa: „Na denn, wenn ihm das Essen wieder schmeckt ... Frida Du kannst einen echt ins Grab kochen ... !“
Kruppke: „ ...un’ mit die Düfte von deim nächsten Essen von den Toten wieder wechlocken!“
Linus: „Wie geht’s Ihnen denn, Gräfin Zsófia?“
Lisa: „Linus!”
Gräfin Zsófia: „Nein, ist gut schon. Bin ich sehr krank. Arzt hat gesagt ich soll bleiben zuhause bei meinen Freunden. Mir geht es nicht gut.“
Der DJ: „Eine Weile herrscht betroffenes Schweigen.“
Jo-Jo: „Kann ich noch einen Schlag Suppe haben?”
Frida: „Komma mit dein Teller bei mich bei!”
Tillmann: „Wie weit seit ihr eigentlich mit der Haussache?“
Linus: „Och, ich fürchte, ihr solltet Euch schon mal mit der Vorstellung anfreunden, dass …“
Milena: „ … wir hier wieder rausmüssen? Is’ nich wahr, oder?“
Lisa: „Im Gegenteil, was den miesen Dr. Wambach betrifft, der wird uns bald fragen, ob er die Hütte auf seine Kosten renovieren darf.“
Frida: „Dat is’ auch dat mindeste! Wisst Ihr eigentlich, wat dä unserm Kurti fü’n Typen auf’en Hals gehetzt hat?“
Elwira: „Ich hab gehört! Gut dass Du dazwischen gegangen bist!“
Frida: „Och, wenn ich ers’ ma in Fah’t komm. He, Justus, Watt soll datt geb´n, wenn datt fettich is....?“
Justus: „Ich tunk’ die Schüssel mit meinem Brot aus!?“
Frida: „Un’ ich dacht schon, Du wollst Dir dat Spülen spar’n – aber mein’se nich wär besser gewes’n, hätt’s ma gefracht, ob die Andern auch wat woll’n?“
Justus: „Aber, ist doch sowieso kein Brot mehr im Korb!“
Frida: „Auch kein Wunda’ hass ja auch schon vier Scheib’n von verputzt!“
Kruppke: „Ach komm Frida-Mädchen, lass ihm. Is’ doch für sein Alter nur ’ne halbe Portion. Einer wie er brauch’ sein Nachschlach!“
Der DJ: „Klara sitzt am Bett des schlafenden Hannes. Da die beiden anderen Patienten gerade zu Untersuchungen weggefahren wurden, sind die Eheleute zum ersten Mal seit Hannes Unfall alleine. In diesem Moment wacht er auf.“
Hannes: „Hasse wat gesacht?“
Klara: „Noch nicht! Hallo Großer.“
Hannes: „Hallo Maus.“
Klara: „Wie geht’s Dir heute?“
Hannes: „Gut. Wirklich. Sind die beiden Opis nicht da?“
Klara: „Gerade weggefahren worden.“
Hannes: „Klara?“
Klara: „Ja, Hannes?“
Hannes: „Kannst Du mir verzeih’n?
Klara: „Gibt es denn etwas zu verzeihen?“
Hannes: „Ja! Nee? Eigentlich ist nix passiert, aber ich war nich’ ehrlich. Oder ... ich hätt’ Dir d’rekt am ersten Tach erzähl’n soll’n ... “
Klara: „Aha?“
Hannes: „Wie soll ich sag’n. Dat hat beim Bowlen angefang’ ... .“
Klara: „Was hat angefangen?“
Hannes: „Na nix. Ach man, versteh’se nich? Nee, woher auch!“
Klara: „Was also hat beim Bowlen ...
Hannes: „Dat diese Perlentusse, Julie, mich angequatscht hat!“
Klara: „Die von der Nachbarbahn! Wo war ich denn da?“
Hannes: „Am Tisch. Ich war zum Klo. Und als ich wieder rauskam, stand se vor mir und hat mich angequatscht.“
Klara: „Aha?“
Hannes: „Ja. Von wegen, weil ich aussehen tät, wie ein Filmstar. Hab’ gar nicht verstanden wat dat sollte. Aber dann, paar Tage später, hat se mich ‚zufällig’ im Supermarkt getroffen. Und mir wieder schöne Augen gemacht ... . Und dann, als wir inne Stadt waren ... weisse, hinter de Lichtburg ... is’ sie auch da gestanden ... und ... ich hab’ Dir nie einen Ton gesacht.“
Klara: „Und gezittert hast Du wie beim ersten Rendezvous.“
Hannes: „Ja, aber nich’ weil ich wat von ihr wollte. Sondern weil ich mich schon so reingeritten hab’.“
Klara: „Armer Kerl, Du bist der schlechtestes Lügner des Universums.“
Hannes: „Willst Du nicht wissen, was dann noch war?“
Klara: „Doch, erzähl schon.“
Hannes: „An dem Abend, als ... der LKW ... hat se mich abgefangen, bevor ich in die Kneipe rein bin. Ob ich nicht mit ihr ... was trinken wollt ... ihr Mann wär verreist und so ... .“
Klara: „Was für ein Luder ...!“
Hannes: „Ja. Jedenfalls, ich bin ja nich’ der große Redner. Aber ich hab ihr klar einen eingeschenkt. Un’ wenn Se nich aufhören tät, hab ich gesacht, dann würd’ ich zu ihrem Mann geh’n.“
Klara: „Oh. Und was ... .“
Hannes: „Hat mir eine gelangt. Dann is se abgerauscht.“
Klara: „Und Klein-Hannes? Hat einen auf den Schreck getrunken?“
Hannes: „Ja. Aber nicht zu viel, ehrlich nich!“
Klara: „Und dann?“
Hannes: „Filmriss. Kann mich nicht mal mehr dran erinnern, wie ich aus der Kneipe raus bin ... .“
Der DJ: „Villa Halde am späten Nachmittag. Kruppke und Frida arbeiten in der Küche.“
Frida: „Hey, kaum dreh’se dich wech, is’ der alte Kruppke schon mitti Fingers inne Töppe.“
Kruppke: „Ich wollt’ nur dat Krümmelsken Hackfleisch probieren. Mann, wer kann denn so lang’ wa’ten, bei dem Geruch!“
Frida: „Du bis mich vielleicht en Schmecklecker.“
Kruppke: „Wat haste gesacht, wie heiß’n die Dingers?“
Frida: „Golabkis.“
Kruppke: „Wennse mich frags, sin’ dat Kohlrouladen.”
Frida: „Na sicha, sin’dat ja auch. Nur eben ‚polnische Art’. Mit Tomatenmark.“
Kruppke: „Aha, un’ wo is dat Tomatenmark?“
Frida: „Wat? Mensch, has Recht, hab ich vergess’n. Kanns Du aufpass’n datt nix anbrennt, ich geh’in die Speisekammer.“
Der DJ: „Während Kruppke schon wieder seine Gabel in den Topf sticht, marschiert Frida in die Speisekammer und summt dabei der ‚Der Mond von Wanne-Eickel’. Nach zwei Minuten hört Kruppke einen grauenhaften Schrei und lässt vor Schreck die Gabel mit dem Hackfleisch fallen. Im nächsten Moment stürmt Frida aus der Kammer, wirft gleich darauf die Türe wieder panisch hinter sich ins Schloß und dreht den Schlüssel zweimal herum.“
Kruppke: „Frida, wat is’? Siehs aus, als hätt’se ’nen Gespenst gesehn.“
Frida: „Nnhh!“
Kruppke: „Mensch beruhich dich!”
Frida: „In der Kammer ... da!“
Kruppke: „Wat denn?”
Frida: „So groß!”
Kruppke: „Hä?”
Frida: „So groß! Ohne Schwanz – da geh ich nie wieder rein!“
Kruppke: „Nee, sach nich ... ’ne Ratte?“
Frida: „Doch. Wat mach’n wer denn getz?“
Kruppke: „Ich geh da auch nich rein! Jetzt müsste Hannes da sein!“
Der DJ: „Aber dann versucht sich nicht Hannes als Rattenfänger von Bredeney, sondern ... Öko-Tillmann! Ohne jede Angst ist er mit Hannes großem Anglernetz in die Kammer rein. Kruppke und Frida stehen - das Ohr an der Türe - und lauschen.“
Frida: „Wat macht’er solang da drin?”
Kruppke: „Möcht ich gar nich wiss’n?”
Frida: „Er redet mit dem Viech?!”
Kruppke: „Der Rattenflüsterer oder wat?“
Frida: „Da, jetzt schiebt er die Bierkästen durche Gegend!“
Kruppke: „Vielleicht will er se besoffen mach’n.“
Frida: „Er is’ immer noch am quasseln. Wie son Pastor!“
Kruppke: „Da, wat war dat? Dat Viech is am quieken.“
Frida: „Wech da, er macht die Tür auf!”
Der DJ: „Tillmann öffnet, langsam, wie in einem Horrorstreifen, die Türe und kommt mit der Ratte in dem oben zugehaltenen Anglernetz in die Küche.“
Tillmann: „Okay Leute. Ich bringe Sie weg. Dann man rinn in die Kammer und ran ans Tomatenmark - ich hab Hunger!“
Der DJ: „Sieben Uhr am Abend. Tillmann sitzt am Schreibtisch und korrigiert Klausuren. Die Türe zu seinem Zimmer geht auf. Elwira tritt ein.“
Tillmann: „Hey nicht die Augen zuhalten.“
Elwira:: „Süßer Tyllmann!“
Tillmann: „Nicht, ich muss die Arbeiten korrigieren! Montag ist Abgabe und ich habe viel zu spät angefangen!“
Elwira:: „Das schlimmste Leid ist, was der Mensch sich selber andeiht.“
Tillmann: „Ich weiß, aber das bist auch du mit Schuld. Vor lauter ... na Du weißt schon, komme ich überhaupt nicht mehr zum ... nicht, lass das!“
Elwira:: „Ich soll das lassen? Das auch?“
Tillmann: „Ja. Nein! Das tut gut. Aber nicht so feste an der Schulter.“
Elwira:: „Und wie ist es da?“
Tillmann: „Jaah, da ist es gut ... nein, das kitzelt, nicht mit den Fingernägeln.“
Elwira:: „Entspann Dich. Augen zu.“
Tillmann: „Was machst Du da? Lass doch die Knöpfe ... . Elwira. Nicht! Wenn Justus jetzt reinkommt!“
Elwira:: „Wenn Justus reinkommt klopft er hoffentlich vorher an, oder? Soll ich wieder gehen?“
Tillmann: „Was? Nein, natürlich nicht. Elwira. Elwira ... Elwiraa!“
Elwira:: „Ich weiß wie ich heiße!“
Tillmann: „Aber ich weiß gleich nicht mehr wie ich heiße, wenn Du so weiter machst!“
Der DJ: „In den nächsten Minuten wird nicht viel gesprochen. Eigentlich wird gar nicht gesprochen!“
Elwira:: „So, das reicht.“
Tillmann: „Was?“
Elwira:: „Schluß. Du musst arbeiten hast Du gesagt.“
Tillmann: „Ja, aber ... .“
Elwira:: „Aber was?“
Tillmann: „Du kannst doch jetzt nicht einfach aufhören.“
Elwira:: „Ich darf Dich doch nicht von der Arbeit ablenken!“
Tillmann: „Tust Du doch gar nicht!“
Elwira:: „Tue ich doch!“
Tillmann: „Bitte Elwira. Komm her. Setz Dich zu mir.“
Elwira:: „Später, okay?“
Tillmann: „Nein, jetzt!“
Elwira:: „Wohin soll ich mich denn setzen? Es ist doch gar kein Stuhl da ... Hey, du schmeisst mich ja um!“
Tillmann: „Ich halte dich doch fest!“
Elwira:: „Mmmmhh.“
Tillmann: „Mmmmhh.“
Elwira:: „Lass dass, das kitzelt.“
Tillmann: „Entspann Dich, Augen zu!“
Der DJ: „Übzeit der Blechbüchsen. „Glück auf der Steiger kommt“. Kruppke legt sein Seele in den Sound und schließt verzückt die Augen.“
Lisa: „Guck Dir Kurti an, wie ein Dorf-Romeo beim Abendständchen für seine Herzdame.“
Milena: „Was hat er bloß mit dem ollen Song?”
Lisa: „Ich glaube, das werden wir nie verstehen. Alte Zeiten!“
Frida: „Sacht ma Mädels, wat is’ denn bei Euch loss? Wie wäret denn ma mitt’n bisschen Musik?“
Der DJ: „Die Gräfin sitzt auch mit im Saal, kann aber nicht selber spielen.“
Gräfin Zsófia: „Bitte schön, alle mitmachen beim Üben. Ist keine Musik, ist Katzenjammer.“
Jo-Jo: „Gräfin, nicht so anstrengen, der Arzt hat gesagt … .“
Gräfin Zsófia:„Der Arzt hat gesagt ... . Der Arzt nicht lebt den kleinen Rest von Leben. Aber ich. Wenn ich bei Musik sitzen kann, ist das mein Leben. Linus! “
Linus: „Ja?“
Gräfin Zsófia:„Du musst Bass von Hannes ersetzen. Tiefe Töne. Ruhig. Rhythmus!“
Linus: „Ich tue, was ich kann!“
Lisa: „Hauptsache, Du kannst, was Du tust!“
Linus: „Warum müsst Ihr eigentlich immer alle auf mir rumhacken?“
Lisa: „Weil Du aussiehst wie Uli, der Junge aus dem Papierkorb!”
Linus: „Wie wer?“
Lisa: „Im ‚Fliegenden Klassenzimmer’ haben Sie einen Jungen im Papierkorb unter die Decke gehängt. So ein Kleiner Zarter ... !“
Jo-Jo: „Ihh, wie bei den Kannibalen – gut abgehangenes, zartes Fleisch, oder was?“
Kruppke: „Hab’ ich Euch wat getan?“
Lisa: „Wieso?”
Kruppke: „Weil Ihr die ganze Zeit am qasseln seit, während wir mein Lied spiel’n. Is’ nich schön.“
Tillmann: „Also Leute kommt schon, einmal konzentrieren bitte!“
Der DJ: „Man übt. Und es klingt tatsächlich nicht schlecht. Die letzten Töne sind gerade verklungen:“
Gräfin Zsófia:„Das war schön! Möchte ich haben dieses Stück bei meine Beerdigung!“
Jo-Jo: „Aber Gräfin, Sie dürfen nicht ... .“
Der DJ: „Jo-Jo stürzt schluchzend aus dem Raum, während die anderen betreten schweigen.“
Gräfin Zsófia: „Muss man darüber sprechen was kommt. Fertig!“
Klara: „Wir werden ‚Glück auf der Steiger kommt spielen’, wie früher, wenn ein Bergmann gestorben ist – so schön, wie wir noch nie etwas gespielt haben!“
Gräfin Zsófia: „Gut. Also bitte: fleissig üben. Ist für mich!
Taxi - Szene 1/3
Der DJ: „Ein Frühlingstag in Herne-Eickel vor gut acht Jahren. Die Gräfin hat ein Taxi bestellt. Der Fahrer klingelt an ihrer Tür. Sie meldet sich über die Gegensprechanlage“
Gräfin Zsófia: „Ja bitte?“
Taxifahrer: „Taxi!“
Der DJ: „Statt hinunterzugehen – Gräfin Zsófia wohnt im dritten Stock – wartet sie solange, bis es erneut klingelt.“
Gräfin Zsófia: „Ja bitte?“
Taxifahrer: „Wat is’ jetzt? Taxi!“
Gräfin Zsófia: „Wenn Sie die Güte hätten ... meinen Koffer!“
Taxifahrer: „Wat? Oh Mann ... !“
Der DJ: „Der Taxifahrer, ein am ganzen Körper über die Konfektionsgröße seiner Kleidung ‚hinausgewachsener’ jüngerer Mann, dem das Oberhemd auf einer Seite aus der Hose hängt und dessen Stoffturnschuhe ungeschnürt sind, steht wenig später vor der Gräfin.“
Gräfin Zsófia: „Mmhhmhh!“
Taxifahrer: „Wat heißt hier Mmhhmhh? Wo is’ dä Koffer?“
Gräfin Zsófia: „Verzeihung!“
Taxifahrer: „Könn’se nich ma sagen wat Sache is?“
Gräfin Zsófia: „Ihre rechte Hand!“
Taxifahrer: „Wat is’ damit?“
Gräfin Zsófia: „Sie haben gerade gebratenes Hackfleisch verzehrt!“
Taxifahrer: „Hä? Ach die Frikko mein’n Se!“
Gräfin Zsófia: „Ja!“
Taxifahrer: „Tut mir Leid. Is’ alle, kann Ihnen leida nix anbieten!“
Gräfin Zsófia: „Sie wollten meinen Koffer tragen. Also müssen Sie, bitteschön, Ihre Hände waschen!“
Taxifahrer: „Wat ich wollte, dat könn’n Sie ga nich wissen ... !“
Gräfin Zsófia: „So?“
Taxifahrer: „Ich wasch mich die Fingers nich!“
Gräfin Zsófia: „Auf wiederseh’n!“
Taxifahrer: „Aba ... ?“
Der DJ: „Die Gräfin dreht sich um und verschwindet in der Wohnung. Der Taxifahrer klopft an die Türe. Die Gräfin öffnet und schaut ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.“
Taxifahrer: „Zum Teufel noch ma’... dann .... .“
Gräfin Zsófia: „Man soll nicht den Namen des Widersachers im Mund führen!“
Taxifahrer: „Hä?“
Gräfin Zsófia: „Sagen Sie noch einmal, was sie wollten sagen. Ohne Fluchen!“
Taxifahrer: „Verfl ... ich mein’, ich wü’d mir gärn’ die Fingers wasch’n.“
Gräfin Zsófia: „Na bitte!“
Der DJ: „Leise vor sich hin murmelnd betritt der Taxifahrer die Wohnung.“
Taxifahrer: „Warum hab’ ich nich’ wat Anständiget gelärnt!“
Was bisher geschah
10. Woche:
Endlich eine heiße Spur: Lisa und Linus wissen jetzt, wo die Geliebte des Dr. Wambach wohnt und die Hoffnung auf den Erhalt der Villa nimmt bei allen zu. Dann entschuldigt sich Hannes bei Klara und erzählt ihr, was sich zwischen ihm und der Perlentussi abgespielt hat. Frida und Kruppke entdecken eine Ratte in der Speisekammer, die der unerschrockene Tillmann fängt. Mit Elwira ist der Frischverliebte dagegen sanft wie eine Taube. Am Samstag ist Probe der Blechbüchsen - ‚Glück auf der Steiger kommt’. Die Gräfin, furchtlos und aufrecht wie immer, hört zu und wünscht sich das Stück zu ihrer Beerdigung.
Taxi - Szene 2/3
Der DJ: „Wir befinden uns mit der Gräfin im Taxi. Der Taxifahrer sieht stur geradeaus und spricht kein einziges Wort. Die Gräfin sitzt, ihre Handtasche vor sich auf dem Schoß, aufrecht wie ein Flintenladestock und sammelt ihr ‚Gift’.“
Gräfin Zsófia: „Junger Mann?“
Taxifahrer: „Mmmhh ...“
Gräfin Zsófia: „Wie alt sind Sie?“
Taxifahrer: „ ...zig.“
Gräfin Zsófia: „Wie bitte? Sie nuscheln. Niemand kann Sie verstehen!“
Taxifahrer: „Neunundzwanzig! Wat soll dat? Sin’ wir hier beim Verhör oder wat?“
Gräfin Zsófia: „Haben Sie nichts Vernünftiges gelernt?“
Taxifahrer: „Also dat is’ ja ... . Wie komm’n Sie mir denn getz? ’Nen anständigen Taxifahrer beleidigen!“
Gräfin Zsófia: „Sie haben also nichts gelernt?“
Taxifahrer: „Nein ... also ich mein’ dat geht Sie gar nix an. ... Zum Teufel ... guck’n Se nich so, da wird man ja ... Grafik-Designer. Ich hab’ Grafik-Design studiert ... .“
Der DJ: „Auch wenn es im Wagen nicht übermäßig heiß ist – dem Taxifahrer bricht gerade der Schweiß aus“.
Gräfin Zsófia: „Zuende?“
Taxifahrer: „Wat? Wie zuende? Dauert noch ’nen paar Minuten bis zum Bahnhof ... “
Gräfin Zsófia: „Ob Sie zuende studiert haben, ich wollte wissen!“
Taxifahrer: „Ja ... . Nein! Man Sie sind ja schlimmer als ’nen Lügendetektor. Nee, ich hab’ nich zuende studiert. Meine Freundin hat ’nen Kind gekriegt. Un’ ich bin dann von Aushilfe auf Vollzeit umgestieg’n.“
Gräfin Zsófia: „Nein. Sie sind nicht!“
Taxifahrer: „Wie denn, wat denn? Mann bin ich froh, wenn wir in Wanne am Bahnhof sind.“
Gräfin Zsófia: „Sehen Sie sich Taxi an! Asche auf Sitz. Klebrige Fleck auf Ablage. Und Sie? Hemd aus Hose. Schnürsenkel lose ... so kein Profi arbeitet!“
Taxifahrer: „Wat wissen Sie denn von Profis – pah!“
Gräfin Zsófia: „Profi sagt „Ja“, zu Beruf. Und „Ja“ zu Taxi-Beruf heißt: Saubere Auto, nix gebratenes Hackfleisch in Hand. Koffer tragen. Und freundlich sein. Sie keine Profi.“
Taxifahrer: „Wat is’ eigentlich bei Ihnen falsch gelaufen? Könn’ Se nich andre Leut’ in Ruhe lass’n?“
Gräfin Zsófia:„Kann ich nicht ruhig ansehen, verpfuschtes Leben!“
Taxifahrer: „Hey, vorsichtich! Wat Sie getz in eine halbe Stunde vom Stapel gelassen hab’n – so viel hat mich meine Frau in acht Jahr’n no nich beleidigt!“
Gräfin Zsófia: „Beleidigen Sie selber sich! Grafik-Designer oder Taxifahrer – ist nicht wichtig. Wichtig ist, ob sie haben Ehre vom Beruf oder nicht. Wenn Sie machen Beruf, dann richtig. Ist Ihr Leben. S i e haben Langeweile oder Spaß, dreckiges Auto oder sauberes Auto – zufriedene Kunden oder Kunden die nicht mit Ihnen wollen fahren ein zweites Mal!“
Taxifahrer: „Vatta hol mich von’ne Zeche, ich kann dat Schwatte nich’ mehr sehn.“
Gräfin Zsófia: „Was murmeln Sie? Ihr Herr Vater? Der sich würde schämen!“
Taxifahrer: „Dä is gut! Schämen? Die alte Sumpfnase wusste gar’ nich wat dat is’.“
Gräfin Zsófia: „Ah ha!“
Taxifahrer: „Stop, wat heißt denn getz schon wieda ‚Aha’!?“
Gräfin Zsófia: „Schon gut. Habe fertig!“
Taxi - Szene 3/3
Der DJ: „Drei Wochen später. Die Gräfin ist zurück aus Ungarn und gerade im Hauptbahnhof Wanne-Eickel angekommen. Sie sieht über die Reihe der wartenden Taxis und geht dann auf das Fünfte von vorne zu.“
Taxifahrer 2: „Hey, junge Frau, „hinten anstellen, gilt auch für Sie!“ müssen sich an Reihenfolge halten!“
Gräfin Zsófia: „Nein!“
Taxifahrer 2: „Aber ... “
Taxifahrer: „Lass gut sein, Ibrahim, die gehö’t zu mir, wärste selber in Schuld, wennse se mitnehm’n täts!“
Gräfin Zsófia: „Das, ich habe gehört!“
Taxifahrer: „Egal. Wattense mal, ich nimm’ dä Koffer! Hier, könnse guck’n, kein Frikofett anne Fingers, ganz sauber, bin ich vor fünf Minuten noch mittat Erfrischungstüchlein drüber! Hatten Se’ne gute Reise?“
Gräfin Zsófia: „Danke, sehr gute Reise!“
Taxifahrer: „So bittschön! Wenn’se Platz nehm woll’n!“
Gräfin Zsófia: „Vielen Danke. Sehr nett von Ihnen!“
Taxifahrer: „Kein’ Ursach!“
Der DJ: „Der Wagen fährt los. Der Taxifahrer hält das Schweigen keine drei Minuten aus.“
Taxifahrer: „Und?“
Gräfin Zsófia: „Was?“
Taxifahrer: „Na wat denn wohl? Mein Taxi - is Ihnen was aufgefall’n?“
Gräfin Zsófia: „Nein, alles in Ordnung.“
Taxifahrer: „Na ebent! Sach bloß Se wissen dat nich mehr, wie et vorher hier ausgeseh’n hat?“
Gräfin Zsófia: „Ich habe das vergessen!“
Taxifahrer: „Ne, komm, is’ nich wahr! Mann, Sie verderb’n mich aba getz de’ ganze Spass!“
Gräfin Zsófia:„Ich das habe vergessen, weil ich jetzt sehe das hier! D a s ist Auto von Profi. Und Profi ist auch da!“
Taxifahrer: „Ja wa? Wat sag’n Se getz? Un’ soll ich ihn’ wat steck’n? Mein Chef hat gesacht, diese Woche wollt’n schon drei Leut’ nur dat ich se abhol’n tu. Alle frag’n mich nach meim Nam! Un’ Trinkgeld gib’s jetzt auch öfters.“
Gräfin Zsófia:„Freue ich mich für Sie!“
Taxifahrer: „Mann, un ich ers’! Sogar mit mein Frau is’et allet viel schöner als vorher. Sie hat dat ers’ ga nich verstand’n wat los is’, hat geglaubt ich wü’d ’nen Krösken mit ’ner anderen hab’n. Aba dann hab’ ich mein Frau von Sie erzählt.“
Gräfin Zsófia: „Schön!“
Taxifahrer: „Ja. Ach, Mann – ich weiß ga’ nich, wie ich Sie danken soll!“
Gräfin Zsófia: „Ist nicht nötig, Dank. Was ich sehe, ist bester Dank! Freue ich mich wirklich für Sie!“
Taxifahrer: „Ja. Ich mich auch!“
Der DJ: „Während wir die Wandlung des Taxifahrers verfolgt haben, blieb die Zeit nicht stehen. Leider auch die Krankheit der Gräfin nicht. Am Sonntag hat sie Jo-Jo endlich von ihrem größten Wunsch erzählt.“
Jo-Jo: „Sie wollte Ende März die Portraits ersteigern, die der berühmte ungarische Maler Lázló Károly Varga von ihren Großeltern und Eltern vor dem 2.Weltkrieg gemalt hat.“
Gräfin Zsófia: „Sind von den Kommunisten aus Schloß genommen worden. Wollte ich Museum in unsere Dorf schenken, aber jetzt ich bin krank und habe kein Geld.“
Der DJ: „Am Montag waren wir wieder einmal zu Gast bei den Bochumer Symphonikern, und wurden Zeuge wie Felicitas eine Einladung zum Essen erhalten hat – zuhause, bei Gregor, dem neuen, gutaussehenden Klarinettisten.“
Felictias: „Super, jedes Mal müsst ihr meine Szenen rausschneiden. Gregor war wirklich charmant. Außerdem hat mich noch nie ein Mann zu einem Essen eingeladen, das er selber kocht.“
**********
Zechiel: „Der Schleimer. Nichts als Blendwerk.“
Anael: „Psst!“
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Felictias: „Wer spricht da?”
Der DJ: „Schon gut. Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, gestern gab es eine heftige Szene zwischen Milena und ihrem ‚Freund’ – Ratte!“
Milena: „War gar nicht heftig. Ratte is’ einfach impulsiv. Und ich hatte einen schlechten Tag. Kopfschmerzen. Eine Vier minus in Deutsch und Daria hatte schon wieder keine Zeit, nur weil sie mit Linus ... ach, vergiss es!
Der DJ: „Und heute? Soeben hat Lisa Linus in Bochum aufgelesen und begonnen ihm brühwarm ihre neuesten Rechercheergebnisse mitzuteilen.“
Linus: „ … nicht Lolita?“
Lisa: „Nee, sie heißt ... das rätst Du nie … Lisa!“
Linus: „Ach komm!“
Lisa: „Ist so, leider.“
Linus: „Und, wie alt?“
Lisa: „Achtzehn!“
Linus: „So’n Mist!”
Lisa: „Warte doch. Was meinst Du, wem die Wohnung gehört?“
Linus: „Na ja, dem Wambach natürlich.“
Lisa: „Nee, seinem Kompagnon. Der is’ nich’ verheiratet und spielt mit. Hat die Wohnung einen Monat vor Lolitas Achtzehntem gemietet – auf ihren Namen! Ergo ...?“
Linus: „War sie noch keine 18, aber schon mit dem braven Familienvater zusammen!“
Lisa: „Richtig Kleiner!“
Linus: „Mensch, wie haste das alles rausgekriegt, Einwohnermeldeamt?“
Lisa: „Nee. Hiermit … „Polizeiausweis“. Ermittlungen in Sachen Anlagebetrug ... die Polizei bittet um absolute Diskretion ... “
Linus: „Mann, Du lügst ohne rot zu werden, was?“
Lisa: „Sagen wir mal, ich erfinde Geschichten. Arzt kann’se lernen, dat musse können.“
Der DJ: „Krankenzimmer Hannes. Klara sitzt an seinem Bett. Der Fernseher dudelt schon jetzt, kurz nach Mittag. Auch die beiden älteren Herren sind heute mit an Bord.“
Hannes: „Ich bin ja so froh, wenn ich Montag in die Reha geh’n kann. ‚BG- Unfallklinik in Duisburg’ – schon von gehört?“
Klara: „Nicht wirklich. Soll ziemlich groß sein, mehr weiß ich nicht.“
Hannes: „Zum Glück isses ganz um die Ecke. Ich würd’ auf keinen Fall weit wech wollen. An der Ruhr liegt die Kraft! Ich hoffe, Du komms wenzens einmal die Woche.“
Klara: „Na, Du bist gut. Ich werde kommen so oft ich kann – wahrscheinlich schmeisst Du mich irgendwann raus!“
Hannes: „Glaub’ ich kaum. Es sei denn, die Krankenschwestern sind so reizend, wie die Perlentussi ... .“
Klara: „H a n n e s! Pass auf was Du sagst, sonst springen Dir plötzlich die OP-Narben auf.“
Hannes: „Hey, sei froh, dass ich da inzwischen Witzchen drüber machen kann!“
Der DJ: „In diesem Moment wird die Türe aufgerissen und ein Naturereignis stürmt herein.“
Frida: „Glück auf die Herr’n. Hallo Hannes. Hallo Klara!“
Patient 1: „Glück auf Frau Kokoschinski.
Patient 2: „Genau. Übrigens, wat ich Sie immer schon ma’ fragen wollt – ‚Kokoschinski’, heißn’ Sie wirklich so? Dat ist ja wie bei den ein’ Kommiker, Knebel!“
Frida: „Ne, mein Lieba, bei dem Knebel ist dat so wie bei mir. Gibt nur eine Frida Kokoschinski – und jetzt ma’ Platz gemacht, auf den Rollschrank, Hannes, hab’ Dich und die Männers wat mitgebracht!“
Hannes: „Mann Frida, wenn ich wieder auf die Beine komm, könn’ die meine Kilos gar nich mehr tragen.“
Patient 1: „Och, will mal so sagen – bei mir is’ noch jede Menge Luft in den Jogginganzug.“
Patient 2: „Und wat is mit mir? Lass’n se doch ma seh’n Frau Frida!?“
Hannes: „Frikadellen, sind dat etwa die mit Schafskäse?“
Frida: „Ja!“
Patient 1: „Und wat is in der Kump?“
Patient 2: „Bayrischer Kartoffelsalat!“
Hannes: „Tu den Beiden ma zuerst auf, sonst fall’n ihnen noch die Augen aussem Kopp.“
Frida: „So Hannes, jetzt Du!”
Klara: „Frida! Er hat vor einer Stunde gegessen – ich will nicht, dass er eine Wampe kriegt.“
Frida: „Aba ein’ Miesepampel willse auch nich, oda? Von dem Essen hier kricht er doch Depressionen!“
Klara: „Zum Glück ist er nächste Woche in Duisburg.“
Frida: „Ach, un’ Du besuchs’ihm nich?”
Klara: „Natürlich besuche ich Hannes!“
Frida: „Na dann! Paketdienst. Keine Bange, mein Jung, ich werd’ich nich im Stich lass’n!“
Patient 1: „Und wat wird aus uns?“
Hannes: „Dünne Miesepampel! ”
Patient 2: „Dann ma schnell her mit’em Kump!“
Der DJ: „Kruppke steht im Garten hinterm Haus, hängt Wäsche auf und pfeift dabei sein ‚Glückauf’, als ihn plötzlich jemand anspricht.“
Tillmann: „Tag Kurt.“
Kruppke: „Oh, Tillmann. Hätt’s mich fast erschreckt.“
Tillmann: „Wie geht’s?
Kruppke: Im Moment noch gut, aber wer weiß was heute Abend is.“
Tillmann: „Nanu, seit wann so pessimistisch?“
Kruppke: „Na, ich werd in paa’ Tagen siebzich. Und wenn ich mich so umguck’ – vielleicht werd’ ich ja auch bald na oben geruf’n!“
Tillmann: „Mensch Kurt, das geht doch nicht. Kannst nicht schon vorher Trübsal blasen. Überleg mal, was in den letzten Monaten alles passiert ist! Die Villa. Deine Blaskapelle. Und vor allem die Menschen – ohne Dich gäb’ es das hier alles gar nicht.“
Kruppke: „Na ja ... wenn’se meinst. Aba dat mit die Gräfin geht mir ganz schön anne Nieren, kann ich Dir sag’n.“
Tillmann: „Uns allen. Aber sie selber, ehrlich, ich hoffe, dass ich auch nur halb so gefasst damit umgehen kann, wenn’s bei mir mal so weit ist!“
Kruppke: „Joh, wa! Is’ ne mächtich tapf’re Frau. Hat’s im Leb’n nich leicht gehabt. Aba ma wat andres ... . Wenn man Dich un’ die Elwira so anguckt – hat ganz hübsch Peng! gemacht, wat?“
Tillmann: „Peng – das kannst Du laut sagen.“
Kruppke: „Freut mich für Dich. Die Elwira hat dat Herz auf’en rechten Fleck. Un arbeiten kann se auch!“
Tillmann: „Und tanzen, kochen ... na ja, und noch ein paar andre Sachen ...!“
Kruppke: „Tillmann, Tillmann, nur nich’ rot werd’n.“
Tillmann: „Werd’ ich doch gar nicht ... aber sag mal, wo wir gerade ... was ist eigentlich mit Dir und Frida, he?“
Kruppke: „Was soll wohl sein?“
Tillmann: „Na ihr zwei klebt ja in der Küche zusammen, wie ein altes Ehepaar.“
Kruppke: „Findste? Ich geh’ ihr eben zur Hand, für so viele Leute kochen, is’ auch nich’ leicht!“
Tillmann: „Klar. Und sonst so?“
Kruppke: „Is’ nen ganz schön harter Brocken. Ich glaub’ schon sie mag mich ... aber ... “
Der DJ: „In diesem Moment stürmen Justus und Daria in den Garten.“
Justus: „Hier bist Du! Oh, hallo Herr Kruppke.“
Kruppke: „Hallo Junge.“
Justus: „Kennen Sie schon Daria?“
Kruppke: „Nein, angenehm!“
Daria:: „Guten Tag Herr Kruppke, Justus hat mir schon viel von Ihnen erzählt!“
Justus: „Hör mal Paps, wir müssen los, Du wolltest mir doch 30,- Euro geben!?“
Tillmann: „Klar, warte ... hier. Viel Spaß!“
Justus und Daria: „Danke! Tschüß!“
Der DJ: „Im nächsten Moment sind die Beiden abgerauscht.“
Tillmann: „Seine neue Freundin. Ziemlich anregend fürs Liebesleben, die Villa Halde – was Kurt?“
Kruppke: „Sach ich Dir!“
Der DJ: „Ein Modehaus in der Essener City. Elwira und Milena kaufen Klamotten ein.“
Elwira: „Schwarz? Kannst Du nicht mal was Anderes anziehen?“
Milena: „Mama. Nicht schon wieder.“
Elwira: „Hier guck mal, das passt zu Deinen Augen, das gleiche Grün.”
Milena: „Vergiß es. Außerdem hab’ ich mich schon entschieden. Ich nehm’ die Beiden Langarmshirts und das Top. Fertig. Jetzt bist Du dran.“
Elwira: „Muss das jetzt sein? Kann das nicht warten?“
Milena: „Wie bitte? Seit wann hast Du keine Lust zu shoppen?“
Elwira: „Lust? Also gut, komm!“
Der DJ: „ Sie wandern ein paar Meter weiter und beginnen zunächst schweigend nach Röcken und Blusen zu gucken. Nach einer Weile kommt Elwira mit einem halben Dutzend Sachen über dem Arm zu ihrer Tochter.“
Elwira: „Guck mal.“
Milena: „Weiter! Nächstes! Weiter! Sag mal, für wen sollen die Sachen sein? Für Oma?“
Elwira: „Wie meinst Du das?“
Milena: „Wie ich’s sage. Wenn Du das anziehst, kannst Du Dich gleich im Altersheim anmelden – wo ist Elwira Rogowska geblieben?“
Elwira: „Ach komm, das ist doch übertrieben. Was stimmt denn mit den Sachen nicht?“
Milena: „Das kann ich Dir sagen. Wenn Du das anziehst hast Du keine Brüste mehr und keine Beine. Alles gut versteckt.“
Elwira: „Na ja, schließlich bin ich nicht mehr die Jüngste. Und wenn ich rumlaufe wie ... .“
Milena: „Wie was? Wie eine absolut heiß aussehende Frau in den besten Jahren, nach der sich alle Männer umdrehen, die noch etwas Pfeffer in den Adern haben?“
Elwira: „Milena! Wenn uns jemand hört!“
Milena: „Wenn uns jemand hört und dann guckt wie Du aussiehst, wird sie vor Neid erblassen. Warum machst Du das? Hat Tillmann Dich dazu genötigt?“
Elwira: „Nein! Er sagt mir immer wie toll ich aussehe. Aber ... “
Milena: „Aber was?“
Elwira: „Seine Freunde gucken mich immer so komisch an. Die Männer. Und vor allem die Frauen!“
Milena: „Kein Wunder!“
Elwira: „Siehst Du, Du meinst auch, ich fall’ in seinem Freundeskreis auf!“
Milena: „Genau. Du fällst total auf. Du bist klug, witzig, warmherzig, bringst alle zum Lachen und siehst dabei super gut aus – die totale Katastrophe für Frauen mit schlechtem Selbstbewusstsein und für Männer die abends gefragt werden: Musstest Du sie die ganze Zeit anglotzen?“ Was meinst Du wie froh die sind, dass Du n u r Kellnerin bist. Und das Deine Eltern in Polen geboren sind. Da haben sie wenigstens was, wo sie auf Dich runtergucken können!“
Elwira: „Milena!“
Milena: „Ja?“
Elwira: „Häng die Sachen weg. Ich guck schon mal da vorne!“
Der DJ: „Als sie ein paar Schritte weiter gegangen ist, murmelt sie für ihre Tochter unhörbar.“
Elwira: „So ein kluges Mädchen und m e i n e Tochter. Tss, tss, tss!”
Die Bewerbung! (1)
Der DJ: „Drei Uhr in der Frühe. Die Gräfin liegt wach und stöhnt immer wieder vor Schmerzen laut auf ...
Zechiel: „Verzeihung, Herr Spielleiter, aber ich ... .“
Der DJ: „Nicht ‚Spielleiter’, DJ bitte sehr! Was ist denn jetzt schon wieder. Sind Sie das: ‚der Leser’?“
Zechiel: „Sie meinen den, der die kurzen Geschichten wollte? Nein, wenn Sie sich einmal umdrehen würden ... Sie wissen wahrscheinlich wer ich bin.“
Der DJ: „Oh, Sie müssen Anael sein, oder Zechiel, Ihre Flügel hatte ich mir aber ... anders vorgestellt!“
**********
Gräfin Zsófia: „Ist da jemand?“
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Der DJ: „Ein Rauschen erfüllt den Raum.“
Anael: „Anael bin i c h, bitte sehr. Das da ist in der Tat Zechiel. Und ich wüsste zu gerne, was er hier zu suchen hat?“
Zechiel: „Ich habe selber ... also, ich wollte ... wie soll ich das erklären?“
Anael: „Ja, wie?“
Zechiel: „Wissen Sie, diese Geschichte, in der wir zwei bisher eine eher ... peinliche Rolle spielen ... gefällt mir trotzdem ganz gut. Ich bin schon ganz gespannt, wie es weiter geht. Vor allem, w i e wir es am Ende schaffen, die beiden Ich-Sager zusammenzubringen!“
Der DJ: „Sie meinen, Sie schaffen es in jedem Fall?“
Anael: „Natürlich. Alles andere wäre ... undenkbar!“
Der DJ: „Was ist mit der Freiheit? M ü s s e n Menschen die füreinander bestimmt sind, unter allen Umständen zusammenkommen?“
Anael: „Ja. Sie müssen. Was sie dann daraus machen ... darin sind sie f r e i. Sagt man. Aber, darüber sollten Sie sich besser mit jemandem von weiter oben unterhalten, oder mit dem Chef selbst ... auch wenn das zugegebenermaßen eher unwahrscheinlich ist!“
Zechiel: „Wie dem auch sei, ich bin wirklich gespannt, auf den Fortgang und das Ende der Geschichte.“
Autor: „Ähem, wenn ich mir erlauben dürfte .. . Herzlich Willkommen. Entschuldigen Sie meine Nachtkleidung, aber ich habe gerade geschlafen, als Sie ... . Jedenfalls freue ich mich, dass gerade Ihnen meine Geschichte gefällt!“
Zechiel: „Ja, schön. Also was ich sagen wollte ... . Sie erzählen ja hier nicht nur die eine, große Geschichte, sondern auch noch solche Sachen wie die mit dem Stern, die Obdachlosengeschichte, das Taxi ... könnten Sie sich vorstellen, auch mal eine ganz andere Geschichte zu erzählen ... eine Geschichte, die sich mehr in u n s e r e r ... Welt abspielt?
Anael: „Z e c h i e l! Das ist gegen alle Regeln. Das darf ich nicht zulassen.“
Zechiel: „Nicht! Was machst Du?“
Der DJ: „Aber ... alles wird dunkel. Ich weiß nicht ... .“
Was bisher geschah
11. Woche:
Endlich kennt Jo-Jo den sehnlichsten Wunsch der Gräfin: Sie will in Ungarn die Portraits Ihrer Familie ersteigern, hat aber kein Geld. Felicitas wird von dem hübschen Klarinettisten umworben, Milena ärgert sich mit Ihrem Freund herum und Dr. Wambachs Geliebte war am Beginn der Affäre wirklich minderjährig. Selbst im Krankenhaus muss Hannes nicht auf Fridas Kochkünste verzichten. Während Tillmann und Kruppke sich über die Liebeshändel in der Villa unterhalten, redet Milena ihrer Mutter ins Gewissen, weil die sich plötzlich nicht mehr traut sexy Klamotten zu kaufen.
Der DJ: „Es ist kurz vor sieben am Abend. Jo-Jo besucht die Gräfin in Ihrem Zimmer, ganz erfreut, dass sie einmal nicht liegt, sondern in ihrem Korbsessel sitzt und aus dem Fenster sieht.“
Jo-Jo: „ ... keine Widerrede! Ich werde nach Budapest fahren und diese Bilder ersteigern – koste es was es wolle. Und wenn es Ihnen gut geht, dann kommen Sie mit.“
Gräfin Zsófia: „Aber Jo-Jo, ich habe keine Geld für Bilder. Maler ist berühmt und teuer.“
Jo-Jo: „Das lassen Sie mein Problem sein. Außerdem – Sie haben diese Aktien - eines Tages werden die wieder etwas wert sein. Dann kriege ich das Geld für die Bilder zurück!“
Gräfin Zsófia: „Nein, will ich keine Geschenke von irgendeinem Mann!“
Jo-Jo: „ ... was, phh, was? Ich bin für Sie irgendein Mann? Ich bin Ihr ... bester Freund. Und Sie sind meine ... beste Freundin ... irgendwie ... . Oder?“
Gräfin Zsófia: „Meine ich doch anders! Du bist ein guter Mann. Mein Freund. Aber so viel Geld von einem der nicht Familie ist ... . Außerdem hast Du Friseursalon und musst Dein Geld haben für Renovation und ... falsche Greg-Kompagnons ... „
Jo-Jo: „Ach was. Ich habe genug Geld für die Bilder und Renovierung – und falsche Kompagnons gibt es bei mir nicht mehr – wahrscheinlich!”
Gräfin Zsófia: „Du meinst toternst!?“
Jo-Jo: „Ach jetzt fangen Sie schon wieder damit an ... .“
Gräfin Zsófia: „Nicht weinen, meine beste Freund!“
Der DJ: „Eine gute Stunde später sitzen die Beide mit den Anderen zusammen beim Abendessen.“
Frida: „Wat is’, noch jemand Nachschlag? Linus?“
Linus: „Nee, heute nich’, ich hab’ schon den Knopf an meiner Jeans geöffnet.“
Frida: „Auch kein Nachtisch? Himbeertraum, von gestern? Is’ noch wat da?“
Linus: „Oh, doch, ja gerne ... oder, will vielleicht sonst noch jemand ...?“
Kruppke: „Nimm man ruhig, Kleiner. Kanns’ ja den Reisverschluss auch noch aufmach’n – wir kucken dann später nich hin!“
Lisa: „Ach übrigens, ich hab’ hier … “
Der DJ: „Lisa steht auf uns sieht sich suchend im Zimmer um.“
Lisa: „ .. da! Ist heute in der Post gewesen. Dicker Umschlag von einer Anwaltskanzlei. Unsere Hausnummer ist richtig. Aber der Name nicht: Eckart Graf von Papendorf. Wohnt vielleicht in der Nachbarschaft. Kennt den jemand?“
Der DJ: „Die Bewohner der Villa sehen sich an, aber niemand scheint etwas zu wissen.“
Lisa: „Na ja. Müssen wir morgen dem Postboten zurückgeben. Frida?“
Frida: „Kla’, mach’ ich. Lech am Besten auf’fe Anrichte.“
Jo-Jo: „Ähem, Ich glaube, der gehört mir!“
Frida: „Wat is’?“
Jo-Jo: „Hatte ich Euch nicht gesagt, dass ich ... . Also ‚Jo-Jo Graf’ ist gewissermaßen mein Künstlername, im bürgerlichen Leben ... na ja ... besser gesagt laut Personalausweis bin ich Graf Eckart von Papendorf.“
Kruppke: „Is’ nich’ wahr!“
Gräfin Zsófia: „Ich habe geahnt das!“
Der DJ: „Unna, halb Vier am Nachmittag. Beat steht vor einem eingewachsenen alten Bauwagen und klopft bereits zum fünften Mal an die Tür.“
Charlie: „Was’n los? Mann, so früh am Morgen, ich hoffe nur Du bis’ der Geldbote.“
Beat: „Nich’ ganz Charlie, eher im Gegenteil.“
Charlie: „Wat denn, wat denn. Hab grad mein Lorgnon nich’ auf der Nase, aber wenn ich die Stimme richtich hör und der Buckel da an Deine Schulter ’nen Akkordeon-Kasten is’ – bis’ Du Beat, der Zufriedene. Wie has’ denn Du mich hier am Arsch der Welt gefund’n? Imma dä Nase nach, wa?“
Beat: „Nich’ ganz. Freddy wusste, wo ich Dich finden würde.“
Charlie: „Oh, Freddy die Pflaume, der große Reschisseur – na ja, lass ihn, wenn er Spaß dran hat. Wat is, willse Löcher in die Luft gucken oder rein kommen. Also dann, darfs dich nich umgucken, mein Butler hat seinen freien Tag und dat Zimmermädchen hat sich die Hand gebrochen.“
Der DJ: „Beat folgt dem langhaarigen, unrasierten Mann mit Bademantel und Badelatschen in den ausgebauten Bauwagen und sieht sich suchend um.“
Beat: „Ähm ...?“
Charlie: „Oh, wah’t man. So und so und so – hier, war doch irgendwo ... da, setz dich auf das Kamelkissen. Gute alte Zeiten!“
Beat: „Danke Charlie.
Charlie: „Willste ...?“
Beat: „Nee Danke, weißt doch, hab’ das Zeug noch nie angerührt.“
Charlie: „Dein Akkordeon reicht ja auch für’n Flash. Oder ’ne Zigarre? Ich werde mir eine genehmigen. Also schieß los, wirst ja kaum wegen ’nem Autogramm gekommen sein.“
Der DJ: „Als Beat seine Geschichte zuende erzählt hat, sieht er seinen alten Kumpel erwartungsvoll an.“
Beat: „ ... irgendeine von den Bleiben wo sich Deine ... ‚Freunde’ manchmal verstecken. Nich’ für’n Jahr, nich’ mal für’n Monat ... “
Charlie: „ Wat meins’se, wat würde jetzt wohl in ’nem Krimi-Drehbuch steh’n? ‚Es gibt nicht so viel Tage im Jahr, wie Beat Kuhn am Kopf hat Haar,’ entgegnete er und zog nachdenklich an seiner Zigarre’. Und dann würde ihm der kaputte Typ irgendeinen krummen Deal vorschlagen.“
Beat: „Wie meinst Du das?”
Charlie: „Warst noch nie der Schnelldenker für Charlies Geistesblitz was? Komm, woll’n wer den Jungen mal nich’ leiden lassen. Ich kann Dir tatsächlich helfen. Gibt da ’ne alte Fabrikhalle. Zwangsversteigerung, wollte aber bisher keiner haben. Ich hab’ die Schlüssel von der Hausmeisterwohnung. Is’ ’nen bisschen muffig. Aber Strom is’ da – abgezapft. Ein paar olle Radiatoren. Von mir aus kann’s da für ein, zwei Monate wohnen.“
Beat: „Super!”
Charlie: „Hey, keine Annäherungsversuche, weg mit die Pfoten. Da is’ der Schlüssel, Adresse steht auf der Pappe. Eingang von hinten, wo das Loch im Zaun is. Und jetzt lass mich in Ruhe – in einer Stunde kommen die Herren vom Aufsichtsrat, muss mich noch frisch machen!“
Der DJ: „In der Wohnung von Tillmann und Justus. Vater und Sohn sitzen in ihrem Wohn- und Esszimmer und haben beide ein Buch in der Hand. Plötzlich lacht Justus laut auf und kann sich kaum noch beruhigen.“
Tillmann: „’S liest Du denn da, scheint ja mächtig lustig zu sein?”
Justus: „ ... warte, muss mich, ... erst mal ... beruhigen. Is’ für Erdkunde. Wüstenbildung und Erosion und son Kram.“
Tillmann: „Zum Totlachen!”
Justus: „Nee, nich’ das Buch, aber da hat jemand was reingeschrieben, guck hier.“
Tillmann: „Wo denn? Ah ja: ‚Rette den Planeten, Du Arsch!’ Der ist wirklich gut.
Justus: „Spricht Dir aus der Seele, was?“
Tillmann: „Nun ja, was soll ich dazu sagen. Auch wenn wir das damals nicht so auf den Punkt gebracht haben, war aber genau unser Lebensgefühl.“
Justus: „Und heute?”
Tillmann: „ ... Mmmhh. Ich hab’ eigentlich nie aufgehört das richtig zu finden. Von wegen Öko und so. Aber ich geh’ nicht mehr damit hausieren. Ist einfach ganz normal darauf zu achten: Fahrrad fahren, im Bioladen einkaufen, faire Produkte oder Öko-Aktien von der GLS-Bank ... ich hab’ zwar nicht mehr jeden Tag das Gefühl die Welt retten zu müssen, aber wenn’s drauf ankommt, wer weiß ... !?“
Justus: „Hab’ ich Dir noch nie gesagt, aber: Find ich cool, wie Du die Dinge siehst! Und wie konsequent Du bist.“
Der DJ: „Tillmann wird ein bisschen rot und strahlt dann über das ganze Gesicht.“
Tillmann: „Vielen Dank. ... Und was ist mit Dir, schon mal dran gedacht die Welt zu retten?“
Justus: „Klar. Is’ aber ’ne komische Zeit. Irgendwie kriegst Du von allen Seiten gesagt, dass Du Dich selbst retten musst. Und ein bisschen stimmt das auch. Die Schulzeit wird verkürzt, aus der UNI machen sie gerade mit ‚Bachelor’ und ‚Master’ so was wie ’ne zweite Schule. Arbeitsplätze gibt es auch nicht genug und wer einen hat, muss das Maul halten, weil drei andere schon darauf warten. Und alles dreht sich um’s Geld. Die Einen kommen vorne und hinten nicht damit aus und denken an nichts anderes mehr. Die Anderen haben so viel davon, dass sie locker bestimmen, wohin das Boot steuert. Ich komme mir vor wie ein freilebendes Tier, dessen Revier jeden Tag ein bisschen mehr eingezäunt wird.“
Tillmann: „Du hast Recht. Das ist überall so. Auch bei uns in der Schule. Wie ... wie ein ganz leiser Ton, der überall mitklingt und die Leute nervös macht. ‚Sei effektiv’, ‚nicht krank werden’, ‚selber für das Alter vorsorgen’. Vor lauter Zukunfts-Angst vergisst man das Leben jetzt und hier.“
Justus: „Zum Glück gibt’s was, dass Dich wieder auf die Füße stellt!“
Tillmann: „Was denn?“
Justus: „Verliebtsein!“
Tillmann: „Oh, ja!“
Der DJ: „Acht Uhr mogens. Die weiten Hallen der Villa Halde haben zu dieser frühen Stunde bereits ein Geraschel und Gerumpel erlebt, das jetzt gerade schlagartig verstummt. Stattdessen hebt im nächsten Moment ein Lärm an, den ein Kenner als die vereinigten Töne von je zwei Trompeten, zwei Saxophonen, einem Wald- und Tenorhorn, einer Posaune, einer Klarinette, einem Schellenbaum und einem Rumpfschlagzeug erkennen würde – mit einem Wort: als Blechblasmusik! Es ist noch keine Minute vergangen, als ein Türe aufgerissen wird.“
Kruppke: „Also ne, dat is ja ... Happy Birthday von die Belchbüchsen – dat ich dat noch erleben darf. Un’ dat an meinen Siebzigsten!“
Der DJ: „Die Blechbüchsen grinsen, spielen aber unbeirrt weiter. Als das Stück verklungen ist verdrückt sich Kruppke ein paar Tränen.“
Alle: „Herzlichen Glückwunsch zum Siebzigsten!“
Kruppke: „Danke. Danke. Danke! Wann habt’er dat denn geübt? Ich war doch eigentlich nie wech?“
Tillmann: „Doch, jeden Tag, zum Spaziergang. War nicht leicht, dass wir alle mal mitmachen konnten – aber nicht schlecht, oder?“
Kruppke: „Wirklich nich’ schlecht. Oh Mann – ich bin noch imma ganz sprachlos ... !“
Lisa: „Ich muss gleich los, möchte aber noch schnell was frühstücken: Da, is’ von mir, Linus, Klara, und Hannes – schöne Grüße sollen wir Dir von ihm ausrichten!“
Kruppke: „Soll ich reingucken?“
Linus: „Na klar!“
Der DJ: „Kruppke öffnet einen großen Briefumschlag.“
Kruppke: „Dat gibbet doch ga’ nich. Seid Ihr verrückt? Wa n n soll dat losgehen, Montach?“
Klara: „Genau und guck mal genau hin, was da noch steht.”
Kruppke: „Für zwei? Ihr habt wohl im Lotto gewonnen was?“
Der DJ: „Jetzt treten Tillmann und Justus vor, sie ziehen einen riesigen, umgestülpten Pappkarton hinter sich her, der mit einer großen roten Schleife umwickelt ist.“
Justus: „Das ist von Tillman, Elwira, Milena und mir.“
Kruppke: „Dat is dat größte Geschenk, dat ich je bekommen hab’. Jetzt bin ich aber mal gespannt. ... Ja leck mich doch inne Täsch. ’Nen Bienenkorb … woher zum Teufel habt Ihr dat denn gewusst? Tillmann!?“
Tillmann: „Selbst Schuld, hast zu oft davon geschwärmt!“
Jo-Jo: „Ja, lieber Kurt. Und das hier ist von der Gräfin und mir.“
Kruppke: „Den kenn’ ich doch. Dat bin ja ich!“
Gräfin Zsófia: „Ist nicht Bild von Lázló Károly Varga, aber ist gutes Bild.“
Kruppke: „Nein. Nein. Nein. Dat ich dat noch erleb’n darf.“
Frida: „Wenn’se mein Geschenk seh’n wills, musste schon mit inne Küche komm’n!“
Der DJ: „Während die Anderen zurück auf ihre Zimmer gehen, hält Kruppke Frida am Arm zurück.“
Kruppke: „Wah’t ma. Will’se mit am Meer? Hab’ drei Tage Borkum geschenkt gekriegt.“
Frida: „An’t Meer? Wenn’se mir versprich’s, dat Du Dein Nachthemd zuhause lässt! Ja, warum nich!“
Kruppke: „Is’ wahr? Dat ich dat noch ... “
Frida: „ … erleb’n darf. Hatt’n wer schon. Mach fettich und komm inne Küche.“
Kruppke: „Aba sicha! Also bis die Tage.“
Der DJ: „Bottrop gegen halb zwölf am Mittag. Halde Beckstraße. Auf dem Tetraeder. Lisa und Gero, ihr Ex-Freund, stehen ganz oben auf dem Bauwerk und lassen sich den Wind um die Ohren wehen.“
Gero: „Ich lese ziemlich alles, was Du schreibst. ‚LiLa’ – ist schon nett, wenn man weiß, wer dahinter steckt. War vor sechs Jahren auch noch nicht abzusehen, oder?“
Lisa: „Nee. Bestimmt nicht. Damals wollte ich eigentlich Korrespondentin werden. Politik – in Straßburg oder sogar Paris. So ’ne Feuilletonsachen und Reportagen konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen.“
Gero: „Ich seh’s aber geradezu vor mir. Die kleine, charmante Lisa. Frech und niedlich. Da kommen die Herren der Schöpfung ganz von alleine ins Plaudern. Und die Damen? Als guter Kumpel wirst Du bestimmt auch bei ihnen durchgehen, was?“
Lisa: „Dr. Freud hat gesprochen! Ich hab’ ja bis heut’ noch nicht verstanden, warum Du zuhause bist und Deine Alexandra die Kohle nach Hause bringt.“
Gero: „ … na ja.”
Lisa: „Das Schweigen der Lämmer? Hat die Frau Dr. Staatsanwalt das letzte Wort gehabt? Oder gar der werte Schwiegerpapa?“
Gero: „Lisa, das ist nicht fair.”
Lisa: „Es ist Dein Leben. So, wie sie sich zwischen uns geworfen hat, war doch auch Dir klar: Wenn Sie etwas will, kriegt sie das in der Regel auch – zumindest hat sie keinerlei Hemmungen eingebaut.“
Gero: „Das kannst Du laut sagen.”
Lisa: „Du auch? Mensch pass auf, wo das noch endet.“
Gero: „Alle paar Monate in einem Date mit der Ex. Sarkastisch bin ich auch geworden. Und wenn ich Dir erzählen würde, wie viele verschiedene Tode meine Liebste schon gestorben ist – gut, dass man für Kopf-Morde noch nicht in den Knast wandern kann.“
Lisa: „Gesund ist das grad’ nicht, was ich da höre. Wenn Du nicht selber einer wärst, würde ich Dich glatt zum Seelenklempner schicken.“
Gero: „Soll ich Dir was sagen? War ich schon. Weißt Du was der gute Doktor gesagt hat?“
Lisa: „Nee, lass hören!”
Gero: „Er hört sich alles an, klopft mir auf die Schulter und sagt: ‚Weißt Du was Kollege, bei mir zuhause ist es auch nicht viel besser – lass uns einen trinken gehen.’ Und dann sind wir in die nächste Kneipe gegangen!“
Lisa: „Ach komm, das ist erfunden. So blöd bin ich nicht!“
Gero: „Glaubst Du ich würde D i c h anlügen - meine letzte Brücke in die Freiheit?“
Lisa: „Ich heul’ gleich. Hier, damit Du auf den Boden zurückkommst – auch wenn wir 60 Meter über dem Erdboden sind.“
Der DJ: „Lisa gibt ihm einen langen Kuss“
Gero: „Damit kann ich wieder ein Vierteljahr überleben.
Lisa: „Halt den Mund.“
Gero: „Mach ich. Außerdem wird es Zeit. Der Kindergarten ist gleich aus und ich muss zurück an die Wickelfront.“
Lisa: „Immerhin hast Du eine extrem süße Tochter!“
Der DJ: „Duisburg, halb Drei am Nachmittag, ein Waldweg nahe der Unfallklinik.“
Klara: „Mensch Hannes, dass Du schon so gut laufen kannst – das hätte ich vor drei Wochen nicht für möglich gehalten.“
Hannes: „Soll ich Dir was sagen – ich auch nich’! Die Knochenklempner haben echt gute Arbeit geleistet.“
Der DJ: „Schweigen.“
Klara und Hannes: „Du ...!“
Hannes: „Du zuerst!“
Klara: „Nein, Du!“
Hannes: „Bitte, ich kann nich’ so gut reden ... !“
Klara: „Na schön. Ich habe lange nachgedacht in den letzten Nächten.“
Hannes: „Ich auch!“
Klara: „Du hättest bei dem Unfall auch ..., na, Du weißt schon ...!“
Hannes: „Ja.“
Klara: „Manchmal muss einem erst klar gemacht werden, wie viel Glück man hat. Und wie schnell das auch vorbei gehen kann. Und dass man eigentlich viel zu selten schätzt, was man hat. Verstehst Du?“
Hannes: „Oh ja, ganz genau!“
Der DJ: „Erneutes langes Schweigen.“
Klara: „Hannes ... ich will ein Kind!“
Hannes: „Klara!“
Klara: „Ja, ich weiß. Ein Kind ist teuer. Und bei Deinem Lohn ... . Aber trotzdem ... .“
Hannes: „Nein, warte, dat is’ ja ... genau dat wollt’ ich auch sagen. Als ich zum ersten Mal drüber nachgedacht hab’ ... mit ei’m Kind lebt doch ’nen Stück von ei’m weiter ... . Außerdem – ich glaub’ Du würdest ’ne verdammt gute Mutter abgeb’n.“
Klara: „Oh Hannes ..., aber, hast Du keine Angst? Schließlich sind wir beide nicht mehr die Jüngsten!“
Hannes: „Natürlich hab’ ich auch Angst. Aber ich will dat trotzdem. Guck ma’, wat ich vorgestern in’ner Zeitung gefund’n hab’.“
Klara: „Wart’ mal, ich muss meine Brille aufziehen.“
Hannes: „Ich les’ vor: Wir sind zu alt, um zu träumen. Und zu jung, um keine Träume mehr zu haben!“
Klara: „Stimmt!“
Hannes: „Und weißt Du warum wir dat grade jetzt mach’n sollt’n?“
Klara: „Sag!“
Hannes: „Weil wir in der Villa jede Menge Omas, Opas, Onkel, Tanten und Geschwister für unsr’e Tochter hätt’n.“
Klara: „Tochter?
Hannes: „’Tülich, ’ne süße kleine Klara ... !“
Die Bewerbung! (2)
Anael: „Ich fass es nicht! Das darf nicht wahr sein. ‚Auf ausdrücklichen Wunsch des Chefs.’ Mit Unterschrift vom Prokuristen ... .“
**********
Der DJ: „Hallo, wer spricht da?“
Autor: „Das ist Anael.“
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Zechiel: „Und ich bin auch hier. Zechiel. Es ist durch! Meinem Antrag wurde stattgegeben. Ich darf Ihnen meine Geschichte zur Verfügung stellen. ‚Mein lieber Zechiel’ hat ER SELBER zu mir gesagt, ‚sie sollen Deine Geschichte hören. Man darf gute Geschichten niemandem vorenthalten. Schon gar nicht den Ich-Sagern, die mir seit ein paar Tausend Jahren immer wieder Geschichten liefern, von denen wir hier oben nicht einmal träumen können!’ hat er gesagt. Also, bin ich heute hier, um mit meiner Geschichte anzufangen.“
Anael: „Bitte, Zechiel, überleg’ Dir das gut, Du darfst, aber Du musst nicht!
Zechiel: „Oh doch, die Geschichte muss raus. Unbedingt. Sonst platze ich.“
Autor: „Können wir bei unserem bewährten Verfahren bleiben? Dialoge. Der DJ als Erzähler. Sätze aus dem Publikum?“
Zechiel: „Dialoge. Ja. Der DJ und ich als Erzähler- aber: Keine Sätze.“
Autor: „Darf ich fragen ...?“
Zechiel: „Manchmal passt das einfach nicht. Ich erzähle, aber ich bin kein Schriftsteller. Das würde mich nur aus dem Konzept bringen.“
Autor: „Gut. Einverstanden. Bin gespannt wie das Publikum darauf reagiert. Und wie oft werden Sie ... ich meine, ist das eine lange Geschichte?“
Zechiel: „Ziemlich. Aber das überschaue ich noch nicht ganz. Wenn ich das richtig sehe, ist das Wichtigste an einer Geschichte oftmals das, was man weglässt.“
Autor: „Gut gesagt! Aber dennoch: Wie oft werden wir Ihnen Platz einräumen müssen?“
Zechiel: „Sagen wir mal: Jeden Sonntag – das ist traditionell doch irgendwie unser Tag, finden Sie nicht?“
Autor: „Ja, das ist nicht von der Hand zu weisen. Also sonntags. So wie heute.“
Zechiel: „Und wie letzte Woche.“
Autor: „Richtig. Wollen Sie heute schon anfangen?“
Zechiel: „Oh nein, das dürften Sie doch wohl am Besten wissen! Eine gute Geschichte braucht einen würdigen Anfang und wird nicht einfach hintendran gehängt, wie ein Kuhschwanz der mit Sicherheitsnadeln befestigt ist.“
Anael: „Wie Du redest! Hoffentlich vernachlässigst Du nicht Deinen eigentlichen Job. Und mich!“
Zechiel: „Ach was. Am Sonntag wird so wie so nicht gearbeitet. Also reg Dich nicht künstlich auf.“
Anael: „Ich werde aufpassen, dass Du keinen Unsinn erzählst. Verlass Dich drauf!“
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Der DJ: „War’s das? Also dann. Bis nächsten Sonntag.
Was bisher geschah
12. Woche:
In dieser Woche gab es ein Outing der besonderen Art: Jo-Jo Graf ist in Wirklichkeit: Graf Eckart von Papendorf! Außerdem ist Beat ist wieder einmal auf der Suche nach einer neuen Bleibe, Justus und Tillmann sind verliebt, denken aber trotzdem über die Rettung der Welt nach, Kruppke hat Geburtstag, Lisa trifft sich mit ihrem Ex. Schließlich denken Hannes und Klara über ein Kind nach.
Der DJ: „Tillmann hat Elwira nach der Arbeit im Café abgeholt und ihr ganz begeistert ein kleines Päckchen überreicht.“
Elwira: „Für mich?“
Tillmann: „Ja klar. Für wen denn sonst?“
Elwira: „Aber ich habe keinen Geburtstag.“
Tillmann: „Nein, wieso auch?“
Elwira: „Einfach so, bringst Du mir ein Geschenk mit?“
Tillmann: „Ja, was ist dabei? Ich liebe Dich, ich bin glücklich und ich schenke Dir etwas ... !? Es ist bei mir zwar schon eine Weile her, aber ich glaube, das geht so.“
Elwira: „Aber - ich habe nichts für Dich.“
Tillmann: „Schön!“
Elwira: „Wieso findest Du das schön?“
Tillmann: „Weil es sonst langweilig wäre.“
Elwira: „Also gut. Ein Geschenk. Soll ich es auspacken?“
Tillmann: „Du kannst es auch ungeöffnet an den Absender zurückschicken.“
Elwira: „Doofmann!“
Tillmann: „Also packst Du nun aus oder nicht?“
Elwira: „Ja! Dräng nicht so.“
Tillmann: „Lass Dir Zeit.“
Elwira: „Also soll ich es jetzt auspacken?“
Tillmann: „Ja!“
Der DJ: „Sie stellt sich so hin, dass ihr Rücken den Blick vom Gehweg ein wenig abschirmt und packt das Geschenk aus.“
Elwira: „Ein Taschen-CD-Player und eine CD. „Bildung – Alles was man wissen muss?“
Tillmann: „Ja!“
Elwira: „Was soll das?“
Tillmann: „Wie bitte?“
Elwira: „Was soll ich damit?“
Tillmann: „Aber ... ich dachte ...“.
Elwira: „Was dachtest Du? Dass ich Dich blamiere, wenn wir bei Deinen Freunden sind? Dass ich nicht gut genug für Dich bin? Dass ich zu doof bin und Nachhilfeunterricht brauche?“
Tillmann: „Nein, Elwira, gar nicht, ich ... “
Elwira: „Was soll ich damit machen? Jeden Tag eine Stunde lernen? Fragst Du mich später ab? Und was kommt danach? Volkshochschule? Zweiter Bildungsweg? Soll ich Dir sagen was ich damit mache? Da ... !“
Tillmann: „Nicht, der CD-Player ... Elwira ... nicht weglaufen ... “
Der DJ: „Tillmann hockt sich nieder und sammelt die Überreste des CD-Player’s auf, während ihm die vorbeieilenden Passanten neugierig dabei zuschauen. Er sieht sie gar nicht. Und erst Recht nicht seine Ex-Frau Ina, die die ganze Szene zuerst überrascht und dann sichtlich erfreut von der anderen Straßenseite aus verfolgt hat.“
Der DJ: „Am Abend im Kaminzimmer der Villa Halde. Auf dem großen dunklen Tisch liegt ein aufgeschlagenes Fotoalbum. Jo-Jo und die Gräfin blicken darauf, Jo-Jo blättert von Zeit zu Zeit um.“
Gräfin Zsófia: „Und wer ist das? Große Tante?“
Jo-Jo: „Nein, Vater hat ‚Fräulein Charlotte’ zu Ihr gesagt. Das war seine Amme. Sie sieht sehr streng aus, aber er hat immer davon geschwärmt wie lieb sie war.“
Gräfin Zsófia: „Weiter.“
Jo-Jo: „Das war die letzte Seite. 1944. Danach hat mein Großvater keine Fotos mehr gemacht. Nie wieder. Zuerst die Verwundung, dann die Flucht. Danach war er ein gebrochener Mann.“
Gräfin Zsófia: „Wie meine Onkel. Aber die Großmutter war stark!?“
Jo-Jo: „Ja. Ohne Sie wäre mein Großvater wahrscheinlich verhungert. Sie hat später in Essen zuerst ein Textilgeschäft eröffnet und dann eine kleine Kaufhauskette gegründet. Und viel Geld verdient. Mein Großvater hat immer nur in seinem großen Sessel gekauert. Unter einer Wolldecke. Die Augen geschlossen. Manchmal sah es so aus, als würde er weinen.“
Gräfin Zsófia: „Männer schwach.“
Jo-Jo: „Ja, ja. Alle Männer sind schwach und alle Frauen sind stark. So ein Unsinn.“
Gräfin Zsófia: „Nicht alle. Natürlich. Aber viele. Alte Männer ohne Frauen? Schlimm. Alte Frauen ohne Männer – auch schlimm, aber keine Katastrophe.“
Jo-Jo: „Ach Gräfin ... können Sie sich nicht einmal erlauben schwach zu sein? Können Sie nicht einmal jammern? Oder weinen?
Gräfin Zsófia: „Jo-Jo. Du bist ein Graf!“
Jo-Jo: „Ja und?“
Gräfin Zsófia: „Wo ist Stolz von Adel?“
Jo-Jo: „Stolz? So stolz wie mein Großvater? Ich wette, er wäre nicht so abgedriftet, wenn er in seiner Kindheit und Jugend nicht immer nur stark und stolz hätte sein müssen.“
Der DJ: „Sie schweigen eine Weile.“
Gräfin Zsófia: „Jo-Jo?“
Jo-Jo: „Ja?“
Gräfin Zsófia: „Nachts ich bin nicht stark.“
Jo-Jo: „Gräfin Szófia!“
Gräfin Zsófia: „Ich liege und habe Angst.“
Jo-Jo: „Aber ... “
Gräfin Zsófia: „Ich will nicht sterben.“
Jo-Jo: „ ...komm, weine ruhig!“
Der DJ: „Sie lehnt sich an ihn. Jo-Jo legt seinen Arm um sie und wiegt sie leicht hin und her.“
Jo-Jo: „Alles wird gut!“
Gräfin Zsófia: „Nein, wird nicht mehr gut. Aber ist trotzdem gut.“
Der DJ: „Borkum Südstrand am späten Vormittag. Frida und Kruppke promenieren.“
Kruppke: „Ach Frida. Et is schön hier!”
Frida: „Is et!“
Kruppke: „Richt’ich schön.”
Frida: „Stimmt. Obwohl … .“
Kruppke: „Wat denn, stimmt wat nich?“
Frida: „Ach is’ schon gut.“
Kruppke: „Nee is nich’ gut. Ich möchte nich’ dat’et wat gibt, wat nicht gut is’ auf diese Reise.“
Frida: „Komm Kurt lass gut sein. Is’ wirklich allet wunderbar.“
Kruppke: „Du weiß’ dat’dat noch schlimmer is’ wenn’se wat andeutes aba nix sach’s. Also, sach!“
Frida: „Na ja. Jeder guckt eben auf dat, wo er am meisten von wech hat.“
Kruppke: „Ja, un’?“
Frida: „Heut morg’n, die Wurst un dä Käse – angelauf’n. Zu lang draußen geleg’n. Und dann die Eier. Viel zu hart.“
Kruppke: „Mehr nich?“
Frida: „Also ich find’ dat reicht für’n Frühstück. Und die Scholle gestern abend – Kurti, ich bitt’ dich – die war viel zu lang inner Pfanne ...
Kruppke: „Ja sicha, has Recht. Un ich dacht’ schon ... !“
Frida: „Wat has Du gedacht? Dat ich mit’ir nich zufried’n wär? Has wohl gar kein Selbstbewusstsein, wa? K u r t K r u p p k e – dat war’n die schönsten zwei Tage, die ich je in mein Leben mit’n Mann verbracht hab’. Na ja, so weit ich mich erinner’n kann.“
Der DJ: „Frida bemerkt nicht, dass Kruppke nach ihrem Kompliment einfach stehengeblieben ist.“
Frida: „Is wirklich wahr. Man kann sich mit Dir wirklich gut unterhalt’n. Un’ wat noch bessa is’, man kann auch gut mit Dir schweig’n. Kurt... Kurt!?“
Kruppke: „Sach ma, Frida, is dat Ernst gemeint gewes’n?“
Frida: „Sicha!”
Kruppke: „Kein Flachs?”
Frida: „Natü’lich nich!“
Kruppke: „Un dir geht’s gut, keine Kopfschmerz’n, kein Fieber?”
Frida: „Seh’ ich vielleicht wie’ne Halbtote aus?“
Kruppke: „Nee, nee, ich wollt’ nur … da!”
Frida: „Hey, nich’ so stürmisch, sons’ leg’n wir zwei Alten uns noch hin und komm’ mit Oberschenkelhalsbruch in die Pension mit die weißen Zimmers und den Rohren am Bett.“
Kruppke: „Ich glaub’ heut könnt’ ich sogar dat vertrag’n!“
Der DJ: „Kurz nach Neun am Abend. Felicitas sitzt an einem festlich gedeckten Tisch. Ort, die Loft des Klarinettisten Matthieu in Dinslaken. Matthieu hantiert in der Küche gleich um die Ecke.“
Matthieu: „Was hast Du gesagt?“
Felictias: „Wo Du eigentlich herkommst?“
Matthieu: „Ich bin ein Ruhri mit Migrationshintergrund, ich komme aus Hilden.“
Felictias: „Du Armer!”
Der DJ: „Ein paar Minuten später kommt Matthieu mit einem Tablett ins Esszimmer.“
Matthieu: „Ta, taaah!“
Felictias: „Oh, was ist das denn. Hältst Du Aktienanteile der Zuckerindustrie?“
Matthieu: „Magst Du nichts Süßes, dann nehm’ ich ihn wieder mit …!“
Felictias: „Hey, hier geblieben. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich noch etwas mehr Platz gelassen. Ist da etwa Mascarpone drin?“
Matthieu: „Ja. Karlsbader Nachspeise – aber eine persönliche Variation.“
Felictias: „Gott, schon die Marzipandeko ist ja gigantisch.“
Matthieu: „Französische Konditoren-Qualität. Meine Tante lebt in Lyon und ihr Lebensgefährte ist Patissier in einem Sterne-Hotel.“
Felictias: „Sagenhaft. Ähm. Eine bescheidene Frage: Kochst Du nur für andere, oder isst Du gelegentlich auch selber was?“
Matthieu: „Wie?“
Felictias: „Na ja, wenn ich mir mehr als einmal im Monat so was auch nur anschaue, platz’ ich aus allen Nähten.“
Matthieu: „Ach komm. Fishing for Compliments oder was hast Du vor. Wenn ich mich ein bisschen anstrenge, krieg ich deine Taille mit meinen Fingern umspannt ... .“
Felictias: „Hey, das ist ... M a t t h i e u! Finger weg – ich bin kitzelig.”
Matthieu: „Schon weg. Da bist Du kitzelig?“
Felictias: „Niiiicht! Das ist unfair.“
Matthieu: „Da auch?“
Felictias: „Nein, nei ... doch, doch, sofort aufhören, sonst ... .“
Matthieu: „Sonst was? Verprügelst Du mich dann?“
Felictias: „Nein, mir fällt schon noch was anderes ein ... “
Matthieu: „So?“
Der DJ: „Sie gucken sich lange und tief in die Augen. Und dann ... .“
Matthieu: „Mmmmh. Überzeugt! Das ist sogar besser als Karlsbader Nachtisch.“
Felictias: „Nicht reden ... .“
Matthieu: „Mmmmhh!“
**********
Zechiel: „Da. Hab’ ich doch gewusst.“
Anael: „Ich auch.“
Zechiel: „Was soll das werden? Sie gehört woanders hin!“
Anael: „Du nimmst das alles viel zu persönlich, Zechiel. Ist doch nur ein Job!“
Der DJ: „Der letzte Schultag vor den Osterferien. Der Englischkurs von Milena und Daria guckt einen Film – Shakespeare in Love – Original, ohne Untertitel. Die beiden Freundinnen sitzen nebeneinander und flüstern.“
Milena: „Hast Du heute Nachmittag Zeit. Squashen?”
Daria: „Nee, bin mit Justus zum Klettern.”
Milena: „Was ist mit morgen?”
Daria: „Vormittags möchte ich mal richtig auspennen. Nachmittags machen wir eine Fahrradtour.“
Milena: „Sonntag?”
Daria: „Ja. Wann? Am Vormittag ist es besonders billig. Um 10.00?“
Milena: „Prima. Treffen wir uns dort.“
Der DJ: „Eine Zeitlang gucken die beiden wieder intensiv dem Fim zu. Auf einmal klatscht sich Daria so laut auf die Stirn, dass sich die Zälfte der Schüler zu ihr herumdrehen.“
Milena: „Was ist los?“
Daria: „Hatte ich ganz vergessen. Am Sonntag kommt mein Vater zu Besuch. Er wollte mit mir und Justus Essen gehen. Dann wird das mit dem Squashen ein bisschen knapp.“
Milena: „Ist jetzt nicht Dein Ernst, oder?“
Daria: „Tut mir wirklich Leid. Wie wär’s denn mit Montag?“
Milena: „Guck lieber vorher in Deinen Rendevouz-Planer, nachher hast Du noch einen wichtigen Termin mit Justus vergessen: Gemeinsamer Zahnarztbesuch? Büchereiausweis verlängern mit Händchenhalten?“
Daria: „Was ist denn jetzt los? Spinnst Du? Ich w i l l ja mit Dir Squashen gehen. Nur weil Du mit Ratte nichts Besseres tun kannst, als Streiten und zuhause Rumhängen, bleib ich mit Justus nicht in der Bude und versaure.“
Milena: „Weißt Du eigentlich, dass wir uns jetzt seit zweieinhalb Wochen nur noch in der Schule gesehen haben?“
Daria: „Wir haben uns auch in der Villa gesehen!“
Milena: „Klasse. Im Vorbeigehen, auf dem Weg in Justus Zimmer und aus seinem Zimmer heraus nach draußen. Das war noch schlimmer, als wenn wir uns gar nicht über den Weg gelaufen wären.“
Daria: „Das wird schon auch wieder anders!“
Milena: „Klar, nach dem Abi, oder wann? Oder muss ich warten bis Justus irgendwann ’ne Neue hatt?“
Daria: „Hallo? Jetzt reicht’s aber. Wenn Du Dich beruhigt hast, kannst Du gerne wieder anrufen.“
Milena: „Aber ...?“
Der DJ: „Daria steht auf und setzt sich ein paar Plätze weiter.“
Der DJ: „Essen-City, das Bürogebäude in dem Dr. Wambach residiert. Lisa und Linus stehen davor und haben geklingelt.“
Linus: „Meinst Du er ist wirklich da?“
Lisa: „Klar, bei dem Telefonat!“
Lisa: „Was hat er denn gesagt?“
Linus: „Die Art wie er ziemlich oft und ziemlich lange nichts gesagt hat, hat am meisten gesagt!“
Der DJ: „Es knackt in der Gegensprechanlage.“
Dr. Wambach: „Kommen Sie einfach hoch.“
Der DJ: „Die Beiden betreten das Gebäude und stehen ein paare Minuten später Mr. Perfekt gegenüber, der sie eiskalt mustert und mit einer knappen Geste auffordert ihm in ein Gesprächszimmer zu folgen.“
Dr. Wambach: „Es erübrigt sich zu fragen woher Sie die Informationen und Bilder haben. Sagen Sie mir, was Sie dafür haben wollen?“
Lisa: „Nichts. Sie müssen uns nur etwas lassen!“
Dr. Wambach: „Ich nehme an, Sie werden mir sagen was.“
Linus: „Die ‚Villa Halde’!“
Dr. Wambach: „Verzeihung?“
Lisa: „Er meint das Haus der Eltern Ihrer werten Tante.“
Linus: „Genau. Das Haus, das Kurt Kruppke gehört, dem Sie - ohne Erfolg! - einen Schläger auf den Hals gehetzt haben.“
Dr. Wambach: „Dafür die ganze Aufregung?“
Lisa: „Dafür so viel Bosheit und Gemeinheit und ein Prozess, der nächste Woche fortgesetzt werden soll?“
Dr. Wambach: „Ich verliere nicht gern.“
Linus: „Sie haben bereits verloren.“
Dr. Wambach: „Es sieht so aus.“
Lisa: „Also: Sie ziehen die Klage zurück?“
Dr. Wambach: „Sicherlich.“
Linus: „Keine Tricks!“
Dr. Wambach: „Ich gehe davon aus, dass Sie nicht die Einzigen sind, die mein Geheimnis kennen. Und dass es nicht gut für mich ist, wenn Ihnen in der nächsten Zeit etwas zustößt!“
Lisa: „Sie lesen auch Krimis, wie es aussieht!“
Dr. Wambach: „Ich sehe sie mir an.“
Lisa: „Okay, das war’s. Hol schon mal den Wagen Harry.“
Linus: „Hä? Wieso soll ich Deinen Wagen holen?“
Dr. Wambach: „Das war ein Zitat, junger Mann.“
Die Bewerbung! (3)
Zechiel: "Also. Die Geschichte die ich erzählen wollte ist während meiner Praktikumszeit passiert. Damals war ich in der Personalabteilung, Unterabteilungen ,Anwerbung' und ,Assementcenter'. Der Abteilungsleiter war der sehr erfahrene und sehr erfolgreiche Theliel. Er hat mich persönlich eingearbeitet. Weder vorher noch nachher, habe ich jemals wieder einen so guten Lehrer gehabt!"
Der DJ: "Ich darf mich einschalten?"
Zechiel: "Was? Oh, ja sicherlich!"
Der DJ: "Wir sind ... in Frankfurt. Es ist Mitte Januar und kalt. In wenigen Stunden wird es schneien. Ein junger Mann in tadelloser Geschäftskleidung, steigt in die U-Bahn und setzt sich auf einen freien Platz nahe der Türe."
Zechiel: "Das ist unser Mann. An der nächsten Station setzt sich Theliel, natürlich incognito, neben ihn - als Praktikant bleibe ich natürlich unsichtbar."
Der DJ: "Das Aussehen seines neuen Sitznachbarn behagt dem jungen Mann offensichtlich nicht: schmutziger Fischgrätmantel, Hosen mit weitem Schlag, die nass und zerfetzt über seine ausgelatschten Springerstiefel hängen, eine speckige Wildledermütze mit Lammfellohrenklappen deren lange Bänder unterschiedlich tief herabhängen. Der junge Mann rückt so weit es geht von dem Mann ab."
Theliel: "Oh, danke sehr!"
Junger Mann: "Wie?"
Theliel: "Danke, dass Sie mir ein wenig Platz machen."
Der DJ: "Theliel macht sich sehr breit und kommt dem jungen Mann dadurch erneut sehr nahe. In diesem Moment klingelt das Mobiltelefon des jungen Mannes."
Junger Mann: "Verzeihung. Moment, ich muss grade . so ... Hey, Jan. Nein, nicht in Essen. Frankfurt. Stell Dir vor. Ich bin auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch. Schuhmacher, Seyfried und Partner. Wirtschaftsanwälte, aber international. In einer knappen Stunde. Glaub schon! Als die hörten dass ich als Stipendiat in Harvard war und danach in New York ... . Ja, wird jetzt auch langsam Zeit. Und Du? Unbefristet? Super. Wenn wir uns das nächste Mal sehen lassen wir die Korken knallen. Hey, machs gut Alter!"
Der DJ: "Während der junge Mann spricht hat Theliel eine edle Ledermappe aus seinem Mantel hervorgeholt und aufgeschlagen."
Theliel: "Name, Name, Name?"
Junger Mann: "Wie bitte?"
Theliel: "Sind Sie Amadeus Norden, geboren am 17.04.1963 in Essen?"
Amadeus Norden: "Ja, aber, woher ...?"
Theliel: "Nun, wie es aussieht, haben Sie sich bei uns beworben!"
Amadeus Norden,: "Bei Ihnen, aber das kann doch nicht ...?"
Theliel: " . stimmen? Nun, dann muss ich wohl falsch informiert worden sein. Entschuldigen Sie die Verwechslung."
Amadeus Norden: "Nein, warten Sie!"
Der DJ: "Theliel, der sich bereits erhoben hatte dreht sich lächelnd um und setzt sich erneut. In diesem Moment ist es für Sekundenbruchteile dunkel in dem Waggon."
Zechiel: "Weiter!"
Der DJ: "Nächste Woche!"
Was bisher geschah
13. Woche:
In dieser Wochen haben sich Tillmann und Elwira verkracht. Gräfin Szófia hat Jo-Jo zum ersten Mal von ihrer Angst vorm Sterben erzählt. Kruppke dagegen ist im siebten Himmel: in Borkum macht Frida ihm ziemlich handfest Hoffnungen. Felicitas ist glücklich mit Matthieu dem Klarinettisten. Milena macht Daria Vorwürfe. Und Lisa und Linus machen Dr. Wambach mit Erfolg Druck!
Der DJ: „Später Vormittag. Autobahn A 40, die Hauptschlagader des Ruhrgebiets. Ein kleiner roter Flitzer mit einem dunkelhaarigen Riesen an Bord. Lisa hat in der Nähe zu tun gehabt und bringt Hannes für ein paar Stunden nach Essen – Überraschung für Klara.“
Hannes: „Warum sagst Du nix?“
Lisa: „Wie? Entschuldige, ich war gerade in Gedanken.”
Hannes: „Finds’ mich … schrecklich oder?”
Lisa: „Was, wieso, wovon redest Du?”
Hannes: „Na von der Sache mit der Dings.“
Lisa: „Hannes, ehrlich, ich hab’ keine Ahnung wovon Du grade sprichst!”
Hannes: „Ach komm. Die Perlentussi vom Bowling. Bestimmt meint Ihr Frau’n alle, ich hätt’ meine Klara gar nich verdient. Weil ich ihr untreu war.“
Lisa: „Aber wieso denn, Du warst doch gar nicht … untreu.”
Hannes: „Doch. Ich hab’ in Gedanken. Und irgendwie auch in Worten. Hat nich’ viel gefehlt und dann wär’ es auch richt’ich passiert.“
Lisa: „Na ja, ich glaub’ mit so einer Ansicht stehst Du ziemlich allein da – wahrscheinlich nehmen Sie Dich damit sogar ins Museum.”
Hannes: „Lisa! Das meinst Du nich’ Ernst. Und desweg’n sollst Du so was auch nich’ sag’n.”
Lisa: „Ich kann das ja auch mal anders ausdrücken. Du bist eine ziemlich ungewöhnliche Seele. Wie soll ich sagen. Ihr sollt werden wie die Kinder, heißt es doch wohl, oder?“
Hannes: „Findest Du, ich benehm mich wie unerwachsen? Wie ein Kind?
Lisa: „Na ja, sparst Du Dir eine ganze Menge von den Dingen, die einen Erwachsenen für Kinderaugen ziemlich jämmerlich aussehen lässt.
Hannes: „Ach Lisa ... .“
Der DJ: „Hannes schweigt eine ganze Weile und Lisa hütet sich, seine Gedankenarbeit zu unterbrechen.“
Hannes: „Ach Lisa ... . Seit dem Unfall und der Sache vorher bin ich ganz durcheinander. Das is’ so, als würd’ in mir drin was wachsen ... wie ein Kind. Quatsch. Nich’ wie ein Kind im Bauch natürlich. Wie ein neuer Hannes, der den alten Hannes ablösen will ... ich kann das gar nich’ erklären ... .“
Lisa: „Doch, Du erklärst das sogar ganz wunderschön.“
Hannes: „Meinst Du ich bin verrückt? Muss ich zu ei’m Psychoarzt?“
Lisa: „Nee Hannes. Nur wenn man so was nicht von Zeit zu Zeit durchmacht hat man ein Problem.”
Hannes: „Kennst du das auch?“
Lisa: „Klar. Auch wenn ich nicht immer laut hier schreie, wenn mal wieder was im Anzug ist. Als mich vor ein paar Jahren mein Freund verlassen hat, wegen einer Anderen, einer richtigen Hexe, die ihn verzaubert hat ... Scheiße, das war auch so was, wo in mir was gewachsen ist, was die alte Lisa abgelöst hat. Die Schmerzen von der Ablösung spüre ich noch immer, als wäre es gestern gewesen.“
Hannes: „Dann bin ich nich’ für immer der Hannes, der nix mitkricht?“
Hannes: „Oh Lisa!”
Lisa: „Hey, ich fahre Auto. Lass das bloß nicht Klara sehen!“
Der DJ: „Inas Wohnung. Kurz vor Neun am Abend. Ina hatte gekocht und nun sitzen die beiden Noch-Immer-Eheleute einander auf Sofa und Sessel gegenüber.“
Ina: „Hat’s Dir geschmeckt?”
Tillmann: „Super. Vor allem der Auflauf.”
Ina: „Du bist schlanker geworden!”
Tillmann: „Du auch.“
Ina: „Na ja, wenn man wieder auf dem Markt ist, muss man was tun!“
Tillmann: „Wieso bist Du wieder auf dem Markt. Du hast doch Frank.“
Ina: „Ach. Frank. Das ist doch nichts, was wirklich ernst ist.“
Tillmann: „Aha? Spaßig fand ich das aber nicht gerade mit Euch.“
Ina: „So meine ich das doch nicht. Mit Frank und mir - dass ist nicht so wie bei uns.“
Tillmann: „Sondern?“
Ina: „Loser. Unverbindlicher. Du warst mein Mann ... .“
Tillmann: „ ... bin ich übrigens immer noch.“
Ina: „Natürlich. Frank ist mehr ... .“
Tillmann: „ ... Dein Lebensabschnittsgefährte?“
Ina: „Was bist Du auf einmal so spitz? Lass uns von was anderem reden.“
Tillmann: „Und wovon? Justus? Dem geht’s wirklich prima. Er und Daria – so ausgeglichen war er schon lange nicht mehr. Bis über beide Ohren verliebt. Beneidenswert.“
Ina: „Wieso? Du bist doch wie es scheint auch schwer verliebt in – wie heißt die polnische Kassiererin noch – Evelyn?“
Tillmann: „Elwira. Und sie verdient ihr Geld als Kellnerin.“
Ina: „Auf jeden Fall turtelt ihr ja ganz schön herum, nicht wahr?“
Tillmann: „Ja. Kann schon sein.“
Ina: „Nanu, das klingt aber nicht gerade begeistert.“
Tillmann: „Wieso? Manchmal ist es eben besser und manchmal schlechter.“
Ina: „Und jetzt ist es eben schlecht. Mach Dir nichts draus. Bei Frank und mir auch.“
Der DJ: „Tillmann scheint gar nicht richtig hingehört zu haben. Offensichtlich ist er gerade in Gedanken ganz woanders.“
Ina: „Hast Du gehört?“
Tillmann: „Ja klar.“
Ina: „Du hörst gar nicht ... . Stimmt das eigentlich, dass ihr einen Tanzkurs macht?“
Tillmann: „Ja. Jeden Donnerstag. Macht Spaß.“
Ina: „Kannst Du denn schon was? Langsamer Walzer? Tanzen wir eine Runde?“
Tillmann: „Öh ... ja!“
Der DJ: „Tillmann merkt nicht, dass Ina auf Knopfdruck einen langsamen Walzer abspielt, der offensichtlich schon auf dem Plattenteller gewartet hatte.“
Ina: „Klasse. Du führst gut!“
Tillmann: „Och, ist doch noch nicht viel.“
Ina: „Wie kommt’s, dass Du auf einmal Tanzen willst?“
Tillmann: „Tanzen macht Freude, gerade wenn man kein Talent dazu hat. Ich hab begriffen, worauf es ankommt: Seelisch und geistig wachsen. Und lieben lernen! Das reicht.“
Ina: „Lieben lernen? Aber ... .“
Der DJ: „Das Zimmer der Gräfin um kurz vor Vier am Nachmittag. Es klopft.“
Klara: „Gräfin? Gräfin, haben Sie mich gehört?“
Der DJ: „Klara hört ein schwaches Geräusch von drinnen und drückt vorsichtig die Klinke herunter.“
Klara: „Gräfin?“
Gräfin Zsófia: „Ja ... komme herein, Klara!“
Der DJ: „Die Gräfin sitzt in einem Rohrstuhl mit Schaffell, eingemummelt in ein dickes Wollplaid und sieht aus dem Fenster auf einen große Kastanie, deren Knospen schon stark schwellen.“
Klara: „Aha, Sie genießen den Frühling!“
Gräfin Zsófia: „Ja. Ist gut die Wärme, die Sonne. Wie Hoffnung zum Angucken! Und ist schön, wenn wieder alles blüht!“
Klara: „Ja. Nicht wahr. Was meinen Sie, schaffen Sie es mich nach unten zu begleiten? Frida hat uns einen wunderbaren Kuchen gebacken.“
Gräfin Zsófia: „Oh! Ja, warum nicht? Muss man immer wieder stark sein. Kannst Du mir helfen?“
Der DJ: „Sie gehen langsam und vorsichtig die Treppen herunter. Schon von weitem hört man aus dem Esszimmer das Klirren von Porzellantassen und Tellern – der Tisch wird gerade gedeckt.“
Klara: „So liebe Gräfin. Noch ein paar Schritte, dann haben Sie es geschafft.“
Der DJ: „Als sie die Türe geöffnet haben, strahlen der Gräfin die Gesichter von Kruppke und Frida, Tillmann, Justus und Linus entgegen.“
Gräfin Zsófia: „Was? Habe ich nicht Geburtstag. Warum ihr guckt so komisch?“
Linus: „Wir gucken nicht komisch. Wir freuen uns!“
Gräfin Zsófia: „Worüber ihr Euch freut?“
Justus: „Über die schönen Aussichten!“
Gräfin Zsófia: „Was denn für schöne Auss ... No de ilyet!“
Der DJ: „Die Gräfin hat den Kopf erhoben und starrt über die Köpfe der anderen hinweg auf sechs fast mannshohe Portraits, die, in edlen, goldverzierten Rahmen die Wände des Speisezimmers ausfüllen.“
Gräfin Zsófia: „Wo ist mein Freund!?“
Jo-Jo: „Hier, hinter Ihnen!“
Gräfin Zsófia: „Komm zu mir, Graf Eckart von Papenhausen!“
Jo-Jo: „Hallo!? Ich bin Jo-Jo Graf, bitteschön!”
Gräfin Zsófia: „Bist Du nicht. Bist Du der Prinz auf weißem Pferd mit Schwert, der für mich hat gekämpft!“
Der DJ: „Zwölf Uhr nachts in Mülheim. Haus der Familie Schröder. Felicitas ist gerade zur Türe hereingekommen und dreht den Schlüssel im Schloss herum.“
Mutter Schröder: „Felicitas, Kind!“
Felicitias: „Mama! Ich hätte fast einen Herzinfarkt gekriegt!“
Mutter Schröder: „Wieso kommst Du so spät?“
Felicitias: „Wie bitte? Ist was passiert? Geht es Papi gut?“
Vater Schröder: „Natürlich geht es mir gut. Und was ist mit Dir?“
Felicitias: „Danke. Mir geht es auch gut. S e h r gut!“
Mutter Schröder: „Warum sagst Du das so?“
Felicitias: „W i e sage ich das denn?“
Mutter Schröder: „So, so, ... “
Vater Schröder: „Deine Mutter meint f r i v o l. Du sagst das frivol!“
Felicitias: „Was? Frivoool? Ähm, ihr seid sicher, dass es E u c h gut geht?”
Vater Schröder: „Da, schon wieder! Frivol und ironisch!“
Felicitias: „Ach Gott. Ich hab’s geahnt – ich hab’ mich doch angesteckt!”
Vater Schröder und Mutter Schröder: „Waassss?????“
Felicitias: „Ja, unglaublich. Eine einzige Vorstellung und schon angesteckt. Mit einer wahnsinnig kurzen Inkubationszeit!“
Mutter Schröder: „Du machst mir Angst. Bitte mach es nicht so spannend, was ist es?“
Vater Schröder: „Sie meint das schon wieder ironisch. Welche Vorstellung?“
Felicitias: „Im ‚Mondpalast’ in Wanne-Eickel.“
Vater Schröder: „Du meinst in Herne“!
Felicitias: „Nein. Dort steht überall Wanne-Eickel – das klingt auch besser.”
Mutter Schröder: „Also, was war das mit der Vorstellung?“
Felicitias: „Am letzten Samstag war ich mit Matthieu da. Das Stück hieß .... “
Vater Schröder: „Mit wem warst Du da?“
Felicitias: „Tu nicht so, als ob Du ihn nicht kennst. Nur weil ich ihn Euch noch nicht vorgestellt habe. Also das Stück hieß ‚Flurwoche’. Und es war ironisch. Und ein ganz wunderbares kleines Bisschen frivol. Ich muss mich angesteckt haben .... !“
Der DJ: „Ein etwas längeres Schweigen setzt ein. Felicitas zieht Ihre Jacke und Straßenschuhe aus, geht in die Küche, nimmt eine halb leere Flasche Rotwein aus dem Regal, giesst sich ein Glas ein und steht, den Rücken gegen die Arbeitsplatte gelehnt, mit übereinandergeschlagenen Beinen ganz entspannt einfach nur da.“
Vater Schröder: „Wein. Seit wann trinkst Du einfach so Wein?“
Felicitias: „Seit einer Minute!“
Mutter Schröder: „Du hast morgen Probe und musst ausgeschlafen sein! Man darf sich nicht so gehen lassen.“
Vater Schröder: „Wer Musik macht, braucht Disziplin.“
Mutter Schröder: „Und Schlaf!“
Vater Schröder: „Und er muss ausgeglichen sein!“
Felicitias: „Liebe Eltern, wenn Ihr es mir nicht so oft erklärt hättet, dann hätte ich es vielleicht richtig verstanden. Seitdem ich mit Matthieu schl ..., zusammen bin, war ich noch nie so ausgeglichen. Und noch nie so gut auf dem Cello. Cin-Cin! “
Der DJ: „Villa Halde am Karfreitag. Nachmittags in der Küche.“
Kruppke: „Fisch! Weißt Du woran mich dat erinnert?“
Frida: „Na woran wohl? An ... !“
Kruppke: „Borkum. Genau. Ach ... .“
Frida: „ Kurt?“
Kruppke: „Ja Frida?“
Frida: „Lass dat Stöhnen, wenn’se an die Insel denks’. Et war schön. Aber Du muss nich’ jedes Mal ‚La Ola’ machen, wenn wir von sprechen!“
Kruppke: „Ja, ja. Ich werd’ mich zusammenreiss’n.“
Der DJ: „Ein paar Minuten arbeiten die Beiden ohne Worte vor sich hin. Allerdings wird Kruppke immer zappeliger.“
Frida: „Na los, sach schon!“
Kruppke: „Wat denn?“
Frida:„Irgendwat will doch aus dei’m Mund raus. Bis ja schon ganz flattrich’“.
Kruppke: „So?“
Frida: „Ja!”
Kruppke: „Nun. Also. Ich mein’. Ich würd’ gern. Wollte schon seit ein paar Tag’n ... .“
Frida: „Kurti. Alles klar mit Dir?“
Kruppke: „Unterbrich mich doch nich’ andauernd.“
Frida: „Ich warte ...!“
Kruppke: „Ach ja ... ich wollt Dich einfach fragen, ob wir zwei beide denn jetzt ... Du weiß schon!“
Frida: „Ob wir ein Paar sind?“
Kruppke: „Ja!“
Frida: „Ja, sicha!”
Kruppke: „Eh’lich?”
Frida: „Wenn’se weiter den kleinen bedröpelten Schuljung’n gib’s, wa’ et dat. Dann such ich mir ’nen Kerl mit mehr Mumm.“
Kruppke: „Frida! Ich hör ja schon auf!“
Frida: „Na dann. Sach ma, wat is’ denn mit dein Teller los? Iss, muss alle werden!"
Kruppke: „Ja Mama!“
Frida: „Ich geb’ Dich gleich ‚Mama’!“
Der DJ: „Samstag 15.35, in der Wohnküche von Tillmann und Justus. Das Radio läuft. WDR 2. - Fußballzeit! Jetzt gerade plätschern die letzten Takte eines Lieds über den Äther. Justus sitzt auf einem Küchenstuhl, die Beine überkreuz auf der Holzbank. In der Hand hält er einen Kollegblock, während er gedankenverloren auf einem Bleistift kaut. Tillman kommt herein.“
Tillmann: „Hallo.“
Justus: „Hey Paps.“
Tillmann: „Sag mal wo ist denn die ... .“
Justus: „Psst!“
Tillmann: „Was? Ich meine ... weißt Du wo die Kaffeebüchse hingekommen ist?“
Justus: „Was hat der jetzt gesagt?“
Tillmann: „Wo die Kaffeebü ...“
Justus: „Nein, was der Reporter gerade gesagt hat.“
Tillmann: „Welcher Reporter?“
Justus: „Merkst Du was? Ich höre Fußball.“
Tillmann: „Ja und?”
Justus: „Ich würde jetzt wirklich sehr gerne Fußball h ö r e n!”
Tillmann: „Na dann hör’ doch! Obwohl ich noch immer nicht verstehe, wie man Fußball hören kann. Ich denke Fußball muss man gucken!“
Justus: „Jemand der im Sauerland geboren ist, versteht so was eben nicht!”
Tillmann: „Was hat das denn damit zu tun?”
Justus: „Ach, Tillmann. Jetzt hab’ ich schon wieder nichts ... für w e n Freistoss?“
Tillmann: „Keine Ahnung! Also, beantworte meine Frage.“
Justus: „Das weißt Du ganz genau. Stell Dir vor, Du wärst in Dortmund geboren – da wärst Du jetzt BvB-Fan. Oder in Gelsenkirchen ... .“
Tillmann: „…dann wäre ich jetzt Schalke-Fan meinst Du?“
Justus: „Ja. Geht gar nicht anders. Jedenfalls hättest Du heute Deinen Spaß, weil die Schalker die Bayern platt machen werden.“
Tillmann: „Und Du bist also Bochum-Fan, weil Du zufällig in Bochum geboren wurdest und wir acht Jahre in Bochum gewohnt haben?“
Justus: „Exakt!“
Tillmann: „Viel Spaß hast Du jedenfalls nicht, als Bochum-Fan.“
Justus: „Darauf kommt es nicht an.“
Tillmann: „Worauf denn?“
Justus: „Ehrlich Tillmann – das wirst Du nie verstehen und wenn Du Hundert wirst!“
Tillmann: „Nein wirklich. Immer unten drin stehen – warum wechselst Du nicht. Zu Schalke?!
Justus: „Wer ständig oben steht, ist nur zu feige für den Abstiegskampf. Und wenn man seine Mannschaft wie seine Hemden austauschen kann, ist man kein Fan.“
Tillmann: „Ich finde jedenfalls Handball viel interessanter. Da passiert wenigstens ständig was.“
Justus: „Für wen?“
Tillmann: „Wie bitte? Für beide Mannschaften. Einfach weil mehr Tore fallen!“
Justus: „Ich meine: für wen ist gerade das 1:0 gefallen?“
Tillmann: „Bestimmt nicht für Bochum!“
Die Bewerbung! (4)
Der DJ: „Sie erinnern sich? Wir sind noch immer in der Frankfurter U-Bahn und nähern uns dem Bankenviertel. Amadeus Norden, ein junger, vielversprechender Wirtschaftsanwalt ist auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch. Theliel, leitender Engel der Abteilungen ‚Anwerbung’ und ‚Assessmentcenter’ hat sich, verkleidet als Obdachloser, neben ihn gesetzt. Wir wiederholen die letzten Worte:“
Theliel: „Nun, wie es aussieht, haben Sie sich bei uns beworben!“
Amadeus: „Bei Ihnen, aber das kann doch nicht ...?“
Theliel: „ … stimmen? Nun, dann muss ich wohl falsch informiert worden sein. Entschuldigen Sie die Verwechslung.“
Amadeus: „Nein, warten Sie!“
Der DJ: „Theliel, der sich bereits erhoben hatte, dreht sich lächelnd um und setzt sich erneut. In diesem Moment ist es für Sekundenbruchteile dunkel in dem Waggon. Als das Licht wieder angeht scheint alles beim Alten zu sein.“
Amadeus: „Sie arbeiten für Schuhmacher, Seyfried und Partner oder?“
Theliel: „Nein, nicht wirklich.”
Amadeus: „Aber … ?“
Theliel: „Ich darf Sie noch einmal fragen. Sind Sie Amadeus Norden, geboren am 17.04.1963 in Essen?“
Amadeus: „Ja.”
Theliel: „ Sie haben drei Wochen vor ihrem 9. Geburtstag eine Scheibe eingeworfen und obwohl der Nachbar ihren Peiniger Rüdiger für den Übeltäter hielt, haben Sie sich dennoch dazu bekannt?“
Amadeus: „Aber, woher…?”
Theliel: „ Sie haben als Sechszehnjähriger eine Magen- und Darmgrippe vorgetäuscht, damit beim Finale der Deutschen Hockey-Meisterschaft für Sie ein Ersatzspieler ins Team nachrücken konnte, der wenige Wochen zuvor seinen Vater verloren hatte?“
Amadeus: „Das ist ... . Wer sind Sie?“
Theliel: „Ich bin so etwas wie ein Personalchef.”
Amadeus: „In einer Anwaltskanzlei?”
Theliel: „Nein, ich arbeite für den zweitgrößten Dienstleister der Welt.”
Amadeus: „Aber, wie kommt es, dass … ich bin auf dem Weg zu einem Einstellungsgespräch!”
Theliel: „Ja. Wenn man’s genau nimmt, sogar zu zwei Einstellungsgesprächen.”
Amadeus: „Was ich damit sagen will … ich muss gleich aussteigen und mich beeilen. Wie spät ist es denn ... .“
Der DJ: „Er sieht auf seine Armbanduhr und hält sie sich im nächsten Moment ans Ohr.“
Amadeus: „Stehengeblieben. Wahrscheinlich ist die Batterie leer!?”
Theliel: „Ja, womöglich … .”
Amadeus: „Also noch mal. Ich soll mich bei Ihnen bewerben?“
Theliel: „Das haben Sie bereits!”
Amadeus: „Niemals! Wann soll das gewesen sein? Ich weiß ja nicht einmal den Namen Ihrer Firma. Jemand muss die Bewerbungsunterlagen gefälscht haben!“
Theliel: „Nein. Für die Stelle um die es geht, brauchen Sie keine schriftliche Bewerbung.”
Amadeus: „Um welche Stelle geht es denn eigentlich?”
Theliel: „ Wir suchen Außendienstler!“
Amadeus: „Anwälte im Außendienst?”
Theliel: „ Ja, Anwalt ist nicht verkehrt. Sie können auch sagen Fachanwalt. Oder Berater. Oder Manager. Wir haben eine altertümliche Bezeichnung dafür: Hüter.“
Amadeus: „Wie, Hüter … wie kommen Sie denn darauf, dass ich ... ?“
Theliel: „Durch Empfehlung eines unserer Headhunter.”
Amadeus: „Headhunter. Wer denn?”
Theliel: „Malgorzata Przybscheswski.“
Amadeus: „Kenne ich nicht.”
Theliel: „Sie haben sie gekannt - unter anderem Namen: Tante Marga!“
Amadeus: „Tante Marga? Headhunter? Sie hat in der Praxis meines Vaters geputzt und uns manchmal bei Festen geholfen. Deshalb wissen Sie also so viel über mich ... . Aber, beim Endspiel war Tante Marga doch schon tot ... ?“
Der DJ: „Die U-Bahn fährt und fährt, ohne jemals an einer Station halt zu machen.“
Was bisher geschah
Woche 14:
In dieser Woche hat Hannes Lisa von seinen Schuldgefühlen gegenüber Klara erzählt. Ina macht sich an ihren noch Immer-Ehemann Tillmann heran. Die Gräfin wird mit den Portraits Ihrer Familie überrascht. Felicitas diskutiert mit ihren Eltern über Disziplin. Frida und Kruppke sind ein Paar geworden und Justus versucht vergeblich im Radio Fußball zu hören.
Der DJ: „Ostermontag gegen halb zehn am Abend. Nach einem großen üppigen Festmahl. Lisa sitzt ich Ihrem Zimmer auf dem kleinen Sofa. Vor sich einen Tee. In der Hand ein Buch. Es klopft.“
Lisa: „Die Tür ist auf!“
Der DJ: „Linus tritt ein. Er guckt verlegen, zugleich neugierig und macht, einen Finger vor dem geschlossenen Mund haltend: Pssst!“
Lisa: „Ein Geheimnis? Komm rein!.“
Linus: „N, n – kein Geheimnis. Darf ich?“
Der DJ: „Ohne eine Antwort abzuwarten lässt er sich in das Sofa plumpsen.“
Lisa: „Was grinst Du so?“
Linus: „Grinse nich’... !“
Lisa: „Linus! Was ist mit Dir los?“
Linus: „Nichts los ... !“
Lisa: „Linus!? “
Linus: „Oui Madame!“
Lisa: „Du bist betrunken!”
Linus: „Oui Madame!”
Lisa: „Ey, nicht so nah! Du hast eine fürchterliche Fahne!“
Linus: „Keine Fahne.“
Der DJ: „Linus richtet sich umständlich auf, stülpt die Hosentaschen nach außen – wobei einige benutze Papiertaschentücher herausfallen und schüttelt wild den Kopf.“
Linus: „Keine Fahne!“
Lisa: „Ekelig, nimm sofort die Rotzfahnen da weg.“
Linus: „Ah. Doch Fahne! Oui Madame, nehm’ ich weg.“
Der DJ: „Beim Versuch erneut aufzustehen, rutscht Linus halb vom Sofa. Lisa springt auf um ihm zu helfen, verheddert sich aber mit ihrer Decke und fällt regelrecht in Linus wild rudernde Arme.“
Linus: „Oh Lisa! Darauf hab’ ich schon lange ... .“
Lisa: „Ihh, nimm die Arme da weg. L i n u s!
Der DJ: „Sie drückt ihn von sich, kann aber einen Kuss auf ihren Mund nicht ganz verhindern.“
Linus: „Lisalein ... !“
Der DJ: „Sie schreit ihn jetzt wie ein Furie an:“
Lisa: „Nimm Deine dreckigen Pfoten da weg!“
Linus: „Oh, oh, oh. Meide laute und aggressive Menschen, sie sind eine Qual für den Geist.“
Lisa: „Jetzt aber raus!“
Der DJ: „Gegen zwei Uhr morgens. Klara und Hannes liegen nebeneinander im Bett. Hannes schläft. Klara liegt auf dem Rücken, hat das kleine Nachtlicht neben ihrem Bett mit einem Tuch bedeckt und sieht hoch zur Decke.“
Klara: „So, so - ein Auferstehungskind!“
Hannes: „Mmhh?“
Klara: „Schlaf weiter. Ich rede mit mir selber.“
Hannes: „Aber, du has’ ‚Kind’ gesacht.”
Klara: „Ja. Habe ich. Unser Kind ist am zweiten Ostertag gezeugt worden.“
Hannes: „Ja, genau .... Wat?“
Klara: „Wir sind seit gestern Abend nicht mehr alleine.“
Hannes: „Aber ... wie geht dat denn ... du kanns’ doch nich’ ... .“
Klara: „Doch. Kann ich. Meine Großmutter konnte das. Und meine Mutter. Und bei mir ist das auch so.“
Hannes: „Ja, so? Uahhh.“
Klara: „Schlaf doch ruhig weiter.“
Hannes: „Mmmmhh!“
Der DJ: „Hannes schläft wieder ein. Klara liegt noch eine ganze Weile wach und streichelt dabei unbewusst ihren Bauch. Irgendwann später:“
Klara: „Eigentlich sollte ich Angst haben mein Kleines. In meinem Alter. Bei Hannes Einkommen ... .“
Hannes: „Wat is’?
Klara: „Nichts. Schon gut.“
Hannes: „Ich hab geträumt, Du has’ mir erzählt ich werd’ Vater!“
Klara: „So? Und, war es ein guter Traum?“
Hannes: „Joh! Ein sehr guter.“
Klara: „Es wird aber leider kein Mädchen!“
Hannes: „Och Klara, so wat kanns’ Du noch gar nich’ wiss’n.“
Klara: „Doch. Meine Großmutter konnte das. Und meine Mutter. Und bei mir ist das auch so.“
Hannes: „Nee. Ich will ’ne süße kleine Klara. Hab’ ich schon allet überlegt. Zuerst werd ich unser Schlafzimmer umbau’n. Dort hinten, wo jetzt der Spiegelschrank steht, kommt die Wiege hin. Mit rosa Himmel! Und in die Wohnküche stell’n wir den Laufstall. Aber eins is’ natürlich kar. Wenn dat Zweite kommt – müss’n wir umziehen – oder noch’nen Zimmer dazukriegen.“
Klara: „Oh Hannes, Du bist süß. Aber wer weiß schon was noch kommt. Du weißt doch: Mach Dir noch ‘nen Plan - geh’n tun sie alle nicht.“
Hannes: „Sicher. Aber wir werd’n dat allet schaffen. Ganz sicher!“
Der DJ: „Tillmanns Zimmer gegen sechs Uhr am Abend. Tillmann sitzt an seinem Schreibtisch, als es an der Türe klopft. Er öffnet. Es ist Elwira.“
Tillmann: „Ah, Du bist’s. Komm doch herein.“
Elwira: „Danke. Ich hoffe ich störe Dich nicht?“
Tillmann: „Nein, nein. Möchtest Du was trinken? Einen Kaffee?“
Elwira: „Vielleicht ein Glas Wasser?“
Der DJ: „Sie gehen in die Wohnküche. Tillmann holt ein Glas aus dem Schrank, hält es gegen das Licht und poliert es mit dem Ärmel seines Flanellhemdes.“
Elwira: „Lass das nicht den Chef sehen!“
Tillmann: „Was?“
Elwira: „Das Glas mit dem Hemd polieren – wenn Du im Café arbeiten würdest, würde er Dich jetzt entlassen!“
Tillmann: „Oh, entschuldige – Männerwirtschaft!“
Der DJ: „Beide lachen, die Befangenheit scheint sich aufzulösen. Im nächsten Moment klingelt im Büro das Telefon einige Male.“
Elwira: „Gehst Du nicht dran?“
Tillmann: „Wäre doch Dir gegenüber unhöflich.“
Elwira: „Geh ruhig ran. Stört mich nicht.“
Tillmann: „ ... ja, dann, ... ach, aufgelegt, Wird nicht wichtig gewesen sein!“
Der DJ: „Es klingelt noch mal.“
Tillmann: „Ja, Rademacher? Ach Hallo! Was? Nein. Ja. Um fünf? Gut. Nein, wieso? Bis dann.“
Elwira: „Wer war das?“
Tillmann: „Äh. Das?“
Elwira: „Ja. Genau.“
Tillmann: „Dings ... Stefan.“
Elwira: „Stefan?“
Tillmann: „Fromberger. Kollege von mir. Wir wollen uns morgen treffen. Bisschen quatschen. Wo ist Dein Wasser?“
Elwira: „Steht noch in der Küche. Kann ich vielleicht etwas Saft dazu haben?“
Tillmann: „Klar, warte.“
Der DJ: „Kaum hat Tillmann den Raum verlassen nimmt Elwira das mobile Telefon in die Hand und drückt ein paar Tasten. Nach kurzer Zeit hört sie eine Stimme am anderen Ende.“
Stimme: „Ina Rademacher ... .“
Der DJ: „Sie legt auf, eilt zur Türe und murmelt im Herausgehen nur für sich:“
Der DJ: „Donnerstag sehr früh am Morgen. Die Vögel haben gerade das erste Crescendo ihres Konzerts erreicht. Jo-Jo liegt noch in seinem Bett. Neben ihm unter der Decke unsichtbar vergraben die Silhouette eines Mannes, von dem nur ein paar dunkle Haarsträhnen sichtbar sind. Wir hören den Teil eines inneren Dialogs zwischen ihm und der Gräfin, den er selber denkt - ich werde die Stimmung wiedergeben, in der er eine mögliche Antwort der Gräfin empfindet – zu kompliziert? Einfach zuhören.“
Jo-Jo: „Ich habe es wieder getan!“
Der DJ: „Jo-Jo stellt sich vor, wie die Gräfin skeptisch die Fortsetzung seiner Erzählung erwartet.“
Jo-Jo: „Er heißt Giorgio. Ein echter Italiener. Na ja, halb. Sein Vater war Gastarbeiter. Seine Mutter kommt aus Datteln. Verstehen Sie, was das heißt? Ein schwuler Halbitaliener – als seine Cousins ihn mit Achtzehn Hand in Hand mit einem Freund gesehen haben - armer Giorgio.“
Der DJ: „Die Gräfin hält sich noch immer streng zurück.“
Jo-Jo: „Ich habe ihn schon ein paar Mal gesehen. In Düsseldorf. In einer Szene-Bar. Aber ich habe doch nicht gedacht, dass er sich für mich ... . Es war am Samstag. Plötzlich standen wir nebeneinander und ich habe einfach ‚Hallo’ gesagt. Und er? Hat geantwortet: ‚Hallo Jo-Jo.’ Verstehen Sie, er kannte meinen Namen!“
Der DJ: „Die Gräfin runzelt die Stirne.“
Jo-Jo: „Was? Sie denken schon wieder etwas ganz Böses. Er hat sich nicht an mich herangemacht. Irgendein Bekannter hat ihm erzählt, dass ich Friseur bin und meinen Salon in Essen habe. Und er ist auch Friseur und wohnt seit ein paar Monaten in Essen.“
Der DJ: „Die Gräfin schüttelt missbilligend den Kopf.“
Jo-Jo: „Ach, jetzt sagen Sie nicht wieder ‚Greg’. Ich kann da überhaupt nichts für. Nur weil ich beim letzten Mal an den Falschen geraten bin ... . Gestern nach Feierabend hat er sich vorgestellt und wir haben stundenlang geredet.“
Der DJ: „Die Gräfin zieht eine Augenbraue hoch.“
Jo-Jo: „Wirklich geredet. Er ist nicht nur hübsch, er ist auch klug. Und gebildet. Er hat sogar sein Abitur im Berufskolleg nachgeholt! Ach ist mir auch egal, was Sie denken, oder irgendjemand sonst. Auf jeden Fall sind wir jetzt hier! Wir haben auch später noch stundenlang geredet. Auch das Schweigen war schön. Wenn man jahrelang kämpft und sich anstrengt und immer wieder Pech gehabt hat und immer die Hoffnung hat, dass eines Tages der Richtige kommt ... dann muss man eben einfach loslassen und ins Unbekannte springen ... keiner weiß, ob das für immer gut geht. Manchmal ist es dann wirklich schön. Und manchmal ist dann sogar für einen kleinen Moment alles perfekt.“
Der DJ: „Kurz vor Zwölf am Mittag. Beat sitzt in Bochum auf dem Markt und spielt Akkordeon – eine französische Musette. Zwei Mütter mit ihren Kinderwagen bleiben stehen und hören zu. Außerdem eine Studentin, die ihn verträumt ansieht.“
**********
Zechiel: „Guck mal. Die Kleine da. Das könnte genauso gut SIE sein!“
Anael: „Wie? Ach so, Moment, ich muss kurz fokussieren. Klar, da hätten wir schon eher drauf kommen können. Wo ist SIE denn jetzt?“
Zechiel: „Mit diesem ‚Dings’ unterwegs.“
Anael: „Matthieu!?“
Zechiel: „’Dings’. Sie sind gar nicht weit weg!
Anael: „Aber doch nicht wenn Matthieu dabei ist!“
Zechiel: „Gut. Aber sobald sich eine Möglichkeit ergibt!“
Anael: „Ja. Also los, komm!“
Zechiel: „Ich guck noch ein bisschen. Diese Musik ist ... schön!“
**********
Der DJ: „Zwei Frauen gehen vorüber, ohne den Akkordeonspieler und seine Zuhörer zu beachten.“
Passantin 1: „Wo musst Du den noch hin?“
Passantin 2: „Da vorne, der Gemüsestand. „Zum Kochen nehm’ ich immer frische Kräuter, vom Markt!“
Passantin 1: „Ach ja, sind die denn wirklich besser?“
Passantin 2: „Ich schwör’ drauf!“
Der DJ: „Beat sitzt mit geschlossenen Augen da und spielt die Musette zuende. Als die Mütter und ein paar Passanten Münzen in seinen Hut werfen, bedankt er sich nickend. Auch die Studentin nähert sich ihm.“
Studentin: „Du spielst wirklich schön.“
Beat: „Danke.”
Studentin: „Bist Du im Hauptberuf Musiker?“
Beat: „Ja – wie man’s nimmt. Ich leb davon. Versuch’s zumindest.“
Studentin: „Kommt nich’ viel zusammen auf der Straße – oder?“
Beat: „Manchmal mehr, manchmal weniger.“
Studentin: „Hast Lust auf ’nen Kaffee?“
Der DJ: „Beat sieht sie etwas länger an und nickt. In diesem Moment kommt eine junge Frau mit schnellen Schritten auf sie zu.“
Junge Frau: “Marie? Marie! Hier steckst Du! Du hast einen Anruf von Deiner Mutter bekommen. Deinem Vater geht’s nicht gut. Er ist im Krankenhaus!“
Der DJ: „Marie, die Studentin läuft los und Beat sieht ihr nach.“
**********
Anael: „Wenn Du so weiter machst, wirst Du noch ins Archiv versetzt – wetten!“
Zechiel: „Ich, wieso? Der Vater ist wirklich krank. Einen Tag früher oder später ... ?“
Der DJ: „Stadtwald in Essen am Nachmittag. Kruppke und Frida gehen Spazieren. Er ergreift zaghaft ihre Hand.“
Frida: „Kurt!!!“
Kruppke: „Ja, ja, is’ ja gut.”
Frida: „ Ich bin getz’ seit sechzich’ Jahr nich’ anne Hand gegang’n. Da werd’ ich die letzten Jährkes wohl auch noch ohne schaff’n, oda?“
Kruppke: „Kann’se nich wenigstens ’nen kleinet bissken romantisch sein?”
Frida: „ Wenn’se Romantik wills, musse ’nen Groschenroman les’n, oder so’n Film von diese - wie heißt’se noch – Rosamunde Pilcher guck’n.“
Der DJ: „Sie gehen schweigend weiter. Nach ein paar Minuten kommt Ihnen eine ältere Frau mit zwei Kindern von vielleicht Elf und Dreizehn entgegen. Schon von weitem hört man sie krakeelen.“
Frau: „Kevin, Jackeline!“ Die Sonne is wech’. Zieht Euch die Jacken an.“
Der DJ: „Die Kinder reagieren überhaupt nicht.“
Frau: „Kinder zieht euch warm an, Omma friert.“
Kruppke: „Ach ja ... .“
Frida: „Wat is?”
Kruppke: „Wär schön gewes’n.“
Frida: „Wie meins dat?“
Kruppke: „Enkel zu hab’n.“
Frida: „Un’ wieso has keine?”
Kruppke: „Wie denn, ohne Kinders.“
Frida: „Un’ wieso has keine Kinders? Mann, muss ich Dir getz jeden Wurm einzeln aus’se Nase zieh’n?
Kruppke: „Na ja. Weil dat nich geklappt hat. Mitti Kinders. Bei mir. Ich war ’ne ‚hohle Nuss’, hat mein’ Frau immer gesacht.“
Frida: „Na ja, wat soll’s, Hauptsache dat Herz auff’em richtichem Fleck. Oder?“
Der DJ: „Kruppke antwortet nicht. Sie schweigen wieder eine ganze Zeit.“
Frida: „Kurti?”
Kruppke: „Ja.”
Frida: „Du bis’ getz neunundsechzich.“
Kruppke: „Un?”
Frida: „Du wirs’ doch wohl nich mehr wegen den dummen Satz von dein’ Frau flennen?”
Kruppke: „Werd ich nich’?“
Frida: „Nee. Ob man ’nen richtiger Ker’ is, hängt davon nich’ ab.“
Kruppke: „Nee, wa!?“
Frida: „Männer!“
Die Bewerbung! (5)
Der DJ: „Wir sind noch immer in der U-Bahn. Theliel unterhält sich mit dem jungen Wirtschaftsanwalt. Sie sprechen noch immer über Tante Marga.“
Theliel: „In der Tat, Tante Marga war zu diesem Zeitpunkt schon tot. Aber Sie hat sich dennoch weiterhin für Sie interessiert. Und obwohl sie n u r eine einfach Putzfrau war, gehörte sie zu unseren erfolgreichsten Head-Huntern. Mit einer Erfolgsquote von fast 60%.“
Amadeus: „Was heißt denn Erfolgsquote? Ein Head-Hunter hat am Ende doch immer Erfolg, oder nicht?“
Theliel: „Na ja, das ist bei uns ein wenig anders. Erfolg heißt: Dass die angeworbene Person bleibt und nicht irgendwann zur Konkurrenz wechselt.“
Amadeus: „Aber daran ist doch nichts Ungewöhnliches.”
Theliel: „Richtig. Im Gegenteil. In letzter Zeit hat das sogar zugenommen. Überhaupt hat die Konkurrenz inzwischen einen Marktanteil von deutlich mehr als 50%. Und wie es aussieht, hält diese Tendenz an. Leider ... .“
Amadeus: „Sie machen mich ganz verrückt. Gibt es nur einen Konkurrenten? Um welchen Geschäftszweig geht hier eigentlich? Und ....
Der DJ: „Amadeus blickt erneut auf seine Uhr und klopft auf das Gehäuse.“
Amadeus: „ ...wann sind wir endlich da?“
Der DJ: „Sieht auch auf eine Art Uhr an seinem Handgelenk. Amadeus bemerkt einige merkwürdige Symbole auf dem großen, tiefblauen Zifferblatt und will gerade etwas fragen, als Theliel weiterredet.“
Theliel: „In der Tat gibt es in unserer Branche nur zwei Anbieter. Und was den Geschäftszweig angeht ... am Besten wir besuchen ein paar unserer Außendienstler – Sie werden dann wohl begreifen, worum es in diesem Business geht!“
Amadeus: „Nein! Werde ich nicht. Ich habe gar keine Zeit dafür. Es geht um mein Vorstellungsgespräch bei ‚Schuhmacher, Seyfried + Partner’. Pünktlichkeit ist die erste Voraussetzung für diesen Job.“
Theliel: „Vertrauen Sie mir. Sie werden unter allen Umständen pünktlich sein. Dafür ist gesorgt!“
Der DJ: „Theliel dreht an einem Rädchen an seiner ‚Uhr’. Wieder wird es für einen Moment dunkel in dem U-Bahn-Waggon. Als das Licht wieder angeht, stehen sie an einer Station. Amadeus liest das Schild: ‚Hallesches Tor’ “.
Amadeus: „Aber … ‘Hallesches Tor’ – das ist doch … in Berlin.”
Theliel: „Genau. Bitte aussteigen.”
Der DJ: „Amadeus blickt erneut panisch auf seine Uhr.“
Amadeus: „Aber ... die Zeiger sind rückwärts gelaufen ... wenn es danach geht, ist mein Termin erst in anderthalb Stunden ... .“
Was bisher geschah
Woche 15:
Ostern ist Linus betrunken und kommt Lisa etwas zu nahe. Klara verkündet Hannes ein Geheimnis, Elwira bekommt mit, dass Tillmann sie belügt, Jo-Jo hat einen neuen Freund, Beat macht Straßenmusik und fasziniert eine Studentin und Frida hilft Kruppke, über eine sehr alte Beleidigung hinwegzukommen.
Der DJ: „Fröhliche Tafelrunde am Abend in der Villa Halde. Klara hat Geburtstag. Dass sie nicht alleine auf ihrem Platz sitzt, weiß außer Hannes noch niemand – allerdings spricht ihr Gesichtsausdruck für den, der lesen kann, Bände ... . “
Elwira: „Klara?“
Klara: „Ja Elwira?“
Elwira: „Was ist mit Dir?“
Klara: „Wieso?“
Elwira: „Du lachst nach innen – wenn Du verstehst, was ich meine!”
Klara: „Ja, ich glaube schon.“
Elwira: „Jetzt lachst Du auch nach außen!
Klara: „Du bist eine gute Beobachterin!“
Elwira: „Ich freue mich für Euch!”
Klara: „Wenn es nach mir geht, wirst Du die Patin!“
Elwira: „Klara! Mit größter Freude!“
Der DJ: „Während die Beiden miteinander flüsterten, hat sich Hannes, der mit Kruppke palavert hatte, umgedreht und seine große Pranke um Klara gelegt.“
Hannes: „Warum tuschelt Ihr Beiden?“
Klara: „Und warum brüllst Du so?“
Hannes: „’Nen Mann muss ’ne kräftige Stimme hab’n!“
Lisa: „Um nachts die Wölfe zu vertreiben – oder warum?“
Hannes: „Zum Beispiel! Nich’ wahr Kurt?“
Kruppke: „Wat is’mit Wölfe?”
Hannes: „Wir zwei, Kurt, pass’n auf, dat mitti Schafe hier nachts nix passiert – wa?“
Lisa: „Zwei Ochsen als Schäferhunde – was für ein Schauspiel!“
Klara: „Hannes?”
Hannes: „Ja mein Schäflein?”
Klara: „Wie bitte?“
Hannes: „Ich mein’ – ja Liebes?“
Klara: „Wie viel hast Du getrunken?“
Hannes: „Nich’ viel. Vier, fünf Bierkes.“
Der DJ: „Klara zieht eine Augenbraue hoch, guckt ihn an, sagt aber kein Wort.“
Hannes: „Na ja, und genauso viel Schnäpskes … .“
Klara: „Vielleicht solltest Du jetzt langsam ... .“
Frida: „Ähm, wenn ich ma’ grad’ unterbrechen darf – ich werd’ in der Küche nich’ mehr mit dat Geschirr fertich ... .“
Linus: „Lisa?
Lisa: „Ja?“
Linus: „Hast Du gehört? Es gibt viel zu tun! Fang doch schon mal an.“
Lisa: „Pass auf, ich emanzipier Dich gleich!“
Der DJ: „Im Keller der Villa Halde. Nachmittags. Eigentlich schon fast früher Abend. Milena und ihr Freund stöbern in einer großen alten Kiste, die sie unter einem Stapel alter Bretter entdeckt haben.“
Milena: „ ... ich weiß nicht, vielleicht sollten wir doch besser aufhören.”
Ratte: „Was is los?
Milena: „Wir können nicht einfach hier rumwühlen. Das gehört schließlich alles Kruppke.“
Ratte: „Wat denn? Was ich nich’ weiß, macht mich nich’ heiß. Hätte ja mal von selber auf die Idee kommen können, der olle Knacker. Hier halt das mal. Is’ total schimmlig. Selbst wenn’s mal was wert war, kann’ste jetzt vergess’n.“
Milena: „Ratte! Hör jetzt auf. Ich hätte Dir das gar nicht erlauben dürfen.“
Ratte: „Mann Mädchen, piss Dich ma nich’ ins Hemd. Ey, wat is’ eigentlich aus Dir geworden? Seit dem Du in dem alten Bunker wohnst, bisste voll die Spießerin geworden!“
Der DJ: „Milean verstummt und scheint mit dem Vorwurf zu kämpfen.“
Ratte: „Lauter wertloser Plunder. Wird Zeit, dat hier mal was Vernüftiges auftaucht.“
Milena: „Bitte, Ratte, stopf die Sachen wieder zurück und dann hauen wir ab.”
Ratte: „Hör zu! Ich schleich mich nich’ heimlich in dieses Muffloch runter, heb mir ’nen Ast mit den Brettern und dem Zeuch ab, versiff mir die Hände mit dem verrotteten Scheiß, nur um dann wieder abzurücken, als wenn nix wär.“
Milena: „Es ist mir egal, aber...so will ich's doch nicht haben."
Der DJ: „Er richtet sich bedrohlich vor ihr auf – seine Augen blitzen vor Wut.“
Ratte: „Ich brauch Kohle, verstehst Du? Irgendwat is’ hier bestimmt, wat sich zu Geld machen lässt. Du hältst jetzt Deine Spießerschnauze. Und am besten hilfs’te mir noch, dann sin’ wer nämlich schneller weg!“
Der DJ: „Milena erstarrt. Aber nicht etwa vor Angst.“
Milena: „Verschwinde von hier. Und aus meinem Leben. Los, raus hier. Und komm mir nie wieder zu Nahe, hast Du mich verstanden. Nie mehr!“
Ratte: „Aber, … Milena, Kleines. Ich hab’ das doch nich’ so gemeint. Verstehse, ich bin echt total abgebrannt!“
Milena: „Sei einfach ruhig. Wie blöd war ich eigentlich, Dich so lange zu ertragen!“
Der DJ: „Ratte wendet sich ab und geht ein paar Schritte in Richtung Kellertreppe. Dann dreht er sich noch einmal um.“
Ratte: „Dat wird’ Dir noch Leid tun. Schwör ich Dir ...!“
Tillmann: „Du solltest mit Deinen Drohungen etwas vorsichtiger sein Bürschchen! Sollte Milena auch nur ein Härchen gekrümmt werden, musst Du schon nach Australien auswandern, wenn Du wieder ruhig schlafen willst!“
Der DJ: „Tillmann, der hinter einem großen Regal herausgetreten war, verfolgt Ratte mit den Augen, bis der verschwunden ist.“
Tillmann: „Ich habe gesehen, wie Ihr Euch in den Keller geschlichen habt. Und ich bin heilfroh, dass Du selber noch die Kurve gekriegt hast. Der Typ ist wirklich eine miese Ratte! Sei froh, dass Du ihn los bist!“
Milena: „Aber ... . Danke ... .“
Tillmann: „Psst! Ist schon gut!“
Der DJ: „Gevelsberg am Ufer der Ennepe, gegen zehn Uhr morgens. Lisa, in Ihrer Eigenschaft als rasende Ruhrpottreporterin, hockt auf einem Baumstumpf und träumt mit dem langsam ziehenden Wasser vor sich hin. Was sie nicht bemerkt hatte ist der Angler, der, von einer Baumgruppe verdeckt, nur wenige Meter von ihr entfernt sitzt und seine beiden Ruten im Blick hat. Plötzlich zerreißt der Klingelton ihres Mobiltelefons die Idylle.“
Lisa: „Lisa Ladugga? Ach Du bist’s Lars. Nee, noch zwei Tage in Gevelsberg. Wo? Warum willst Du das wissen? Ach, Du kommst von hier? Wart’ mal, keine Ahnung, an so’nem kleinen Flüsschen. Mit viel Bäumen drumherum. Fast könnte man meinen, man wär gar nich’ in der Zivilisation! Was? Ja genau, Ennepe! Gut, schick mir die Sachen per Hausmail. Alles klar. Erzähl ich Dir in der Redaktion. Tschüß!“
Angler: „Hören Se mal, Frollein. Wenn Sie hier in dat Dingen reinbrüllen, vertreib’n Se mir nich’ nur die Fische, dann is’et auch mitti unberührte Natur vorbei Ende.“
Lisa: „Oh, Verzeihung, ich habe Sie überhaupt nicht gesehen. Sonst wäre ich ... .“
Angler: „Na ja, ... “
Der DJ: „Lisa ist aufgestanden und steht jetzt direkt neben dem Angler. Der mustert sie von oben bis unten, worauf sich seine finster zusammengekniffenen Augenbrauen sichtbar entspannen.“
Angler: „ ... son’nem netten Frollein kann man ja nich bös’ sein. Ich hab’ grad mitgehört – ging nich’ anders, weil, Sie waren einfach zu laut. Sind se von’ne Zeitung?“
Lisa: „Ja!”
Angler: „Und wat mach’n Se hier in Gevelsberg?“
Lisa: „Ich schreib über die Stadt im Rahmen der Kulturhaupstadt 2010.“
Angler: „Und worüber schreib’n se so?“
Lisa: „Och, über alles, was ich erlebe. Über Angler, die schimpfen, wenn man zu laut telefoniert ... “
Angler: „Nä, nä!? Aber dat Se mir ja keine bösen Sach’n über mich schreib’n.“
Lisa: „Warum auch. Sie sind doch nicht böse zu mir. Außerdem war ich ja auch wirklich zu laut.“
Angler: „Stimmt. ... Sag’n Se mal, ham’ Se schon ma gestippt?“
Lisa: „Was hab’ ich?“
Angler: „Ich mein’, ob Se schon ma ’ne Angel ausgeworfen hab’n?“
Lisa: „Nein! Niemals.“
Angler: „Woll’n Se ma, oder trau’n Se sich nich’?“
Lisa: „Och mein Wahlspruch ist: Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen.“
Angler: „Na dann, fang wer ma an.“
Der DJ: „Der Angler nimmt eine der langen Ruten auf und ruckt an der Schnur. Er zeigt Lisa wie man die Pose schwingen lässt und dann auswirft. Lisa macht, was er ihr gezeigt hat – es funktioniert. Kaum haben Haken und Blei die Pose senkrecht aufgestellt, ruckt es heftig daran. Lisa, ganz erschrocken, reißt die Rute an. Im nächste Moment zappelt eine kräftiges Rotauge an der Schnur.“
Lisa: „Aber … ein Fisch. Ich habe einen Fisch gefangen. Ich habe meinen ersten Fisch gefangen ... .
Angler: „Na ja, wat dachten Sie denn, wat da innet Wasser drin is? Goldhamster?“
Der DJ: „Arbeitsamt Essen. 14.15. Hannes sitzt im Wartebereich und wippt nervös mit den Füßen auf und ab.“
Erster Wartender: „“Wat is’ Kumpel? Erstes Mal?“
Hannes: „Ja!“
Erster Wartender: „Gewöhn’se Dich dran!“
Hannes: „Woran?“
Erster Wartender: „Hier zu sitzen un’ zu warten.“
Hannes: „Will ich aber nich’“
Erster Wartender: „Du bis’lustich. Wirs’te wohl müssen. Wat hasse denn gemacht?“
Hannes: „Baggerfahrer. Mach ich’ immer noch.“
Erster Wartender: „Hä, wieso bis’te dann hier?“
Hannes: „Wegen Weiterbildung. Meine Frau kricht ’nen Kind un’ ich bin demnächs’ Alleinverdiener – da reicht die Knete vorne un’ hinten nich’“
Erster Wartender: „Wieso dat denn. Dauert ja nich ewich’.“
Hannes: „Soll aber kein Einzelkind sein und schon gar keins mitt’nen Schlüssel um den Hals. Eine Mutter muss zuhaus bleib’n.“
Erster Wartender: „Man, Du bis vielleicht anspruchsvoll. Ich würd’ meiner Alten wat husten, wenn’se nich’ mehr putzen geh’n tät – nur wegen die Köttels.“
Der DJ: „Die beiden Männer haben sich offensichtlich nichts mehr zu sagen. Nach einer Weile spricht ein anderer Mann Hannes an.“
Zweiter Wartender: „Was haben Sie vor, Weiterbildung? Wie wollen Sie das machen?“
Hannes: „Weiß’ ich noch nich’. Wollt’ mich hier mal erkundigen. Ich hoff’ ich kann was mach’n, wo ich normal weiterarbeit’n kann. Abendschule. Fernkurse. Oder Freitach nachmittach und samstach ... ?“
Zweiter Wartender: „Hab’ ich schon hinter mir.“
Hannes: „Ah ja. Und wat has’se gemacht?“
Zweiter Wartender: „Ich bin Bäcker. Und mein Chef hat gesagt: wenn ich was Kaufmännisches dran hänge, hätte ich gute Chancen weiterzukommen.“
Hannes: „Un’, wie war’s?“
Hannes: „Kannst Du Dir vielleicht vorstellen: Als Bäcker stehst Du mitten in der Nacht auf. Und leicht ist die Arbeit auch nicht. Und dann noch die Schulbank drücken - also, das muss ich schon sagen: Der Unterricht war ja so spannend, dass ich fast eingeschlafen wäre."
Hannes: „Un’ wie is dat ausgegang’n“
Zweiter Wartender: „Ich hab’ die Weiterbildung geschmissen, war mir zu anstrengend.“
Hannes: „Wenn ich ehrlich bin, ich hab’ auch Muffen. War nie ein fleißiger Schüler, Arbeit mit meinen Händen hat mir immer mehr Spaß gemacht. Aber ich hör mir mal an, was der Knabe da drinnen anzubieten hat.“
Der DJ: „Hannes sitzt jetzt wieder schweigend da. Von Zeit zu Zeit räuspert er sich nervös, oder er zerrt an seinem steifen Hemdkragen, als müsste er ersticken. Als seine Nummer aufleuchtet, springt er so hastig auf, dass der Stuhl laut polternd zur Seite rutscht.“
Der DJ: „Berufsschule. Fachunterricht der Tischler. Tillmann steht vor knapp zwei Dutzend Schülern, hält eine Armbrust hoch und erklärt.“
Tillmann: „ ... eine Schlagkraft, mit der Sie aus zehn Meter Entfernung drei Autotüren hintereinander durchlöchern können.“
Erster Schüler: „Von Ihrer Freak-Kutsche vielleicht, aber bestimmt nich’ von richtigen Autos.“
Zweiter Schüler: „Wieso, was hat Tante Tilly denn für eine Karre?“
Erster Schüler: „Einen Ur-Alt VW Bus. Noch nie geseh’n? Mit den ganzen Aufklebern drauf: ‚Atomkraft nein Danke’ und so? Eben eine Freak-Schüssel.“
Schülerin: „Hatten Sie früher auch lange Haare, Herr Rademacher?“
Tillmann: „Ja Tanja! Fast so lang wie Deine.“
Erster Schüler: „Sie sind doch auch ein Friedensbewegter, oder ... ?“
Tillmann: „Kann man so sagen.“
Erster Schüler: „Wieso schwärmen Sie dann so für das olle Waffenzeugs?“
Tillmann: „Erstens sind diese Armbrüste perfekt gearbeitet. So perfekt, dass Sie, mit Verlaub, selbst mit Ihrer ganzen Computertechnologie, mehr als ein Leben dafür brauchen würden, etwas so Vollkommenes zu schaffen. Und zweitens: Nicht die Waffen sind das eigentliche Problem, sondern die, die sie gebrauchen. Und vor allem missbrauchen!“
Dritter Schüler: „Aus welchem Holz wurden Armbürste hergestellt, Herr Rademacher?“
Erster Schüler: „Ach, der S c h l e i m e r meldet sich auch mal wieder zu Wort.“
Dritter Schüler: „Schwätzer. Du hast doch überhaupt keine Lust auf Tischlern. Geh doch zur Post, oder mach sonst was für Sesselpupser – nur weil mein Papi ’ne große Tischlerei hat, würd’ ich doch keine Ausbildung machen ... .“
Erster Schüler: „Ich will Tischler werden und nich’ ... Waffenmacher ... !“
Dritter Schüler: „Kennst Du irgendeinen Tischlerlehrling, der einen Berufsschullehrer hat, der eine Armbrust aus dem Mittelalter originalgetreu nachbauen kann? Oder die Intarsienarbeiten letztens? Fachkunde kann nämlich auch todlangweilig sein!“
Tillmann: „Meine Herren, und meine Dame. Ich denken Sie müssen das Gespräch in der Pause weiterführen, die hat nämlich ... .“
Der DJ: „Tillman blickt auf seine Armbanduhr, während es im gleichen Moment zur Pause läutet.“
Tillmann: „ ... soeben begonnen.“
Der DJ: „als es schon überall rumort schwillt Tillmanns Stimme noch einmal an:“
Tillmann: „Eibe. Armbrüste wurden aus dem elastischen Holz der Eibe gefertigt.“
Der DJ: „Die Klasse lehrt sich schleppend. Als zum Schluss noch immer eine Handvoll Schüler auf Stühlen und Tischen sitzt, wedelt Tillmann sie mit beiden Armen nach draußen.“
Tillmann: „So! Wenn Sie hier nichts zu tun haben, dann tun Sie's gefälligst nicht hier!"
Der DJ: „Im Kaminzimmer der Villa Halde, gegen halb Vier. Die Gräfin sitzt in ihrem fellgepolsterten Korbsessel. Im schwarzen Frack, sehr aufrecht, aber mit schmerzverzerrten Gesicht. Vor ihr auf dem Tisch steht Tee und Gebäck. Klara guckt um die Ecke.“
Klara: „Oh, hallo, Gräfin Szófia.“
Gräfin Zsófia: „Grüß Gott Klara.“
Klara: „Ganz alleine?“
Gräfin Zsófia: „Nicht mehr lange. Jo-Jo muss sein jeden Moment hier.“
Klara: „Gibt es etwas Besonderes?“
Gräfin Zsófia: „Ja, wird er mir vorstellen seinen neuen Freund. Giorgio.“
Klara: „Oh!“
Gräfin Zsófia: „Ja. Das ist wie früher, nicht wahr? Wenn du hast deine Freund bei deine Eltern vorgestellt!“
Klara: „Stimmt. Aber Jo-Jo ist ja auch fast wie ein Sohn für Sie!“
Gräfin Zsófia: „Sohn, den ich habe nie gehabt.“
Der DJ: „In diesem Moment hören sie vom Eingang her Geräusche. Klara winkt noch kurz und schlüpft dann nach draußen. Kurz darauf klopft es am Türrahmen.“
Gräfin Zsófia: „Kommt herein Ihr Täubchen.“
Jo-Jo: „Ja so, liebe Gräfin … . Das also ist ... Giorgio ... .”
Der DJ: „Inzwischen stehen Jo-Jo und Giorgio direkt neben der Gräfin. Sie sieht den Jungen lange von oben bis unten an. Obwohl ihr Blick scharf und kritisch ist, wird Giorgio kein bisschen nervös und lächelt sie ununterbrochen freundlich an. Schließlich bricht das Eis und sie winkt ihn näher zu sich heran.“
Gräfin Zsófia: „Komm, mein Junge!“
Der DJ: „Giorgio beugt sich zu ihr herunter und bekommt – links, rechts, links – einen französischen Begrüßungskuss.“
Jo-Jo: „Aber ... .“
Gräfin Zsófia: „Ja?“
Jo-Jo: „Ich habe so das Gefühl, dass ich gerade keinen so ganz begeisterten Gesichtsausdruck habe!"
Gräfin Zsófia: „Aber warum denn nicht?“
Jo-Jo: „Wenn ich an Greg denke ... Sie sind so ... freundlich. Es ist einfach ... zu schön, um wahr zu sein.“
Gräfin Zsófia: „Papperlapapp! Setzen. Tee trinken!“
Jo-Jo: „Worauf Sie sich verlassen können!”
Die Bewerbung! (6)
Der DJ: „Amadeus ist viel zu verblüfft um noch irgendetwas zu sagen. Die U-Bahn-Türe öffnet sich und ... sie stehen im Lesesaal einer Bibliothek!“
Amadeus: „Aber, das ist … .”
Theliel: „Ja?”
Amadeus: „Wir waren doch gerade noch in der Bahn ... .“
Theliel: „Ich wollte Ihnen doch ein paar Außendienstmitarbeiter zeigen. Sehen Sie, dort, an der Information ... .“
Der DJ: „Theliel zeigt auf eine kleine, unscheinbare Frau. Sie nähern sich ihr von hinten. Die Bibliothekarin sitzt an einem kleinen Auskunftsschreibtisch und blickt auf einen Bildschirm mit Buchtiteln und Signaturen. Auf einmal flackert das Bild heftig. Jetzt sieht man den Büchereieingang. Ein fahriger, vielleicht knapp fünfzigjähriger Mann kommt herein. Fettiges Haar, schmutzige Kleidung, offener Schnürsenkel. Im nächsten Moment verschwindet das Bild und die Frau sieht auf ihre Armbanduhr. Die sieht so ähnlich aus, wie die von Theliel, nur feiner und eleganter. Dann steht sie auf und geht zielstrebig in Richtung der Romane.“
Theliel: „Kommen Sie mit!“
Amadeus: „Aber, was macht sie?“
Theliel: „Gucken Sie es sich an.”
Der DJ: „Jetzt bleibt die Bibliothekarin stehen, nimmt ein Buch aus dem Regal, öffnet es auf einer ganz bestimmten Stelle, überspannt es so, dass der Bucheinband vernehmlich knackt und stellt es, mit leichtem Überstand, zurück ins Regal. Wenig später kommt der Mann auf das Regal zu, nimmt einige Bücher heraus, auch das, was die Bibliothekarin in der Hand hatte und setzt sich mitsamt dem Bücherstapel an einen kleinen Lesetisch.“
Amadeus: „Was hat sie gemacht? Was für ein Buch ist das? Woher wusste sie ... ?“
Theliel: „Gucken Sie wie er lächelt. Er hat die für ihn bestimmte Stelle entdeckt!“
Der DJ: „Amadeus sieht, wie sich die Miene des Mannes aufgehellt hat und ein Ruck durch seinen schlaffen Körper gegangen ist.“
Amadeus: „Was steht denn da in diesem Buch?“
Theliel: „Das ist für Sie nicht so wichtig. Es ist seine Stelle! Jeder andere hätte wohl einfach darüber hinweggelesen. Wie oft stolpern Menschen über Sätze und Gedanken in Büchern, im Radio, in Filmen. Sätze, die ihnen wichtig sind und ihr Leben ein kleines bisschen ändern können.“
Amadeus: „Und da stecken immer ihre Leute dahinter?”
Theliel: „Nein, natürlich nicht. Aber sie ist eine ‚Hüterin der Worte’. Es ist ihre selbstgewählte Aufgabe.“
Was bisher geschah
Woche 16:
Klara hat Geburtstag, Milena gibt ihrem Freund Ratte den Laufpass, Lisa angelt zum ersten Mal in ihrem Leben und fängt tatsächlich einen Fisch. Hannes erkundigt sich auf dem Amt nach Weiterbildungsmöglichkeiten. Tillmanns Lehrerqualitäten werden sichtbar und Jo-Jo’s neuer Freund Giorgio besteht die ‚Aufnahmeprüfung’ bei der Gräfin.
Der DJ: „Bochum Kortumstraße, gegen halb Zwei. Beat steht in der Fußgängerzone und spielt Akkordeon.“
Anael: „Wie sieht’s aus?“
Zechiel: „Gut. Sehr gut. Sie ist noch im Schuhgeschäft. Ich würde sagen noch etwa fünf Minuten ... .“
Anael: „Was spielt er da?“
Zechiel: „Einen Tango. Wieso?“
Anael: „Es wäre besser, wenn er was Klassisches spielen würde.“
Zechiel: „Verstehe. Dann wird sie sofort hellhörig ... .“
Anael: „Lass mich mal machen!“
Der DJ: „Wenig später bittet eine ältere Dame Beat, ihr einen Musikwunsch zu erfüllen. Er spielt dem Ungarischen Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms.“
Zechiel: „Oh, er spielt gut!
Anael: „Ja. Allerdings.“
Zechiel: „Sie sollte aber langsam mal kommen!?“
Anael: „Dort hinten, das ist sie!“
Der DJ: „Felicitas, mit zwei Taschen bepackt, nähert sich. Man sieht wie Sie den Kopf suchend hin und her wendet. Dann hat sie den Akkordeonspieler entdeckt.“
Anael: „Da! Angebissen.“
Zechiel: „Ja, sieht so aus.“
Anael: „Sieht er sie? Kannst Du sein Gesicht erkennen?“
Zechiel: „Ja, scheint aber nicht gerade wie Liebe auf den ersten Blick aus.“
Anael: „Reicht auch, wenn es Liebe auf den zweiten Blick ist.”
Der DJ: „Felicitas tritt noch ein paar Schritte näher, klemmt die Taschen zwischen Ihre Füße und hört sehr aufmerksam zu.“
Anael: „Es klappt!“
Zechiel: „Hoffentlich.“
Der DJ: „Gerade in dem Moment als Beat erneut in Felicitas Richtung schaut, klingelt Ihr Mobiltelefon.“
Anael: „Hey, was soll das? Warum machst Du das?“
Zechiel: „Wieso ich?“
Anael: „Die Abteilung für elektromagnetische Wellen hatte den Empfang gestört, irgendjemand ... !“
Zechiel: „Du meinst ... ?“
Der DJ: „Die beiden Engel sehen sich um und entdecken in einem Sportwagen einen jungen, sehr stylish gekleideten Mann, der ihnen grinsend zuwinkt.“
Anael: „Er kann uns sehen! Also ist er ... “
Zechiel: „ ...von der Konkurrenz! Es wäre ja auch zu schön gewesen!“
Der DJ: „Die Küche der Villa Halde. Wie so oft, sind auch hier und jetzt, um kurz vor sechs Uhr am Abend, Frida und Kruppke mit der Vorbereitung des Abendessens beschäftigt.“
Kruppke: „Un’ wat gib’ dat wenn’et fertich is’?“
Frida: „Wat zum Essen!”
Kruppke: „Ach nee! Und wat?“
Frida: „Wat leck’res!”
Kruppke: „Och komm, nu’ sach schon!”
Frida: „Man, ich kann Dich ma nie überraschen, immer bis’se schon vorher mit dabei!“
Kruppke: „Soll ich geh’n? Will’se alleine malochen?“
Frida: „ Wie oft hab’ ich Dir schon gesacht, dat Koch’n für mich no’ nie Maloche war. Vor allem nich’ hier, mit so gute Kunden wie Hannes, Justus oder Linus.“
Kruppke: „Ach. Un’ ich?”
Frida: „ Natürlich, Du auch. Obwohl Du ja beim Spachteln oft nur als halbe Portion durchgeh’s.“
Der DJ: „Frida brutschelt fröhlich weiter. Röstet Pinienkerne und mischt sie mit Rosinen und Semmelbröseln.“
Kruppke: „Jetz sach’ doch ma endlich.”
Frida: „Mann, Du kanns’ ja bohr’ wie so’ne ‚Black und Decker’ ... dat sin Thunfischröllchen mit Weißweinsauce. Ausse Toskana, also Italien.“
Kruppke: „Als wenn ich nich’ wüsst’ wo dat wär!”
Frida: „Hab ich dat gesacht?“
Kruppke: „Nee, aber gedacht!”
Frida: „Mann, Du hörs’ aba langsam die Flöhe husten!“
Kruppke: „Weisse wat, im Sommer, fahr’ ich mit dir nach Toskalien!"
Frida: „Wohin?“
Kruppke: „Wie? Ach so. Na, wie ich gesacht hab. In die Toskana.“
Frida: „Du bis mir ein komischer Heiliger. Un’ wenn wa in die Toskanna sind – wat machen wir da?“
Kruppke: „Du lässt Dich bekochen, in ein’ ganz gutet Restaurant. Außerdem hör’n wir echte Musik und guk’n uns dat Land un’ die Leut’ an ... wat man eben im Urlaub so macht.“
Frida: „ Da lass uns ma später drüber palavern. Jetzt muss ich mich auf dat Koch’n konzentrier’n.“
Der DJ: „Klettergarten Isenberg, in Hattingen, gegen vier Uhr am Nachmittag. Justus und Daria sitzen auf dem Felsen oberhalb der Route „Affenschaukel“ und verschnaufen.“
Justus: „Klappt wirklich gut. War heute Dein fünftes Mal – bei mir hat das echt länger gedauert!“
Daria: „Du hattest wahrscheinlich auch nicht so einen guten Lehrer!“
Justus: „Komm her.“
Der DJ: „Die Beiden küssen sich lange und ausgiebig.“
Daria: „Irgendwie ist Klettern ’ne klasse Sache für Pärchen, oder?“
Justus: „Wie meins’te das?“
Daria: „Insgesamt so. Der eine macht den Vorstieg, wird aber vom anderen dabei gesichert. Man ist am Seil miteinander verbunden, muss sich aber genug Freiheit lassen, damit man sich frei bewegen kann. Jeder ist für sich alleine unterwegs, aber ans Ziel kommt man nur zu zweit. Ich weiß nich’, ob ich das gut erklärt hab’?“
Justus: „Nee, wirklich gut erklärt has’te das. Bin beeindruckt.“
Daria: „Sag mal, wie is’n das Klettern zu dritt?“
Justus: „Wieso?“
Daria: „Was zu zweit geht, müsste doch auch mit drei Leuten möglich sein, oder?“
Justus: „Ja klar. Wenn der dritte Mann auf dem gleichen Level klettert.“
Daria: „Und wenn der dritte Mann eine Frau ist?“
Justus: „Kann das sein, dass Du mir irgendwas sagen willst?“
Daria: „Ja, das kann sein.“
Justus: „Du redest von Milena, oder?“
Daria: „Genau.“
Justus: „Du willst, dass wir Sie mit zum Klettern nehmen?“
Daria: „Nicht unbedingt zum Klettern. Aber seitdem sie Ratte in den Wind geschossen hat, tut sie mir noch mehr Leid.“
Justus: „Aber Sie ist doch gerade zu Dir echt biestig, oder nicht?“
Daria: „Ja, schon.“
Justus: „Und trotzdem willst Du den ersten Schritt machen und auf sie zu gehen?“
Daria: „Wenn nicht ich, wer dann?“
Der DJ: „Justus legt seinen Arm um Daria, antwortet aber nicht sofort. Erst fünf Minuten später sagt er zögernd.“
Justus: „Na, ja. Wenn Du meinst. Ich will Dir keinen Knüppel zwischen die Beine werfen. Eigentlich mag ich Milena ja auch. Is’ halt blöd gelaufen: zuerst der fette Flirt zwischen Tillmann und Elwira. Dann wir. Dann der Stress zwischen Dad und Elwira. Und jetzt noch die Sache mit Ratte. ... Milena hat’s nicht grad leicht gehabt.“
Daria: „Hey. Hör ich da noch mehr, als nur Mitleid heraus?“
Justus: „Hallo? Wer hat denn damit angefangen?“
Daria: „Is’ ja schon gut. Also, wir lassen uns was einfallen, okay?“
Justus: „Abgemacht!“
Der DJ: „Uni-Center Bochum am Mittag. Linus sitzt im Freien auf einem Blumenkasten und isst einen Döner. Sein Blick wird immer wieder so magisch von den Beinen vorübergehender Kurzberockter angezogen, dass er nicht mitbekommt, wie sich jemand neben ihn setzt.“
Studentin: „Na Junge, genießt Du die Aussicht?“
Der DJ: „Linus verschluckt sich und kriegt einen Hustenanfall. Sie klopft ihm auf den Rücken.“
Studentin: „Uuupss. Besser nimmst Du den Mund nicht so voll!“
Linus: „Ach, äh, hallo Bea, wie geht’s ?“
Bea: „Danke der Nachfrage.“
Linus: „Ja, so. Machst Du auch Mittag?“
Bea: „Nö, nicht direkt. Aber als ich Dich hier bei Deinen anatomischen Studien gesehen hab’, dachte ich: Gesellst’ Dich mal zu ihm!“
Linus: „Ähm, so, ah ja. Witzig!“
Bea: „Witzig? Wieso? Ich find das total spannend. Da, guck mal, die mit dem Jeansrock. Wow, der Hüftschwung, nicht schlecht oder? Allerdings ein bisschen zu sehr Entengang finde ich.“
Der DJ: „Linus sieht sich nach allen Seiten um, ob sie von irgendjemandem belauscht werden.“
Bea: „Was ist los? Erwartest Du noch Besuch?“
Linus: „Nee, nee.”
Bea: „Dann ist ja gut. Hey guck mal da! High Heels und dann diese Strümpfe – heißes Teil, oder?“
Der DJ: „Linus ist jetzt schon so rot angelaufen, wie Beas T-Shirt.“
Linus: „Wie, wo? Ach so, hab ich gar nicht gesehen. Aber ... nein, steh’ ich nicht so drauf.“
Bea: „Ehrlich nicht? Und die, hat zwar nur eine Jeans an, aber ’nen knackigen Po. Und obenrum?“
Linus: „Na ja. Geht so. Bisschen viel aber ...
Der DJ: „Als Linus jetzt in Beas verschmitztes Gesicht sieht, geht ein Ruck durch seinen gebeugten Rumpf. Auch seine Stimme ist jetzt mehr als ein Flüstern.“
Linus: „ ... ja, warum nicht.“
Bea: „Zeig mir mal Deinen Typ.“
Linus: „Eigentlich hab’ ich gar keinen Typ.
Bea: „Auch nicht Deine Freundin?“
Linus: „Eigentlich hab’ ich auch keine Freundin.“
Bea: „Ah ha. Na ja dann. Ich muss jetzt. Wenn Du mal wieder Lust auf gemeinsame anatomische Studien hast ... weißt ja, wo Du mich findest!“
Der DJ: „Bea steht auf und ist im nächsten Moment in der Menge verschwunden und Linus redet leise zu sich selber.“
Linus: „Bea? Klar! Das hätte ich doch alles schon viel früher wissen können!“
Der DJ: „Kurz nach drei Uhr am Nachmittag in der Villa Halde. Klara hat Besuch. Ihre Mutter und sie sitzen im Kaminzimmer bei Kaffee und Kuchen.“
Frau Schermbeck: „Oh Kindchen, die Torte is’ ja so was von lecker. Komm kanns’t mir noch ein Stückchen drauf tun.“
Klara: „Hier!“
Frau Schermbeck: „Und Du? Kein Kaffee, kein Kuchen. Nur Kräutertee und diese Haferkekse – da wird man ja schon vom zugucken ganz wuschig.“
Klara: „Mir geht’s nicht so gut.“
Frau Schermbeck: „Bist auch ganz blass mein Kind. Diese Nachtschichten sind nicht gut für Deinen Teint!“
Klara: „Ja, Mama, das hast Du mir schon mehr als einmal gesagt.“
Frau Schermbeck: „Und ich kann es nicht oft genug sagen!“
Klara: „Ja, Mama. Wie geht es eigentlich Tante Germute?“
Frau Schermbeck: „Wie soll es ihr schon gehen? Ist inzwischen stocktaub. Ich mag sie gar nicht mehr besuchen. Man kann reden, reden und reden und sie sitzt immer nur da und guckt einen an.“
Klara: „Kümmern sich Martina und Jakob um sie?“
Frau Schermbeck: „Die Rabenkinder? Urlaub schaffen sie dreimal im Jahr, aber wenn sie Zeit für Ihre alte Mutter haben sollen ... .“
Klara: „Sie sind eben beide berufstätig ... .“
Frau Schermbeck: „Ha! Der Gaul stinkt aus dem Maul. Berufstätig nennst Du das? Jakob ist Lehrer. Jeden Tag um zwei Uhr zuhause und um Drei beim Tennis. Und Martina? Die geht lieber mit ihren Kläffern Gassi, als sich um Tante Germute kümmern. Ich hoffe, ich muss so etwas nie erleben, wenn ich mal älter bin.“
Klara: „Mama, Du bist älter. Aber solange ich hier im Ruhrgebiet bleibe, werde ich mich ... .“
Frau Schermbeck: „Was? Du ziehst weg?“
Klara: „Wie bitte? Ich habe doch nur ... .“
Frau Schermbeck: „ ... gesagt, dass Du Dich nur solange um mich kümmerst, wie Du noch hier wohnst ... .“
Der DJ: „In diesem Moment guckt Fridas Kopf um die Ecke.“
Frida: „Ach, Du bis’ dat Klara. Tachchen Frau Schermbeck.“
Frau Schermbeck: „Guten Tag Frau Kokoschinski!“
Frida: „Na, Frau Schermbeck … .”
Der DJ: „Als Frida zu reden beginnt, macht Klara allerlei Grimassen, zeigt auf Ihren Bauch und schüttelt energisch den Kopf.“
Frida: „ … freu’n Se sich?”
Frau Schermbeck: „Wie?“
Frida: „Na auf’et Omasein? Wurd ja wohl auch ma’ Zeit, wa?“
Der DJ: „Klara rollt nur schicksalsergeben mit den Augen, während Frau Schermbeck aus dem Stuhl schnellt.“
Frau Schermbeck: „Was, Du bist guter Hoffnung. Und Du hast mir nichts davon gesagt?“
Frida: „Oh ... ich wollt’ nich’ ... .“
Der DJ: „Zehn nach Fünf am Nachmittag. Elwira und ihre Kollegin Doris haben Feierabend und stehen noch einen Moment vor der Türe des Kaffees.“
Doris: „Und was machst Du am Wochenende?“
Elwira: „Nichts Besonderes.“
Doris: „Mensch Mädchen, habt Ihr Euch immer noch nich’ eingekriegt?“
Elwira: „Nein. Es ist aus!”
Doris: „Aber wieso denn?“
Elwira: „Ach, ich war ihm zu doof. Oder zu ungebildet. Und dann hat sich Ina wieder an ihn rangemacht.“
Doris: „Wer?“
Elwira: „Hab ich Dir doch erzählt. Seine Ex. Obwohl sie ja eigentlich noch verheiratet sind. Ich glaube sie hasst mich und sie gönnt ihm nicht, dass er wieder glücklich ist. Oder war ... “
Doris: „Weißt Du was? Wir zwei machen heute einen Mädelsabend – die Kerle können uns gestohlen bleiben.“
Elwira: „Und was wird Bernd dazu sagen?“
Doris: „Der soll mal was sagen! Aber – er is’ gut dressiert.“
Elwira: „Doris?“
Doris: „Ja, Süße?“
Elwira: „Find’ ich nich’ gut!“
Doris: „Glaubst Du. ich mein’ das Ernst? Nee, lass gut sein, aber wenn Bernd Samstag Abend ungestört Fußball gucken kann, lässt er mich gerne losjückeln.“
Der DJ: „Die beiden Freundinnen Sie setzen sich in Bewegung. Gerade als Elwira antworten will, erstarrt sie zur Salzsäule.“
Doris: „Hey, ehrlich, er hat kein Problem damit. Wir haben heut’ Abend einfach ein bisschen Spaß. ... . Elwira? Süße, was ist!?“
Elwira: „Da vorne, der blaue Volvo. Tillmann und Ina ... .“
Doris: „Ja und? Lass den Trottel doch. Wenn er nicht weiß, was er zu verlieren hat, hat er einen Schatz wie dich gar nicht verdient.“
Elwira: „Du bist lieb … . “
Doris: „Elwira?“
Elwira: „Warte mal, ich ... krieg’ kaum Luft ... .“
Doris: „Elwira ... was hast Du? Soll ich einen Arzt ...?
Elwira: „Nein, ist schon gut.“
Doris: „Warum hältst Du Dir das Herz? Hast Du Schmerzen? Ich rufe doch einen Arzt!“
Elwira: „Nein ... doch ... mach schnell!“
Die Bewerbung! (7)
Der DJ: „Wir sind noch immer in der Bibliothek in Berlin.“
Amadeus: „Moment, Moment. Sie ist w a s? Eine ‚Hüterin der Worte’? Aber sie arbeitet doch wohl als Bibliothekarin!?“
Theliel: „Ja, wieso?”
Amadeus: „Dann kann Sie doch nicht gleichzeitig für Ihre Firma arbeiten!”
Theliel: „Wer sagt denn das?“
Amadeus: „Ja, wie denn, hat sie zwei Arbeitsplätze?“
Theliel: „Ach so, meinen Sie das. Nun ja, in diesem Sinne sind wir eigentlich keine Firma. Man erzielt in unseren Diensten auch nicht unbedingt ein Einkommen. Es handelt sich, wenn man so will, um eine ehrenamtliche Tätigkeit.“
Amadeus: „Ach so … das heißt, ich könnte bei ‚Schuhmacher, Seyfried + Partner’ arbeiten und gleichzeitig ehrenamtlich in Ihrem Verein?“
Theliel: „Durchaus. Obwohl es auch Hüter gibt, die nur noch für uns arbeiten – das ist ein wenig kompliziert zu erklären, aber vielleicht haben wir ja noch Gelegenheit den ein oder anderen Außendienstler kennen zulernen ... Achtung, es geht weiter!
Der DJ: „Die Bibliothekarin wird wieder aktiv. Ein Junge von vielleicht dreizehn Jahren ist gerade auf ihrem Bildschirm zu sehen gewesen. Während er langsam zur Kinderabteilung schlendert, ist sie dort schon angekommen, zieht ein Buch ein Stück weit aus der Reihe heraus und geht dann wieder zurück an ihren Platz.“
Amadeus: „Da! Er hat’s schon gegriffen. Wow, das ist beeindruckend. Klappt das eigentlich immer?“
Theliel: „Warten Sie einen Augenblick. Dort vorne – der junge Mann!“
Der DJ: „Wieder das gleich Spiel. Die Bibliothekarin präpariert ein Buch. Der junge Mann findet es. Er sucht sich einen Platz zum lesen und hat gerade die erste Seite aufgeschlagen, als er plötzlich aufsieht und wie vom Donner gerührt erstarrt. Ihm genau gegenüber steht ein junge Frau: schlank, sehr elegant im kurzen Minikleid und feinen Pumps, mit einem Gesicht wie aus dem Männermagazin. Der junge Mann vergisst das Buch und verfolgt stumm das Schauspiel, das sich ihm dort bietet. Als die Frau dann langsam weiterschlendert, steht er auf und folgt ihr – scheinbar auf Büchersuche – mit einem kleinen Abstand hinterher. Das Buch bleibt vergessen auf dem Tisch liegen.“
Amadeus: „Ähm, das war kein Zufall, oder?“
Theliel: „Nein, nicht unbedingt!”
Amadeus: „Sie sah – hinreißend aus!“
Theliel: „In der Tat, das sah sie.“
Amadeus: „Ich darf raten: Sie arbeitet für die Konkurrenz!?“
Theliel: „Exakt!”
Amadeus: „Und die Schicksalsstelle in dem Buch ist … für immer verloren?”
Theliel: „Immer – das ist sehr lange. Aber ja, der junge Mann hat eine wichtige Begegnung mit seinem Schicksal verpasst – würde ich zumindest sagen.“
Was bisher geschah
Woche 17:
Anael und Zechiel versuchen es erneut – aber die Zusammenführung von Beat und Felicitas scheitert durch das Eingreifen der Konkurrenz! Kruppke schmiedet für sich und Frida Urlaubspläne, Justus und Daria klettern, Linus wird angemacht, Klaras Mutter erfährt von der Schwangerschaft ihrer Tochter und Elwira muss mit Herzbeschwerden ins Krankenhaus.
Der DJ: „Es ist früher Abend. Jo-Jo kommt von der Arbeit nach Hause und findet die meisten Bewohner der Villa Halde bereits im Esszimmer versammelt.“
Jo-Jo: „Hej, Freunde, was ist denn hier los? Hab’ ich einen Geburtstag verpasst?“
Der DJ: „Er blickt in die betroffenen Gesichter und verstummt. Als sein Blick auf die Gräfin fällt, die in Ihrem Stuhl sitzt und ihn ruhig betrachtet, ist er sichtlich erleichtert.“
Jo-Jo: „Jetzt sagt schon. Müssen wir etwa doch aus der Hütte raus?“
Klara: „Nein Jo-Jo, es ist wegen Elwira … “.
Jo-Jo: „Was ist mit Ihr. Ist Sie ... ?“
Lisa: „Sie ist im Krankenhaus. Verdacht auf Herzinfarkt. Jedenfalls sagen die Ärzte so.“
Jo-Jo: „Aber wann ist das passiert? Ich war übers Wochenende mit Girgio unterwegs ... .“
Klara: „Samstag abend, nach ihrer Schicht. Zum Glück war sie mit einer Kollegin unterwegs, die sofort den Arzt gerufen hat.“
Jo-Jo: „Wer ist bei ihr?“
Lisa: „Milena. Und eben ist auch Tillmann ins Krankenhaus gefahren.“
Der DJ: „Jo-Jo hebt skeptisch eine Augenbraue, sagt aber nichts dazu.“
Frida: „Leute ich weiß nich’ wat ihr dazu sacht’, aba wenn ihr wollt, könnt’ ihr jetzt ’nen Kleinichkeit essen. Is’ nich’ so doll – gibt Kartoffelsalat und Brühwürstchen.“
Der DJ: „Lisa, Linus und Justus helfen Frida auftragen. Wenig später sitzen sie alle schweigend am Tisch und essen. Jo-Jo sitzt neben der Gräfin. Nach einiger Zeit spricht er sie flüsternd an.“
Jo-Jo: „Es tut mir leid!“
Gräfin Zsófia: „Was Dir tut Leid?“
Jo-Jo: „Dass ich so wenig Zeit für Sie habe ... .“
Gräfin Zsófia:„Was das ist für ein Unsinn.“
Jo-Jo: „Nein, das ist kein Unsinn. Es geht Ihnen nicht gut und ich bin immer mit Giorgio unterwegs ... !“
Gräfin Zsófia:„Bist Du ein großer dummer Junge!“
Jo-Jo: „Phh!“
Gräfin Zsófia: „Hör mir zu! Endlich Du bist wieder glücklich. Giorgio ist guter Junge. Was interessiert junge Menschen alte kranke Frau! Du hast mir gesteigert Bilder von meine Familie. Du bist immer gekommen zu mir – jetzt darfst Du auch sein bei Deinem Girogio!“
Jo-Jo: „Gräfin Szófia, ich ... “
Gräfin Zsófia: „Du bist still jetzt. Iss Brühwurst und Kartoffelsalat!“
Der DJ: „In diesem Moment geht ein fürchterlicher Rumms durch die Villa.“
Kruppke: „Wat’ war dat denn - Berchsenkung?“
Justus: „Nee, Durchzug, sieht nach einer Gewitterböe aus. Besser ich geh’ mal hoch und mach die Fenster zu!“
Anael: „Ich kann’s einfach nicht glauben. Wir waren kurz davor und dann greift die Konkurrenz ein – ich wusste gar nicht, dass die Beiden so wichtig sind.“
Zechiel: „Ich wundere mich auch. In der Akte ist auch kein Vermerk über irgendeine besondere Mission.“
Anael: „Lass mal sehen ...“
Der DJ: „Anael und Zechiel blättern in einem Aktenstück.“
Anael: „Was ist das denn da für ein Zeichen?“
Zechiel: „Wo?“
Anael: „Da, in der Zeile ‚Kinder’.“
Zechiel: „Ich dachte, dass ist ein Tintenklecks.“
Anael: „Nein, das ist ein Sternchen. Das heißt, es muss irgendwo eine Anmerkung geben. Lass mal weiter hinten sehen.“
Der DJ: „Sie blättern die Akte bis zur letzten Seite weiter und sehen sich dann im gleichen Moment mit großen Augen an.“
Zechiel: „Ihr Kind soll ein HELFER werden! Aber warum hat die Zentrale das ganz am Ende versteckt?“
Anael: „Verstehe ich auch nicht. Ich glaube, die haben in der letzten Zeit etwas zu viel Respekt vor der Konkurrenz. Angst vor Spionage oder was?“
Zechiel: „Jedenfalls wir mir jetzt einiges klar. Das waren keine Zufälle, dass wir die Beiden nicht zusammengekriegt haben!“
Anael: „Also, heißt das: volle Konzentration. Musst Du unbedingt weiter Deine Sonntagsgeschichte erzählen?“
Zechiel: „Natürlich. Erstens bin ich schon viel zu weit drin, um aufzuhören. Und zweitens ist das eine echte Entspannung für mich. Danach kann ich viel besser denken.“
Anael: „Dann fang schon mal mit dem Denken an. Wie machen wir weiter?“
Zechiel: „Wir müssen den Jungen aus diesem Loch wegbringen. Näher ran an Bochum oder Mülheim.“
Anael: „Und wie?“
Zechiel: „Wir machen ein bisschen Dampf.“
Anael: „Was, willst Du die Hütte anzünden?“
Zechiel: „Quatsch. Wir schicken ein paar von Charlies ‚Freunden’ dahin. Beat soll sich erschrecken und seine Sachen packen. Ist ein bisschen drastisch, muss aber sein.“
Anael: „Tun ihm aber ja nicht weh!“
Zechiel: „Seh’ ich so aus wie einer, der sich nicht an die Regeln hält?“
Der DJ: „Unna, das alte Fabrikgelände. Drei zwielichtige Typen nähern sich der Hausmeisterwohnung in der Beat provisorisch lebt.“
Typ 1: „Hört ihr das?“
Typ 2: „Wa`t soll’n wer hör’n?“
Typ 3: „Er meint dat Gedudel!”
Typ 1: „Kommt von drinnen. Charlie hat doch gesagt die Bude wär’ leer.“
Typ 2: „Wann hat er dat gesacht?
Typ 1: „Ist schon ’ne Zeit her.”
Typ 3: „Vielleicht sollt’n wir ers’ mal zu ihm rübermachen? Wer weiß, wer da drin is’?“
Typ 1: „Na wer sollte das schon sein? Al Capone?“
Typ 2: „Wer is dat denn?”
Typ 1: „Ach komm, Komiker. Du willst doch nicht sagen, Du weiß nicht wer Al Capone war?“
Typ 2: „War? Wat geht mich denn ‘nen toter Spaghetti an?”
Typ 1: „Ey biss Du noch zu retten? Al Capone, das war ... einer der größten Gangster, die jemals hier rumgelaufen sind!“
Typ 2: „In Unna? Das war aber lange vor meiner Zeit!”
Typ 1: „Sag Du doch mal was. Oder kennst Du Capone auch nicht?“
Typ 3: „Doch, natürlich. Das war ein Holywood-Star. Aus ’nem Gangsterfilm. Mit Maschinenpistolen haben die die ganze Zeit rumgeballert.“
Typ 1: „Och ich glaub’s einfach nicht. Vielleicht war ja der Gangster zuerst da. Und erst danach der Film?“
Typ 2: „Vielleicht? Weißt Du dat auch nich’?”
Typ 1: „Mensch Du Holzbirne. Das war doch eine rhetorische Frage. Natürlich war Al Capone ein Gangster. Aber nicht aus Unna. Oder aus Dortmund. Sondern aus Chicago. Woher kommt so ein Knallkopp wie Du eigentlich?“
Typ 2: „Pass auf wat Du sach’s! Wenn’set genau wissen wills – ich komm’ aus Gladbeck.“
Typ 1: „Aha. Sag mal, hast Du eigentlich einen Bruder?“
Typ 2: „Ja, wieso?”
Typ 1: „Dachte ich mir doch. Einer alleine kann gar nicht so blöd sein!“
Typ 3: „Watte ma … dat Gedudel is’ vorbei.“
Der DJ: „Die Drei stehen jetzt unmittelbar vor der Türe. Einer von ihnen pocht feste dagegen.“
Typ 2: „Rührt sich nix.“
Typ 1: „Hat uns vielleicht gehört!?
Typ 3: „Soll ich die Tür eintreten?“
Typ 1: „Ach nee, ich denk wir woll’n hier für’n paar Wochen untertauchen? Mit aufgebrochener Tür? Oder sollen wir einen Schreiner kommen lassen ... ?“
Typ 2: „Un’ wie willste sonst da rein?”
Typ 1: „Mann Ihr seid vielleicht ein paar Gangster ... Hiermit. Ich hab’ noch jede Tür mit meinem Werkzeug aufgekriegt.“
Typ 3: „Boah – stark!“
**********
Anael: „Wo ist er?
Zechiel: „Hinten raus.“
Der DJ: „Nachmittag. Frida und Kruppke sitzen im Bus und fahren ins Blaue. Sie haben kein festes Ziel und machen sozusagen Abenteuerurlaub.“
Kruppke: „Wo sin’ wir hier eigentlich?“
Frida: „Wat? Oh, ich hab’ gar nich’ mehr geguckt – müsste eigentlich schon Herne sein.“
Kruppke: „Un’ wo kommst du von wech’?”
Frida: „Ich komm nich’ aus Herne. Wie ich noch da gelebt hab’, war dat Wanne-Eickel. Und wennse dat genau wissen will’s – Wanne.“
Kruppke: „Is ja schon gut. Ich hab doch gar nix dagegen gesacht. Wanne-Eickel, Herne 2, Herne – da halt ich mich raus.“
Frida: „Da kannse Dich aber nich’ raushalten. Weil’se schließlich mit ’ner echten Wanne-Eickelerin zusammen bis’.“
Kruppke: „Ja, ja. Ma’ wat ganz anderes. Wir wär’s ... ich mein, ich bin nich mehr der Jüngste und müsste ma ... .“
Frida: „Wat? Hasse Probleme mitti Prostata?”
Kruppke: „Psst. Nich so laut. Muss do’ nich gleich jeder hör’n.“
Frida: „Wat? Ach hab’ dich nich’ so. Wenn’se pinkeln muss, steig’n wer eben aus. Komm Kurti, steh’ man wacker auf. Da vorn is’ die Haltestelle.“
Der DJ: „Nach einer knappen Viertelstunde ist Kruppkes Blick wieder ganz entspannt. Fröhlich sieht er sich um und entdeckt etwas weiter die Straße runter einen Kiosk.“
Kruppke: „Komm’se mit mich anne Bude? Klickerwasser trinken!“
Frida: „Wat für’n Zeuchs?“
Kruppke: „Dacht ich mir, dat du dat nich kenn’s. Bis’ ja mit Deine Siebenundsechzich auch noch ziemlich grün hintern Ohren. Klickerwasser – dat war ganz früher, als’et die Seltersflaschen noch nich gab, Wasser mit Prickel in eine Flasche mit so’m Kugelverschluss. Der hat allet bombenfest verschlossen – kam nich’ so’n bissken Gas raus!“
Der DJ: „Kurz darauf sind bei der Bude angekommen. Ein älterer Türke bedient sie.“
Budenbesitzer: „Guten Tag.“
Kruppke: „Tach!“
Budenbesitzer: „Bitte schön?“
Kruppke: „Einmal Klickerwasser!“
Budenbesitzer: „Was ist das?“
Frida: „Mein Mann hat sich versprochen. Wir hätt’n gern ’ne Flasche Wasser.“
Budenbesitzer: „Bitte sehr! Macht das Ein Euro vierzig.“
Kruppke: „Danke!“
Der DJ: „Als die Beiden sich wieder ein Stück entfernt haben, platzt es aus Frida heraus.“
Frida: „Wat sollte dat denn? Wolls’te den armen Mann vergageiern?“
Kruppke: „Natürlich nich’. Is mir von alleine rausgerutscht – wo wir doch grade von gesprochen hab’n. Frida?“
Frida: „Wat?“
Kruppke: „Du hast gesagt: ‚Mein Mann’“
Frida: „Ja un’? Hätt’ ich ‚mein Dackel’ sag’n soll’n oder wat?“
Der DJ: „Freitag spät am Abend. Justus und Daria sind in Justus Zimmer in der Villa Halde und kurz davor das Haus zu verlassen.“
Justus: „Was meinst Du, ist jetzt schon was los?“
Daria: „Och, weiß nicht, paar Leutchen werden sicher schon da sein. Aber bis wir da sind – ’ne Dreiviertelstunde sind wir bestimmt unterwegs.“
Justus: „Und seine Eltern sind nicht da?“
Daria: „Nee! Sonst hätte Bobby-Boy niemals sechszig Leute einladen können.“
Justus: „Hey, wo geh’st Du hin?“
Daria: „Darfst dreimal raten.“
Justus: „Zu Milena, einfach so?“
Daria: „Ja, wenn ich Sie vorher gefragt hätte, wär sie auf keinen Fall mitgekommen.“
Justus: „Wenn Du meinst. Und was ist mit Elwira – meinst Du Milena kommt mit, wo ihre Mutter doch im Krankenhaus ist?“
Daria: „Sie hat mir heute erzählt, die Ärzte haben Entwarnung gegeben. In drei Tagen kann Elwira nach Hause.“
Der DJ: „Die letzten Worte haben die Beiden vor Milenas und Elwiras Wohnung gesprochen. Jetzt klopft Daria an. Sie stehen ein, zwei Minuten, aber nichts passiert. Daria klopft erneut.“
Justus: „Sie is’ nich da. Lass uns gehen.“
Daria: „Wie ich Milena kenne, hat sie einen Stöpsel im Ohr und hört Musik. Wart’ mal.“
Der DJ: „Daria zückt ihr Mobiltelefon und wählt.“
Daria: „Klopf jetzt mal!“
Justus: „Meinst Du das klappt?“
Daria: „Probieren geht über studieren.“
Der DJ: „Justus klopft. Es dauert nur wenige Sekunden bis sich die Türe öffnet und Milena, einen Kopfhörer um den Hals, um die Ecke guckt.“
Milena: „Ihr seid das! Du hast grad bei mir angerufen oder?“
Daria: „Exakt!“
Justus: „Hi Milena!“
Milena: „Hi Nachbar, lange nich’ gesehen.“
Daria: „Schmeiß Dir eine Jacke über und komm raus! “
Milena: „Hä?“
Daria: „Bobbys Fete. Du weißt schon.”
Milena: „Warum soll ich mitkommen?“
Daria: „Weil Du nich’ in alle Ewigkeit hier rumschmollen solltest. Während Du hier oben die Luft anhältst, oder flennst, fließt das Wasser der Ruhr trotzdem ins Meer.“
Milena: „Soll es doch!“
Justus: „Milena – zeig doch noch mal was von der starken Frau, die Du warst, als ich Dich kennen gelernt hab’!“
Der DJ: „Kaum hat Justus das gesagt, sieht Milena ihn mit großen Augen an, nickt nachdenklich und reißt dann ihre Lederjacke vom Garderobehaken neben der Tür.“
Milena: „Worauf wartet Ihr?“
Der DJ: „Samstag gegen zehn Uhr morgens. Lisa ist gerade im Begriff ihren Spider aus der Einfahrt zu Villa Halde zu rangieren, als Linus aus der Haustüre stürzt.“
Linus: „Warte Lisa!“
Der DJ: „Lisa kurbelt die Scheibe herunter.“
Lisa: „Was’n los?“
Linus: „Kannst Du mich ein Stück mitnehmen? Ich bin spät dran.“
Lisa: „Detektiv spielen?“
Linus: „Ja und?“
Lisa: „Kein Problem, Hauptsache die Kohle stimmt!“
Linus: „Wo fährst Du denn hin?“
Lisa: „Nirgendwohin. Überallhin. Ich wollte ein bisschen shoppen und bummeln. Kann ich von mir aus auch in Bochum machen. Oder wo lässt Niemandt Dich auf die Menschheit los?“
Linus: „Bochum. Ich treff’ mich mit ihm am Bahnhof. Würdest Du echt machen, nach Bochum fahren?“
Lisa: „Klaro, mit einer so charmanten Begleitung.“
Der DJ: „Eine Weile fahren sie schweigend in Richtung A 52.“
Lisa: „Und sonst?“
Linus: „Was meinst Du?“
Lisa: „Hey, Du wirst ja ganz rot? Irgendwas, dass ich wissen sollte?“
Linus: „Quatsch! “
Lisa: „Wie heißt Sie?“
Linus: „Na ja ... Bea. Aber da ist nichts. Nicht wirklich. Zumindest noch nichts. Ach keine Ahnung.“
Lisa: „Na, Bea scheint Dich ja mächtig durcheinander gebracht zu haben. Eine Kommilitonin?“
Linus: „Ja!“
Lisa: „Mensch, muss ich Dir jeden Wurm einzeln aus der Nase ziehen?“
Linus: „Ich weiß nicht, ich hab’ einmal mit ihr geredet. Oder eigentlich hat sie mit mir geredet. Sie ist ... merkwürdig. Vielleicht sogar ein bisschen ... crazy. Aber gerade deshalb ... .“
Lisa: „Klingt jedenfalls nicht unsympathisch. Und wie sind ihre Beine?“
Linus: „Jetzt fang Du auch noch damit an!“
Lisa: „Auch noch? Hat sie Dich damit schon aufgezogen?“
Linus: „Ich red’ mich noch um Kopf um Kragen.“
Lisa: „Komm, noch ein paar pikante Details!“
Linus: „Jetzt sind Sie mal bitte still.“
Lisa: „Wird gemacht Chef!“
Die Bewerbung! (8)
Der DJ: „Nach der Szene mit der gutaussehenden Dame von der Konkurrenz bittet Theliel Amadeus ihm zu folgen.“
Amadeus: „Was machen wir jetzt.“
Theliel: „Aufzug fahren!“
Der DJ: „Als sie dann wenig später im Aufzug sind und drei Etagen höher die Türe aufgeht, will Amadeus gerade etwas sagen, als er vor Überraschung laut ausruft.“
Amadeus: „Aber, das geht doch nicht mit rechten Dingen zu. Wo sind wir denn jetzt?“
Theliel: „Du warst vor drei Jahren schon einmal hier!“
Amadeus: „Amerika ... ! Wir sind in Amerika. In New York? Nein, die Autokennzeichen … Illinois – Chicago, wir sind in Chicago … . Wow!”
Theliel: „Komm weiter, sonst verpassen wir das Wichtigste.”
Der DJ: „Theliel schreitet schnell voran und führt Amadeus zu einer Hochhaus-Baustelle.“
Theliel: „Da vorn!”
Amadeus: „Was, wo denn?”
Theliel: „Der Bauarbeiter mit der beigen Hose.”
Amadeus: „Was macht er?”
Theliel: „Sieh selbst!”
Amadeus: „Er zieht Schraubenmuttern an der Klemme eines Stahlseils nach. Ja und?“
Theliel: „Er ist einer von uns. Ein ‚Hüter’. Sichert Baustellen und Industrieanlagen – hat schon manch einen Ich-Sager vor dem Schlimmsten bewahrt.“
Der DJ: „Sie folgen dem Mann mit den Blicken und sehen dass er sich an einigen Stellen zu Schaffen macht.“
Theliel: „Jetzt achte einmal nicht auf ihn. Da vorne, der mit dem Bart ... .“
Der DJ: „Ein zweiter Mann taucht auf, auch im Arbeitsoverall, allerdings in einem grauen. Er hat annähernd den gleichen Weg, scheint aber die Muttern nicht zu, sondern aufzudrehen.“
Amadeus: „Hey, was machen Sie da!“
Der DJ: „Der Mann reagiert überhaupt nicht.“
Amadeus: „Hören Sie auf damit, wenn das Seil durchrutscht, kann die Ladung auf einen der Arbeiter fallen! Hey, aufhören .... Tun Sie doch was! Auf mich hört er gar nicht.“
Theliel: „Er kann Sie nicht hören und sehen. Und mich auch nicht!“
Amadeus: „Aber ... .“
Was bisher geschah
Woche 18:
In dieser Woche haben die beiden Logistik-Engel Anael und Zechiel reichlich damit zu tun gehabt, Beat aus seiner aktuellen Behausung wieder zu vertreiben. Frida und Kruppke machen Abenteuerurlaub in Wanne-Eickel. Milena wird von Daria und Justus in Bewegung gebracht und Linus erzählt Lisa von der eigenartigen Bea.
Der DJ: „Kurz nach elf Uhr am Vormittag. Klara steht in der Bankfiliale an einem Pult und füllt einen Überweisungsträger aus. Völlig unvermittelt wird sie dabei von hinten an der Schulter berührt und angesprochen.“
Frau Schermbeck: „Hallo Kindchen.“
Klara: „Mama! Willst Du, dass ich in Ohnmacht falle?“
Frau Schermbeck: „Ach was, wieso denn?“
Klara: „Na, Du bist gut, mich so zu erschrecken.“
Frau Schermbeck: „Du wirst dich doch nicht vor Deiner alten Mutter fürchten, was Kind? Na ja, jedenfalls bin ich froh, dass ich Dich hier gefunden habe. Frau Kokoschinski war so nett .... “
Klara: „Was ist denn los? Gibt es ein Problem?
Frau Schermbeck: „Nein, wieso?“
Klara: „Du bist noch nie unangekündigt zu Besuch gekommen. Außerdem haben wir uns doch erst Freitag vor einer Woche gesehen!“
Frau Schermbeck: „Eine Mutter muss doch in einer solchen Situation ihrer Tochter beistehen.“
Klara: „Wie bitte? Ich bin doch nicht krank.“
Frau Schermbeck: „Eine Schwangerschaft ist kein Vergnügen! Schläfst Du ausreichend?“
Klara: „Was?“
Frau Schermbeck: „Nimmst Du genug Vitamine zu Dir?“
Klara: „Mama!“
Frau Schermbeck: „S t u t e n m i l c h!“
Klara: „Aber ... !“
Frau Schermbeck: „Habe ich gestern gelesen. In Stutenmilch ist alles, was eine stillende Mutter braucht!“
Klara: „Aber mein Kind kommt doch erst in acht Monaten zur Welt!“
Frau Schermbeck: „Eben!“
Der DJ: „Klara bemerkt in diesem Moment, dass Ihr Gespräch von mindestens drei Damen im Alter ihrer Mutter eifrig belauscht wird. Sie will gerade zum Schalter gehen und die Überweisung abgeben, als Sie von einer der Damen angesprochen wird.“
Erste Dame: „Heilerde!“
Klara: „Verzeihung?“
Erste Dame: „Ich habe gerade von ihren glücklichen Umständen gehört. Sie müssen Heilerde nehmen, da sind alle wichtigen Minerale drin, die das kleine Wesen braucht!“
Zweite Dame: „Eisen. Sie braucht vor allem Eisen. Meine Nichte hat ... .“
Dritte Dame: „Noch wichtiger ist .... .“
Der DJ: „Klara hat die letzte Empfehlung nicht mehr hören können und ist in Richtung Ausgang geflohen, während die vier Damen noch immer eifrig fachsimpeln.“
Der DJ: „Kurz vor Drei am Nachmittag in der Villa Halde. Tillmann und Justus sind in ihrer Wohnung und Tillmann zieht sich gerade seine Jacke über.“
Justus: „Wo gehst Du hin?“
Tillmann: „Ins Krankenhaus.“
Justus: „Wie geht’s ihr?“
Tillmann: „Die Ärzte verstehen noch immer nicht, was Elwira eigentlich genau hat. Sie ist stabil, hat aber plötzliche Attacken von Bluthochdruck. Sogar im Schlaf. Ich weiß gar nicht, wie es weitergeht.“
Justus: „Bestell ihr von mir schöne Grüße! Ich werd’ wohl am Donnerstag mal vorbeischauen.“
Tillmann: „Sag ich ihr, aber ich glaube, Du musst nicht unbedingt hin. Die Geste reicht auch. Elwira hat gerne ihre Ruhe.“
Justus: „Aber sie ist nicht auf einem Einzelzimmer, oder?“
Tillmann: „Schön wär’s. Seit vorgestern liegt eine etwas schrullige Frau neben ihr. Das erste was sie gesagt hat war: ‚Ey, komm’se auch von Erle?’“
Justus: „Kommse von was“?
Tillmann: „Erle. Gelsenkirchen Erle. Ein Stadtteil.“
Justus: „Na, da würd’ ich mich aber bedanken.“
Der DJ: „Als Tillmann dann wenig später die Villa Halde verlassen und schon sein Fahrrad aus dem Unterstand losgeschlossen hat, stürmt Justus auf ihn zu. Tilmann sieht das ernste Gesicht seines Sohnes und hält den Atem an.“
Justus: „Ein Anruf aus der Klinik.”
Tillmann: „Sag nicht … .”
Justus: „Mama ist heute Mittag eingeliefert worden.”
Tillmann: „Wie bitte, Ina?”
Justus: „Ja.”
Tillmann: „Was ist passiert?“
Justus: „Sie ist ohnmächtig geworden. In der Schule.“
Tillmann: „In welchem Krankenhaus?“
Justus: „Universitätsklinik.
Tillmann: „Kommst Du mit?“
Justus: „Natürlich. Fahren wir mit dem Bully?“
Tillmann: „Ja. Mach schnell.“
Justus: „Und was machst Du mit Elwira?“
Tillmann: „Ihre geht’s ja nicht so schlecht. Ich ruf’ sie heute Abend an. Das muss sie verstehen.“
Justus: „Verstehen schon, aber gut wird sie das nicht finden.“
Tillmann: „Ina scheint Dir ja nicht so wichtig zu sein ... .“
Justus: „Red nicht so einen Quatsch.“
Tillmann: „Jetzt mach schon!“
Der DJ: „Spät in der Nacht im Zimmer der Gräfin. Jo-Jo sitzt im Dunkeln an ihrem Bett und lauscht den schwachen, gepressten Atemzügen der immer wieder einschlafenden Frau. Nach ein paar Minuten schreckt sie auf.“
Gräfin Zsófia: „Was ist?“
Jo-Jo: „Ich habe nichts gesagt ... .“
Gräfin Zsófia: „Dann wir haben Besuch!“
Jo-Jo: „Besuch, aber ... von wem denn?”
Gräfin Zsófia: „Weiß ich? Ein Engel. Oder?“
Jo-Jo: „Ach, sagen Sie so etwas nicht.“
Der DJ: „Jo-Jo zieht unbehaglich die Schultern ein.“
Jo-Jo: „ Darf ich Licht machen?“
Gräfin Zsófia: „Kein Licht.“
Jo-Jo: „Wollen Sie etwas trinken? Wasser? Tee?“
Gräfin Zsófia: „Nein. Nicht Trinken. Will ich Reden!“
Jo-Jo: „Gut. Reden wir.“
Gräfin Zsófia: „Die Zeit läuft mir davon.“
Jo-Jo: „Mmmhh.“
Gräfin Zsófia: „Bin ich ungeduldig. Ich möchte sehen gerne, dass Du und Giorgio glücklich seid.“
Jo-Jo: „Das ist wirklich lieb von Ihnen.“
Gräfin Zsófia: „Das ist lieb von Dir!“
Jo-Jo: „Was?“
Gräfin Zsófia: „Sagst Du: ‚Gräfin, das ist lieb von Dir!’“
Jo-Jo: „Sie meinen ... äh, Du meinst ... ?“
Gräfin Zsófia: „Du bist wie mein Sohn. Aber hatte ich nie Sohn. Und weißt Du warum?“
Jo-Jo: „Na ja. Sie haben, ... also Du hast eben nie den richtigen Mann kennen gelernt? Nehme ich an.“
Der DJ: „Die Gräfin lacht lautlos und schüttelt sich dabei schmerzverzerrt.“
Gräfin Zsófia: „Ach Junge, wie bist Du blind.“
Jo-Jo: „Aber ...?“
Gräfin Zsófia: „Mann? Ich habe nie einen Mann kennen gelernt ... weil ich keine Interesse gehabt habe für Männer ... !“
Jo-Jo: „Waaasss?“
Gräfin Zsófia: „Blinder Junge!“
Jo-Jo: „Ich weiß nicht was ich sagen soll!“
Gräfin Zsófia: „Sag nichts. Halt meine Hand. Bitte!“
Der DJ: „Kurz vor zehn am Vormittag. Frida und Kruppke arbeiten im Garten. Frida will ein Kräuterbeet anlegen.“
Frida: „Hol’ ma die Säge!”
Kruppke: „Is’ schon hier. Da!“
Frida: „Wat soll ich denn damit?”
Kruppke: „Du has’ doch gesacht Du brauchst die Säge!“
Frida: „Nä, ich hab gesacht: Hol’ ma die Säge.“
Kruppke: „Hä? Versteh ich nich’!”
Frida: „Na is doch klar. D u säch’s!“
Kruppke: „Sach dat doch gleich’! Un wat soll ich säg’n?“”
Frida: „Da, dä Tannenbaum. Dä Ast ... und die zwei. Un dä!“
Kruppke: „Is’ aber kein Tannenbaum, is’ ’ne Douglasie!“
Frida: „Ist mir egal, mach einfach!“
Der DJ: „Kruppke setzt die Säge an und sägt. Seine Zungenspitze guckt dabei aus dem Mund und seine Augen sind zusammengekniffen, als wollte er einen Blattschuss setzen.“
Frida: „Pass auf!“
Kruppke: „Wat?
Frida: „Dein Zunge, gleich isse ab!”
Kruppke: „Ach Frida, Schätzeken, dat mach ich schon solang .... .“
Frida: „Hömma, pass auf!”
Kruppke: „Ich pass doch auf.”
Frida: „Nee, pass auf wat Du sach’s, von wegens Schätzeken!”
Kruppke: „Wa doch nur um Dich zu ärgern!”
Der DJ: „Als Kruppe zuende gesägt hat, zeigt Frida auf eine sehr ausladende Felsenbirne.“
Frida: „Dä Ast da, muss auch ab.”
Kruppke: „Mmmmhhh, ich weiß nich’, besser nich’!“
Frida: „Wieso dat’enn?“
Kruppke: „Die verträcht kein Schnitt. Macht dann immer so fu’chtbare Wassertriebe.“
Frida: „Ach wat, wenn dä so weiter wächst, hab ich in zwei, drei Jahr’n kein Licht auf meine Kräuterkes.“
Kruppke: „Dann wart ich lieber. Abschneiden kann man immer noch, wieder dran machen is’ schwierig.“
Frida: „Vom Gar’tn hasse wat wech, dat muss man dir lass’n!“
Kruppke: „Na ja, ich war ja nich umsonst der Frau Doktor Wambach Ihr’n Gärtner. Die alte Dame wa’ ziemlich kritisch.“
Der DJ: „Halb Neun am Abend. Daria und Justus sind in Justus Zimmer in der Villa Halde. Daria sitzt auf Justus Schoss.“
Daria: „Hey, hör auf an meinem Ohrläppchen zu knabbern.“
Justus: „Das ist aber so süß.“
Daria: „Lass das, das tut weh. Sonst ... !“
Justus: „Hey, nicht. Nicht, das ist unfair – hast Du das Schild nicht gelesen?“
Daria: „Was für ein Schild?“
Justus: „Kitzeln und Judogriffe sind in diesem Zimmer verboten!“
Daria: „Okay, also dann, nimm Deine Arme da weg. Wir sind nicht zum Vergnügen hier!“
Justus: „Was hast Du vor?“
Daria: „Schon vergessen? Mathe. Du wolltest mir helfen.“
Justus: „Ach nee. Nicht jetzt noch. Lass uns lieber ... .“
Der DJ: „In diesem Moment klopft es an der Türe.“
Justus: „Wer ist das denn?“
Daria: „Wenn Du die Tür öffnest, wirst Du es wissen.“
Der DJ: „Justus öffnet. Milena steht vor ihm.“
Milena: „Hi. Habt Ihr schon angefangen?“
Justus: „Ähm, womit?“
Milena: „Daria hat gesagt ihr macht heute Abend Mathe und wenn ich will … Aber wenn ich störe ist okay, dann üb’ ich alleine weiter.“
Justus: „Na ja, eigentlich habe wir noch nicht zuende diskutiert, ob wir überhaupt noch was machen. Schließlich ist heute Freitag ... .“
Daria: „Red kein Blech. Komm rein Milena, ich muss was machen, sonst vergeig’ ich die Arbeit nächste Woche.“
Milena: „Alles klar. Ich hab’ aber das falsche Heft dabei. In drei Minuten bin ich wieder da.“
Der DJ: „Als sie um die Ecke verschwunden ist, macht Justus einige merkwürdige Grimassen.“
Justus: „Sag mal, kannst Du mir nicht vorher Bescheid sagen, wenn Du unseren Abend schon verplant hast und wir auch noch Besuch erwarten?“
Daria: „Milena ist kein Besuch, sondern meine beste Freundin. Außerdem hattest Du mir versprochen, dass wir uns um sie kümmern.“
Justus: „Jetzt weiß ich endlich wie das ist, kleinere Geschwister zu haben und Babysitter zu spielen.“
Der DJ: „Milena steht in der Türe und hat den letzten Satz gehört.“
Milena: „Ähm … ich hatte ganz vergessen, dass ... ich muss los!“
Daria: „Milena, warte doch. Milena? Weg. Na klasse. Gut gemacht.“
Justus: „Kann denn nicht mal einmal etwas einfach sein?“
Der DJ: „Halb Zwölf am Vormittag in der Essener City. Linus ist hat ein italienisches Hörncheneis in der Hand und schlendert über den Kennedyplatz. Plötzlich fädelt sich ein Arm um seinen linken Arm. Linus verliert vor Schreck sein Eis.“
Bea: „Schlechtes Gewissen, Kleiner?“
Linus: „Bea!“
Bea: „Genau. Super Gedächtnis!“
Linus: „Aber wie kommst Du ... wohnst Du auch in Essen?“
Bea: „Njet!“
Linus: „Bist zufällig hier?“
Bea: „Njet!“
Linus: „Das heißt ... Du bist mir gefolgt?!“
Bea: „Gut kombiniert Herr Detektiv!“
Linus: „Wie meinst Du das. Weißt Du etwa auch ... ?“
Bea: „Dass Du bei diesem ominösen Niemandt arbeitest – nein!“
Linus: „Was?“
Bea: „Och Jüngchen komm schon, Du gehörst zu den Herren der Schöpfung, Deine Geschlechtskollegen müssen so ein Verhalten ziemlich peinlich finden.“
Linus: „Verdammt Bea, Du machst mir Stress im Kopf. Was ist los mit Dir?“
Bea: „Mach ich Dir nur im Kopf Stress, oder auch woanders?“
Linus: „Wie?“
Der DJ: „Sie tippt ihm zuerst auf die linke Brustseite und dann auf den Reißverschluss seiner Hose. Bei diesem zweiten Tippen zuckt er schmerzhaft zusammen und dreht sich zugleich nach allen Seiten um.“
Bea: „Na: da. Oder da!”
Linus: „Aua. Mensch was sollen denn die Leute ... ?“
Bea: „Was meinst Du, was die Leute denken, wenn Du den Damen auf Beine und Hintern glotzt?“
Der DJ: „Linus bleibt im nächsten Moment mitten auf der belebten Straße abrupt stehen. Einige Passanten laufen beinahe auf sie auf. Im nächsten Moment dreht er sich zu Bea um und betrachtet sie von oben bis unten.“
Linus: „Okay. Du kannst mit mir machen was Du willst – ich werd’ sowieso gleich ohnmächtig.“
Bea: „Jüngchen, keine Panik. Laß die Sonne rein!“
Der DJ: „Im nächsten Moment nimmt sie seinen Kopf zwischen ihre Handflächen und gibt ihm einen sehr intensiven, sehr langen Kuß. Danach kriegt er keinen Ton heraus.“
Bea: „Willkommen zuhause! Hat ein ganzes Semester gedauert, aber jetzt rollt der Groschen gerade durchs System – hab’ ich Recht?“
Linus: „Äh ... was? Ja, ich glaub’ schon. Ja!“
Die Bewerbung! (9)
Der DJ: „Noch immer auf der Baustelle: Amadeus hat soeben bemerkt, dass er nicht in das Geschehen eingreifen kann.“
Amadeus: „Aber das geht doch nicht, wenn da niemand die Schrauben wieder festzieht, könnte ein Unglück geschehen!”
Theliel: „Ja, da haben Sie vollkommen Recht.“
Amadeus: „Und wieso tun Sie nichts?“
Theliel: „Wir greifen nur gelegentlich ein, nach ganz festen Regeln. Ohne die Hilfe der Hüter sind wir aber allzu oft machtlos.“
Amadeus: „Dann sagen Sie doch diesem ‚Hüter’, der die Schrauben festgezogen hat, Bescheid!“
Theliel: „Er weiß nicht, dass es uns gibt!”
Amadeus: „Wie? Aber wenn er einer von ‚Ihnen’ ist, dann haben Sie ihn doch auch irgendwann einmal eingestellt!? So wie mich.“
Theliel: „Richtig!“
Amadeus: „Also weiß er auch, dass es Sie gibt!”
Theliel: „Nicht mehr. Wenn wir zwei uns voneinander verabschieden, werden Sie vergessen, dass wir miteinander gesprochen haben.“
Amadeus: „Aber wie geht das denn?”
Theliel: „D a s ist für uns, weiß Gott, eine der leichtesten Übungen!“
Amadeus: „Mir wird schwindelig. Wie können Sie nur mit ansehen, dass hier vielleicht ein Menschenleben in Gefahr ist?“
Theliel: „Das ist das größte Geheimnis von allen!“
Der DJ: „Amadeus hält die Luft an und sieht Theliel voller Erwartung an.“
Theliel: „Von allem was Ihr Ich-Sager besitzt, ist uns eines das Heiligste. Es ist zugleich das, war wir am Wenigsten verstehen.“
Amadeus: „Nämlich was?”
Theliel: „Eure Freiheit!”
Amadeus: „Aha?”
Theliel: „Tausende von Jahren habt Ihr Euch auf dem Weg dahin gemacht. Und jetzt, da Ihr Sie mit Händen greifen könnt, müssen wir Euch dabei zusehen, wie Ihr sie gebraucht. Und glaub mir: Das ist alles andere als ein Vergnügen!“
Amadeus: „Muss ich das verstehen?“
Theliel: „Ja, das scheint eine Frage zu sein, die viele von Euch bewegt. Denn eines ist sicher: Wer das einmal verstanden hat, wird den Rest seines Weges nicht mehr unbeschwert gehen können.“
Was bisher geschah
Woche 19:
In dieser Woche muss sich die schwangere Klara der übermässigen Fürsorge Ihrer Mutter erwehren. Tillmans Ex-Frau kommt ins Krankenhaus, woraufhin er Elwira vernachlässigt. Die Gräfin outet sich! Frida bewundert Kruppkes Gartenfähigkeiten. Justus muss sich um Milena kümmern und Linus Leben wird von der geheimnisvollen Bea durchgeschüttelt.
Der DJ: „Erinnnern Sie sich noch an die letzte Szene mit Tillmann und Justus? Justus war gerade auf dem Weg ins Krankenhaus um Elwira zu besuchen, als er erfährt, dass sein Noch-Immer-Ehefrau Ina ebenfalls ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Das Krankheitsbild? Unspezifisch: Schwächeanfälle. Kreislaufzusammenbruch. Ohnmacht. Allerdings ohne gravierende physiologische Befunde. Wie bitte? Simulantin? Das haben Sie gesagt! Nun gut heute jedenfalls, am Montag gegen drei Uhr am Nachmittag, gibt es an der Haustür der Villa Halde großen Bahnhof für Elwira. Die kommt, begleitet von Lisa und aufgrund eines Rückfalls mit ein paar Tagen Verzug, endlich wieder nach Hause. Milena ist ihrer Mutter schon in der Auffahrt um den Hals gefallen. Es sind außerdem versammelt: Kruppke und Frida. Klara und sogar Justus. Die Gräfin ist auf ihrem Zimmer. Ihr geht es sehr schlecht.“
Frida: „Na endlich! Schön dattu wieder da bis’!“
Elwira: „Danke Frida. Und danke Euch allen!“
Der DJ: „Sie sieht sich nervös nach allen Richtungen um und scheint jemanden zu suchen. Offensichtlich vergeblich, denn Ihre Miene verdüstert sich.“
Kruppke: „Un’ wieder alles Paletti?“
Elwira: „Na ja, werden wir sehen. Die Ärzte sind nicht zufrieden, weil es zwischendurch schon mal besser ausgesehen hat ... .“
Justus: „Gib mir mal die Tasche Lisa. Wollt Ihr nicht mal weiter gehen? Wir haben drüben eine Kleinigkeit vorbereitet.“
Lisa: „Danke Caballero! Sehr aufmerksam!“
Der DJ: „Die Gruppe bewegt sich in Richtung Esszimmer, wo eine mit frischen Frühlingsblumen geschmückte Kaffeetafel auf sie wartet.“
Elwira: „Och Frida, das ist aber schön!“
Kruppke: „Wat? Frrida? Dat war Kurt Kruppke. Eigenhändig! Hier die Blümkes – alle aus mein’ Garten.“
Frida: „Kurtilein hat sogar die Servietten gefaltet.“
Elwira: „Ich bin beeindruckt.“
Justus: „Und, wie wär’s jetzt mit Spachteln?“
Frida: „Ich hol ma dä Kaffee!“
Elwira: „Ich helfe Dir!“
Frida: „Ich glaub’ et geht los! Komms’ grad ausser Klinnik und schon am Kellnern oder wat?“
Elwira: „Hast ja Recht. Aber das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen.“
Milena: „Mama wird wahrscheinlich noch im Himmel servieren.”
Elwira: „Wer weiß ob die mich da überhaupt reinlassen.“
Klara und Lisa: „Aber sicher doch!“
Elwira: „Aber wehe einer von Euch fehlt. Stellt Euch bloß nicht ungeschickt an!“
Frida: „Na, dä Humor is’ ihr jed’nfalls nich’ kaputt gegang’n. So, un jetzt zu Tisch!“
Elwira: „Sag noch mal richtig!“
Frida: „Essen is’ fertig!“
Anael: „Müssen wir wirklich?“
Zechiel: „Wie meinst Du das?“
Anael: „Können wir nicht noch etwas warten bis zum nächsten Versuch mit den Beiden?“
Zechiel: „Du hast doch gelesen: ihr Kind wird ein HELFER werden. Ich finde wir können gar nicht schnell genug dafür sorgen, dass es endlich auf die Reise geschickt wird.“
Anael: „Sicher, aber wenn die Gegenseite das verhindern will, können wir noch ewig daran basteln.“
Zechiel: „Anael, Anael. Wo bleibt Dein Kampfgeist. Seitdem ich weiß, dass wir es mit ihnen zu tun haben, fühle ich mich wie neu geschaffen.“
Anael: „Ach ja, man merkt, dass Du Dir Deine Hörner noch nicht abgestoßen hast ... !“
Zechiel: „Nur keinen Neid!“
**********
Der DJ: „Die Jugendherberge in Bochum um zwei Uhr am Nachmittag. Gerade ist Beat dort mit seinem Akkordeon aus der Tür getreten. Er überquert den Parkplatz auf dem die Symphonie gebaut werden soll. Auf einmal macht sein Herz ohne jeden äußeren Anlass einen kleinen Extra-Hüpfer, was ihn ziemlich erschreckt“.
Stimme: „Was ist denn mit Ihnen los? Ein Gespenst gesehen?“
Der DJ: „Eine eigenwillige Gestalt hat Beat von der Seite angesprochen. Ein alter Mann mit langem, etwas gilbem weißen Haar, einem dicken Norwegerpullover und stark ausgetretenen Bergschuhen. Der Alte trägt einen aus Wildleder genähtem Beutel über der Schulter und hält eine fast antiquarisch aussehende Pflanzkelle in der Hand.“
Beat: „Wie bitte? Entschuldigung, ich war gerade ... .“
Alter: „Sie waren sehr weit weg. Sah ganz so aus, als hätten Sie einen Anruf bekommen.“
Beat: „Wie, ich habe aber gar kein Mobiltelefon.”
Alter: „Unsinn. Anruf – ich meine die innere Stimme, die gelegentlich zu uns spricht – wenn man nicht selber dauernd Lärm macht.“
Beat: „Ja, eine innere Stimme – hat mich aber ganz schön erschreckt. Was machen Sie da eigentlich?“
Der DJ: „Beat sieht dem Alten verwundert dabei zu, wie er irgendetwas in den Boden steckt, nachdem er zuvor ein Loch gegraben hat.“
Alter: „Ich säe Bäume.“
Beat: „Wie? Hier in dem Schotter, mitten in der Stadt?“
Alter: „Ich säe überall Bäume. Mitten in der Stadt nehme ich Robinien. Oder ich setze junge Birken.“
Beat: „Warum machen Sie das?“
Alter: „Ich kann nicht anders. Möchtest du nachhaltig etwas für ein Jahr tun, säe Korn. Möchtest du etwas für ein Jahrtausend tun, pflanze einen Baum.“
Beat: „Aber wenn die hier demnächst die Symphonie bauen, lebt Ihr Baum keine tausend Jahre.“
Alter: „Aber die Tausend Jahre stecken in ihm drin. Manche Menschen können das fühlen, wenn Sie einen jungen Baum sehen.“
Beat: „Aha. Wissen Sie was, haben Sie Lust mit mir einen Kaffee zu trinken?“
Alter: „Ich trinke keinen Kaffee. Aber ein Glas Wasser gerne. Gehen wir!“
Der DJ: „Neun Uhr am Abend in Klara und Hannes Wohnung.”
Klara: „Was? Selbständig?
Hannes: „Jaah, ich weiß, dat klingt aus meim' Mund 'nen bisken komisch. Aber ... .”
Klara: „Moment, was ist denn mit der Fortbildung?”
Hannes: „Ehrlich Klärchen, ich war jetzt zweimal da, um zu guck'n, ob dat wat für mich is' ... aber verstehst Du ... ich bin kein Baustellenleiter oder so, ich bin' Baggerfahrer un' zwar 'nen ziemlich guter!”
Klara: „Glaub' ich Dir ja. Nein, weiß ich ja. Aber als einfacher Baggerfahrer eine vierköpfige Familie ernähren - das ist wirklich schwer.”
Hannes: „Eben! Deswegen ja. Wenn ich mein eigener Chef wär' dann könnt' ich mehr verdienen. Und rausschmeißen tut mich auch keiner!”
Klara: „Klar. Und Du machst das alles mit Links: Buchführung, Angebote schreiben, mit Banken verhandeln ... . Kein Problem für einen, der nach zwei Stunden Fortbildung schon merkt, dass die ganze Theorie für ihn nichts ist!?”
Hannes: „Ich wär'ja nich' allein!”
Klara: „Wie? Was soll das denn heißen?”
Hannes: „Na ich würd' doch mit dem Johannes zusamm' eine Firma machen!”
Klara: „Mit wem?”
Hannes: „Johannes Pichman. 'Juppich' ham wer immer gesacht! Weißte doch, der is' bis vor ei'm Jahr auch bei Bogatzki+Sohn gewesen!”
Klara: „Stimmt, hatte ich vergessen.”
Hannes: „Na, ja. Der war auch beim Kurs und überlegt, wie et für ihn weitergeht. Der Senior in seine neue Firma hört auf, un' mittem Junior kann er nich!”
Klara: „Gut, aber wie kommt ihr darauf Euch selbständig zu machen?”
Hannes: „War seine Idee. Er hat 'nen Schwager der is' Bauingenieur und der arbeitet für große Firmen und die brauch'n manchmal Lohnunternehmer auf Stundenbasis. Un' der würd uns bestimmt über die Hälfte des Monats mit Arbeit versorg'n!”
Klara: „Aha.”
Hannes: „Ja! Und außerdem hat Juppichs Schwager zwei Bagger an der Hand. Konkursware. Nich teuer, aber gut.”
Klara: „Ich weiß nicht. Und wenn Du dann selbständig bist und wir haben Kinder - dann hast Du gar keine Zeit mehr für uns.”
Hannes: „Quatsch. Ich kann mir meine Zeit doch einteilen.”
Klara: „Woher nehmen wir das Geld für die Bagger und was man noch alles braucht?”
Hannes: „Kredit! Mit den sicheren Aufträgen von Juppichs Schwager und der Förderung für Existenzgründer is' dat kein Problem - sacht Juppich”.
Klara: „Mir macht das Angst!”
Hannes: „Mir auch. Aber wenn wir dat nich machen, sollt'n wir dran denken zu meinen Eltern
